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Full text of "Mittelhochdeutsche Minnereden. I. Die Heidelberger Handschriften 344, 358, 376 und 393 herausgegeben von Kurt Matthaei"

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LOS  ANGELES 

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Deutsche  Texte  des  Mittelalters 

herausgegeben 

von  der 

Königlich  Preussischen  Akademie  der  Wissenschaften 


Band  XXIV. 


Mittelhochdeutsche  Minnereden.  1. 

Die  Heidelberger  Handschriften  344,  358,  376  und  393 


herausgegeben 


Kurt  Matthaei. 


Mit  3  Tafeln  in  Lichtdruck. 


BERLIN 

Weidmannsche  Buchhandlung 

1913. 


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Deutsche  Texte  des  Mittelalters 

herausgegeben 

von  der 

Königlich  Preußischen  Akademie  der  Wissenschaften. 

I 

Band  XXIV. 

Mittelhochdeutsche  Minnereden.  1. 


BERLIN 

Weidmannsche  Buchhandlung 

1913. 


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Mittelhochdeutsche  Minnereden. 


I. 

Die  Heidelberger  Handschriften  344,  358,  376  und  393 


herausgegeben 


Kurt  Matthaei. 


Mit  drei  Tafeln  ln  Lichtdruck. 


BERLIN 

Weidmannsche  Buchhandlung 

1913. 


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_  -UNIVERSITY  O^ALIFORNIA 


Jnhalt 

SeiU 

Einle  itxing . vil 

Texte: 

1,  Der  Minne  Gericht .  1 

Minne  und  Pfennig .  34 

3.  Der  Minne  Freud  und  Leid .  46 

4.  Der  Traum  im  Garten .  55 

5.  Der  Minner  im  Garten .  59 

6.  Minm  und  Gesellschaft .  65 

7.  Männertreue  und  Frauentreue .  74 

8.  Die  zehn  Schwestern .  81 

9.  Der  entflogene  Falke .  92 

10.  Das  Minnetuntier .  96 

11.  Bestrafte  Untreue . 113 

12.  Der  Minne  Gericht . 120 

13.  Der  Stern  der  Treue . 134 

14.  Frau  Minne  weiß  Rat . 143 

15.  Der  Minne  Gericht . 152 

Anhang:  Lesarten . 156 

Namenverzeichnis . 172 

Wortverzeichnis . 173 

Berichtigungen . 183 


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_  __  _  JJNI^RSITXOF  CALIFORNIA- 


Einleitung. 


Die  geplante  Sammlung  mittelhochdeutscher  Minneallegorien  läßt  sich 
nach  den  Grundsätzen  dieser  *  Texte’,  d.  h.  wenn  möglichst  die  ganzen  Hand¬ 
schriften  abgedruckt  werden  sollen,  nur  in  etwas  erweitertem  Sinne  hersteilen, 
denn  die  Sammelhandschriften  enthalten  fast  immer  außer  den  allegorischen 
Gedichten  auch  rein  lehrhafte.  Mit  deren  Aufnahme  aber  erweiterte  sich  von 
selbst  der  Titel  der  Sammlung. 

Der  vorliegende  erste  Band  enthält  15  ungedruckte  Minnereden,  darunter 
12  Allegorien,  und  zwar  nur  aus  Heidelberger  Handschriften.  Von  diesen  fehlen 
dann  in  der  Sammlung  nur  noch  zwei,  die  vorläufig  aus  besonderen  Gründen 
ausscheiden  mußten:  der  wichtige  cod.  pal.  germ.  313,  der  verhältnismäßig  wenig 
ungedrucktes  Material  enthält,  und  der  cod.  pal.  germ.  348,  der  sich  zu  selb¬ 
ständigem  Abdruck  überhaupt  nicht  eignet.  Das  einzige  Gedicht,  das  er  bietet, 
ist  in  der  Wiener  Handschrift  2796  viel  besser  erhalten,  wie  ich  mich  selbst  über¬ 
zeugt  habe;  es  steht  hier  an  fünfter  (letzter)  Stelle,  und  die  vier  vorausgehenden 
Minnegedichte  sind  ihm  nach  Inhalt  und  Form  (Titurelstrophen!)  nahe  verwandt. 
Es  empfahl  sich  also,  den  cod.  pal.  germ.  348  nicht  als  Leithandschrift  abzudrucken, 
sondern  ihn  zurückzustellen,  bis  er  bei  einem  Gesamtabdruck  der  Wiener  Hs.  zum 
Vergleich  herangezogen  werden  kann. 

Um  Wiederholungen  zu  vermeiden,  schicke  ich  den  Einzelbeschreibungen 
folgendes  voraus: 

Alle  Hss.  stammen  aus  dem  15.  Jahrhundert,  sind  auf  Papier  geschrieben 
und  (bis  auf  den  cod.  pal.  germ.  358)  in  Schweinsleder  gebunden;  alle  sind 
beschrieben  bei  K.  Bartsch,  Die  altdeutschen  Hss.  der  Univ.-Bibliothek  Heidelberg 
1887.  Bartschs  eigene  Angaben  sowie  seine  Verweise  auf  ältere  Beschreibungen 
machen  ein  nochmaliges  Eingehen  auf  die  Geschichte  der  Hss.  an  dieser  Stelle 
überflüssig. 

Die  Schreibung  habe  ich  nach  den  hierfür  aufgestellten  Grundsätzen 
behandelt  und  vor  allem  das  Nebeneinander  von  i  und  j,  u  und  Y  nach  heutigem 
Brauch  geregelt,  d.  h.  i  und  u  für  den  Vokal,  j  und  v  für  den  Konsonanten 
gesetzt.  Von  den  Konsonantenhäufungen  habe  ich  nur  eine,  nämlich  ff  im 


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VIII 


Einleitung. 


AnJuut,  hr.^vltiiif,  iiUv  andern  aher  hclhchalfen,  aneh  fß  und  pIT,  damit  das  hand- 
schrifUichc  liild  tnö<ili<list  t/rfreu  hcirahrt  hieibe.  Ans  dem  (jJeiehen  Grunde  habe 
ich  auch,  ss  und  ß  tjenan  wie  in  den  Jlss.  unterschieden.^) 

June  doppelte  lielatndluiKj  haben  die  aus  andern  Hss.  zum  Verbessern 
oder  Knjänzen  übernommenen  erfahren:  soweit  sie  im  Text  selbst  Auf¬ 

nahme  fanden,  sind  sic  der  Srhrcibanp  der  Jlaupths.  soviel  wie  möglich  angeglichen, 
im  Apparat  jedoch  mit  ihrer  eignen  Schreibung  und  allen  Abkürzungen  wieder- 
gegeben  worden.  Im  Ver.sanfang  habe  ich  den  kleinen  liuchstaben  durchgeführt, 
der  auch  in  den  Jl.'ts.  {zumal  im  cod.  pal.  germ.  Sii)  bisweilen  rorkommt.  l'Cbenso 
habe  ich  gclcgentlirhcs  E  im  Ver.s'inncrn  (1 131S.  3:}o6  u.  ö.)  beseitigt, 

anderseits  bei  üot,  bei  lugetinamrn  und  Personifikationen  den  großen  Anfangs¬ 
buchstaben  eingeführt.  Die  Absätze  stammen  alle  von  mir.  lunige  Gedichte  haben 
rote  Überschriften  oder  rote  Initialen;  diese  sind  durch  Fettdruck,  jene  durch 
Sperrdruck  h ervorgehoben . 


Cod.  pal.  germ.  344. 

Bartsch  a.  a.  O.  S.  100.  —  Die  Hs.  besteht  aus  02  Blättern  mit  alter 
Zählung,  die  jedoch  i'on  54  auf  50  überspringt;  am  Anfang  und  am  Schluß 
befinden  sich  außerdem  noch  zwei  leere,  ungezählte  Blätter,  so  daß  es  im  ganzen 
05  Bll.  sind.  Das  erste  Blatt  am  Anfang  ist  ganz  leer,  das  zweite  (nach 
Bartsch  1*^  trägt  oben  die  alte  Nummer  der  Hs.  (C.  77);  beide  sind  am  Papier 
und  am  Wasserzeichen  kenntlich  als  Vorsatzblätter.  Vom  ersten,  ungezählten 
Blatt  der  ersten  Lage  ist  nur  noch  ein  schmaler,  jetzt  angcklebter  Streifen  vor¬ 
handen.  Die  Lagen  umfassen  12  Bll.,  die  letzte  nur  vier;  am  Ende  der  Lagen 
befinden  sich  Kustoden. 

Das  Wasserzeichen  ist  ein  Ochsenkopf  mit  Augen,  Ohren  und  gestielter 
sicbenblättriger  Blüte  zwischen  den  Hörnenu 

Die  Blätter  sind  31  cm  hoch,  20,5  cm  breit.  Zum  Beschreiben  ist  ein 
13,5  cm  breiter  Baum  durch  senkrahte  Linien  eingefaßt  und  einspaltig  mit  ab¬ 
gesetzten  Versen  (20  bis  30  auf  der  Vollseite)  beschrieben,  aber  nie  in  seiner 
ganzen  Breite  ausgefüllt.  Der  Abstand  der  Zeilen  ist  auf  den  ersten  Blättern 
mit  einem  Stichel  abgemessen. 

Die  Gedichte  1  und  4  beginnen  mit  großem  rotem  Anfangsbuchstaben;  die 
Versinitialen  sind  rot  gestrichelt.  Zur  Ausschmückung  des  Textes  dienen  41  farbige, 
einfach  ausgeführte  Bilder,  deren  ErUmterung  ich  im  Apparat  geben  werde.  Sie 
nehmen  fast  immer  die  halbe  Seitenhöhe  ein  und  gehen  von  Bl.  13'  ab  über  die 
Breite  des  begrenzten  Raumes  bis  zum  Blattrand  hinaus. 

Vorn  auf  dem  Einband  ist  links  oben  von  alter  Hand  die  Nummer  an¬ 
gebracht,  und  am  unteren  Schnitt  sind  noch  schwach  die  Worte  zu  erkennen: 


’)  Die  Schreibung  tz  bzic.  cz  habe  ich  in  der  Handschrift  344  zu  z  i^ereinfacht ,  sonst 
aber  unverkürzt  beibehalten. 


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-  UN4VER&ITY  OF  CAbtfORNiA 


Einleitung, 


IX 


Vom  Elenden  Knaben.  Auf  dem  Rücken  steht  nufer  der  Xnmmer:  Poem(ata) 
iiariar(um)  rerum  (in  drei  Zeilen);  darunter  sind  noch  drei  Zeilen  rerwischt. 
yils  Entstehungsjahr  der  Hs.  darf  vieUeicht  das  am  Schluß  des  ersten  Gedichts 
erwähnte  Jahr  angesehen  werden:  1459. 

Nun  zur  Schrift.  Sie  macht  zunächst  einen  sorgfältigen  Eindruck,  ent¬ 
hält  aber  doch,  neben  den  inhaltlichen  Echlcrn,  eine  ganze  Reihe  kleiner  Versehen, 
.so  daß  rerhältnismäßig  viele  Varianten  nötig  wurden.  Sehr  häufig  fehlen  einzelne 
liuchstaben,  vor  allem  t  am  Wortende;  da  es  sich  aber  hierbei  doch  wohl  um 
eine  lautliche  Erscheinung  handelt,  habe  ich  die  Buchstaben  in  der  Regel  nur 
dann  ergänzt,  wenn  eine  Verwechslung  möglich  war,  wie  bei  gi'osse  I  v^n,  wo 
der  Sinn  den  Superlativ  erfordert,  oder  bei  dem  zweimaligen  de  für  den  Genitiv 
der  (1 1329.  I45ü).  Auch  die  mehrmals  verstümmelte  Vorsilbe  ve-  ('vemiden  loOis, 
vezihe  I1708,  veschmehen  22?s,  vesclimeclit  2293,  veiehen  4242)  und  andre, 
regelmäßig  auftretende  sprachliche  Eigenheiten  des  Schreibers  habe  ich  natürlich 
hier  wie  auch  sonst  unangetastet  gelassen,  soweit  sie  nicht  den  Reim  stören. 
So  setzt  der  Schreiber  fast  regelmäßig  liebe  ein,  wo  offenbar  das  ältere  minne 
gestanden  hat;  dies  kommt  im  Versinnern  nur  noch  sehr  selten  vor,  z.  B.  1 1012. 
1057.  1438,  während  cs  sich  im  Reim  viel  häufiger  erhalten  hat,  z.  B.  1 312.  43i!. 
J2 154.  196.  Wo  aber  der  Schreiber  z.  B.  das  ihm  geläufigere  nit  auf  -icht  reimt, 
wie  1 172.  233.  279.  497  u.  ö.,  habe  ich  es  in  nicht  geändert. 

Den  Umlaut  bezeichnet  der  Schreiber  durch  ein  kleines  e  über  den  Vokalen: 
stättes,  höchste,  möhte,  triiw,  übel;  neben  &  ist  freilich  e  häufiger:  stets,  mer 
(Märe),  wer  (wäre),  verschniehen  usw.  Daneben  verwendet  der  Schreiber  auch 
ä  und  ö  mit  zwei  deutlich  nebeneinander  stehenden  Funkten,  aber  nur  in  Wörtern, 
denen  eigentlich  gar  kein  Umlaut  zukommt.  So  schreibt  er  regelmäßig  ä  in  Wörtern 
wie  gnäd,  bäpst,  här,  gäch,  rät,  hät,  die  alle  im  Mhd.  ein  ä  haben;  einen  andern 
Laut  vertritt  ä  nie.  Vielseitiger  ist  der  Gebrauch  des  ö:  es  entspricht  nicht  nur 
dem  mhd.  6  wie  in  trößt,  roßen,  nöt,  oder  dem  aus  ä  verdunkelten  alemannischen 
0  wie  in  gön,  lön,  ön,  stön,  sondern  auch  dem  mhd.  ou  wie  in  öwe,  öch,  ögen, 
röben  und  schließlich  dem  mhd.  0  wie  in  wöl,  göt,  spöt.  Über  den  lautlichen 
Wert  von  ä  und  ö  neben  k  und  ö  läßt  sich  demnach  nichts  Bestimmtes  sagen. 

Die  einzige  Abkürzung ,  die  noch  dazu  selten  vorkommt,  ist  ein  Haken 
für  r  oder  er:  so^gfeltikait,  vnßli,  her',  her'en. 

Inhalt: 

1.  Der  Minne  Gericht.  Bl.  V — 55"  (a).  Verglichen  mit  dem  cod.  pal. 
germ.  313  Bl.409'‘ — 439”  (b).  —  1,^) 

2.  Minne  und  Pfennig.  Bl.  34' — 47”  (a).  Einen  Frankfurter  Druck 
von  1580  erwähnt  Gervinus  (Gesch.d.d.  Dichtung  II'*  S.444).  Den  vollständigen 


‘)  Die  fetten  Nummern  bezeichnen  die  Reihenfolge  der  hier  abgedruckten  Gedichte. 


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EitiUitung. 


X 


Titel  verzeichnet  der  Catalogns  nocus  nundinarum  autumnalium  Francofurti  ad 
Moentim  von  1580,  und  ztear  der  von  Feier  Schmid  in  etwas  andrer  Form  teie 
der  von  Georg  Bähen.  Der  Druck  selbst  ist  mir  nicht  bekannt  geworden.  —  2, 

3.  Der  Minne  Freud  und  Leid.  Bl.  48’' — 58’  (a).  —  3. 

4.  Der  Traum  im  Garten.  Bl.  59’ — 61*.  —  4, 


Die.^e  vier  Gedichte  sind  alle  von  einem  Verfasser;  sein  Name  ist  nicht 
bekannt,  aber  er  nennt  sich  selbst  wiederholt  den  ‘ elenden  Knaben'  (1 29.  3519.  4245). 
Seine  Bedeutung  hat  bisher  nur  Gervinus  a.a.  0.  gewürdigt;  dazu  vergleiche  Kurt 
Matthaei,  das  'Weltliche  Klösterlein'  und  die  deutsche  Minne- Allegorie  (Diss. 
Marburg  1907)  S.  37 ff.  Die  vorliegende  Hs.  kann  nicht  das  Original  sein,  denn 
sie  wird  im  ersten  Gedicht  an  vielen  Stellen  durch  die  jüngere,  sonst  nicht  sehr 
zuverlässige  Handschnft  b  berichtigt  oder  ergänzt.  Zweifellos  aber  liegt  sie  einem 
Straßburger  Druck  von  1499  zugrunde,  von  dem  E.  Weller  zwei  Ausgab^i  anführt 
in  seinen  Annalen  der  poetischen  National-Literatur  der  Deutschen,  1864,  Bd.  2 

S.  10.  •)  Hier  sind  die  Gedichte  1 — 3  allerdings  durch  verbindende  Übergänge 
zu  einem  Ganzen  verschmolzen,  aber  ihre  gleiche  Reihenfolge,  die  Ähnlichkeit  der 
Holzschnitte  mit  den  Bildern  der  Hs.,  vor  allem  auch  der  Wortlaut  des  Textes 
lassen  keinen  Zweifel  an  der  Abhängigkeit  des  Drucks  von  der  Hs.  Schritt  für 
Schritt  läßt  sich  die  Spur  des  Bearbeiters  verfolgen:  gröbere  Versehen  hat  er 
entweder  gar  nicht  erkannt  und  einfach  beibehalten,  oder  aber  gewaltsam  entfernt, 
z.  B.  durch  Auslassen  ganzer  Ver,9e;  kleinere  Verseheti  hat  er  vielfach  sinngemäß 
berichtigt  und  dadurch  dem  Druck  einigen  selbständigen  Wert  verliehen.  Mehrere 
Verbesserungen  und  ergänzte  Verse  habe  ich  denn  auch  in  den  Text  aufgenommen 
und  im  Apparat  mit  d  bezeichnet;  wo  aber  der  Druck  infolge  eigener  Ergänzungen 
überhaupt  nicht  zum  Vergleich  in  Betracht  kam,  wie  bei  2643 — 688.  3 1—74. 419— 522, 
da  habe  ich  auch  für  die  Handschrift  keine  Sigle  verwendet. 


Cod,  pal,  germ,  358, 

Bartsch  a.a.  0.  S.lOßf.  —  Die  Hs.  enthält  144  von  alter  Hand  gezählte 
Blätter,  außerdem  nach  Bl.  39  und  66  je  zwei  leere  Blätter,  nach  Bl.  73  und  am 
Schluß  je  ein  leeres  Blatt  mit  neuer  Zählung.  Dazu  kommt  noch  ein  Vorsatz- 
und  ein  Nachsatzblatt,  so  daß  es  im  ganzen  152  Bll.  sind.  Einzelne  Blätter 
fehlen  nach  Bl.  121  und  132.  Die  meisten  der  13  (gezählten)  Lagen  umfassen 
12  Bll.;  Lage  6  hat  zehn,  Lage  7  acht  und  Lage  12  vierzehn  Blätter. 


‘)  Von  der  ersten  Ausgabe  (53  Bü.)  besitzt  die  Berner  Stadtbibliothek  ein  Exemplar, 
ein  zweites  in  Straßburg  ist  1870  mit  verbrannt.  Ich  selbst  habe  nur  die  andre  Ausgabe  ein- 
gesehen,  von  der  sich  ein  Exemplar  in  der  Fürstlich  Fürstenberg ischen  Bibliothek  m  Donau- 
eschingen  befindet.  Es  bricht  mit  Bl.  52  unvollständig  im  dritten  Gedicht  bei  v.  374  ab,  «nd 
ich  traue  deshalb  Wellers  Angcden  nicht,  daß  bloß  ein  Blatt  fehle.  Die  Blattzahl  der  beiden 
Ausgaben  kann  sehr  toohl  verschieden  sein,  und  tatsäMich  gibt  Hain  im  Repertorium  biblio- 
graphicum  (Nr.  930)  60  BU.  an. 


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Einleitung. 


XI 


Als  Wasserzeichen  kommt  vor:  ein  Ochsenkojff  mit  Augen,  spitzen  Ohren 
und  kurzer  Kreuzstange  zwischen  den  Hörnern;  dasselbe,  etwas  größer;  dasselbe, 
doch  statt  der  Kreuzstange  gestielte  fänfblättrige  Blüte. 

Hie  Blätter  sind  20,5  cm  hoch,  14,5  cm  breit  und  von  zwei  unter  sich 
ähnlichen  Händen  einspaltig  mit  abgesetzten  Verszeilen  beschrieben.  Hie  erste 
Hand  (=  St.  1 — 4,  Lage  1 — 7)  schreibt  27  bis  28  Zeilen  auf  die  Seite  und  zählt 
di^  Lagen  vorn  auf  den  ersten  Blättern;  die  zweite  Hand  (=  St.  5 — 12,  Lage 
S — 13)  schreibt  bloß  22,  selten  23  Zeilen,  auf  Linien,  und  zählt  die  Lagen  hinten 
auf  den  letzten  Seiten. 

Alle  Stücke  haben  rote  Überschriften  und  beginnen  mit  großen  roten 
Buchstaben,  wie  sie  in  den  vier  ersten  Stücken  auch  zur  Bezeichnung  stärkerer 
Sinneseinschnitte  Vorkommen.  Hie  Anfangsbuchstaben  der  Verse  sind  rot  gestrichelt; 
in  Stück  5 — 12  dienen  außerdem  rote  Schnörkel  zum  Ausgleich  der  Zeilenlänge. 

Hen  schön  gepreßten  braunen  Ledereinband,  der  auch  andre  Pfälzer  Hss. 
{z.  B.  348  u.  357)  schmückt,  ließ  der  Pfalzgraf  Otto  Heinrich  von  dem  Buchbinder 
Georg  Bernhard  aus  Görlitz  anfertigen.  Her  Vorderdeckel  zeigt  im  Mittelfeld 
das  bärtige  Bildnis  des  Pfalzgrafen,  mit  den  Buchstaben  OHPC  (Otto  Heinricus 
Palatii  Comes)  und  der  Jahreszahl  1558,  alles  in  Goldpressung;  der  hintere 
Heckei  trägt  in  der  Mitte  das  goldgejyreßte  Pfälzer  Wappen.  Beide  Hcckel  sind 
in  den  Ecken  mit  Metallbeschlägen  besetzt  und  werden  durch  zwei  Schließen 
zusammengehalten,  von  denen  aber  nur  noch  eine  brauchbar  ist.  Vorn  über  dem 
Bild  steht  eine  alte  Nummer:  1441;  von  einer  andern  Signatur  ist  nur  noch  zu 
erkennen:  CI..  Ein  alter  Titelzettel  am  Rücken  trägt  die  Aufschrift:  358  Poema 
uariarQ  R(eruni);  darunter  steht  rot  auf  einetn  Schildchen:  Minne. 

Hie  abgedruckten  Gedichte  sind  alle  von  der  zweiten  Hand  geschrieben. 
Statt  des  Striches  über  dem  i  habe  ich  den  Punkt  durchgeführt.  Has  Umlaut¬ 
zeichen  ist  bei  ö  und  ü,  selten  bei  k,  ein  kleines  e;  es  wird  von  zwei  wagerecht 
übereinander  stehenden  Strichen  gebildet  und  unterscheidet  sich  deutlich  von  dem 
kleinen  o,  das  immer  einen  geschlossenen  Kreis  bildet.  An  diesem  Merkmal  fest¬ 
haltend,  habe  ich  mich  in  vielen  Fällen  für  ein  ü  entschieden,  wo  man  eher  ein 
ü  erwarten  sollte. 


Hie  Abkürzungen  sind:  wagerechter  Strich  für  n,  m  (my,  nymer,  wOnic- 
lichen),  ein  Haken  für  er  (w',  g’H,  vngeu'te),  das  Zeichen  für  -ra-  (speh), 
vereinzelt  außerdem  ’  für  -us  (Ven’).  Her  Schreiber  bevorzugt  die  vollen  Formen 
danne  und  wanne,  selbst  tcenn  das  Versmaß  einsilbiges  dan  und  wan  verlangt: 
danne  ßiai.  185.  195.  215.  255.  315.  321.  7181.  857.  310.  565;  wanne  545.  680.  98.  305. 
468.  8353.  561.  9 172.  Ebenso  bildet  häufig  proklitisches  en-  in  negativen  Sätzen 
eine  überzählige  Silbe:  5234.  6 149.  219.  490.  7 154.  175.  275.  277.  306.  313.  317.  349.  392. 
418.  438.  856.  91.  166.  223.  390.  Auch  dos  Wort  frawe  ist  bald  einsilbig,  bald 
zweisilbig  zu  lesen.  In  allen  diesen  Fällen  bin  ich  natürlich  dem  Schreiber  gefolgt. 

Eine  vollständige  Inhaltsangcbe  der  Hs.  gibt  die  Ältswert-Ausgabe  von 
Holland  und  Keller  (Lit.  Ver.  Stuttgart  Bd.  21)  S.  XXII — XXilV. 


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XII 


Einleitung. 


Die  IJundschrift  enthalt: 

1.  Meister  Alta>vert.  Das  alte  Seh teert.  JH.D — Gedrueht  nach  dieser 
Jls.  soieie  den  Ueidelbertjer  JIss.  31;}  und  355  durch  Holland  und  Keller  a.  a.  O. 
i>.  1—10. 

2.  Meister  Altsteert,  Der  Kittel.  Bl.  C — .39'’.  Gedruckt  nach  denselben 
JIss.  ebenda  S.  11 — 09. 

3.  Meister  Altsicert,  Der  Tugenden  Schatz.  Bl.  40’" — 66'".  Gedruckt  nach 
denselben  JIss.  ebenda  S.  70 — 110. 

4.  Meister  Altsteert,  Der  Sjtiegel.  Bl.  O?"" — 75^  Gedruckt  nach  denselben 
JIss.  ebenda  S.  117 — 128. 

5.  Der  Minner  im  Garten.  Bl.  74'" — 82'".  Gedruckt  nach  dieser  Hs.  durch 
K.  Matthaei  in  seiner  Dis.scrtation  (s.  i>ben  S.  X)  S.  8.^ — 80.  —  3. 

0.  Der  Liebesbrief.  Bl.  82'" — 85".  Die  ersten  50  Zeilen  nach  die.scr  Hs. 
gedruckt  bei  K.  Geuther,  Studien  zum  JAcderbuch  der  Klara  JJätzlerin,  Halle  1899, 
S.  95  f.  Das  ganze  Gedieht  ist  mit  den  J.,csarten  einer  Hs.  Bechsteins  gedruckt 
im  Liederbuch  der  JJätzlerin,  hcrausgeg.  von  C.  Haitaus,  Quedlinburg  und  Leipzig 
1840,  S.  145-147. 

7.  Treue  Minne  macht  froh.  Bl.  85" — 94".  Gedruckt  ebenda  S.206 — 210. 

8.  Minne  und  Gesellschaft.  Bl.  94" — 107"  (p).  VcrglieJten  mit  dem  Berliner 
Ms.  germ.  Fol.  922  Bl.  37'" — 42"  (r).  Uber  die  Datierung  und  die  Verfasserfrage 
vgl.  Zeitschrift  f.  d.  Altertum  30,  224  und  Emil  Schmidts  Dissertation:  Die  Frage 
nach  der  Zusammengehörigkeit  der  2metisehen  l'ragmentc  von  dem  Minnehof  usir., 
AJarburg  1908,  S.  18.  —  G, 

9.  Alännertreue  und  Frauentreue.  Bl.  107" — 118"  (p).  Lückenhaft  ge¬ 
druckt  nach  einer  Ulmer  Hs.  (Abschrift  v.  d.  Hägens  in  Berlin,  Ms.  germ.  4"  776) 
in  Kellers  Erzählungen  aus  altdeutschen  JIss.  (Lit.  Vcr.  Stuttgart  Bd.35)  S.  634  ff. 
Verglichen  mit  dem  Berliner  Als.  germ.  4”  909  Bl.  37" — 42"  (e),  dessen  Text  mit 
dem  Kellers  fast  wörtlich  übereinstimmt,  und  mit  der  Donaueschinger  Hand¬ 
schrift  77  Bl.  295"— 302"  (f).  —  7. 

10.  Die  zehn  Schwestern.  Bl.  118" — 134"  (p).  Verglichen  mit  der  Donau- 
eschinger  Handschrift  77  Bl.  302" — 312"  (f),  dem  Berliner  Als.  germ.  Fol.  922 
Bl.  30" — 34"  (c)  und  bis  v.  558  außerdem  mit  dem  cod.  pal.  germ.  313  Bl.  261" 
bis  270"  (b).  —  8, 

11.  Der  entflogene  Talke.  Bl.  134" — 140".  —  9, 

12.  Der  schwere  Traum.  Bl.  140" — 144".  Gedruckt  ohne  Angabe  der  Hs. 
(Stuttgart,  Cpq  69)  in  Büttners  Franconia,  Beiträge  zur  Geschichte,  Topographie 
und  Litteratur  in  Franken  Bd.l,  Ansbach  1813,  S.220 — 232;  im  Liederbuch  der 
Hdtzlerin  S.  125 — 127. 


Cod*  pal.  germ,  376* 

Bartsch  a.  a.  0.  S.  114.  —  Die  Hs.  besteht  aus  130  Bll.  Auf  das  Vorsatz¬ 
blatt  und  drei  leere,  zu  einer  Lage  gehörige  Blätter  folgen  zehn  beschriebene 


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XIII 


Einleitung. 

0 

Liogen  zu  12  BIL:  vor  der  Jetxten  Lage  ist  ein  Blatt  (09)  einzeln  geheftet.  Zu¬ 
gleich  mit  dem  Text  setzt  eine  alte  Blattzählung  ein,  die  bis  zum  Schluß  des 
zweiten  Gedichts  (112'')  reicht,  aber  zehn  auf  Bl.  S7  folgende  leere  Blätter  über¬ 
springt.  Den  Schluß  bildet  eine  Lage  zu  vier  Blättern,  die  von  neuer  Hand  als 
Hl.  112^  bis  112*  gezählt  sind,  und  das  Nach.^atzblatt.  Auf  Bl.  1*  vorn  befindet 
sich  die  alte  Signatur:  C  182,  auf  Bl.  112^  hinten  die  kopfstehende  Zahl:  1970, 
cetmutUch  eine  alte  Nummer. 

Das  Papier  hat  als  Wasserzeichen  einen  Ochsenkopf  ohne  Augen,  mit 
Ohren  und  langem  Kreuzstab  zwischen  den  Hörnern;  auf  einigen  Blättern  eine 
JP-färtnige  Figur,  auf  der  oben  eine  kleine  vierblättrige  Blüte  sitzt. 

Die  Blätter  sind  20  cm  hoch  und  14,5  cm  breit. 

Zicei  Hände  sind  deutlich  zu  unterscheiden:  die  Schrift  des  ersten  Gedichts 
ähnelt  der  des  cod.  pal.  germ.  .113  außerordentlich;  am  Schluß  der  Lagen  befinden 
.sich  Kustoden,  die  aber  fast  ganz  abgeschnitten  sind.  Der  beschriebene  Baum, 
dessen  Begrenzungslinien  manchmal  noch  schwach  zu  erkennen  sind,  ist  13  cm 
hoch  und  9  cm  breit.  Drei  einspaltig  geschriebene  Strojdien  nehmen  immer  eine 
Seite  ein;  Strojdien  und  Verse  sind  abgesetzt.  Den  Anfang  des  Gedichts  bezeichnet 
ein  großer  schwarzer  Zierbuchstabe. 

Das  zweite  Gedicht  stammt  von  andrer  Hand.  Auf  einem  15,5  cm  hohen 
und  etwa  10  cm  breiten,  durch  Linien  begrenzten  Baum  enthält  jede  Seite  27  bis 
29  abgesetzte,  auch  einspaltig  geschriebene  Verse  mit  rot  durchstrichenen  Initialen; 
den  Anfang  der  Vorrede  und  des  Gedichts  ziert  ein  großer  roter,  schwarz  ver¬ 
schnörkelter  Buchstabe  (s.  die  Tafel).  Den  Beginn  einer  direkten  Bede  deutet 
gewöhnlich  am  Band  ein  rotes  Zeichen  II  an. 

Auf  dem  Bücken  des  Einbands  befindet  sich  tmter  der  Nummer  die  neue 
Aufschrift:  Die  Jagd  Hadmar’s  von  LABER;  darunter  steht  von  alter  Hand: 
Poem:  de  Virtutibus  et  bonis  moribus  (in  vier  Zeilen);  auf  der  Bückseite  von 
Bl.  1***  steht  oben:  Den  laberer  vnd  ey  sproch. 

Die  Schreibung  gab  selten  Anlaß  zu  ändern;  durchweg  habe  ich  nur  die 
Umlautstriche  beim  ü  f/wrcÄ  Punkte  ersetzt.  Die  einzige,  noch  dazu  selten  ver¬ 
wendete  Abkürzung  ist  ein  wagerechter  Strich  für  m  oder  n;  thümer,  himel,  wen. 

Inhalt: 

1.  Hadamars  V.  Laber^  Jagd’.  Bl.V — 87’.  Gedruckt  nach  der  Erlanger  Hs.  von 
Schmeller  (Lit.  Ver.  Stuttgart  Bd.20),  nach  mehreren  Hss.  von  Stejskal  fWien  18S0). 

2.  Das  Minneturnicr.  Bl.  88’’ — 112'"  (h).  —  10, 

Cod,  pal,  germ,  393, 

Bartsch  a.  a.  0.  S.  128  f.  —  Die  Hs.  besteht  aus  97  Bll.  Auf  eine  Lage 
von  vier  leeren  Blättern,  deren  erstes  als  Vorsatzblatt  festgeklebt  ist,  folgt  ein 
einzelnes,  ebenfalls  leeres  Blatt.  Es  trägt  vorn  die  alte  Signatur  der  Hs.  (C.  121) 
und  zeigt  Bostspuren  von  den  Nägeln  zweier  Schließen,  muß  also  ursprünglich 
das  erste  Blatt  gewesen  sein.  Dann  folgen  beschriebene  Lagen  von  12  Bll.  (nur 


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XIV 


Einleitung. 


die  vorletzte  hnt  10)  mit  Kustoden  am  Schluß,  (ileichzeitüf  mit  dem  Text  beginnt 
eine  alte  lilattzählunf/ ;  sie  reicht  bis  Bl.  87,  ühersprmgt  aber  nach  Bl.  81  zwei 
leere  Blätter  und  zählt  8.:i  doppelt.  Den  Schluß  bilden  wieder  vier  leere,  von 
neuer  Hand  gezählte  Blätter,  deren  letztes  auch  Bo.st.^puren  von  Nägeln  zeigt  und 
im  Deckel  festgeklebt  ist;  in  der  Mitte  schimmert  die  Zahl  6281  durch  (eine 
alte  Nummer?), 

Das  Wasserzeichen  ist  ein  Ochsenkopf  mit  Augen  und  langgestielter 
fünfblättriger  Blüte  zwischen  den  Hörnern.  Die  vier  ersten  Blätter  sind  aus 
besonderem  Papier. 

Die  Blätter  sind  21,4  cm  hoch,  15,5  cm  breit  und  einspaltig  mit  19  bis 

28  abgesetzten  Versen  beschrieben.  Alle  Stücke  (außer  St.  12)  beginnen  mit  großem 

•  •  _ 

rotem  Buchstaben,  Stück  9  und  10  außerdem  mit  roter  Überschrift.  Die  Anfangs¬ 
buchstaben  der  Verse  sind  rot  gestrichelt,  nur  nicht  auf  Bl.  12’  und  Bl.  73’ — 81''. 

Der  jetzige  einfache  Schweinsledereinband  ist  nicht  der  ursprüngliche;  das 
beweisen  die  erwähnten  Itostspuren  auf  den  früheren  Umschlagblättern.  Auf  dem 
Bücken  steht  unter  der  Nummer:  Poema  in  Landern  Dei  et  B.  Virginis  (in  vier 
Zeilen);  auf  dem  unteren  Schnitt:  Von  Sprüchen. 

Der  Schreiber  ist  mit  wenig  Sorgfalt  und  ebensowenig  Verständnis  ans 
Werk  gegangen.  Keine  der  drei  andern  Hss.  ist  in  einer  so  unschönen,  ruich- 
lässigen  Schrift  geschrieben,  keine  weist  so  viele  Versehen,  Lücken  und  sinn¬ 
entstellende  Lesarten  auf  uie  diese.  Und  all  diese  Mängel  fallen  um  so  mehr 
ins  Gewicht,  als  vier  der  hier  abgedruckten  fünf  Gedichte  vorläufig  aus  keiner 
andern  Hs.  bekannt  sind;  auch  eine  Nachfrage  beim  Handschriften -Archiv  in 
Berlin  blieb  ergebnislos.  Um  nun  den  Ajtparat  nicht  unnütz  zu  belasten,  habe 
ich  bei  den  Texten  dieser  flüchtigen  Kursivhandschrift  auf  Reinheit  der  Reime 
verzichtet  und  das  Fehlen  einzelner  Verse  nur  im  Text  (durch  Punkte)  bezeichnet; 
auch  die  vielen  belanglosen  Korrekturen,  die  der  Schreiber  schon  selbst  vorgenommen 
hat,  sind,  wenigstens  bei  den  Lesarten  des  Anhangs,  nicht  mit  auf  geführt. 

Von  der  Häufigkeit  der  Abkürzungen  gibt  die  Lichtdrucktafel  schon  eine 
Vorstellung;  ich  will  sie  aber  hier  noch  einmal  zusammenstellen,  mit  den  Auf¬ 
lösungen  : 


dafi,  hertzfi,  jagfrow  =  dann,  hertzen,  jungfrow; 

ny,  VDl,  vfi  =  nym,  umb,  und; 

mi»,  V03  =  mir,  vor; 

v'sert,  dien'  =  versert,  diener; 

dz,  WZ  =  das,  was; 

versorgz,  verspottz  =  versorget,  verspottet; 
speh,  tgen  =  sprach,  tragen; 
spehen  12584,  bitur  13267  =  sprechen,  creatur; 
tr\^,  pf\^,  \frer  =  truw,  pfüw,  üwer. 

Als  Umlautzeichen  dient  ein  mehr  oder  weniger  deutliches  kleines  e.  Es 
findet  sich  zuweilen  auch  da,  wo  man  einfaches  e  erwartet,  über  einem  Buehsiahen, 


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Eifiteiiung. 


XV 


der  ebensogut  o  wie  e  sein  kann;  das  ö  wäre  dann  als  Bezeudmung  des  dumpfen 
e-Lautes  anzusehn  in  der  Vorsilbe  ge-  (^gölich  11 208,  gölobt  12708,  göfallen  14350); 
aber  in  den  Stammsilben  der  Wörter  sehen  12612,  gesehen  14346,  sendlich  12ir>i, 
welhes  14406,  eilenden  14  453,  ewiger  14474,  ferner  in  gen  (gehe)  13458,  geh 
15 130,  der  15213  ist  es  offenbar  verbesserte  Wiederholung  eines  mißratenen  e. 
Da  diese  Fälle  überhaupt  vereinzelt  auftreten  und  nicht  an  bestimmte  Wörter 
gebunden  sind,  drucke  ich  stets  einfaches  e. 

Inhalt: 

1.  Peter  Suchenwirts  Rede  vom  jüngsten  Gericht.  Bl.  P — 4".  Gedruckt 
nach  der  Sinzendorf -Thurnschen  Hs.  in  P.  Suchenwirts  Werken,  herausgeg.  von 
A.  Primisser,  Wien  1827,  S.  142  ff.  (Nr.  XLII)  mit  Lesarten  dieser  Hs. 

2.  Lob  der  Frauen.  Bl.  5^ — 9^.  Gedruckt  mit  den  Lesarten  einer  Hs. 
Becksteins  im  Liederbuch  der  Hätzlerin  S.  113 — 115.  Geuther  a.  a.  0.  S.  56  ff", 
schreibt  das  Gedicht  ohne  überzeugende  Gründe  Suchenicirt  zu. 

3.  Bestrafte  Untreue.  Bl.  10' — 14'  (g).  Ergänzt  nach  der  Weimarer 
Papierhs.  0145  Bl.  60'’ — 72'  (w),  deren  Schreibung  ich,  abweichend  von  dem 
S.  VIII  auf  gestellten  Grundsatz,  treu  gefolgt  hin,  tceil  es  sich  um  ein  längeres, 
zusammenhängendes  Stück  handelt.  Nach  W.  Gloth,  Das  Spiel  von  den  sieben 
Farben,  Königsberg  1902  (=  Teutonia  Heft  1),  S.  72  ist  dies  Gedicht  'wahr¬ 
scheinlich  identisch’  mit  einem  bei  Bächtold  S.  109  auf  geführten  Gedicht  des 
Londoner  Ms.  Add.  24946,  110 — 114.  Die  Vermutung  hat  sich  bestätigt.  —  11, 

4.  Von  rechtem  Minneleben.  Bl.  14' — 20'.  Gedruckt  mit  den  Lesarten 
einer  Hs.  Becksteins  im  Liederbuch  der  Hätzlerin  S.  131 — 134. 

5.  Der  Minne  Gericht.  Bl.  20* — 3?'.  —  12, 

6.  Der  Stern  der  Treue.  Bl.  37' — 48'.  —  13. 

7.  Frau  Minne  weiß  Rat.  Bl.  48* — 58'.  —  14, 

8.  Wer  kann  allen  recht  tun?  Bl.  58' — 60*.  Gedruckt  nach  der  Stra߬ 
burger  Hs.  A.  94  in  Myllers  Sammlung  deutscher  Gedichte  Bd.  3  (Fragmente) 
S.  XXVII  f.;  mit  den  Lesarten  einer  Hs.  Bechsteins  im  Liederbuch  der  Hätzlerin 
S.  150 — 152;  in  Laßbergs  lAedersaal  Bd.  3  S.  421  ff.;  nach  dieser  Hs.  im  Anzeiger 
f.  Kunde  des  d.  Mittelalters,  herausgeg.  von  Aufseß  und  Mone,  Bd.  3  S.  22 — 24. 

9.  Der  Minne  Gericht.  Bl.  60* — 65'.  —  15, 

10.  Von  den  sieben  Farben.  Bl.  65' — 68*.  Die  verschiedenen  Drucke 

führt  W.  Gloth  a.  a.  0.  S.  9  ff.  auf. 

11.  Von  dem  Krautgarten.  Bl.  68* — 76'.  Gedruckt  im  Liederbuch  der 
Hätzlerin  S.  243 — 248. 

12.  Die  Liebesprobe.  Bl.  76'—  81'.  Dies  Gedicht  haben  bisher  alle 
Beschreiber  der  Hs.  für  den  Schluß  von  Nr.  11  gehalten,  weil  es  ohne  jede  Kenn¬ 
zeichnung  unmittelbar  darauf  folgt.  Nicht  einmal  Geuther  hat  es  als  selbständiges 
Stück  erkannt,  obtcohl  er  nach  eigner  Angabe  (a.  a.  0.  S.  31)  die  Hs.  verglichen 
hat,  sotveit  sie  (tcie  hei  Nr.  11!)  für  seine  Untersuchung  in  Betracht  kam.  Die 
einzige  Angabe  über  das  Gedicht  habe  ich  in  Goedekes  Grundriß  (I*  S.  301) 


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XVI 


Kwhilunq. 


(jefntnlen,  sie  ist  ahcr  noch  dnxn  entstellt:  die 
sind  nändich  auch  auf  dies  Gedieht  zu  beziehen, 
angeführte.  —  Gedruekt  naeh  dem  cgni.  718  mit 
in  Kellers  Erzählungen  aus  altd.  Ilss.  S.  150— 
nennt  sieh  am  Schluß  als  l’^erfas.^ter:  Frösehe!  ron 
Text  dem  egm,  :i70  viel  näher  steht  als  dem  egm. 
ich  im  Anhang  vollständig  gehe. 

13.  Der  Minne  Gericht.  Jil.  8:1'' — 87". 
dieser  JIs.  gedruekt  bei  Geuther  a.  a.  0.  S.  Höf; 
im  Liederbuch  der  Hätzlerin  S.  iHG — 280. 


zieei  ersten  Zeilen  der  Seite  301 
und  nicht  mehr  auf  das  vorher 
den  Abiveiehungen  des  egm.  270 
-KiO;  in  beiden  Münchner  Ilss. 
Laidnitz.  Daß  der  Heidelberger 
317,  beu'cisen  die  Lesarten,  die 

Die  ersten  24  IVrÄ'e  .sind  nach 
das  ganze  Gedieht  ist  gedruckt 


Hei  der  Fertigstellung  der  Arbeit  bin  ich  von  mehreren  Hibliotheken,  vor 
allem  von  der  Handschriftenabteilung  der  Großherzogl.  Universitäts-Bibliothek  zu 
Heidelberg  in  dankensuerter  HV/se  unterstützt  worden.  Ich  habe  die  Hss.  teils 
in  Heidelberg  selbst,  teils  in  Dessau  abgeschrieben  bzw.  verglichen  und  dann 
noch  einmal  zur  Korrektur  hier  gehabt.  Während  der  Drucklegung  ist  mir  die 
Hilfe  des  Herrn  Dr.  Hübner  i'on  großem  Wert  gewesen;  viele  seiner  Konjekturen 
habe  ich  dankbar  aufgenommen  und  durch  ein  H.  kenntlich  gemacht.  Besonderen 
Dank  schulde  ich  Herrn  Prof.  lioethe,  der  die  Arbeit  angeregt  und  dann  bis 
zu  Ende  bereitwilligst  durch  .seinen  Hat  gefördert  hat;  jedes  H.  unterm  Strich  ist 
dessen  ein  Zeuge. 


Hildesheim. 


Kurt  Matthaei. 


% 


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Mittelhochdeutsche  Minnereden.  I. 


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1. 

Der  Minne  Gericht. 
Von  dem  Eilenden  Buoben. 


[^'•1 

Aln  liebe  sacli  hat  mich  be¬ 
zwungen 

und  mit  lust  dar  zu  gedrungen 
da/?  ich  hat  willen  on  underlöß 
zu  dem  daß  ich  mit  synnen  uß- 

erköß 

5  für  all  diß  weit  mir  zd  hail. 
ein  gutter  anfang  macht  mich 

gail. 

nun  hat  es  sich  also  ergangen 
daß  seufzen,  synnen  und  verlangen 
sind  worden  mins  lones  höchste 

zit. 

10  klainen  tröst  man  mir  zu  lön  git 
und  kan  erwerben  kain  andre 

fröd. 

es  zimpt  och  nit  wibes  gütikeit 
so  hört  ze  sein  zö  irem  getrüwen. 
ze  vil  versagen  tut  offt  geröwen; 

15  und  truw  vergessen,  sie  ver- 

schmehen  — 

es  töt  we,  daß  muß  ich  jehen. 


[1*]  Dar  umb  an  ainem  morgen  fr& 
lag  ich  in  ungemeßner  unrft. 
die  hett  besessen  so  ganz  min 

herz, 

20  verswunden  was  all  min  scherz, 
all  min  gedanck  zä  laid  gericht. 
uff  erden  mocht  mich  getrösten 

nicht, 

dan  laiders  was  mir  nie  ge¬ 
schehen 

von  lieb,  müß  ich  die  wärhait 

jehen. 

25  ich  söcht  hilff  an  allen  enden 

do  — , 

es  was  umb  sust,  ich  mocht  frö 
von  kaines  tröstes  hilffe  werden, 
ich  gedacht,  min  laid  bedacht  alle 

erden 

und  ich  wer  genant  der  eilend 

kuab, 

30  min  zd  nam  der  was  schab  ab. 
das  laid  hat  mich  so  gar  besessen 


Die  Überschrift  von  einer  Hand  des  17.  Jahr-  15.  sie  Tersmehen  b,  sich  schroehen  a. 

hunderts.  20.  schmercz  a,  smercz  b. 

3.  DaS  H.,  Dan  a.  25.  do  b,  da  a. 


Bild:  nach  v.  16:  Landschaft  mit  Bäumen  im  Hintergrund.  Der  Dichter,  im  drei¬ 
farbig  [grau-weiß-rot)  gestreiften  Aneug  wie  auf  allen  Bildern,  in  halb  knieender  Stellung  vor 
der  Geliebten,  die  sieh  abwendet.  [Siehe  die  Lichtdrucktafel.) 

D*ntache  Text«  de«  MittelaUoT«.  XXIV.  'l 


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2 


1.  Der  Minne  Gericht. 


das  all  min  fröd  mir  was  ver¬ 
gessen. 

ich  sprach:  ‘werder  Göt,  tü  mir 

din  hilff, 

ich  schry  an  dich,  rieff  und  gilff 
35  das  ich  mins  laides  wurde  ent¬ 
laden!’ 

ye  mer  ich  dag,  ye  grössern 

schaden 

ich  von  minem  laid  enpfieng. 

Ich  ged&cht  wie  ob  ich  gieng 
von  dißer  weit  in  ain  gewild, 

40  da  ich  nit  sech  kain  menschen 

bUd 

und  ich  kainer  untrüiw  wird  kunt. 
ich  häb  mich  ufE  zä  der  selben 

stünd 

und  volgkt  in  trüwen  minem  rät. 
es  ward  mir  güt,  dan  ich  wer 

sust  töd 

von  xmgUcher  trftw  die  ich  ver- 

nam. 

46  ich  gieng  eilend,  biß  ich  zu  wald 

kam 

in  dem  sinn  das  ich  min  dag 
tragen  wölt  all  min  lebtag. 
der  wald  was  lang,  schön  und 

brait, 

50  alle  gezierd  siner  natur  was  an 

in  geleyt, 

das  ich  sines  geliehen  nie  gesach. 
grün  in  grün  was  sin  obtach 
mit  mangerlay  blüt  blümlin  färb, 
miner  zungen  vernunfft  verdarb 
55  das  ich  des  waldes  zier  mag  ver¬ 
bringen. 

34.  rüS  b. 

41.  l.  Vnnd  mir  kein  vndrw  ward  k.  b. 

45.  Tnglicker  b,  ongetrüwer  o.  Vgl.  v.  221. 

46.  wald  6,  land  a. 

50.  Aller  a,  All  b.  jn  geleyt  b,  im  geert  o. 


ich  hört  da  mangen  vogel  singen, 
der  da  saß  vor  der  sunnen  glesten 
uff  höhen  bömen,  grünen  esten, 
den  da  sin  natur  zü  zwingt 
60  das  er  näch  lust  lieblich  sing^ 

[^''1  daß  ich  gehört  nie  süssers  ge- 

schray. 

ir  weßen  das  was  mangerlay 
die  musica  in  rechtem  ton  ze- 

zieren 

mit  tenor  und  discantieren, 

65  das  es  gelich  zü  samen  zoch. 
zü  heren  den  lost  was  mir  gach 
und  beschöwen  des  waldes  boden 

gezierd 

mit  mangerlay  färb  wol  gefloriert 
das  alle  sprangen  durch  das  gras. 
70  in  dem  lust  der  frtWen  ich  ver¬ 
gaß 

mines  laides  ain  michel  tail, 
da  ich  sach  manges  tier  so  gail 
in  hohen  springen  vor  mir 

scherzen: 

blawfüß,  falcken  mit  iren  terzen, 
76  habich,  sperwer  und  edel  aren; 
vil  ander  vogel  da  waren, 
hirs,  hinden  und  bereu 
(es  verdrüß  ze  hören  wie  vil  der 

weren,) 

gailtent  all  näch  ir  tagend  art. 

80  mich  gerow  minner  nye  kain  fart. 
ich  fand  öch  vil  kalter  brunnen, 
die  do  flnsßen  durch  den  glast  der 

sunnen 

nß  hohen  felseu  ab  ze  tal. 
ir  dauhen  wit  indem  wald  erhal. 

69.  Das  a,  Die  b. 

70.  frMen  It.,  frowen  a{b). 

TI.  h.  h.  rehenn  vnd  b. 

82.  den  b,  fehlt  a. 

84.  danhen  a,  fliessen  b,  trUmen  d. 


Bild:  nach  v.  52:  Der  Dichter  mit  Hut,  Stock  und  Tasdte  geht  dur^  einen  Wald. 


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1.  Der  Minne  Gericht. 


3 


85  die  tr&w  mich  zwang  daß  ich  det 

wenden 

höpt  and  5gen  zä  mangen  enden, 
do  ich  wnnder  lost  vernam. 
in  sölicher  begird  do  ich  kam 
Yon  rechtem  weg  off  engen  pfad, 
90  den  ich  ye  unwissend  vertrat, 
biß  ich  kam  in  ain  dick  gewild. 
der  weg  ward  mir  on  mässen 

wild, 

doch  lert  mich  min  stolzer  sin, 
ich  lies  nit  ab,  ich  gieng  für  hin. 
95  grosser  sorg  wirt  offt  güt  rät. 
mich  ombfieng  nie  grösser  nöt, 
das  ich  best&nd  und  wist  nit  mer 
wa  ich  sölt  keren  hin  und  her. 
ich  räfft  Got  mit  herzen  an 
100  das  er  mir  hilff  zä  rechter  ban. 
Als  ich  nun  indem  jamer  stünd 
und  hört  do,  da  ward  mir  kund 
ein  kleglich  stim,  die  was  hei. 
ich  erschrack  und  was  doch 

schnell 

105  durch  die  dom  und  wilden  hag, 
biß  ich  vernam  die  senlich  dag. 
die  erklang  nß  grimmem  zorn: 
'ach  das  ich  ye  ward  geboml’ 
also  laut  die  stim  ümer  mer. 

110  sölicher  dag  erschrack  ich  ser, 
wan  ich  sach  nit  was  es  wer. 
das  bracht  minem  herzen  grösse 

swer. 

do  ich  ermant  und  kröch  färbaß 


85.  ich  b,  fehlt  a. 

90.  Tnwissen  b,  wissend  a. 

92.  weg  b,  fehlt  a. 

95.  Von  gr.  o,  Gr.  b.  offt  b,  fehlt  a. 
102.  do  das  ab. 

108.  ye  b,  nie  a. 


durch  die  dicke  an  daß  graß, 

115  do  sach  ich  ain  wiplich  bild 

sitzen 

in  zarter  wät,  in  trurigen  witzen. 
l^']  ir  hend  warend  vor  laid  be- 

schlösßen, 

die  zeher  über  die  wenglin  ge¬ 
flossen, 

das  sie  nahend  waren  trat. 

120  sie  was  schön,  doch  was  sy  mat, 
dan  alle  fröd  sie  bettend  ver  mit¬ 
ten. 

ir  har  was  ir  ah  geschnytten, 
das  tüch  was  schwarz,  zerrissen, 

inflecken. 

iren  lib  wisß  den  sach  man 

blecken 

125  wol  geformiert  und  schon  ge- 

/*lissen, 

die  dom  hetten  yn  zerrisßen 
an  mangen  enden,  das  erbarmt 

mich. 

sie  was  sust  schön  und  minicklich. 
ir  mändlin  was  verblichen. 

ISO  sie  sach  mich  nit,  ich  was  ge¬ 
schlichen 

haimlich  zä  ir  vil  nahend, 
ir  dag  begund  min  herz  umb- 

fahen 

und  macht  als  min  laid  zwifach 

näw, 

wann  ich  hört  nie  grösser  rüw 
135  dan  die  der  frowen  herz  umbfleng. 

117.  warn  b,  hett  sie  a. 

118.  warend  jr  Aber  die  a,  ab  den  b. 

122  aus  b,  fehlt  a. 

125.  geflissen  b,  geschlissen  a. 

126.  yn  b,  fehlt  a. 

135.  dan  fehlt  ab. 


109.  Vmer  b,  jamer  o. _ 

Süd:  nach  v.  116:  Wald,  fern  im  Hintergrund  eine  Burg.  Kom  rechts  kniet  mit 
gefalteten  Händen  ein  MädcJien  in  grauem  Kleid,  vom  links  kommt  der  Dichter  auf  sie  zu. 

1* 


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4 


1.  Der  Minne  Gericht. 


Ich  ermant  zeletscbt  und  gieng, 
das  die  zart  min  ward  gewar. 
sie  erschrack  und  ward  gefar 
röt  als  ain  glügender  zunder 
140  und  redlöß  von  dem  wunder. 

es  was  mir  laid  und  sprach  zü  ir; 
‘nit  erschreckt,  frow,  von  mir; 
ich  bin  öch  ain  eilend  man, 
ir  sölt  kain  laid  von  mir  nit 

hon.’ 

145  sie  sach  uff,  ich  tett  sie  grdssen. 
sie  danckt  mir  kurz  mit  Worten 

sdssen 

und  frägt  mich  wer  ich  wer 
und  wie  ich  her  körnen  wer. 

[4'‘]  ich  antwirt  ir  mit  zfthten: 

150  ‘frow,  ich  bin  in  flühten 

vor  grösser  lieb  und  will  begeben 
alle  die  weit  und  min  leben 
hie  in  dißem  wald  enden, 
mich  sol  untrüw  nimer  trenden, 

155  als  sie  bis  her  hät  geton.’ 

sie  sprach:  ‘gesell,  ich  solt  uff 

stön 

gen  dir  und  enpfahen  dich, 
so  hät  min  laid  bekrencket  mich 
das  ich  es  nit  mag  getain. 

160  du  solt  mir  es  nit  für  übel  hön.’ 
ich  sprach:  ‘min  frow,  one  spöt, 
ich  bitt  üch  durch  den  werden 

Göt, 

mag  e.s  ge.«iin,  geschaident  mich 

der  fräg: 


war  umb  tragt  ir  üwer  senlich 

dag 

165  und  zerrissen  ser  üwer  claid? 
möcht  ichs  gewenden,  es  wer  mir 

nü  laid, 

es  sölt  von  mir  ungemeldet  sin.' 
sie  sprach:  ‘es  wer  mir  ain  pin, 
solt  ich  dir  minen  komer  clagen. 
170  min  laid  würd  nüw,  ich  möht  ver¬ 
zagen 

und  müst  mich  Schemen  der  ge¬ 
schieht’  — 

‘frow,  der  forch  der  dörfft  ir 

nieüt; 

wan  wer  sin  laid  will  zerstöm, 
der  läß  sin  gütten  fründ  höm. 

175  der  will  ich  sin  näch  üwerm 

willen.’ 

Sie  sprach:  ‘gesell,  wiltu  stillen 
ein  tail  mins  laides,  so  setz  dich 
nider  zü  mir  und  höre  mich! 
ich  will  diner  bet  dich  erhören 
180  und  sagen  waß  mich  hät  tain  be¬ 
tören 

[4'J  und  brächt  zü  sölichem  jamer  und 

laid. 

ursach  was  min  grösse  hertikait, 
die  ich  zü  ainem  knaben  trüg, 
ich  kan  mir  nit  gewe^nen  gnüg, 
185  wan  ich  bedenck  min  törhait. 
der  selb  I  nab  hett  geleit 
sin  lieb  und  tröst  ganz  uff  mich, 
wan  er  mir  ze  dienst  sich 


137.  die  h,  je  die  a. 

143.  man  b,  knab  a. 

1.54.  wenden  b,  spenden  a. 

158.  myn  b,  nin  a.  vor  inicb  gestrichen: 
sich  a. 

160.  übelhün  a. 

166.  vor  laid  gestrichen:  es  wer  mir; 
daiüber  von  jüngerer  Hand:  solich  uwer(?) 
leit  a,  es  wer  mir  leid  b.  nit  fehlt  ab. 


172.  nicht  b,  nit  a. 

184.  kan . .  geweynen  b,  kund . .  gewinnen  a. 

186  aus  b,  fehlt  a. 

187  ff.  spätere,  aber  mit  Bleistifl  wieder 
gestrichene  Zusätze:  trOst  •>'  gancz  uff  mich 
leit;  ...  dienen  {aus  dienst ;  mich  gestridien) 
sich  herbot;  bifi  in  von  hinen  nem  der 
tott  a. 

188.  mir  aus  b,  fehlt  a. 


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1.  Der  Mmne  Gericht. 


5 


ganz  mit  willen  hett  ergeben. 

190  was  ich  nun  wolt,  das  was  im 

eben, 

er  dient  mir  ganz  mit  stetikait. 
onver  schult  tet  er  mir  nie  kain 

laid, 

ich  mfiß  min  aigen  schuld 

ver  jehen. 

s61ich  lieb  bön  ich  nie  gesehen 
195  als  der  selb  knab  z&  mir  hott, 
er  staind  vor  mir  dick  blaich  und 

röt, 

min  lieb  hett  in  also  besessen, 
schl  äffen,  wachen  nöch  ge  essen 
mocht  er  nicht  in  manigen  tagen, 
200  er  tett  mir  offt  sin  nöt  clagen 
wie  er  nahend  töd  wer. 
es  was  mir  laider  alles  immer 
and  sprach,  er  sölt  lässen  dar  von. 
er  antwir  mir:  “frow,  ich  en  kan.” 
205  ich  verstaind  öch  wol  das  war 

was, 

ye  doch  mocht  er  nit  erwerben 

das 

das  ich  im  fr&ntschafft  wölt 

erzögen, 

dar  umb  er  bat  und  gab  sich 

aigen 

libs  und  zä  minem  gebot. 

210  ich  wag  es  ring,  es  was  min  spöt. 
ich  sprach:  “hab  gedult,  ich  dich 

1er, 

dan  büler  daß  sind  martrer.” 

[drj  das  was  miner  grosser  törhait 

schuld. 

er  laid  lang  und  hett  gedult 
215  und  setzet  es  alles  zö  der  g&ete 

min, 

192.  Ynnerschiild  5,  0  aer  schalt  a. 

205.  das  war  a,  was  es  h. 

209.  Libs  vad  gats  b,  Lib  ynd  gät  a. 

216.  alles  aia  a,  ein  h. 


die  soll  dar  in  ain  mitler  sin. 
es  haM  nit  und  was  alles  verlörn, 
sin  liden  tet  im  zom, 
er  clagt  es  haimlich  an  manger 

stat 

220  da  er  rät  und  hilff  bat 

mich  ze  wißen  zu  glicher  trftw. 
es  was  umb  sust,  sin  jamer  nüw 
ward  dick  vor  mir  mit  grosser 

dag. 

es  erbarmt  mich,  afe  ich  dir  sag, 

225  und  was  mir  laid  sin  liebe  größ. 
ie  doch  so  belaib  er  vor  mir  trost 

los, 

wan  hertekait  het  mich  also  be¬ 
sessen 

das  ich  miner  tugend  hett  ver¬ 
gessen. 

das  ist  mir  zu  grossem  schaden 

körnen, 

230  als  du  sichst  und  hast  vernomen. 
er  sprach  öch  dick  zft  mir: 

“wie  bin  ich  so  unselig  zü  dir? 
in  allem  leid  tröst  du  mich  nic/tt, 
wan  was  ich  lid,  das  mir  ge¬ 
schieht 

235  umb  dich  allain,  schöne  fi’ow. 
wan  das  nit  wer,  machtu  schäwen 
jamers  nöt  an  mir  armen, 
hetestu  gilt,  es  müst  dich  er¬ 
barmen  !  ” 

eins  tages  ich  mir  das  gedächt 

240  das  ich  in  mit  glimpff  mit  mir 

brächt. 

do  er  sin  komer  tet  clagen, 
ich  sprach,  ich  wölt  im  färb 

tragen 

und  min  frAntschafft  zA  im  ziehen. 

224.  als  b,  alles  a. 

233.  leid  tr.  b,  tröst  so  tr.  a.  nicht  b, 
nit  a. 

241.  sin  komer]  senen  mir  b. 


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6 


1.  Der  Minne  Gericht. 


es  gerow  mich  bald,  ich  tett  in 

fliehen 

[5*^1  und  wider  für  im  dennocht  nicht. 

246  Hör  mer  miner  törhait  ge¬ 
schieht  : 

do  ich  yemam  sin  stettikait, 
ich  tet  als  wer  es  mir  gar  laid, 
und  sant  an  in  fründ  und  herren, 

250  das  sie*in  da  Ton  sölten  keren 
mit  tröwen  und  mit  bitten, 
ich  bedacht  es  mit  behenden 

Sitten 

und  ließ  in  ziehen  das  er  was 
unschuldig;  jedoch  so  kund  ich 

das 

255  nie  von  im  vemiemen 
das  er  mich  tet  beschemen 
in  sölichem  liden  mit  ainer  dag. 
sin  gedult  was  groß,  als  ich  dir 

sag. 

wie  ich  im  tet,  er  lies  nit  ab 

260  mir  ze  dienen  als  ain  stetter 

knab. 

ich  det  in  miden,  es  was  im  laid. 
mir  ze  geben  was  er  berait, 
wan  lib  und  güt  was  min  aigen. 
das  tet  er  mir  dick  und  vil  er¬ 
zögen 

265  offembar  und  haimlich  an  allen 

orten 

mit  geberden,  wercken  und  Wor¬ 
ten. 

was  sol  ich  dir  mer  sagen? 
min  untrüw  hät  mich  selber  ge¬ 
schlagen. 

da  der  selbe  knab  enpfand 

270  das  er  mir  dienet  one  danck 
und  mich  mit  güt  nit  moch  ge¬ 
winnen, 


247.  Do  b,  Das  a. 
254.  yedoeb  b,  ye  a. 


er  gedacht  in  sinen  sinnen: 
sit  du  nit  magst  lässen  da  von 
und  söltest  also  verirret  stön 
275  alle  zit,  das  wer  ain  michel  dag, 
und  rüwen  weder  nacht  noch  tag, 
[6’’]  es  wer  weger,  du  werest  tö<L 
sin  sjmn  gaben  im  den  rät, 
so  in  güt  möcht  gehelffen  nicAt, 
280  er  sölt  mich  laden  für  gericht, 
daman  haimlich  sach  richten  tüt, 
vor  frow  Fenus  und  im  gespUen 

güt. 

es  geschach  also,  ich  ward  ge¬ 
laden. 

das  kam  mir  zü  grössem  schaden. 
285  min  gesell,  hab  nit  verdriessen, 
lang  sach  mag  man  nit  be¬ 
schließen 

mit  kurzen  Worten.’  ich  sprach: 

‘wie? 

frow,  ich  gehöret  kain  ding  lieber 

nie; 

solt  es  weren  alle  min  tag, 

290  es  verdrüß  mich  nit,  fol  endent 

üwer  sag!' 

‘das  tet  ich  gern’,  sprach  sie,  ‘ge¬ 
sell, 

wer  nit  so  größ  min  ungevelL 
doch  tü  ich  gern  was  ich  mag. 

Do  nun  kam  des  rechtes  tag, 

295  ich  was  gehoi'sam,  ich  stalt  mich 

dar. 

do  der  knab  min  ward  gewar, 
der  bat  gerichtes  und  fürsprechen 
und  nam  frow  Lieben  die  frechen, 
die  trat  hin  für  mit  siner  dag 
300  und  sprach:  “dißer  knab  hät  nacht 

und  tag 

gedient  mit  fliß  dißer  frowen  hie” 


279.  nicht  b,  nit  a. 


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1.  Der  Minne  Gericht. 


7 


und  erzalt  alle  sach,  wa  und  wie, 
als  du  es  von  mir  häst  gehört: 
^'die  hat  wider  min  geböt  in  be- 

dört 

305  and  mit  irer  untrüwer  hertikait 
im  unbillich  tröst  und  hilff 

ver  sait, 

zfi  schmacheit  werden  wiben  göt, 
die  wöllen  trösten  sin  gemftt. 

[6*’]  er  hofft,  sie  mög  sin  gelögen 

nicht, 

310  er  stät  all  hie  und  bitt  gericht." 
ich  hat  also  die  richterin 
frow  Fenns,  kAngin  der  min, 
das  sy  mir  erlöben  wölt 
frow  Eren,  daß  sie  sölt 

315  mir  min  antwirt  fAr  bringen, 
es  ward  erlöbt,  sie  tett  mir 

dingen 

alles  das  mir  zA  recht  nöt  wer. 
sie  hört  mich  nnd  trat  daher 
in  fryem  müt  nnd  sprach  alsus: 

320  “hört,  edle  kAngin  frow  Fenns, 
frow  Lieb  hät  beclaget  ser 
dißer  frowen  an  ir  er, 
wie  sie  mit  hertekait  behent 
hab  brächt  den  knaben  in  eilend. 

325  sie  spricht,  sie  stand  hie  on  logen, 
der  knab  hät  offembär  und  tögen 
ir  gedient  ain  lange  zitt; 
er  hab  aber  ir  ere  da  mit  gefryt, 
das  sie  im  nit  wolt  zA  sagen. 

330  er  tA  unbillich  sie  beclagen, 
wann  frowen  er  zA  gehört 
off  versagen,  das  ichi  bedört 
wert  mit  falsch  ir  eren  schäm. 


804.  jn  b,  ain  a. 

305.  vndm  h. 

307.  smacheit  h,  schmachet  a. 

311.  bat  h,  bitt  a;  in  a  öfter  Präs.  st. 
Prät.  (624.  762). 

326.  ynnd  5,  mit  a. 


dar  umb  sie  hertikait  an  sich 

nam 

335  nnd  wer  zA  zitten  ungednltig. 
zA  dem  rechten  sy  sie  im  nit 

schuldig.” 

da  wider  frow  Liebe  rett  mit 

synn : 

“merck,  edle  frow  kAngin, 
die  frow  hie  one  lögen  stät, 

[7'’]  als  ir  denn  wol  gehört  hönd; 

341  der  knab  hab  ir  gedient  vil  zitt 
und  hab  mit  sölichen  eren  gefryt, 
als  dan  ir  antwirt  hät  geint, 
der  knab  stät  hie  nnd  getrwt 
345  der  selben  frowen  noch  so  wöl 
das  sie  selber  dar  umb  sagen  söl 
das  er  sie  nie  gebat 
wider  ir  er,  die  sie  hat 
sie  kant  wol  sinen  stetten  sin, 

350  sie  gedorfft  öch  nit  versuchen  in, 
er  hett  sie  nngem  wöllen  betören, 
man  sol  sie  selber  dar  umb  hören 
ob  dem  allem  also  sy” 
sprach  frow  Lieb  die  fry. 

355  frow  Er  die  fArt  mich  Wn  dan: 
“ist  wär  das  fAr  bringt  dißer 

man? 

das  soltu  sagen”,  sprach  sie  zu 

mir, 

“er  will  es  ganz  getruwen  dir.” 
ich  was  so  vest  und  biderb 
360  das  ich  nit  wolt  reden  da  wider, 
wann  es  was  luter  die  warhait 
frow  Er  sprach :  “  es  ist  mir  laid, 
es  solt  kain  frow  so  hört  nit  sin.” 
trnrig  gieng  sie  wider  hin  in 


328.  ere  5,  fehlt  a. 

332.  ich  h,  ist  a. 

339.  hie  d,  fehlt  ab;  doch  vgl.  v.  301.  310. 
350.  verflachen  b. 

357.  Das  solta  b,  Da  solt  a. 


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8 


1.  Der  Minne  Gericht 


365  und  sprach:  “ich  verhört  die  sach 

eben: 

die  frow  sprach,  gült  es  ir  das 

leben, 

sie  w61t  nit  lögen  der  warhait, 

der  knab  hab  war  gesait, 

und  habe  sie  nicht  recht  an  im 

gefaren, 

[7']  so  bitt  sie  das  man  ir  wölle 

sparen 

371  mit  gnaden  dißen  handel. 
sie  will  b&ssen  und  wandell 
und  bessern  alle  ding.” 

Frow  liieb  sprach:  “der  Jüng¬ 
ling 

375  hett  zü  ir  ze  clagend  mer; 
das  will  er  lässen  umb  ir  er. 
ir  groß  ungetrüw  wil  er  verswi- 

gen; 

frow  Fenus,  dancket  im  mit 

nigen ! 

man  seit  die  frow  hab  bekant, 

380  er  öch  rechtes  gerichtes  ermant 
das  ir  im  sprechend  urtail, 
das  dise  frow  hört  und  gail 
ernstlich  werd  gesträfft  umb  ir 

hörte  groß, 

wan  zü  allem  ding  gehört  möß. 

385  und  als  sie  bitt  gnad  erwerben, 
ich  sprich:  nain,  sie  sol  ersterben! 
was  sie  hett  verwirckt  an  dißem 

man, 

das  ist  im  nit  allain  gethön, 
sunder  mir  und  min  gebotten. 

390  die  solt  man  nit  also  verspotten, 
frow  Trüw,  an  üch  ist  gebrochen! 
frow  Stet,  läßt  ir  es  ungerochen 


das  dißem  knaben  stett  mit  herti- 

kait 

gegolten  wird,  es  wird  dch  laid 
395  und  aller  frowen  güt  verschmecht. 
swigend  ir  dar  zü,  ir  taind  nit 

recht. 

frow  Güt,  wie  mögend  ir  das  ge- 

liden  ? 

dise  frow  hät  üch  tain  vemiden. 
frow  Er,  ir  liessend  öch  billich  ab 
400  ze  bittend  für  sie,  dan  dißer  knab 
hät  üch  gedient  one  sold; 

[ö'']  um  ir  er  ward  er  ir  hold. 

frow  Zucht,  ir  habend  sie  übel 

gezogen, 

das  sie  den  knaben  hät  getrogen. 
405  frow  Scham,  üch  ist  öch  laid  ge¬ 
schehen 

von  dißer  frowen,  daß  müß  ich 

jehen ! 

schentlich  ist  es  gütten  wiben 
hertikait  und  untrüw  triben. 
merck,  frow  Fenns,  edle  küngin, 
410  (wir  alle,  din  höff  gesin, 

von  dißer  frowend  sind  miss¬ 
handelt) 

das  sie  darutnb  bus  und  wandelt 
mit  strenger  urtail  und  pin  vil, 
das  ander  frowen  dar  an  ain  by- 

spil 

415  by  dißem  mögend  nyemen. 

wan  wir  söltend  uns  alle  Schemen 
das  ain  sölich  übell  tetterin 
solt  ön  gericht  körnen  von  hin. 
und  wer  hie  frow  Aventüre, 

420  sie  wer  mit  mir  ungehüre 
ze  rechen  sölich  größ  missetät. 


892.  jrs  5,  es  a. 

394.  Gegelten  a.  ach  b,  5ch  a. 
398.  Termyden  b. 

405.  laid  fehU  ab. 


412  aus  b,  fehlt  a. 

414.  byspii  b,  ain  spU  a. 
419.  hie  b,  fehlt  a. 


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1.  Der  Minne  Gericht. 


9 


frow,  helfft  uns  aß  dißer  nöt 
und  fragend  umb  näch  urtails 

recht” 

ich  sach  an  min  trüwen  kneht 
425  und  marckt  wol  sin  erbarmen, 
das  er  hett  mit  mir  armen: 
lieber  gesell,  läß  erbarmen  dich 
das  hört  geschray  Aber  mich! 
ich  mäß  truren  biß  an  min  end 
430  und  hieß  mit  recht  die  eilend, 
frow  Eren  bitten  halff  mich  nicht 
sie  wagen  so  höch  diß  geschieht 
das  mir  alle  gnäd  ward  verzigen. 
da  frow  Lieb  nun  hett  yerswigen, 
[8']  frow  Fenus  die  richterin 
436  fraugt  umb  näch  rechter  min, 
macht  urtail  waß  ich  verfallen 

wer. 

ich  staind  öetrAbt  und  wainet  ser. 
frow  Lieb  sprach:  “mich  duncket 

recht, 

440  sit  sie  iren  trüwen  kneht 

verschmecht  hät  on  alle  schuld, 
das  sie  fürbas  aller  menschen  huld 
ymer  mer  söl  gebrachen 
und  alle  tag  in  wild  struchen 
445  leben  ir  zitt  und  sin  ver  mitten, 
barfüß  und  ir  här  abgeschnitten, 
daß  sie  ir  hertikait  selber  enpflnd. 
also  ich  sie  mit  minem  urtail 

bind, 

und  duncket  mich  dar  näch  sin 

genüg, 

450  näch  dem  und  er  liebe  trüg.” 


484.  nun  b,  jm  a. 

437.  Nach  a.  b. 

438.  bedntbt  b,  trübt  a. 
442  aus  b,  fehlt  a. 


Das  urtail  ward  gefolget  zwar 
nahend  von  den  frowen  allen  gar. 
allain  frow  Er  für  mich  bat; 
es  was  umb  sust,  ich  mßst  an 

stat 

455  mich  enplössen  vor  gericht 
in  menges  menschen  angesicht. 
owe  der  schäm  die  ich  enpfieng, 
da  ich  vor  mengklichem  gieng! 

[8*']  ich  sach  das  min  lieber  knab, 

460  wie  wol  ich  daß  von  im  hab, 
waint  mit  mangem,  daß  ist  wär. 
ab  geschnitten  ward  mir  min  här. 
do  daß  urtail  alles  ward  vol- 

bracht, 

frow  Er  die  truret  und  gedächt 
465  an  min  liden  und  jamer  groß, 
do  sie  mich  sach  nackend  bloß, 
und  fiel  zu  föß  den  frowen  allen 
mit  senfiten  Worten  und  süssem 

kallen 

und  bat  sie  fast  und  ser 
470  durch  aller  rainen  frowen  er 
das  sie  mir  armen  wib 
nun  ain  claid  an  minen  lib 
erlöben  wölten  zü  dißer  fart, 
das  ich  nit  zu  schänden  frowen 

zart 

475  gieng  nackend  und  ploß. 
frow  Lieb  hett  ser  verdroß; 
doch  kum  ward  ich  gewert  diß, 
also  wann  dißer  rock  zerriß, 
so  sölt  ich  fürbas  nackend  gön 
480  umb  die  nntrüw  die  ich  het  getön. 


443.  Ymer  a,  Nit  b. 

458.  menglich  nackent  g.  b. 
468.  vnnd  b,  vne  a. 


Bild:  nach  v.  458:  Das  Mädchen  geht  nackt,  mit  aufgelöstem  Haar  an  einer  Schar 
Leute  vorbei,  unter  denen  man  auch  den  Dichter  bemerkt.  Eine  Frau  zeigt  mit  dem  Finger 
nach  dem  Mädchen,  das  aus  Scham  die  linke  Hand  vors  Gesicht  hält.  Kein  Hintergrund. 


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10 


1.  Der  Minne  Gericht. 


do  das  geschach,  frow  Er  zoch  ab 
dißen  swarzen  rock  sie  mir  gab. 
do  ich  den  heit  an  geleit, 
ich  ward  mit  geschray  hin  gefeit 
485  in  dise  wilde  scharpffe  dom. 
we  daß  ich  ye  ward  gebomf 
ach!  müß  ich  schryen  z&  aller 

zitt. 

allen  komer  den  ich  do  lid, 
hon  ich  von  untrftw  und  hertikait 
490  sie  sind  selig  die  sie  nit  trett, 
und  verdampt  öwenclich 
[d'l  die  sich  nit  stdssend  an  mich.* 
Also  die  frow  die  red  beschloß. 
mit  zehern  sie  iren  lib  begoß, 

495  das  sie  ain  wil  ward  red  löß. 
ich  sas  by  ir  in  dem  graß 
und  mocht  doch  mich  enthalten 

nicAt, 

ich  waint  mit  ir  diße  geschieht 
sie  sprach:  *  gesell,  du  häst  gehört 
500  was  mich  arme  hät  bedört 
und  mich  zu  sölichem  kumer 

bracht. 

dich  vertröst  hön  ich  gedächt; 
ich  hön  geteilt  min  laid  mit  dir, 
also  mttstu  och  tain  mir. 

505  sid  du  (Ach  sprichst  eilend  sin, 
so  soltu  mir  sagen  den  kumer  din, 
wann  es  ist  der  betr&bten  fröd 
so  sy  habend  gliches  laid.’ 

[lor]  Ich  sprach:  ‘frow,  ich  hon 

ver  nomen 

482.  BwarezS  links  am  Hände  ergänzt  a. 

483.  Danach:  Den  sie  mit  mir  het  ge> 
teilt  o. 

484.  gegeyt  b,  gericht  a. 

490.  trett  vielleicht  ein  schwäbischer  Plural 
(vgL  Am.  19, 358  und  v.  1390)  H. 

493  aus  b,  fehlt  a. 


510  üwer  laid,  wie  ir  sind  körnen 
in  öwer  nöt;  es  tüt  mir  we. 
und  als  ir  mich  bittend  me, 
ich  söll  &ch  öch  sagen  minen 

kumer, 

das  td  ich  gern,  ich  armer 

tummer, 

515  und  sag  dch  mit  kurzen  Worten 
das  in  allen  stucA»n  und  orten, 
wie  dch  beclaget  hab  der  knab, 
des  glichen  ich  öch  ain  sach  hab 
und  kan  dar  zä  nit  mer  gesagen 
520  dan  Hebers  zwar  by  minen  tagen 
ich  nie  gewan  nöch  nymer  t&. 
die  hät  mich  brächt  in  größ  unrö, 
das  ich  nahend  bin  verzagt, 
ir  hörte  die  hät  mich  verjag^ 

525  in  dießen  wald  von  (fer  weit, 
wan  ich  fand  kain  biUich  wider- 

gelt 

von  ir,  nymmer  tröst  noch  trftwe. 
das  tet  mich  so  ser  rdwen 
das  ich  vor  laid  bin  körnen  her. 
530  Ir  habt  gehört  nun  min  swer 
und  höff,  gelftck  hab  mich  gewißt 
do  ich  mit  tröst  noch  wird  ge- 

spißt 

wan  als  ich  von  fich  vemomen 

hab, 

so  mag  ich  mins  laides  körnen  ab. 
535  als  ir  mir  sagt,  so  ist  ain  gericht 
do  man  sölich  Sachen  schHcht 
ich  bit  Ach,  frow,  umb  üwer  ere, 

497.  nicht  b,  nit  a. 

502.  vertröst  =  vür  tröst. 

505.  dich  b,  mich  a. 

516.  stocken  b,  staben  a. 

525.  der  b,  diser  a. 

530.  nin  a. 

537.  vmb]  durch  b. 


Büd:  nach  v.  506:  Wald,  im  Hintergrund  eine  Burg.  Der  Dichter  sitzt  dem  Mädchen 
gegenüber  im  Gras;  sie  hat  ein  rotes  Kleid  an.  Durch  erhobene  Hände  wird  das  Gefach 
angedeutet. 


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1.  Der  Minne  Gericht. 


11 


ir  wellend  mir  geben  wiß  und 

lere 

wie  ich  mit  füg  körn  dar  in. 

540  by  üwerm  laid  bedenckt  das  min, 
[iO'l  das  will  ich  verdienen  ewenclich, 
und  ob  es  ümer  wirde  fügen  sich 
das  gelück  mir  w61t  glichen  hail, 
dar  an  sol  sin  üwer  tail. 

545  ob  ich  üwer  pin  möht  machen 

gering, 

ich  hör  nit  uS  dan  mir  geling, 
und  will  öch  dar  nmb  sterben 
oder  ich  will  uns  tröst  erwerben, 
dar  umb  so  wisend  mich  bald 
550  uff  den  weg  in  den  wald 

do  ich  find  das  geschworen  ge- 

richt. 

zwar  da  von  läfi  ich  nicht.’ 

Als  wir  unßer  sag  brächten  zu 

end, 

die  frow  bot  mir  ir  hend 
555  und  danckt  mir  miner  gehaifi 
und  sprach:  ‘den  weg  ich  wöl 

waiß.' 

sie  staind  uff  und  ich  mit  ir. 
sie  gieng  ain  gütten  weg  mit  mir 
durch  den  wald  und  wilde  dom. 
560  sie  hett  den  weg  öch  verlora, 
sie  clagt  mir  stetz  ir  laid 
wol  uff  ainer  mile  brait, 
biß  sie  uff  den  rechten  weg  kam. 
und  e  ich  urlöb  von  ir  nam, 

565  do  bat  sie  mich  innecklichen  ser 
das  ich  ir  nit  vergeß  mer, 
ob  ich  ir  icht  gnäd  möht  er¬ 
werben. 


das  sie  also  nit  dörft  sterben, 
und  käm  ich  herwider  frow, 

570  das  ich  dan  sie  süchte  do; 

das  wölt  sie  ümer  dienen  umb 

mich. 

wer  aber  das  es  fügte  sich 
[^*"1  das  ich  miner  bett  nit  wird  ge- 

wert 

und  öch  nit  wider  zü  ir  kert, 

575  das  ich  dan  durch  frowen  er 
schwig  der  geschieht  ymer  mer 
und  allen  werden  wiben 
das  sagen  solf  und  schriben 
was  ir  gemüt  hett  tain  be¬ 
schweren, 

580  das  sie  da  vor  gewaraot  weren 
und  hütten  sich  vor  ungetrüwer 

hört, 

das  sie  nit  körnen  in  das  gefört, 
urtail  und  pin  ‘da  ich  in  bin. 
zü  frowen  gehört  gütiger  sin 
585  gen  den  sie  mit  stät  erend. 
ich  tain  sie  das  recht  leren, 
das  ich  laider  vor  kund  nie; 
dar  nmb  so  ge  ich  eilend  hie. 
es  zimpt  ye  nit  werden  wiben 
590  das  sie  gegen  trüw  falschait 

triben. 

wer  ich  des  vor  under  rieht, 
so  dörfft  ich  hie  liden  nicht, 
ich  verkünd  in  mines  laides  pin, 
das  sie  dar  vor  gewamet  sin 
595  das  sie  nit  sind  untrüw  und  härt. 
güt  gesell,  Got  sy  din  gefärt! 
die  nacht  die  kumpt,  ich  schaid 

von  dir.’ 


545.  ring  b. 

551.  nach  find  gestrichen:  in  a. 

578.  8olt  ynnd  b,  soltn'  a. 

579.  tain  hett  umgesteüt  nach  b. 


583.  Die  indirekte  Rede  geht  ohne  weiteres 
in  die  direkte  über;  ebenso  v,  1061. 

585.  Gen  b,  Den  a.  sie  nit  a,  die  sich 
mit  b. 

588.  eilend  b,  fehlt  a. 


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12 


1.  Der  Minne  Gericht. 


ich  Sprach:  ‘frow,  üwer  begir 
will  ich  werben  mit  ganzem  fliß.’ 
600  sie  böt  mir  ir  hendlin  wiß: 

‘gesegen  dich  Göt,  körn  her  wider 

schier ! ’ 

also  mit  wainen  schied  sie  von 

mir. 

[1D\  Nun  dar,  gelück,  nun  füg  mir 

hail, 

das  ich  wider  werde  gail 
605  und  entladen  werd  miner  nöt 
wer  siner  sach  stüttecklich  nach 

gät, 

dem  kan  nit  wol  mislingen, 
er  tüt  etwas  dar  von  bringen, 
dar  umb  heb  ich  mich  uff  die 

fart, 

610  als  mich  die  schön  hät  gelart, 
durch  wild  dom,  durch  den 

strach. 

der  wald  was  da  gar  ruch, 
das  ich  nahend  was  verzagt, 
ich  gedacht:  'wer  nach  fröden 

jagt, 

615  der  möß  dick  komer  hön.* 
das  selb  tett  ich  sehen  an, 
wen  wann  laid  am  hörtsten  stät, 
geren  tröst  dar  näch  gät. 
dar  umb  wolt  ich  nit  lässen  ab, 
[W'^Jich  wolt  e  sin  der  eilend  knab 
621  all  min  tag  ön  endes  zil. 
ain  stolzes  tier  haben  wil 
ain  stritigen  jeger,  das  ist  war. 
ich  für  im  land  hin  oder  her 


625  biß  ich  körn  uff  das  recht  gefört, 
(wem  anbentür  ist  beschert, 
der  müß  sie  tragen  alle  sin  tag,) 
und  kom  zö  ainem  gezierten  hag. 
das  was  von  mangem  dom  schon 
630  wunlich  geflochten  als  ain  krön 
und  was  von  roßen  mit  flis 
getailt  röt,  plaw  und  wisß. 
es  was  gehagt  als  ain  wand, 
ich  gieng  biß  ich  ain  tür  fand, 

635  das  wären  zwü  linden  gren. 
ich  erschrack  und  ward  doch 

kün, 

wan  es  was  in  der  weit  ye  sit: 
wer  nit  wacht,  der  gewint  nit. 
die  tür  die  was  Offen  höch; 

640  uff  ainen  berg  waß  mir  gach 
[^^'Idie  wunder  werck  zü  schöwen. 
ich  sach  die  aller  schönste  öwe 
die  kain  mensch  ye  gesach. 
nicht  von  zierd  ir  gebrach: 

645  von  blömen,  blüten  und  graß 
mit  allen  varben  bedeckt  waß. 
ain  Cläres  wasser  dar  durch  ran, 
da  saß  manger  fogel  an. 
zü  ring  schib  wol  ainer  mil  brait 
650  was  der  hag  dar  umb  berait 
mit  mangem  wunderlichen  riß. 
als  wer  es  das  irdisch  paradiß, 
so  was  es  näch  wünsch  wol  ge¬ 
schickt. 

nach  Inst  ich  hin  und  her  plickt, 
655  wan  grösser  wunder  ich  nie  ge¬ 
sach. 


610.  gelart  h,  gelert  a.  649.  schib  fMi  b. 

624.  ging  ym  b,  far  a.  653-  wer  ab. 

631.  Und  fehlt  ab.  vor  von  gestrichen: 
mit  a. 


Bilder:  vor  v.  603:  Waid.  Der  Dichter  reicht  dem  Mädchen  ewm  Abschied  die  Hand. 

nach  V.  640:  Wald,  links  zwei  Linden,  rechts  ein  großes  Gehege,  Wiese  mit  Blumen. 
Der  Dichter  hält  (zum  Zeichen  des  Staunens)  die  linke  Hand  an  die  Backe. 


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1.  Der  Minne  Gericht. 


13 


Ich  sach  ab  ze  tal  in  den  bach 
an  ainer  wunnencklichen  liten 
die  minecklich«ten  frowen  riten. 
ir  pferd  was  wiß,  und  gedeckt 
660  von  allen  varben  dar  uJEl  gelegft; 
swarz  allain  dar  nff  gebrach, 
do  ich  die  frowen  ane  sach, 
ich  gedacht  es  wer  ain  engel  rieh, 
ich  hett  nie  gesehen  sin  gelich. 
665  ich  sach  öch  zwen  falcken 
in  den  wolcken  walcken. 
has6  sie  zü  ainem  raigel  trägend; 
bald  sie  in  zü  der  erd  schlägend, 
wan  die  frowen  ritten  baissen. 

670  min  won  tett  mich  raissen 

das  ich  gedacht:  ‘nnd  söltest  ster¬ 
ben, 

du  wilt  all  hie  tröst  erwerben.’ 
da  die  frow  iren  falcken  wider 
bi  dem  Inder  hett,  sie  trat  nider 
675  von  dem  pferd  uff  die  erden, 
ich  gedacht:  ‘möht  dir  Ion  wer¬ 
den!’ 

173'-]  ich  lieff  bald  und  hielt  daß  pferd. 
die  frowe  erschrack  und  begerd 
das  ich  ir  kunt  tet  behend 
680  wer  mich  durch  diß  eilend 
gesant  hett  in  diß  schön  owen. 
es  wundert  ser  die  frowen, 
doch  böt  sie  mir,  die  mineclich, 
ir  hand;  ich  danckt  ir  inneclich 
685  mit  geberden  und  mit  nigen. 


658.  myimiglichaten  b,  mineck  liehen  a. 
nach  658  m  b: 

Die  was  nit  geczirt  nach  englischen  syten 
Zwo  jongfrawen  mit  jr  ritten. 

664.  sin]  irn  b. 

673.  fraw  b,  fehlt  a. 


sie  sprach:  ‘gesell,  du  solt  nit 

swigen. 

schem  dich  nit,  es  mag  dir  ge- 

frömen. 

du  bist  umb  sust  nit  her  körnen, 
das  merck  ich  wöl  an  dinen  ge¬ 
berden.’ 

690  ich  sprach:  ‘gnäd,  frow  edle  und 

werde, 

ich  tain  als  ainer  der  erschrickt 
so  er  sinen  tröst  anblickt, 
vor  liebes  lai<f  waiß  ich  nicht 
wie  ich  min  red  zä  äch  rieht 
[13»]  wan  üwer  gnkd  ist  mir  unerkant’ 
696  sie  sprach:  ‘gesell,  ich  bin  Lieb 

genant, 

die  bin  ich  ganz  ungetailt’ 

‘min  jamer  hät  sich  j^ailt’, 
sprach  ich,  ‘wan  ich  hab  funden 
700  der  ich  mit  träw  zü  allen  stunden 
gedienet  hab  und  gesach  sie  nie. 
gnedige  frow,  sind  ir  nun  hie, 
so  ist  verswunden  vast  min  dag. 
von  recht  ich  üch  min  kömer  sag, 
705  wan  ir  sind  die  die  allen  armen 
gen  lieb  hilfft,  und  habt  erbarmen 
üwern  knehten,  als  sich  das  zimpt. 
üwer  gnäd  sicher  daß  vernimpt, 
und  waist  öch  wol  der  werde  Göt, 
710  ish  hön  gehalten  üwer  geböt 
gen  ainer  frowen,  uff  minen  aid. 
zü  irem  willen  waß  ich  berait 


682.  die  b,  alle  die  a. 

685.  Deygen  b,  migen  a. 

693.  laides  a,  laids  b. 

694.  red  b,  laid  a. 

698.  tailt  a.  Ich  bin  from  vnd  myn  hercz 
daa  geilt  b. 


Büd:  vor  v.  677:  Landechafl,  im  Hintergrund  Berg  mit  Kirche,  davor  ein  Fluß. 
Der  Dichter  begrüßt  mit  dem  Hut  in  der  Hand  zwei  berittene,  vornehm  gekleidete  Damen.  In 
der  Luft  ein  Falke  mit  einem  Beiher  in  den  Krallen. 


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u 


1.  Der  Minne  Gericht. 


genzlich  mit  lib  und  gut, 
min  herz  zä  dienst  ir  nimer  rüwt’ 
715  und  erzelt  ir  do  alle  sach 

die  mich  brächt  zfi  dem  unge- 

mach: 

‘an  der  will  wibes  gfit  verderben, 
on  schuld  läßt  sy  mich  sterben 
und  will  mir  fröd  erzögen  niht 
720  von  ir  beger  ich  gericht, 

dar  umb  bin  ich  körnen  in  die 

owe. 

bewiß  mir  hilff,  du  edle  frowe, 
von  recht  gehört  es  Ach  an 
zetrösten  mich  betrübten  man.’ 

725  sie  sprach:  ‘gesell,  ich  tü  dir  des 

büß.’ 

in  den  stegraiff  satzt  sy  den  föß 
[J4*-]  und  sich  wider  zü  röß  schwang, 
‘wöl  uff  mit  mir,  der  weg  ist 

lang, 

du  solt  sin  hüt  min  gast, 

730  ich  benim  dir  diner  sorgen  last.’ 
Sie  rait  da  hin,  ich  gieng  mit 

ir, 

und  verhört  mins  herzen  begir. 
sie  fört  mich  uff  die  höhe  der 

öwe. 

sie  sprach:  ‘merck,  gesell,  und 

schöwe 

735  daß  wunecklich  geziert  feld. 

daß  dort  her  schint,  daß  sind  zeit. 

719.  mir  nymer  b,  mich  miner  a. 

725.  dirs  b,  dir  das  a. 

729.  hynt  b.  Vgl.  v.  984  f. 

733.  die  fehlt  a,  ein  b. 

742.  da  wont  der  b,  went  er  a. 

745.  yff  5,  es  nff  a. 

752.  Stet]  er  ab.  Vgl.  v.  756. 


nun  sind  ir  in  der  zal, 

da  man  von  seit,  and  haißt  der 

gral. 

dar  inn  sind  fröd  aller  geschieht; 
740  was  im  nun  der  mensch  bedicht, 
das  ist  da  und  dannocht  me. 
wer  da  wont,  der  lit  kain  we. 
da  won  ich  und  min  gespilen  güt 
und  haben  frow  Fenns  in  hüt. 

174*1  da  sich  uff  und  merck  es  eben, 

746  ich  will  dir  under  richtnng  geben 
wa  iegklicher  frowen  wonung 

syg: 

frow  Fenus,  unßer  küngin  fry, 
ist  daß  schönst  daß  du  sichst 
750  das  nehst  dar  by  das  min  ist 
zü  der  rechten  hand,  alß  sich 

zimpt 

dar  nach  frow  Stet  ir  wonung 

nimpt, 

frow  Trüw  ir  gezelt  dar  näch  hat 

in, 

frow  Güt  ist  ir  nächbürin. 

755  uff  die  andern  Sitten  her  mer 
do  sitzt  am  nehsten  frow  Er. 
frow  Zucht  dar  näch  hußen  tüt, 
frow  Scham  nahend  by  ir  rüwt, 
zü  dem  letsten  die  Lieb  die  ge¬ 
hör, 

760  dar  näch  ze  nehst  frow  Aubentür. 
also  sichstu  unßer  Ordnung.’ 

759  paßt  weder  eu  t.  750  noch  tu  v.  760; 
in  der  feststehenden  Reihenfolge  der  Tugenden 
kommt  auch  sonst  (v.  792 ff.,  v.  893 ff.,  v.  968  ff.) 
auf  Scham  stets  gleich  Abenteuer,  und  evoar 
auch  an  leteter  Stelle;  deshalb  ist  vieUeicht  mit 
Hilfe  von  v.  843  f.  und  d  gegen  ab  tu  lesen: 
zu  dem  letsten  die  lieb  und  gebär, 
die  man  nent  frow  Anbent&r. 


Büd:  nach  v.  732:  Wald.  Der  Didtter  im  Gespräch  mit  Frau  Diebe;  er  hält  ihr 
Pferd  am  Zügel.  Rechts  frißt  der  Falke  den  Reiher.  —  Von  diesem  Büd  an  fehlen  Tasche  und 
Stock  des  Dichters. 


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1.  Der  Minne  Gericht. 


15 


Ich  sprach:  ‘wer  aller  menschen 

zung 

nur  uff  mich  gericht, 
dannoch  die  gezierd  möht  ich 

nic^t 

765  der  zeit  Volbringen.’ 

ich  tett  in  mir  selber  dthgen, 
es  wer  von  menschen  nit  besacht, 
Q6t  es  selber  hät  gemacht 
wan  was  ie  menschen  haben  ge¬ 
dacht 

770  von  zierd,  das  was  dar  an  vol- 

bracht 

mit  gewirckt  mangen  bilden 
der  zamen  und  der  wilden, 
die  also  in  wappen  strebten 
gelich  als  sie  warlich  lebten. 

775  yegklich  zeit  hett  sin  aigenschaift 
in  wäppes  zaichen  nach  maister- 

schafft 

von  gold,  gestein  und  berlin  fin, 
samet,  purpur  und  sydin 
[J5»-]  mit  mangerlay  färbe  gezierde. 

780  ain  yegküchs  näch  siner  wirde 
hat  siner  aigen  färb  ain  tach. 
als  nun  geb&rt,  ich  Ach  sag 
wunder  werck  von  knöpffen  schön, 
ain  yegklich  gezelt  uff  siner  krön 
785  hat  ain  knöpff  von  edelm  gestain, 
so  gröB,  fin  und  rain 
hett  es  kein  mensch  nye  gesehen. 
die  taten  durch  die  sunnen 

brechen 

gelich  alß  wer  es  ain  morgen 

Stern. 


790  den  ganzen  gral  tetten  sie  ziem 
von  iren  fröden  rieten  glösten. 
frow  Fenus  hett  den  bösten 
karfunckel  mercklich  und  groß, 
der  da  mit  heften  ußgoß 
795  liecht  bayde  nacht  und  tag. 
groß  wunder  zierd  an  im  lag 
von  allen  färben  der  gestain. 
min  frow  Lieb  die  rain 
hett  ainen  robin  von  Orient, 

800  der  Ifiht  dort  her  sam  er  brent, 
mit  mangerlay  gestain  färben; 
allain  swarz  tet  dar  an  darben, 
wer  gesach  ye  hfipscher  gezier? 
frow  Stet  hett  ain  minecklichen 

saffir, 

805  der  do  glast  mit  /'inem  blaw; 
kain  andre  färb  sach  ich  do. 
frow  Trüw  hett  von  grossen 

listen 

uff  irem  gezelt  ain  amatisten, 
fin  brun  mit  andren  iarhen  deß 

gelich. 

810  frow  Gfit  die  erentrich 
hett  ain  topasius  ze  knopff, 

[75*]  fin  gel  nach  siner  natur  löff; 
kain  andre  färb  sach  ich  dar  an. 
nun  wil  ich  z&  frow  Eren  gön. 
815  uff  der  andern  Sitten  ir  gezelt 

lag. 

die  hett  ze  knopff  ainen  smarag, 
fin  grün  näch  siner  rainikait 
mit  fil  andern  stainen  dar  in 

klait. 

frow  Zucht  hett  ainen  demant. 


762.  sprach  h,  sprich  a. 

764.  Dannoch  5,  Dar  näch  a.  nicht  5, 
nit  a. 

765.  geczelt  h. 

766.  dingen  5,  dringen  a. 

770.  Von  5,  Vor  a. 

777.  787  ows  b,  fehlen  a. 


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791.  riehen  b,  aigen  a. 

794  aus  d,  fehlt  ab. 

795.  Bayde  liecht  a. 

808.  gecjder  b,  gezierd  a. 

806.  anderm  einem  a,  einen  enden  b. 

809.  and‘n  färben  b,  andrem  fin  a. 

818.  klait]  geleit  b. 


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16 


1.  Der  Minne  Gericht. 

9 


820  des  färb  in  swarz  wirt  erkant; 
alle  herte  er  über  tretten  tut. 
frow  Scham  die  güt 
ain  kristall  lütter  und  fin; 
wisß,  mit  andern  berlin 
825  verwirckt  den  andern  glich 
was  er.  frow  Aubentftr  die  rieh, 
ain  kalcedonius  was  ir  knöppff« 

krön, 

von  allen  farwen  gemengt  schön, 
wan  sie  ist  gemain  in  aller  weit. 
830  dar  umb  ist  gemengt  ir  zeit 
mit  mangen  färben,  alß  sich 

zimpt. 

sie  ist  nütz,  wer  sie  in  güt 

ver  nimpt, 

sie  tüt  biegen  mangen  man 
der  sie  zü  recht  nit  halten  kan. 
835  wer  sie  nympt,  dem  dient  sie 

gern, 

sie  zücht  jung  lüt  und  tüt  sie 

lern 

lieb  und  laid  und  dick  grösse  nöt. 
doch  die  tugend  sie  an  ir  hät: 
sie  lert  größ  ding  erw'erben, 

840  sie  lässet  ir  diener  kainen  sterben 
[le»-]  und  wont  nit  gern  by  den  zagen, 
ir  geschieht  kain  tötter  mag 

sagen, 

dar  umb  ist  sie  nit  ungehür. 
sie  nent  sich  frow  Aubentür. 

845  Da  nun  frow  Lieb  hett  erzelt 
den  Orden  der  gezelt  uß  erwelt, 

820.  in  swarcz  in  graw  a. 

827.  knopffg  5,  knöppil  a. 

885.  nympt  a,  snekt  h. 

838.  sie  5,  die  sie  a. 

839.  erben  ah. 


sie  sprach:  ‘gesell,  wöl  uff,  ich 

rit. 

wir  wöllent  essen,  es  ist  zitt!’ 
ich  sprach:  ‘gnäd,  frow,  ich  volg 

üch  geren.* 

850  uff  dem  weg  tet  sie  mich  leren 
wie  ich  min  sach  sölt  handeln 

eben. 

ain  köstlich  mäl  tet  sie  mir  geben, 
daß  ich  deß  glich  nie  enpfieng. 
nach  dem  essen  sie  mit  mir  gieng 
[^<>*]zü  allen  frowen  und  bevalch  mich 

in: 

856  ‘lönd  üch  den  knaben  enpfolhen 

sin, 

der  hät  unß  allen  gedient  schön 
und  mag  ^och  erwerben  kainen 

Ion’ 

sprach  frow  Lieb  die  werd. 

860  Ain  yeglich  mit  Worten  und  ge¬ 
berd 

tet  enpfahen  und  trösten  mich, 
frow  Gut  die  milt  sunderlich 
für  ander  frowen  mir  tröst  gab. 
sie  sprach:  ‘min  lieber  knab, 

865  wer  dient  werden  wiben  gut, 
der  läß  nit  kümem  sin  müt 
ob  im  ain  «ril  wir<  versaget; 
ze  letscht  er  doch  tröst  erjaget, 
ain  hiderb  wib  tüt  Schemen 
870  trüwen  dienst  on  Ion  zenemen, 
daß  ainer  büßen  nit  verleit 
daß  ist  ir  beder  nnderschaid. 

842.  keym  d6rn  mag  geachitden  b. 

844.  nent  sich]  ist  von  recht  b. 

858.  doch  b,  da  a. 

862.  gutt  b,  Venus  d,  fehit  a. 

867.  ein  wU  w.  u.  b,  yil  wib  versagend  a. 


Büd:  nach  v.  854:  Frau  Liebe,  tn  rotem  Kleid  mit  grünem  Umhang,  erJdärt  dem 
Dichter  die  sedis  Zelte,  die  rechte  auf  einer  Wiese  aufgeschlagen  sind.  Sie  hohen,  wie  auf  allen 
folgenden  Bildern,  ein  farbiges  Fähnchen  an  der  Spitze. 


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1.  Der  Minne  Gericht. 


17 


ist  die  dtn  von  gütter  art, 
ze  trösten  sie  sich  nit  lang  spart. 

875  so  es  geschieht,  gedenck  an  mich.* 
ich  sprach:  ^frow,  daß  tün  ich. 
üwers  tröstes  will  ich  öwig  leben, 
üwer  g^äd  sol  mir  urlöb  geben.’ 

Ich  schied  von  den  frowen  zart. 

880  ain  jär  mir  gesetzt  ward 

zü  dem  rechten  von  den  frowen, 
ain  morgen  fr&  in  der  öwen 
in  der  schränd  da  man  t&t  rich¬ 
ten, 

sölich  sach  gar  frftntlich  schlich¬ 
ten. 

885  mich  be(f&nM  doch,  daß  m&ß  ich 

jehen, 

daß  ich  lieblicher  zierd  nie  hön 

gesehen 

[i/'-jdan  an  den  zelten  allen  waß. 
dar  an  ich  mangen  rymen  laß, 
die  ob  den  türen  wären  gemacht, 

890  von  berUn  gold  fln  besacht, 
als  sich  yegklicher  frowen  zam. 
in  den  lymen  staind  ir  nam. 
der  edlen  k&ngin  frow  Fenns 
rymen  sprach  alsus: 

895  'von  adams  zitt  hät  min  gewalt 
gehabt  ain  sölich  gestalt: 
was  lebt,  frowen  nnd  man, 
mäß  minem  gebott  sin  undertön.’ 
frow  Lieben  gezelt  rymen  waß, 

900  der  Int  also,  als  ich  in  laß: 

‘allen  den  die  liebend  mich, 
den  selben  ich  versprich 


daß  ich  nit  sich  an  gestalt  nöch 

gut: 

allain  lieb  mir  lieben  tät.’ 

905  frow  Stetten  rim  daß  waß  der; 
nun  merck  ain  yegklich  büler: 

‘ich  hatß  Stät,  die  z&  lieben  ge¬ 
hört. 

wa  ich  nit  bin,  da  wirt  zerstört 
bald  lieb  und  wuchset  dar  usß 

laid, 

910  man  erwbt  alle  ding  mit  stäte- 

kait.* 

frow  Gütten  rim  gehört  werden 

wiben, 

den  hett  sie  also  läsßen  schriben: 
‘ich  haiß  Gfit  und  gehör  dar  zü 
daß  ich  näch  senendem  herzen 

rfiw. 

915  wer  ich  nit,  so  wiechß  dick  laid; 
als  größ  übell  vermide^  gütikait.’ 
frow  Trüwen,  der  lieben  hört, 
waren  also  irs  rymen  wort: 

‘ich  bin  Trüw,  der  natur  geböt. 

920  all  lieb  on  mich  ist  ain  spot, 

[i^'lwan  trüw  ist  rechter  lieb  ain 

zaichen. 

ich  tain  herte  herz  waichen.’ 
es  staind  geschriben  an  frow  Eren 

zeit: 

‘ich  bin  der  höhst  schätz  der  weit. 

925  yederman  hett  mich  geren, 
und  tüt  maniges  mich  uneren. 
wie  wol  man  mich  ainest  verldßt, 
niemand  mich  gar  wider  erkdst; 


873.  diu  b,  dan  a. 

885.  bedQckt  d,  bendgt  a. 

893.  edeln  b,  edle  a. 

896.  G  Ynd  gehabt  a. 

900.  ala  b,  fehlt  a. 

907.  hiefi  o,  bin  b.  die  b,  dir  a. 
910.  erwirbt  b,  vertribt  a. 

916.  Ala  dnreh  ab.  venniden  o(6). 


XtaataolM  Text«  Am  MtttoUltan.  XZIV. 


917  üt  wohl  vorangestellter  Dativ ;  F.  dmw 
d.  L  h.  5  stellt  den  Nominativ  voran,  ähnlich 
wie  V.  826. 

918.  jra  b,  fehlt  a. 

920.  All  lieb  on  mich  b,  Aller  liebin  mir  a. 

927.  verläßt  a,  gelnat  b. 

928.  erhofft  a,  koat  b. 


2 


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18 


1.  Der  Minne  Gericht. 


es  müß  im  allwegen  bangen  an. 
930  ich  gib  der  weit  bdhsten  lön. 
dar  umb  ist  mangs  umb  mich  tod, 
die  andern  habend  gelitten  not. 
Oner  ist  min  wider  sach, 
die  bringt  all  die  weit  in  ön- 

gemach.’ 

935  frow  Zucht  die  löblich 

hett  geschriben,  also  laß  ich; 

'ich  bin  Zucht  und  gehör  an 
bayde  frowen  und  man. 
ich  tain  mich  allen  gölten  lieben, 
940  allain  die  bößen  mich  zerklieben.’ 
frow  Scham  het  in  mittell 
an  irem  zeit  dißen  tyttel: 

4ch  bin  Scham  und  gehör  zü 

wiben 

die  daß  eren  spil  wöllen  triben. 

945  schäm  weret  manig  misse  tat, 
blaich  antlit  mach  ich  rött.’ 
frow  Aubentüir  büchstaben 
waren  in  Worten  also  begraben: 
‘ich  bin  Aubentür  genant, 

950  manigem  manschen  ward  ich  be- 

kant, 

den  ich  hilff  uß  angst  und  not. 
ich  küsß  manigs  mündlin  röt.’ 

Also  lütten  die  tyttell  all. 
ich  gieng  getröstet  also  mit  schall 
[iS’’]  mit  frow  Lieben  in  ir  gezelt 
956  sie  sprach:  ‘gesell,  sichstu  daß 

veld 

und  ain  hütten?  daß  merck  mit 

synn, 

941.  hatt  d,  fehlt  ab.  in  H.,  ain  a{b). 
946.  ich  a,  sie  b. 

951.  52  umgestellt  nacJi  b. 

954.  tröstet  a,  trosts  b. 


da  sitzet  öch  ain  frow  in. 
die  ist  aller  nnßer  wider  sag. 

960  die  liden  wir  daß  sie  mag 
unßer  tagend  schain  dester  baß, 
wen  wa  ye  böß  by  dem  gölten 

waß, 

so  mag  man  es  dester  baß  er¬ 
kennen. 

hör,  ich  will  dir  sie  nennen: 

965  frow  Fürbaß  ist  sie  genant, 
die  Terfürt  lüt  und  land, 
wann  sie  mit  wanckellmüt 
unßer  küngin  vil  ze  laid  töt. 
sie  töt  mich  Lieb  zerspalten, 

970  sie  mag  stdt  nit  lang  gehalten, 
trüw  töt  sie  verschmehen, 
gut  mag  sie  nit  an  sehen, 
ere  sicht  sie  nit  triben  gern, 
Zucht  mag  sie  nit  lern, 

[^s*]  schäm  hät  by  ir  kain  stät, 

976  böse  aubentür  ir  näch  gat, 
kain  lugend  mag  by  ir  beliben 
die  den  Wechsel  gert  ze  triben 
und  alle  büch  walten  wil. 

980  schand  wirt  ir  endes  zil. 
es  ist  wol,  wan  es  geschieht’ 
ich  sprach:  ‘frow,  es  irt  mich 

nicht’ 

In  der  red  hain  körnen  wir. 
frow  Lieb  behielt  mich  by  ir  * 
985  die  nacht  mit  grosser  röwe. 
do  nun  kam  der  morgen  fröe, 
frow  Lieb  gieng  frölich  mit  mir 
für  gericht;  do  funden  wir 

960.  wirt  o. 

963.  mans  b,  es  a. 

970.  st&t  22.,  sie  a{b).  ' 

972.  Czneht  a. 


Bilder:  vor  v.  955:  Die  Zdtwiese.  Der  Dichter  kommt  von  links  m  Begleitung  etceier 
Frauen  auf  die  Zelte  tu.  Im  Hintergrund  eine  Stadt,  davor  auf  einem  Felde  ein  Haus. 

nach  V.  988:  Der  Dichter  wird  von  Frau  Liebe  (in  rotem  Kleid)  tu  den  Stufen 
geleitet,  die  in  das  vorderste  Zelt  fuhren. 


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1.  Der  Minne  Gericht. 


19 


frow  Fenns  in  ir  kaißerlich  krön. 
990  die  frowen  all  geziert  schon 
sassen  näch  Ordnung  z&  gericht 
frow  liieb  die  schampt  sich  nicht 
und  bat  die  kAngin  daß  sie  solt 
verniemen  min  dag,  die  sie  wolt 
[19  »■]  für  bringen  von  minen  wegen. 

996  es  ward  erlöbt,  sie  sprach:  ^der 

tegen 

hät  gedienet  ainer  frowen  zart 
mit  stetter  lieb  und  getrüwer  fart 
zfi  aller  zitt  als  ain  getrüwer 

kneht 

1000  die  hät  on  schuld  in  ver  schmeht 
und  aller  siner  sinnen  entricht 
was  sie  im  verhieß,  das  hielt  sie 

nicht 

ir  wanckler  müt  hät  in  geschla¬ 
gen 

mit  untrüw’  —  und  tet  do  sagen 
1005  alle  sach,  wie  mit  hertikait 

sie  mich  brächt  hett  in  diß  laid, 
und  bat  die  frowen  do  nmb  die 

geschieht 

daß  sie  mir  wöllend  tain  gericht, 
daß  gesträffet  werd  sülich  untrüw. 
1010  die  frowen  all  mit  grösser  rüw 
wagend  die  sach  und  waß  in  laid. 
recht  ze  sprechend  wärent  sie  be- 

rait 

doch  frow  Ere  erfür  tratt 
und  sprach:  'wer  waiß  was  da 

hät 

1015  die  frowen  dar  zä  tain  bewegen? 


man  söl  ir  kain  recht  an  rucken 

legen, 

sunder  sie  lässen  ir  antwirt  hören, 
dcM  man  daß  recht  nit  tüt  er- 

stören.’ 

Als  die  red  was  vemomen 
1020  von  frow  Eren,  do  waß  körnen 
[19*1  frow  Anbentür,  die  sach  mich  an. 
sie  sprach:  'was  sücht  hie  dißer 

man?* 

sie  ward  deß  ganz  nnder  rieht 
sie  spraeü:  'daß  ist  gemain  ge¬ 
schieht. 

1025  wa  ich  hin  oder  her  ker, 
so  find  ich  selten  minner  mer 
kain  rechte  lieb  mit  trüwen  tri- 

ben. 

stet  will  niemend  me  beliben, 
wann  wa  zway  gesellend  sich, 

1030  falsch  ist  das  ain,  das  dunckt 

mich, 

zürn  minsten,  sind  sy  es  nit  bede. 
manger  tret  der  stät  claide 
mit  dem  mund  und  herzen  nit, 
das  ist  nun  der  weit  sit. 

1085  vil  gehaissen  und  betriegen, 
lieplich  gebaren  und  fälschlich 

liegen, 

trüw  zfi  sagen  und  sie  ver- 

schmehen, 

laß  gedencken  und  frünüich  sehen, 
wer  am  maisten  git,  der  hät  den 

köff: 

1040  daß  ist  nun  der  lieben  löff. 


9l8d.9ünmge»iellt  gegen  ab.  mb,  fehlt  a. 
1015.  than  b,  fehlt  a. 

1017.  sie  lat  b,  tds  lassen  d,  l.  sie  l&ß  ? 

1018.  Das  d,  Do  ab.  nit  d,  fehlt  ab. 


1020.  do  b,  die  a. 

1023.  des  b,  daß  a. 

1024.  sprach  b,  sprachen  a. 
1026.  myner  b,  mimer  o. 


Büd:  nach  v.  1020:  Das  Gerichtaselt.  Venus  in  grünem  Kleid  mit  Krone  auf  hohem 
Sits;  links  und  rechts  davon  die  Tugenden. .  Links  kniet  Frau  Ehre  {oder  Abenteuer?),  Venus 
neigt  Kopf  und  Sand  nach  ihr  hin;  rechts  kniet  der  Dichter  neben  Frau  Hebe. 


2* 


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20 


1.  Der  Minne  Gericht. 


untrÄw  ist  so  gemain  worden 
daß  niemend  halt  der  minn  orden. 
in  gättem  sy  es  ftch  verkünt: 
sträffend  ir  sie  nit,  ir  habend  sin 

sund. 

1045  ich  kan  üch  nit  mer  gesagen, 
min  ampt  daß  ist:  ich  sol  es 

clagen.’ 

[50«*]  Do  mit  tet  sie  ir  red  be- 

schliesßen. 

die  frowen  betten  alle  verdriesßen 
von  der  jemerlichen  dag. 

1050  yegkliche  sprach :  *  wie  kan  und 

mag 

daß  beschehen  by  unßern  tagen?’ 
jegkliche  frow  tett  do  sagen 
wie  ir  geböt  nit  wer  gehalten, 
dar  umb  so  wird  die  lieb  zerspal¬ 
ten. 

1055  die  grösst  sach  dar  umb  wer 
das  wenig  lebten  der  büler 
die  da  westen  der  minn  orden. 
dar  umb  wer  sie  ze  nicht  worden, 
dan  übel  gebruchen  macht  dick 

laid 

1060  zä  ainer  gemainen  gewonhait. 

‘wer  nit  waißt,  der  kan  nit 

sinnen ; 

dar  umb  söllen  wir  verkünden 
nnßer  geböt  in  allem  land, 
daß  es  sy  niement  nnbekant 
1065  und  sprechen  müg:  “ich  lid  nöt 
umb  das  man  mir  nie  verkünt 

hät.” 

wer  dar  an  brechen  tüt, 

1051.  Do  a. 

1055.  grost  b,  grSssen  a. 

1067.  dan  daran  b,  dem  an  a. 

1068.  Sräfft  a. 


s^äfft  man  die,  es  wirt  güt 
und  mag  niemend  dar  über  cla¬ 
gen.’ 

1070  sie  Hessen  den  rät  umb  hin  fra¬ 
gen. 

er  gefiel  in  allen  und  ward  be¬ 
schlössen. 

sie  giengen  alle  zü  mir  unver¬ 
drossen 

und  batten  mich  daß  ich  min 

schwer 

ließ  an  stön  ain  wil  und  wer 
1075  ir  kneht  allen  geliebten  zü  eren. 

sie  wölten  mich  wißen  und  leren 
[-0»]  die  Lieben  orden  und  geböt, 

daß  ich  daß  tät  durch  den  werden 

Göt 

und  verkünt  es  allen  lütten 
1080  die  diß  sach  wöllend  trütten, 
und  tät  sie  die  regel  nnderwißen 
wie  lieb  mit  lieb  sy  ze  spißen. 
ich  erschrack  der  bet  und  ant- 

Wirt  in: 

‘gar  zekrank  ist  min  sin 
1085  ze  foU  enden  sölich  größ  geschefft; 
es  bedarff  größer  wisßhait  und 

krafft.’ 

min  entschuldigung  halff  mich 

nicht, 

ir  bitten  stät  was  also  gericht 
das  ich  in  nit  mocht  versagen. 

1090  ich  sprach:  ‘by  allen  minen  tagen 
schwerer  sach  ich  nie  verhieß.’ 
‘glück  den  kdnen  selten  nie  ver- 

Heß’, 

1085.  CzQ  werben  8.  g.  botschafft  b. 

1086.  nnd  feMt  b. 

1092.  den  knnen  s.  b,  der  selten  kei¬ 
nen  a. 


Büd:  vor  v.  1077:  Dasselbe  Zdt,  nur  größer  angelegt.  Venus  {diesmal  in  rotem 
Kleid)  spricht  mit  dem  Dichter.  Hinter  dem  Thron  drei  Frauen. 


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1.  Der  Minne  Gericht. 


21 


sprach  frow  Fenus,  ‘wir  dancken 

dir, 

du  häst  erfüllet  unßer  begir.’ 

[21’-]  Ich  ward  gefiert  in  ain  haimlich 

gemach, 

1096  dar  an  ich  ain  bäch  sach, 

dar  in  geschriben  waB  der  lieben 

recht; 

and  wer  ye  waß  geweßen  ir  kneht, 
der  namen  waren  da  all  geschri¬ 
ben. 

1100  und  wer  ich  lenger  da  beliben, 
ich  hett  ir  namen  all  geleßen, 
wer  trüw  oder  untr&w  wer  ge¬ 
weßen. 

es  geschach,  mir  ward  gezelt 
von  frow  Fenus  usserwelt 
1105  sie  sprach:  ‘tä  uff  herz  und  sin 
und  merck  min  geböt  dar  in. 
der  sind  dryzehne  in  der  zal, 
die  soltu  verkünden  über  al. 

Earckhait  verüief  ich  am  ersten 

schier. 

1110  es  tüt  als  ain  vergifftes  tier, 

wan  lieb  miXt  haben  wil  und  gert. 
karckhait  alle  liebe  versert 
[^i'lund  macht  dick  veil  an  werden 

wiben. 

karckhait  tüt  vil  gelöst  vertriben, 
1115  mift  ist  liebes  wares  zaichen. 


Das  ander  geböt  will  ich  dir 

raichen : 

du  solt  alle  lügen  fliehen, 
wer  gern  lügt,  der  tüt  nit  ziehen 
Stätte  lieb  in  sinem  herzen. 

1120  in  warliait  soltu  schimpffen  und 

scherzen. 

lieb  mag  kain  lüg  nit  liden. 

Das  dryt  geböt:  du  solt  myden 
von  Göt  übel  schelten  und  schwe¬ 
ren. 

sülich  Unzucht  tüt  lieb  weren, 

1125  frow  Zucht  nit  lidet  daß. 

Das  fierd  geböt  ist  daß: 
du  solt  kain  lieb  verretter  sin, 
so  belipt  lang  verswigen  die  din. 
wer  claflt,  dem  wirt  gegolten, 

1130  mit  gelicher  mäß  wirt  er  geschol¬ 
ten. 

grosses  ding  erwirbt  schwigen, 
verschwigem  herzen  sol  ain  kaißer 

nigen. 

wer  nit  schwigt,  der  wirt  ze- 

spöt 

Nun  merck  daß  fünfft  geböt: 
1135  diner  lieb  haimlichkait 
sol  nit  vil  werden  gesait. 
was  sich  zwayt,  daß  tryt  sich 

gern, 

da  mit  kömpt  lieb  zü  uneren. 


1107.  Diese  13  Gebote  stammen  ebenso  wie  1109. 1112. 1114.  Earckheit  b,  Kranckhait  a. 
die  23  Eegeln  (v.  1197  ff.)  aus  dem  Traktatus  1109.  verbietS  d,  verbynt  b,  verkünd  a; 

de  Amore  des  Andreas  CapeBanus  Qvrsg.  von  H.  schlägt  verküd  =  verqoide  vor. 

E.  Trojd,  Kopenhagen  1892)  und  folgen  in  der  1111.  milt  5,  will  a. 

dort  8. 105  Anm.  15  angegebenen  Reihenfolge.  1113.  dich  veil  b,  dick  a. 

Daß  der  ‘elende  Knabe’  direkt  aus  dem  UUein.  1114.  dnt  b,  fehlt  a. 

Traktat  und  nicht  aus  Joh.  Harüiebs  Über-  1115.  Milt  b,  Mit  a. 

setsung  oder  aus  der  ‘Minne  Regd’  des  Ever-  1120  aus  b,  fehlt  a. 

hard  V.  Cersne  schöpft,  hohe  tcü  m  meiner  Dies.  1125.  t.  mydt  es  mit  bas  b. 

8.  34  nachsuweisen  versucht.  1136.  vil]  czweyen  6. 

Bild:  nach  v.  1096:  Zwei  Gemächer,  durch  Vorhänge  getrennt.  Im  linken  der  Dichter 
(Mein,  im  rechten  susammen  mit  Venus  im  Gespräch. 


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22 


1.  Der  Mmm  Oericht, 


ain  tröpf!  on  melden  git  frdden  me  ' 
1140  dan  Offenbär  lieb  ain  ganzer  se. 

Das  sechßt  böt  sol  sin: 
du  solt  eren  den  bülen  din 
und  im  din  kffschait  behalten 
und  die  mit  nicht  zerspalten. 

1145  alles  Abels  soltu  dich  Schemen. 

Daß  sibend  geböt  soltu  ver  nie¬ 
men: 

ains  andern  bfilen  tü  nit  nneren. 
mit  wissen  soltu  in  nit  verkeren, 
[•2^'‘]wan  wer  mir  das  min  röbt, 

1150  daß  sin  ist  mir  öch  erlöbt 
lieb  will  kain  untrAw  hön. 

Daß  achtend  gebOt  soltu  ver- 

stön: 

was  dein  natürlich  schäm  zä  wib 
ver&iefet  zA  haben,  das  sol  din  lib 
1155  nit  begeren  zA  bAlschafft. 

näch  eren  sol  sin  der  lieben  krafft. 

Das  nünd  geböt  daß  lut  also: 
mit  züchten  soltu  weßen  fro 
und  der  frowen  gehorsam  sin, 

1160  und  stättikait  dar  in  erschin. 

Daß  zehend  geböt  daß  gib  ich 

dir: 

du  solt  mit  ganzer  stetter  begir 
näch  der  minnen  ritterschafft  wer¬ 
ben 

und  schand  höher  wegen  dann 

sterben. 

1165  wiltu  erwerben  der  lieben  sold, 
so  hab  zucht,  trüw  und  er  hold, 

1145.  ubelfl  h,  übel  o. 

1148.  yn  5,  fehU  a. 

1158.  schäm  5,  fehit  a. 

1154.  Yerkünt  a,  Wer  kirnt  5,  l.  Verküt 
{vgl.  V.  1109)  ?  H.  sol  b,  will  a. 

1172.  nyemS  b. 


SO  Wirt  din  nam  mit  eren  geschri- 

ben 

zA  den  die  by  lieb  ye  stet  beliben. 
Daß  ailfft  geböt  ich  dir  ge- 

sprich : 

1170  du  solt  sin  hüpsch  und  höfflich 
mit  allem  wandel  und  sytten, 
din  früntschafft  söl  sin  niemans 

yermitten. 

lieb  will  kain  Unzucht  hön; 
bistu  stet,  du  sigst  ir  an. 

1175  Daß  zwölfft  böt  also  lut: 

wan  dir  din  lieb  schimpffes  ge- 

trüwt 

und  der  lieb  spil  mit  dir  zA  tri- 

ben, 

so  soltu  näch  irem  willen  beliben 
gehorsam  und  niemen  yergAt 
1180  was  sie  dir  in  trUwen  tüt. 

lieb  angenomen  wirt  halb  yerrert, 
trüw  halten  öfft  lieb  mert 
Daß  letscht  geböt  merck  eben: 
['^<2»]  so  dir  din  lieb  will  fröd  geben 
1185  und  früntschafft  in  der  lieben 

spü, 

da  sol  haben  schäm  kain  zil. 
kain  schäm  sol  da  nit  sin. 
also  dient  man  frewlin  fin. 
lieb  in  gehaim  kain  schäm  sol 

hön. 

1190  also  soltu  min  böt  yerston, 
die  ich  dir  hon  tain  bekant. 
die  yerkünd  durch  alle  land!’ 


1180  aus  b,  fehit  a. 

1181.  verrert  d,  verirt  o,  verzirt  b. 
1186.  So  solto  h.  b. 

1188  aus  b,  fMt  a. 

1191.  thun  b,  fehlt  a. 


Büd:  nach  v.  1192:  Großes  Gemach,  m  den  Steinwänden  ^»ndbogenfenster.  Links 
auf  einem  Lesepult  ein  auf  geschlagenes  B%wh,  auf  dcu  der  Dichter  hinseigL  Venus  sUht 
daneben. 


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1.  Der  Minne  Oerieht. 


23 


Also  gieng  frow  Fenus  hain. 
die  andern  jfrowen  all  gemain 
1195  bliben  by  mir  da  sitzen 

nnd  erzalten  mir  mit  witzen 
der  lieben  regeU  und  Iren  orden, 
(die  warend  lang  gehalten  nit 

worden, 

daß  brach  in  allen  grössen  quäl,) 
1200  zway  und  drysig  stück  wer  ir  zal, 
die  sie  mir  erzalten  do. 

Die  erst  die  lut  und  waß  also: 
[^3  •']  niemand  sich  entschlachen  kan 
da  mit  der  lieü,  er  sie  frow  oder 

man, 

1205  daß  es  mit  e  sy  gebunden. 

inallen  weßen  hät  man  ye  lieb 

funden, 

in  junckfrowen,  witwan,  jungk 

nnd  alt; 

wan  alle  ding  sind  in  ir  gewalt, 
ir  wirckung  geruiot  nie. 

1210  Die  ander  regel  ist  die: 
der  mag  kain  lieb  trütten 
der  es  seit  me  lütten, 
lieb  will  verewigen  sin, 
klaffen  ist  liebes  grösste  pin, 

1215  und  hät  kain  giAsser  schwer 
dan  ain  klaffenden  minner. 
glück  sie  billich  tüt  vermiden 
die  mit  riemen  er  abschniden. 


1199.  bracht  b. 

1202 ff.  vgl.  Anm.  tu  v.  1107.  Tataäeh^ch  sind 
es  33  Hegeln,  in  dieser  Reihenfolge  (nach  Trojels 
ZMung  S.  310):  1.  2.  3.  31.  4.  19.  5—10. 
12.  13.  14  (geteilt).  16.  f  16.  f  17.  18.  20—30; 
statt  Begd  11  sind  swei  andere  eingefügt. 

1208.  entschlachen  a,  entschnidigen  h. 

1204.  yerliefi  a,  Terliebt  b. 

1205.  06  umgestellt  nach  b. 

1206.  je  b,  nie  a. 

1209.  gerllwt  b,  gewert  a. 

1214.  grösse  a. 


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1220  Die  drytten  regel  verkünden 

wir: 

niement  ganz  kan  recht  hön 
zway  lieb;  es  müß  ye  die  ain  lön. 
lieb  will  nit  haben  gemain. 
wer  ir  mer  hät,  der  hät  ir  kain. 
1225  doch  kompt  dick  daß  zwen  man 
ain  frowen  lieb  hond, 
und  zwo  frowen  ainen. 

Also  will  die  fierd  regel  mainen: 
zway  aim  dick  lieb  tragend, 

1230  ains  zway  nit  mag  lieb  haben, 
daß  ist  der  lieb  gerech^ikait. 

Die  fünfft  regel  sy  dir  geseit: 
der  lieb  natnr  ist  die 
daß  sie  ruwt  selten  nie. 

1235  sie  mag  nit  stet  in  weßen  sten, 
sie  müß  uff  und  nyder  gen, 
sich  meren,  sich  minem  näch  ir 

art. 

lieb  nie  ganz  volendet  ward, 

[23  •]  und  waißt  mensch  nit  ir  endes  zil. 
1240  Die  sechst  regel  ich  s&gen  wil: 
wan  lieb  tüt  minem  sich, 
bald  sie  zergat,  daß  sag  ich, 
und  Wirt  selten  wider  brächt, 
wa  lieb  gen  lieb  wirt  verschmacht. 
1245  wan  aber  lieb  ruschen  tüt, 

ze  wachsen  zwar  sie  nymer  rüwt. 
sie  will  öch  nit  gefirt  hön. 
lieb  gen  lieb  nit  mag  still  stön, 


1215.  grosser  b,  grösse  a. 

1216.  Daß  ain  klaffender  a(&).  mynner  b, 
nn  mer  a. 

1218.  riememen  a. 

1219  fehlt  ab. 

1222.  ain  a,  andern  b. 

1231.  gerechtikeit  b,  gerechikait  a. 

1234.  sie  rhwt  b,  czwayt  a. 

1235.  in]  an  eym  b. 

1240.  sagen  b,  haben  a. 

1245.  raschen  b,  machen  a. 


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24 


1.  Der  Mime  Oeriehi. 


gelich  als  ain  orlay  daß  still  stät: 
1250  der  röst  es  bald  verderbet  hät 
dar  umb  mag  lieb  gefiren  mt 
Die  siebent  reget  hat  den  sit 
das  lieb  gen  lieb  erfrdt  nicht 
waß  lieb  gen  lieb  on  lieb  ge¬ 
schieht 

1255  es  mag  lieb  nit  fröd  bringen 
was  sie  nimpt  von  lieb  mit 

zwingen ; 

wan  zwnngne  lieb  und  zwnngne 

röt 

werend  nit  lang  in  der  nöt 
die  lieb  fröd  will  haben  gunst. 

1260  Merck  der  achtend  regel  kunst: 
ain  man  mit  ganzer  völkumenhait 
z&  frowen  mer  lieb  trett 
das  macht  die  natnr  und  sip: 
sie  sind  gemacht  nß  mannes  rip. 
1265  dar  umb  selten  frowen  hön 
so  größ  lieb  als  die  man: 
es  ist  also  geschickt  worden, 
doch  manig  wip  heit  den  orden; 
wie  wol  man  sagt,  von  waichen 

synnen, 

1270  so  tüt  doch  mang  in  lieb  örinnen. 
Die  nünd  regel  hät  den  sin: 
wan  nnder  zway  lieben  ains  hin 
gät  Ton  der  weit  und  stirbt, 
ist  es  das  die  lib  nit  verdirbt 
[^4»-]  in  dem  lebenden  in  zwain  jar, 

1276  so  wert  sie  ewicklich  zwär. 

1251.  nit  h,  nidit  a. 

1252.  53  aia  b,  fehlen  a. 

1257.  zwnngne  r.  a,  gryben  r.  b. 

1262.  dreyt  b. 

1265.  selten  d,  selten  ob. 

1270.,  biynnen  b,  tringen  a. 

1275.  In  b,  Gen  o. 

1277.  Yalscher  b,  Falschen  a. 

1279.  vor  mag  gestrichen:  t&t  a. 

1283.  VnredUch  a,  Inredlich  6.  dem  b, 
den  a. 


falscher  lieben  regel  leren  töt: 
waß  uß  den  ögen,  uß  dem  m&t 
daß  rechte  lieb  nit  liden  mag. 

1280  Die  zehend  regel  ich  dir  sag: 
wo  zway  lieben  sich  vertragen 
früntschafft,  da  sol  kain  absagen 
on  redlich  schuld  von  dem  andern 

sin, 

wan  untr&w  ist  liebes  höhste  pin. 
1285  es  sol  niemand  on  redlich  ursach 
berObt  werden  lieben  gemach, 
nnstät  lieb  tät  betören. 

Die  aiUft  regel  soltn  eren: 
niemand  rech  lieb  verbringt 
1290  den  Inst  der  lieb  zü  lieb  nit 

zwingt. 

was  lieb  ret,  daß  mäß  geschehen, 
vor  lieb  ist  niemand  fry  gesehen, 
durch  lieb  sind  alle  ding  erdacht, 
er  ist  nit  selig  der  lieb  versmacht, 
1295  man  sol  sie  eren  zü  aller  stund. 
Die  zwölfft  regel  sy  dir  kunt: 
lieb  wonet  nit  in  dem  huß 
do  karckhait  gät  in  und  uß. 
sie  will  haben  milt  hend, 

1300  die  verließ  sie  nie  in  eilend, 
lieb  gen  lieb  mag  nit  sparen, 
milt  ist  liebes  vächgaren, 
do  mit  man  lieb  vachen  tüt 
Die  dryzehend  regel  hab  in  hüt: 
1305  ein  waren  lieb  haber  fröwt  nicht 
waß  im  lieb  und  lust  geschieht 

1285.  TU  redlich  b,  nnredlidi  a. 

1287.  lieb  tät  a,  dat  lieb  b. 

1288.  eren  a,  hom  b. 

1289.  recht  b. 

1290.  Der  a. 

1292.  Vor  b,  Wär  a. 

1298.  karckheit  b,  kranckhait  a. 

1305.  warer  o. 

1306.  im  b,  nS  a. 


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1.  Der  Minne  Gericht. 


25 


von  andern  l&tten;  es  ist  öch 

recht 

[24-]  alle  ander  fröd  er  verschmecht, 
allain  im  liebt  sins  lieben  handeil, 
1310  liebs  und  laids  begert  er  kainen 

Wandel, 

und  gefeit  im  nit  sust  uff  erden. 
Die  vierzehend  regel  sol  wer¬ 
den 

dir  verkftnt  zü  dißer  st&nd; 
wan  lieb  wirt  offenbar  und  kund, 
1315  so  mag  sie  selten  lang  weren. 
haimlich  trftw  hät  lieb  geren, 
lieb  mit  gehaim  tdt  man  tr&tten, 
offne  lieb  gehOrt  zü  e  lütten, 
kain  lieb  ward  nie  so  üaiß 
1320  als  die  die  niemant  dan  lieb 

wai^. 

die  mag  der  claffer  nit  verjagen. 
Die  fünffzehend  regel  wil  ich 

dir  sagen: 

waß  man  lichtlichen  erwirbt, 
geren  es  wider  bald  stirbt. 

1325  waß  lieb  kompt  uß  ringen  Sachen, 
die  tfit  sich  bald  schemlich 

machen. 

hart  gewinen  raizt  den  man, 
das  er  nit  geren  läßt  da  von. 

Daß  ist  der  sechzehent^  regel 

1er: 

1330  schwerlich  gewinen  übet  ser. 
was  man  gewint  mit  arbait, 
daß  hät  man  gern  mit  stetikait 
ringe  liebe  und  linde  kolen 
sol  niemand  gern  wit  holen, 

1335  es  enzint  sich  bald  und  üscht 

gern. 

1309.  im  5,  8  im  a.  liebt  b,  fehlt  a. 

1319.  heis  b,  wiO  a. 

1320.  dan  lieb  fMt  b.  weis  b,  wiOet  a. 
1327.  80.  gewonnen  b. 


Die  sibenzehend  regel  will  ich 

dich  lern: 

lieb  gen  lieb  hät  ye  den  si^, 
als  man  ßnt  und  feit  nit, 
wan  lieb  lieb  an  plickt, 

1340  von  rechter  lieb  sie  erschrick 
und  ferbt  sich  blaich  oder  röt. 
sölich  natur  die  lieb  hät. 

(55'-]  ich  wölt  daß  kain  claffer 
sült  wissen  diß  haimlich  1er, 

1345  so  wird  manig  mensch  behüet  vor 

Sünden. 

Die  achzehend  regel  will  ich 

verkünden: 

lieb  vor  lieb  kan  selten  lögen; 
wo  sie  ist,  da  sind  die  ögen. 
wan  waß  mir  liebt,  daß  sich  ich 

gern.  ^ 

1350  anplick  taind  herzen  versern, 
öch  ist  deß  herzen  geböt. 
vor  melden  behüet  sie,  werder 

Göt! 

ich  wölt  daß  kain  melder  wer, 
er  enpfund  was  diß  tner 
1355  offenbart  von  lieben  plicken. 

Die  nünzehend  regel  soltu 

schicken: 

so  üeb  gen  lieb  uff  pUcken  tüt, 
gar  selten  do  daß  herz  rüwt, 
es  werd  zittern  und  springen. 

1360  daß  und  mer  kan  lieb  bringen, 
wan  üeb  hört  lieb  nennen, 
do  by  mag  man  üeb  erkennen: 
es  tüt  sich  Verben  und  wirt  im 

haiß. 

es  geschieht  mangem  daß  er  nit 

waißt 

1329.  der  sechezehend  b,  de  Bechsehest  a. 
1837.  syt  b,  Bitten  a. 

1854.  Er  enpfond  wan  er  d.  m.  b,  fehU  a. 

1855.  lieben  b,  melden  a. 


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26 


1.  Der  Minne  Gericht. 


1365  Daß  ist  der  zwainzgost  regel 

sit: 

lieb  mag  sich  verbergen  nit. 
man  verbürgt  baß  röß  und  man 
dan  ain  lieb,  so  es  lieb  tßt  sehen 

an. 

dar  nmb  liebes  hüpschkait 
1370  ist  wer  sie  haimlich  and  still 

trait 

mangem  wirt  von  lieb  nit  ver- 

zigen, 

wan  er  wer  stet  und  verswigen. 
Die  ain  und  zwainzgost  regel 

ist: 

von  natur,  als  man  oft  lißt, 

1375  nüwe  lieb  die  alte  vertribt 
aine  by  der  andern  nit  belibt, 
daß  alt  müß  werden  zä  gast, 
nüwe  ding  liebend  vast, 

[25*]  mangem  ist  näch  uüwem  gäch, 

1380  wie  wol  daß  böst  kumpt  selten 

hemäch. 

lieb  ön  sach  kains  Wechsels  gert 
Die  zwo  und  zwainzgost  regel 

dich  daß  lert: 
Zucht  und  frümkait  allain 
macht  wirdig  und  rain 
1385  ain  yegklich  mensch  lieb  zehaben. 
kain  schnöder  man  sol  lieb  haben 
nöch  öch  kain  schnöde  frow, 
die  ir  nit  mer  gert  zu  schowen. 
es  ist  schad  daß  frümkait 
1390  den  lieb  die  ir  lieb  versait; 
waß  in  laid,  mich  nit  verdrüsßt. 
wan  ain  man  siner  güte  genüßt 


und  daß  boßhait  werd  ver> 

schmecht 

von  allen  gelüpten,  so  gedächt 
1395  jederman  frümkait  näch. 

sust  näch  gewin  ist  yederman 

gäch. 

Die  dry  und  zwainzgost  regel 

spricht: 

ain  yegklicher  geliepter  läßt 

nicüt, 

er  hab  forcht  in  siner  lieb, 

1400  daß  es  im  ain  ander  nit  ab  dieb 
nnd  daß  sin  wandel  nit  misse  fall 
sinem  lieb  in  schimpff  nnd  in 

schall. 

die  forcht  t&t  im  alweg  we 
daß  sinem  lieb  nit  laid  dar  nß  ge. 
1405  lieb  ön  sorg  nit  mag  bestön. 

Die  fier  und  zwainzgost  regel 

sich  an: 

lieb  nß  rechter  sorgfeltikait 
sich  mert  nnd  wechset  nß  stüti- 

kait, 

wan  waß  yemant  besorgt  im 

entfliehen, 

1410  daß  tüt  es  gern  früntlich  ziehen, 
daß  es  belib  und  nit  entwich, 
sorg  der  verlast  macht  lieb  rieh. 
[^^'*1  wan  zway  nmb  ain  sach  dingen, 
keiner  läßt  sich  gern  ver  dringen. 
1415  do  mit  sich  lieb  meren  tüt. 

Die  fünff  und  zwainzgiost  regel 

rüwt 

auch  in  diser  regel  sin: 

wan  lieb  ain  aigkwän  tüt  gewin 


1371.  wurd  6. 

1376.  andero  b,  fehlt  a. 

1380.  best  b. 

1388  aus  b,  fehlt  a. 

1390.  Dent  1.  die  ir  a,  Die  1.  der  b.  Vgl. 
Anm.  zu  490. 


1394.  gelipten  a,  lat,'-  b. 

1398.  Dicht  5,  nit  a. 

1399.  sinem  b. 

1409.  enffliehent  mit  geztrichenem  t  a. 
1418.  argwon  d,  argnng  a,  eigening  6. 


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1.  Der  Minne  Gericht. 


27 


daß  ain  ander  sin  lieb  traüt, 

1420  so  wachset  lieb  und  arbait, 

so  wer  er  willig  zü  allen  Sachen, 
offt  argkwän  tät  lieb  starck 

machen; 

do  mit  Wirt  lieb  gedienot  schön, 
lieb  will  zd  lieb  kainen  gesellen 

hön 

1425  der  nit  macht  lieb  lieb  nnd  werd 
nnd  tüt  lieb  waß  lieb  nmb  lieb 

begert 

e  ich  mich  von  lieb  verdringen 

ließ, 

ich  tät  e  waß  mich  lieb  hieß. 

Non  sol  man  mercken  eben: 

1430  der  sechß  und  zwainzgost  regel 

leben 

ist  da^  lieb  stättes  bekAmern  t&t. 
wer  an  lieb  gedenckt,  der  selten 

rüwt, 

vil  minner  er  schiäfft  und  ißt 
der  an  lieb  gedenckt  und  nit  ver¬ 
gißt, 

1435  der  sich  an  allen  Sachen  Aber  trit; 
kain  arzet  mag  im  gehelffen  nit. 
ye  grösser  lieb,  ye  grösser  we, 
daß  ist  der  minn  sucht  gemain  e. 
der  minner  rdu;et  zA  kainer 

stund. 

1440  senen,  sAffzen  uß  herzen  grund. 
Aber  sich  blicken  nnd  schemlich 

lachen, 

ungeberd  und  unsin  machen 

1422.  starck  b,  an  a. 

1425.  lieb  b,  fehlt  a. 

1427.  dringen  5,  verdingen  a. 

1431.  dan  a.  lieb  (Mt  ab. 

1484.  vnnd  b,  fehlt  a. 

1488.  gemaine  o. 

1488.  römet  a,  mwen  b. 

1440.  Senen  5,  Sinem  a.  vor  nd  ge- 
stridten:  czA  a. 

1446.  L.  tr.  a.  ist  freit  a,  L.  lieb  es  a.  fryt  b. 


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kan  daß  Abell,  nnd  waißt  kain  man 
wan  der  es  hät  getragen  an. 

1445  alle  Abel  es  Aber  trit. 
liebes  tröst  allain  es  fnt, 
und  haisset  wöl  der  schwer  orden. 
daß  seit  der  dem  es  ze  tail  ist 

worden. 

Nun  merck  waß  ich  dir  sag. 

1450  daß  ist  der  xxvij  regel  klag: 
waß  lieb  dienst  gen  lieb  send, 
aller  erst  zü  fröden  wirt  es 

ge  ent 

wan  es  sinem  lieb  wirt  kunt 
dar  umb  liebt  lieb  zü  aller  stund. 
1455  waß  ains  güts  tüt  uff  erden, 
es  fröwt  nit,  sölt  es  nit  werden 
sinem  lieb  offenbar; 
so  wer  die  arbait  nit  volbracht 

gar. 

lieb  macht  ring  alle  not, 

1460  wan  es  lieb  von  lieb  für  güt  hät. 
Der  xxviij  regel  Zer 
ist  daß  ain  wissend  liebhaber 
nit  anders  gelobt  güt  ze  sin 
den  gedencken  wie  er  schin 
1465  sinem  lieb  zü  gefallen 

inemst,  schimpff  und  schallen, 
was  er  lit,  deß  acht  er  nicÄt 
so  es  sinem  lieb  zü  güt  geschieht, 
sin  gedanck  und  bewegen  ist 
1470  sinem  lieb  zü  gefallen  zü  aller 

frist, 

und  fröwt  in  nit  waß  er  tüt, 

1450.  der  b,  de  a. 

1451.  stend  ab. 

1460.  für  güt  a,  vemomen  b. 

1461.  Der  . .  1er  b,  Die  . .  er  o. 

1462.  ein  b,  fehlt  a. 

1463.  Über  das  eigeniümlidte  g&t  ze  sin 
vgl.  Grimm  IV,  120.  H. 

1467.  nicht  b,  nit  a. 

1469.  bewegen  a,  begir  b. 


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28 


1.  Der  Minne  Gericht. 


es  dnnck  den  sin  lieb  gut. 
aller  lieb  wircknng  stet 
in  dem  daß  lieb  zd  lieb  get, 

1475  dan  so  wirt  lieb  mit  lieb  ver  aint. 

Die  xxviiij  regel  maint: 
wo  lieb  gen  lieb  sich  tut  ver¬ 
tragen, 

do  mag  lieb  nit  ver^a^en. 
daß  waß  ye  stätter  liebe  art 
[•2?''']daß  sie  gen  lieb  nit  spart. 

1481  was  lieb  von  lieb  ye  begert, 
daß  Wirt  lieb  an  lieb  gewert. 
wie  mag  lieb  do  beston 
do  sich  lieb  versagen  kan? 

1485  wan  waß  mir  liebt,  daß  hon  ich. 
wie  m6ht  ich  het  verzihen  mich? 
daß  ist  warer  lieb  orden  und 

leben. 

Die  dryssigst  regel  merck  eben: 
kain  Meb  uff  erden 
1490  mag  von  lieb  erfült  werden 
mit  lust,  frdden  und  fäg, 
es  bedunck  lieb  nit  sin  genüg, 
wie  lieb  tüt  lieb  laben, 
so  mag  doch  sie  kain  benügung 

haben, 

1495  sie  gedenckt,  es  sdlt  mer  sin. 
dos  bringt  lieb  offt  grösse  pin 
von  mangem  bößen  claff^. 
dar  umb  nöt  und  nütz  wer 
daß  Oöt  allen  lieben  ze  stftr 
1500  geschaffen  hett  ain  warne  t&r, 
daß  niemend  sech  an  kainen  orten 

1478.  versagen  b,  laides  haben  a. 

1479.  ye  ft,  ir  a. 

1484.  Do  sich  b,  Wan  waß  mir  lebt  daß  a. 

1486.  bet  b,  fehlt  a. 

1489.  lieb  h,  laid  a. 

1496.  Das  b,  Die  o. 

1500.  Warner  b. 

1502.  mit  . .  und  b,  tn  o  vertauecM. 

1504.  sp.  heimUch  y.  b. 

1507.  mer  5,  merer  a. 


wo  sich  lieb  mit  werck  und 

Worten 

enphelhen  tdt  nach  liebes  gir, 
daß  er  sprech:  ‘‘volgt  mir 
1505  und  hört  uff,  es  ist  genüg, 

der  mercker  sich  es  ze  unfüg!” 
so  belipt  manig  lieb  mer  ver- 

schwigen, 

die  falsch  claffer  nit  lat  verligen. 
lieb  ungemüt  näch  lieb  ringt, 

1510  dos  selb  ir  gissen  schaden 

bringt 

|xvr]so  ist  es  doch  also  körnen  her 
daß  man  ye  fand  falsch  claffer, 
da  für  niemant  ist  gefryt, 
wan  das  glück  will  haben  nit 
1515  daß  macht  das  manger  wirt  ter- 

sagt 

Als  die  xxzj  regel  sag^: 
von  lieb  ain  clainer  arckwon 
ain  liebhaber  zwingen  kan 
daß  er  vill  öösser  züversicht 
1520  dick  nympt  uß  ainer  dainen  ge¬ 
schickt, 

wan  lieb  tüt  uß  clainen  Sachen 
dick  ain  gissen  arckwon  machen 
und  schätz  offf  klain  laid 
hoch,  schwer,  wit  und  brait. 

1525  lieb  mag  nit  wol  gelaiden 

daß  man  ir  ycht  tüt  ab  schniden, 
sie  will  ganz  sin  on  betnegen. 
daß  macht  das  lieb  mit  lieb  tüt 

kriegen 

1510.  Das  ir  selber  b,  Do  selb  ir  a. 

1514.  Wan  b,  Was  a.  Vgl.  3  ne. 

1515.  wirt  y.  d,  ynuersagt  ab. 

1516.  clagt  5. 

1519.  yil  bösser  b,  will  wissen  a. 

1520.  uß  b,  es  uß  o.  geschit,  dahinter 
geetriehenes  k  a. 

1528.  offt  b,  uff  a. 

1527.  on  betnegen  d,  ynbedrygen  b,  yn- 
betrOgen  a. 


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1.  Der  Minne  Gericht. 


29 


zu  manger  stund  one  schuld. 

1530  doch  wechßt  dar  dick  größ  huld, 
wan  lieb  sin  Unschuld  verstät, 
daß  es  ain  sach  gez&met  hät. 
es  ist  licht  das  lieb  in  eorn  feit, 
dar  umb  doch  kain  liebe  zerspelt, 
1535  wan  lieb  will  gezangket  h5n. 

Die  xxxij  regel  sich  an: 
der  kan  nit  wol  lieb  tragen 
der  by  allen  sinen  tagen 
übrigen  wolnust  näch  gfit  hät; 
1540  wan  sin  gedencken  nit  näch  lieb 

stät, 

sunder  wie  er  güt  gewin. 
fröwen  mät  will  haben  die  minn. 
[58'-]2war  kainer  recht  lieb  tregt 
der  uff  ander  sach  sin  lust  lett. 
1545  lieb  begert  ze  haben  gemach 
on  yorUeb  sust  yor  all  sach. 
als  zwayen  herren  niemen  dienen 

kan, 

also  will  lieb  kain  mit  handel  h5n. 
sie  bedörfft  aller  sin  allain. 

1550  Die  letschten  regel  trag  mit  dir 

hain: 

ain  wärer  liebhaber  on  underläß 
sines  liebes  gestalt  nie  yeryaß. 
es  ist  gebildet  in  sin  herz, 
das  er  es  in  ernst  und  inscherz 
1555  unyergessen  tüt  yor  im  sehen, 
dick  in  schlauff,  daß  müß  ich 

yehen. 

lieb  nympt  lieb  all  zit  wär. 

Also  hästu  die  regel  gar 
und  waß  der  lieben  orden  sy’, 


1560  sprechend  die  frowen  alle  fry, 

*die  soltu  durch  unßem  willen 
yerkünden  öffenbar  und  stillen 
durch  alle  witte  land, 
daß  es  sy  niemand  unbekant, 

1565  beiden  frowen  und  man, 

die  lieb  zetryben  willen  hönd; 
daß  sie  hin  für  nit  mer  tryben 
der  falschen  lieb  Wechsel  schriben, 
als  biß  her  ist  geschehen. 

1570  du  solt  die  wärhait  in  yerjehen: 
wer  f&rhin  daß  tät  brechen, 
daß  wir  es  alles  wöllen  rechen 
heimlich  und  öch  öffenbär, 
daß  mengklich  mag  niemen  wär 
[^s^ldaß  uns  leid  ist  daß  unßer  orden 
1576  also  zä  laster  und  sehend  ist 

worden 

yon  den  falschen,  bößen  bülem, 
die  nicht  den  den  tusch  gern 
und  mit  raim  ir  sach  triben, 

1580  und  öch  yon  den  bößen  wiben, 
die  mengen  zö  übel  kerend 
die  sust  bültend  näch  eren. 
wann  einer  nit  will  dar  an: 

“ain  ander!  der  sol  «Wob  hön" 
1585  sprechend  sie  und  ist  nun  sit. 

dar  umb  manger  gesell  schond  nit 
sunder  gütter  wiber  er, 
der  sust  gern  stät  wer, 
so  er  yernympt  dißen  löff, 

1590  daß  man  umb  lieb  machet  köft. 
solicher  handell  tüt  lieb  zerschni- 

den, 

wir  mögend  es  nit  lenger  liden. 


1533.  ist  b,  fehlt  a.  zorn  fehlt  a. 
1535.  Vgl.  4  tat. 

1539.  Vbrigen  b,  Verbringen  a. 

1540.  lieb  6,  gftt  a. 

1542.  Vryen  b. 

1552.  vergas  5,  verdrofl  a. 


1554.  er  es  b,  es  ist  a. 

1579.  raim]  mm  b. 

1584  nach  b.  Sin  oder  s.  lob  a. 

1586.  schont  d,  schon  b,  schand  a. 
1590.  man  b,  fehU  a.  kauB  b,  r&B  a. 


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30 


1.  Der  Minne  Gericht. 


es  muß  je  gesträfft  sin 
mit  rechtem  gericht  nnd  pin, 

1595  daß  ain  getr&wer  erber  b&ler 
siner  lieb  niem  nutz  und  er 
und  der  b6ß  siner  untrüw  engelt. 
dar  umb  warn  alle  weit, 
daß  sie  vor  sträff  hütten  sieb’, 

1600  sprachen  die  frowen,  ‘daß  bitten 

wir  dich 

nnß  und  allen  geliebten  zfi  eren.’ 
Ich  sprach:  ‘frow,  daß  tät  ich 

geren 

und  wer  willig,  künd  ich  es  wöl. 
ains  ich  Ach  vor  fragen  sol: 
[■29'’]ir  habt  mir  der  lieben  böt  erzölt 
1606  nnd  iren  orden  uß  erwelt. 
so  wölt  ich  gern  wissen  daß 
waß  lieb  wer  und  uß  waß 
sölich  lieb  wüechß  und  kdm, 

1610  daß  ich  ir  natur  ganz  vernem. 
so  wöst  ich  döster  bas  es  ver¬ 
künden 

wie  sich  lieb  tüt  enzinden.’ 

Die  fröwen  sahen  ain  ander  an 
und  sprächend:  ‘hör  waß  dißer 

man 

1615  von  uns  begert  nun  z&  sagen, 
wer  nit  waißt,  der  mfiß  fragen, 
wir  haben  dich  vor  under  schaiden 
was  lieb  lieben  tfi  und  laiden. 
nun  wöUen  wir  dir  verkünden  hie 
1620  waß  sach  die  lüt  zü  lieb  ziech. 

.  [^5*]  daß  geschieht  von  manger  figur. 


lieb  kompt  etwan  von  natur, 
daß  ains  dick  ahn  ist  genaigt 
daß  im  früntschafft  nie  erzaigt 
1625  und  er  es  vor  nie  hett  gesehen, 
die  wärhait  möhtest  du  also 

jehen : 

sichstu  vil  schöner  frowen  vor  dir 

ston, 

der  din  her^  nie  kuntschafft  ge- 

wan, 


1630  aine  uß  den  allen  dir  wöl  gefölt^ 
die  für  sie  all  din  herz  begert 
sölich  lieb  selten  lang  wert, 
wan  sie  knmpt  uß  lichter  natur 

sach. 

Wirt  sy  aber  dar  näch  zwifach 
1635  mit  andern  Sachen,  die  do  ziehen 
zü  lieb,  mag  niemand  fliehen 
so  rincklichen  do  von, 
wan  so  Wirt  zwifach  der  ban. 
also  wan  ains  der  lieb  haSten  tüt 
1640  mit  stdttem  dienst  und  mit  g^t, 
so  Wirt  die  natürlich  lieb  er^iciH 
und  sich  dan  zü  gewisser  lieb 

schickt 

uß  früntlicher  dienstbar  keit ; 
wan  dienst  nnd  gäb  sind  liebes 

klaid, 

1645  nnd  sölich  lieb  weret  lang, 
so  sie  hät  von'  natur  anfang. 

Du  solt  öch  wissen  daß 
das  kain  sach  zimmet  baß 


1601.  geliebten  5,  liebten  a. 

1609.  hinter  lieb  gestrichen:  k&m  vnd  a. 
1612.  Wie  a,  Vfi  was  sach  b. 

1626.  w.  müssen  wir  all  j.  b. 

1627.  frawen  b,  fowen  a. 

1628.  din  bercz  b,  ding  hercien  a. 


1629  fehU  ab. 

1637.  do  o,  me  da  b. 

1639.  haStra  o,  'willen  b. 

1641.  erquickt  b,  erkält  a. 

1642.  g.  L  8.  b,  Sachen  gezalt  a. 


Bild:  vor  v.  1605:  Das  Innere  eines  Holzbaues.  Der  Dichter  sitzt  im  Kreis  der 

Tugenden. 


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1.  Der  Minne  Gericht. 


31 


zü  lieb  dan  stete  gehaim. 

1650  die  ist  der  liebe  haim, 

dar  uff  sie  gewonUch  wachsen  tdt. 
gehaim  ist  zfi  aller  lieb  g^t, 
alle  ander  sach  sie  über  tritt, 
was  gehaim  erwirbet  nit, 

[30*-]  daß  bringt  man  hart  zfi  gemach. 
1656  gehaim  macht  mercklich  yil  sach, 
vor  gheim  bywesen 
mag  kein  lieb  lang  wesen, 
sie  mfiß  sich  in  lieb  ergeben. 

1660  uß  den  Sachen  wechset  liebes 

leben. 

Nun  soltn  fürbas  hören  mer: 
es  sind  noch  dry  1er 
die  lüt  zfi  lieb  zu  körnend  laden, 
die  soltu  mercken  one  schaden. 
1665  nutz,  schön  und  erberkait, 
den  ist  lieb  zfi  dienen  berait 
yil  mer  dan  sinem  wider  tail. 
es  macht  frowen  und  man  gail 
an  iren  lieben  lieblich  schon; 

1670  sie  zühet  ser  zfi  liebes  tron. 

solt  ich  min  sin  zfi  lieben  keren, 
so  hett  ich  ye  die  schönsten  geren 
und  die  mit  adel  und  erberkait 
für  ander  frowen  weren  beklait 
1675  und  öch  mehtig  an  gfit 
sölichs  yast  ziehen  tfit 


zfi  lieb  und  lieb  mein, 
besunder  der  da  bfilt  näch  eren. 
im  lieber  ain  sölicher  bfil  wer 
1680  dan  arm,  graw  und  nnmer; 
wie  wol  lieb  nit  mag  und  kan 
das  allwegen  gesehen  an, 
wan  was  lieb  ir  usserwelt, 
daß  für  alle  ding  ir  gefeit. 

1685  daß  ist  wär,  so  lieb  ist  gethön. 
die  sach  tfit  lieb  fahen  an. 
schdn,  gfit,  trüw  und  er 
[30»]  ziehen  fast  und  liebend  ser, 
als  dan  wol  billich  ist. 

1690  also  sy  dir  geantwirt  zfi  dißer 

frist 

uff  daß  fragen’  sprächen  sie  all. 

Ich  danckt  in  mit  schall 
ir  nnderwisung  und  gfitter  1er, 
der  wölt  ich  yergessen  nymer  mer 
1695  und  es  yerkünden  näch  ir  begir. 
ainer  bett  wart  geyolg^  mir, 
do  ich  für  die  eilenden  frowen  bat 
die  mir  ir  sach  befolhen  hat, 
do  sie  sasß  by  mir  im  graß, 

1700  und  um  ir  hörti  yerurtailt  waß. 
gnäd  ward  erwisßt  und  erbarmen 
uff  min  trüw  der  yil  armen, 
daß  fi’öwt  mich  gar  ser. 
zfi  letscht  do  frägt  ich  mer 


1650.  Der  o. 

1651.  off  a,  nfi  b. 

1656.  hert  b,  fehlt  a. 

1656.  mercklich  a,  menglich  b,  mincklich  ü. 
yilsach  a. 

1657.  58  atu  b,  fehlen  a. 

1663.  ZQ  k.]  koimen  b. 

1666.  Den  d,  Dienen  ab. 

1667.  68  vertauscht  in  b,  doch  statt  1667: 
Vnnd  uil  dick  glnck  ynnd  heiL 


1667.  dan  d,  fehlt  a. 

1670.  krön  b. 

1674.  wer  b. 

1677.  mem  b,  in  eren  a. 

1679.  lieber  . . .  wer  a,  übt  . . .  mer  b. 

1680.  graw  a,  grob  b. 

1687.  Schon  6,  Scham  a. 

1695.  es  b,  er  a. 

1696.  wart  gefolgt  b,  genolgent  a. 
1701.  Der  gnäd  a. 


Bild:  nach  v.  1704 :  Landschaft  {ohne  Grün),  im  Hintergrund  eine  Stadt.  Der  Dichter 
steht  mit  erhobenen  Händen  einer  Frau  gegenüber  {Venus?),  tooM  «m  sich  tu  bedanken. 


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32 


1.  Der  Minne  Gericht. 


[51'']  und  sprach:  ‘wie  sol  es  dan 

besten 

1706  umb  min  frowen,  die  ich  hön 
umb  ir  untrüw  her  geladen?’ 
sie  sprachen:  ‘es  sol  öch  on 

schaden 

ain  wil  in  gfitem  wandel  ston, 

1710  und  du  soll  wider  z&  ir  gön 
und  ir  öch  verkünden  dise  ge¬ 
schieht, 

daß  sie  sich  güttlich  mit  dir  rieht 
und  gewamet  sy  vor  schaden, 
anders  wir  taind  sie  für  laden 
1715  für  diß  gericht  uff  den  mayen, 
wan  wir  da  zwischen  dch  zwayen 
din  für  gelete  warhait. 
daß  mäß  ir  ümer  werden  laid 
daß  sie  unßer  geböt  also  ver- 

schmecht 

1720  thü  öch  als  ir  trüwer  knecht 
und  lauß  ab  die  alten  schuld, 
ob  sie  dich  tröst  mit  irer  huld. 
daß  wir  sie  bitten,  die  fröwen  din. 
will  sie  vor  schand  behüttet  sin, 
1725  so  volg  unßers  rätes  und  1er 
und  trib  sölichs  nit  mer! 
daß  zimpt  den  eren  wöl.’ 

Ich  sprach:  ‘frowe,  ich  sol 
üwer  bett  üch  nit  verzihen. 

1730  will  mir  min  frow  nun  tröst  ver¬ 
üben, 

ich  wil  vergessen  und  vergehen 
als  mins  laids,  und  min  leben 
näch  allem  irem  willen  richten. 


1713.  vor  8.  5,  Tor  dißem  s.  a. 

1716.  Tch  5,  6cb  a. 

1717.  Din  b,  Dan  a. 

1722.  irer  a,  nnwer  b. 

1723.  die  b,  mit  o. 

1724.  schaden  b. 

1727.  den  a,  jm  b. 

1730.  Ynd  mag  mir  jr  lieb  gediben  b. 


ain  klainer  tröst  mag  es  wöl 

schUchten 

1735  und  mir  ringem  alle  pin.’ 
frow  SUt  sprach:  ‘gesell  min, 
du  bist  wirdig  aller  erren, 

[31  ’l  sit  du  din  lieb  nit  tüst  verkeren. 
wie  wol  sie  dir  vil  laides  hät  be- 

wißt, 

1740  doch  du  sie  nit  uff  gist 
und  will  ir  zü  gebot  stön. 
das  gehört  ain  stütten  büler  an.’ 
die  andern  frowen  öch  all 
dancktend  mir  mit  schall, 

1745  und  ich  ward  gelöbt  mit  Sitten, 
danken  ward  nit  vermitten 
von  mir  armen  den  werden, 
ich  naigt  mich  zü  der  erden 
gen  dem  engelschüchen  hör 
1750  und  sprach:  ‘werder  Göt,  mir  be- 

schör 

krafft  und  macht,  daß  ich  es  füg 
und  diße  ere  wider  bringen  müg. 
daß  tütt  ich  ganz  mit  willen 

geren. 

gnedige  frowen,  ich  will  keren 
1755  von  üweren  gnäden  wider  zehaß 
und  üwer  gebött  verkünden  nß. 
dar  umb  bitt  ich  üwer  urlöb  milt 
und  üwem  segen  mir  zü  schilt 
mit  gunst  mir  ze  lihen.’ 

1760  sie  sprachen:  ‘gesell,  nit  vezihe 
mögend  wir  dir  kainer  sach. 

Göt  behüt  dich  vor  ungemach 
und  hab  dich  in  hüt  mit  fliß.’ 


1731  au$  b,  fehlt  a. 

1732.  myns  leben  b,  lebes  o. 

1739.  vil  laides  a,  nit  liebs  b. 

1742.  steten  b,  st&tter  a. 

1752.  w.  bringen  a,  w.  ve'dienen  b. 
1754.  frawen  b,  frow  a. 

1760.  sprachen  b,  sprach  a. 


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1.  Der  Minne  GericM. 


33 


sie  bntten  mir  ir  hend  wiß: 

1765  ‘trut  gesell,  far  mit  bail, 
alles  gelAck  werd  dir  zetaiL’ 
ich  danck  in  und  waß  frow. 

Also  von  danen  schied  ich  do. 
[32  r]  ^evelliges  dienst  m&ß  gl&ck  wal¬ 
ten. 

1770  was  man  yerhaißt,  daß  sol  man 

halten, 

dar  nmh  wil  ich  gehorsam  sin. 
als  mir  gebüten  die  frowen  fin, 
so  tain  ich  allen  den  verkünden 
die  sich  in  lieb  wöllen  verbinden, 
1775  der  lieben  geböt  nnd  iren  orden, 
als  er  mir  ist  geben  worden 
nß  der  schül  der  rechten  minn, 
daß  es  jeder  man  mag  werden 

inn 

wie  man  sOl  lieb  gen  lieb  hon. 
1780  es  sy  frow  oder  man, 

hiettend  sich  vor  nntrüw  nnd 

hürt 

and  vor  allem  nnstettem  gefürt, 
[35*1  dar  durch  lieb  wirt  gewert 

und  mangem  dick  sin  eer  versert, 
1785  als  mit  remen,  melden,  claffen 
nnd  Wechsel  triben  als  die  affen, 
und  als  die  schiessend  zä  ainem 

zill, 

und  untrdw  jeger  näch  dem  wild. 


1767.  danckt  b. 

1769.  Qefelliges  d,  Beuelliges  a,  Gnedigs  b. 

1772.  gebyten  die  frawen  b,  geb&t  die 
frowe  a.  fin  aus  min  a. 

1773.  ich  b,  fehlt  a.  den  b,  dafi  o. 

1778.  ynn  b,  jnnen  a. 

1782.  vnstetem  6,  yngestettem  a. 

1784  aus  b,  fehlt  a.  machen  b. 


offt  betriegen  macht  sie  gail, 

1790  do  von  ze  sagen  ist  ir  hail. 
manger  nem  nit  hundert  pfund 
daß  er  hält  und  wird  nit  kunt 
wie  kan  lieb  do  geben  m&t 
do  man  alltag  sie  verratten  tfit? 
1795  Pfidich  der  schand  die  es  tribent 
ander  mannen  oder  wiben! 
wie  mag  lieb  geheißen  daß? 
es  hieß  billich  liebes  hasß. 

[33>’]  da  man  nun  uner  sücht, 

1800  er  abschnit,  es  sy  verflücht! 
und  alles  gelück  müß  es  fliehen 
daß  sin  sinn  dar  uff  tfit  ziehen, 
zwar  es  nit  ungerochen  belipt, 
im  Wirt  gegolten,  wer  es  tribt 
1805  daß  end  wirt  zwar  geren  gfit, 
der  näch  eren  werben  tfit 
alle  ding  laussend  sich  begon, 
aber  man  sech  daß  end  an: 
es  wirt  gern  den  wercken  gelichl 
1810  nun  merckend  eben,  arm  und 

rieh, 

waß  ich  üch  verkündet  hon, 
daß  ir  yt  tfit  brechen  dar  an 
(und  wült  mit  trüwen  gewamot 

sin) 

und  öch  schaffen  andre  pin, 

1815  do  mit  ir  gesträfft  würt 
ob  ir  daß  weßen  überfürt. 


1786/*.  offenbar  verderbt;  vieJleieht  ist  eine 
Lücke  vor  1787  anzuseUsen.  R. 

1788.  Tndrfr  5,  ainem  a. 

1790.  ir  b,  mir  a. 

1795.  ea  a,  sie  b. 

1807.  vor  sich  gestrichen:  sig  a. 

1814.  Euch  zehnten  vor  der  p.  d. 


Bilder:  vor  v.  1769:  JÄnliche  Landschaft.  Der  Dichter  verneigt  sidt  sum  Abschied 
vor  den  Frauen. 

nadi  V.  1798:  Landschaft;  vom  redUs  reicht  der  Dichter  einer  Frau  die  Hand;  seine 
Linke  ist  wie  zur  Warnung  erhoben.  Links  eine  Frau  in  rotem  Kleid. 

SeatMb«  Text«  de«  llUteUlten.  XXJV.  3 


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34 


1.  Der  Minne  Gericht. 


und  es  gefiel  öch  nit  Gut 
wan  ir  über  fort  der  eren  gebüt. 
dar  umb  sind  stet,  biderb,  frum 

und  trüw 

1820  in  üwer  lieb,  so  wirt  nüw 
üwer  fröd  mit  grossem  hail, 
und  niemend  mit  dem  gutten  tail. 
uöl  uff,  fug  glück  und  will  mich 

dar 

das  min  lieb  öch  niem  war 
1825  diße  sträff  und  ir  geschieht 

und  sich  mit  güt  dar  nach  rieht, 
daß  ich  noch  tröst  empfahe  schier 
und  nit  bedörff  sagen  ir, 
ob  sie  nit  wend  dißen  schaden. 


1830  daß  sie  für  gericht  werd  geladen 
und  würd  körnen  zu  grossem 

schuer, 

daß  mir  doch  laid  wer. 
zü  ir  werden  gü  ich  höffen  tu 
sie  lauß  es  nit  körnen  dar  zü 
1835  und  seh  min  stüt  und  trüw  an. 

Do  mit  sol  diße  red  ain  end 

hon, 

die  ich,  in  stetter  lieb  ain  knab 

eilend, 

allen  geliebten  zü  wamnng  send, 
daß  niempt  in  trüwen  hin  für  w'är 
1840  näch  tußend  fierhundei-t  fünffzig 

und  nün  jär. 


Sequitur  alia  materia. 


2. 

Minne  und 

[34 ']  In  dem  fügt  es  sich  also 
daß  ich  sach  zwai  aldo 
gegen  ain  ander  grülich  schlichen 
über  ain  Steg;  yegklichs  hieß 

wichen 

5  nun  daß  ander  mit  geding. 
es  waß  Lieb  und  der  Pfenning. 

Lieb  die  sprach  bald;  ‘wich  mir!* 
der  Pfenning:  ‘sag  an  schier. 


Pfennig. 

wer  bistu,  das  ich  dir  wichen  sol? 
10  dins  höhmüts  überhübstu  mich 

wöl. 

uff  erden  lebt  nit  min  gelich. 
mir  dient  gern  arm  und  rieh, 
und  küng  und  kaißer  erend  mich, 
wes  über  hebstu  dich? 

15  daß  nimpt  mich  wunder  von  dir 
daß  du  nit  wilt  wichen  mir.* 


1823.  Löff  fflg  a,  Wol  vff  d,  Daa  f.  b.  1833.  gu]  gütt  b. 

1831.  schwe'  fr,  schaden  a. 


Büd:  am  Schluß:  Landschaft,  große  Burg  im  Hintergrund.  Vom  steht  der  Dichter 
neben  seiner  Geliebten.  —  Wenn  man  das  Bild  gegen  das  LidU  hält,  sieht  man  darunter  links 
am  Rande  eine  weiß  übermalte  Federzeichnung  desselben  Künstlers.  Sie  reicht  nicht  ganz  bis  zur 
Mitte  des  Blattes  und  stellt  eine  Frau  dar,  die  in  eine  Kapelle  eintritt. 

Zu  2. 

1.  Der  Anfang  scheint  zu  fehlen.  8.  pf.  antwort  d. 

3.  Hier  setzt  d  erst  ein. 


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3.  Minne  und  Pfennig, 


35 


die  Lieb  sprach  mit  gfitter  sit: 
‘ich  verste  wöl  daß  du  mich 

kennest  nit, 

doch  will  ich  mich  dir  nennen: 

20  Lieb  bin  ich.  kanstu  mich  erken¬ 
nen, 

so  wer  es  zwär  gar  laid  dir, 
din  über  niemen  gen  mir. 
es  ist  mir  geschehen  nie. 
min  gewalt  hät  geweret  je 
25  Ton  dem  und  sich  die  weit  an- 

fieng, 

nnd  e  ye  ward  kain  pfenning, 
hön  ich  gehörst  über  alle  ge¬ 
schieht. 

sie  haben  sich  mir  ergeben  eu 

kneht, 

wie  sie  alle  sind  geweßen. 

30  kains  ist  vor  mir  geneßen, 
sie  habend  gedient  mit  lost  mir. 
nit  also  ist  geschehen  dir: 

[-54 »Imanger  hät  dich  gar  verschmäht, 
der  mit  begird  waß  min  kneht 
35  ich  hon  regiert  mange  land 
e  du,  Pfenning,  ye  wardst  erkant 
lang  zitt,  daß  ist  wär. 
vil  der  menschen  schar 
habend  gelitten  umb  mich  den 

töd. 

40  ich  mach  gering  alle  nöt, 
die  nngestalten  mach  ich  schön, 
mir  dient  aller  musica  gedön. 
ich  mach  sittig  die  jungen 
nnd  zier  mit  züchten  die  zungen. 
45  ich  mach  die  ledige  frow, 

die  alten  jung,  die  jungen  graw. 
ich  1er  dich  mit  synnen 
er  nnd  g^t  gewinnen. 

28  nocä  d,  fehlt  a. 

45.  Die  czvng  kan  die  a. 

50.  Danczen  <2,  Dancz  a. 

54.  in  fehlt  a. 


ich  1er  reden  und  singen, 

50  danzen,  stechen  und  springen 
und  alle  ding  sich  zieren 
die  mir  dienen  und  hoffieren. 
ich  won  in  allen  herzen 
die  in  fröden  wöllen  scherzen, 

55  und  mag  niemand  rech  ön  mich 
inder  weit  fröwen  sich, 
mich  umb  fahen  ermlin  wiß, 
mich  schöwen  clare  öglin  mit  fliß, 
mich  küßt  manges  mündlin  röt; 

00  so  git  man  dich  umb  schnödes 

köt 

mich  sehen  münch  und  nunnen 

gern, 

die  dich  nit  türren  ern. 
kain  macht  gesigt  mir  an, 
als  manger  dir  hät  getön. 

[35  »-ich  bin  yederman  berait, 

66  so  bistu  mangem  versait, 
der  dich,  Pfenning,  nit  hät 
nnd  dient  mir  frü  und  spät 
niemen  ganz  gesagen  kan 
70  waß  fröd  nnd  Inst  mir  hanget  an, 
nnd  kain  lust  mag  mir  geliehen, 
dar  nmb  soltu  mir  billich  wichen, 
daß  tü,  so  gang  ich  min  fart 
wan  es  ist  ain  alt  gesprochen 

wort: 

75  lieb  überwint  alle  ding.* 

‘Nain’,  sprach  aldo  der  Pfenning, 
‘du  römst  von  höhen  eren  dich, 
bait,  du  sölt  öch  hören  mich, 
du  sagst  von  grössen  rechten 
80  die  du  habst  in  allen  geschlehten, 
nnd  din  gewalt  alle  weit  zwing, 
nnd  waißt  nit  daß  ich  Pfenning 
deß  mer  hOn  dann  diner  dry. 

67.  nit  d,  fehlt  a. 

75.  'Omnia  vincit  amor’:  Vergü,  Buco’ 
lica  10,  69. 

79.  grossen  d,  grossem  a. 


3* 


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36 


2.  Minnt  und  Pfennig. 


küng,  f&rst,  gräff  oder  fry, 

85  kayßer,  bäpst  und  kardinäl, 
bischoff,  apt  und  provinciäl, 
pfaffen,  m&nch  und  nnnnen, 
waß  ir  vemnfft  hät  gewannen 
und  wie  sie  alle  sind  genant, 

90  so  sind  sie  mir  baß  dan  dir  er- 

kant 

min  wird  nnd  stät  ist  gemert; 
wer  mich  hftt,  der  wirt  geert. 
du  gddest  von  grossen  sacben 
die  du,  Lieb,  kündest  machen 
95  an  alten  und  an  jungen, 

[do*]  an  herzen  und  an  zungen, 
und  on  dich  sy  kain  fröd. 
din  für  niemen  ist  mir  laid, 
din  lust  ist  minem  nit  gelich. 

100  ich  mach  wiß  nnd  rieh, 
geu;eltig,  edel  nnd  Och  schOn, 
nnd  gibt  daß  alles  süß  gedün. 
wie  der  mensch  ist  gestalt, 
nngeschaffen,  narr  oder  alt, 

105  gebnr  oder  unzühtig, 
werden  werd  nnd  düchtig 
so  sie  mich  Pfenning  gewinen 
mit  arbait  nnd  mit  sinnen, 
es  stöllet  yedermann  näch  mir, 
110  und  kan  erfüllen  kain  begir. 
ye  mer  ich  wird,  ye  lieber  ich 

bin. 

kainer  will  mich  werffen  hin. 
ich  bin  abgot  und  rüff  lut, 
ich  mach  hirat  tind  bmt, 

115  ich  kan  alle  zungen  keren, 

daß  sie  sagen  daß  ich  hör  geren. 
ich  bin  an  allen  enden  werd 


do  man  din  nit  begert; 
und  wan  du  tüst  erksdten, 

120  so  bin  ich  gewonlich  by  den 

alten. 

nnd  zwar.  Lieb,  wo  ich  erwinde, 

do  bistn  ganz  eilende. 

manger  durch  mich  lit  eilend  und 

WC, 

daß  er  min  gewin  dester  me. 

125  man  gewin  mich  mit  kOff  oder 

mit  brand, 

mit  wüchem  oder  mit  schand, 
mit  uff  setz  oder  mit  trugen, 

[35'-]  mit  falschait  oder  mit  lugen, 
mit  kuppeln  oder  mit  helen, 

130  mit  scholdem  oder  mit  Stelen, 
oder  wie  man  mich  gewnnen  hat, 
so  bin  ich  geert  frü  nnd  spät, 
man  sicht  gen  mir  kain  laster  an. 
hät  er  mich,  so  müß  er  gOn 
135  by  den  besten  yomen  an  der 

spitz. 

man  acht  nit  an  kunst  nOch  an 

witz. 

Adel,  Lieb  nnd  Frümkait, 

Schdne,  Er,  Oerechtikait 
müssen  mir  alle  entwichen 
140  nnd  verschmecht  näch  schlichen, 
nnd  wer  nun  hät  pfenning  vil, 
der  ist  gehalten  wie  er  wil, 
und  zü  hoff  ain  werder  man. 
niemand  on  mich  kan  er  gehön. 
145  als  es  nun  stet  Inder  weit, 
so  ist  nit  liebers  dan  gelt 
nnd  frägt  man  näch  minr  stät 
nnd  acht  nit  wie  es  der  sei  gät 


90.  Die  syndt  d. 

101.  Gewaltig  d,  Geueltig  a. 

102.  gyb  das  aller  sttsseste  g.  d. 

104.  Yngeschaffen  d,  Yngeschaffet  a. 

110.  erfüllen  d,  gefallen  a. 

111.  vor  bin  gestrichen:  bin  wird  a. 


114.  beyrat  d,  bereit  o. 

116.  bör  icb  a. 

120.  gewbnlicb  d,  gewolicb  a. 

123.  mich]  lieb  <i.  wee  d,  w  a. 

127.  tagend  a. 

138  feJUt  a,  Seböny  frow  ere  Tnd  g.  d. 


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3.  Minne  und  Pfennig. 


37 


mir  Wirt  gedient  zwar  ön  spöt 
150  mit  mer  fliß  dan  ettwan  Göt. 
all  arbait  die  wirt  Tolbrächt, 
ist  umb  mich  Pfenning  erdacht, 
wie  man  mich  wol  gewinne, 
so  bistu,  arme  Minne, 

155  an  mengen  enden  ön  werde, 

do  man  min  von  herzen  begerte. 
man  git  dich  umb  mich, 
dar  umb  besser  dan  du  bin  ich. 
wer  mich  hät,  der  beknmpt  din 

wöl. 

160  deß  kempffes  ist  die  weit  völ, 

[36*1  das  du  din  lob  selten  z&hest  hin 
wo  ich  Pfenning  nit  enbin, 
und  do  du  ofit  an  bist  verzagt, 
do  Wirt  mir  Pfenning  nit  versagt 
165  niemen  kan  mir  nain  jehen. 

waß  ich  will,  daß  mäß  geschehen, 
ich  zier  dich,  Lieb,  und  mach  dich 

schlecht 

billich  bistu  min  kneht, 
wan  du  ön  mich  bist  selten 

genem. 

170  dar  umb.  Lieb,  dich  nit  schem 
mir  ze  wichen,  dan  din  orden 
ist  nun  vast  unwerd  worden, 
daß  man  dich  nimer  will  halten, 
falsch  will  dich  zerspalten, 

175  daß  man  selten  zway  sicht  ainen 
die  bede  einander  mit  trüwen 

meinen, 

als  es  vor  jären  waß  gestalt 
aber  zwar  min  gewalt 
ward  vor  nie  so  größ, 


180  du  bist  nit  min  genöß. 
dar  umb  bald  wich  mir, 
daß  nit  gewalt,  daß  b&t  ich  dir, 
anders  dir  wirt  bekant’, 
sprach  der  Pfenning  all  zehand. 
185  Frow  Lieb  staind  f&r  und 

sprach : 

‘lieber  Pfenning,  hör  und  heb 

gemach .  .* 

und  wolt  iren  glimpff  haben  er¬ 
zalt 

do  stiesß  der  Pfenning  mit  gewalt 
sie  von  dem  Steg  in  den  bach. 

190  do  ich  eilender  knab  daß  sach, 
ich  erschrack  und  ylt  schnell 
die  frow  rdff  mit  stime  hei: 

[37*-] ‘hilf  durch  Göt,  es  ist  zitt 

daß  ich  des  lebens  werd  gefrytl* 
195  ich  tett  es  gern  und  lieff  da  hin 
und  erwischt  die  frowen  Min. 
sie  was  worden  kranck  und 

schwach, 

und  zöch  sie  kom  nß  dem  bach, 
daß  sie  lag  als  wer  sie  töd. 

200  ich  staind  in  grosses  jomers  nöt 
und  clogt  Göt  diße  mer, 
daß  frow  Lieb  tod  wer. 
in  dem  so  nam  ich  wär 
daß  sie  nit  töd  waß  gar. 

205  ich  tet  sie  schalten  und  wenden, 
biß  daß  sie  mir  am  wort  begund 

senden 

und  sprach:  ‘gesell,  wie  ist  mir 
geschehen  hie?  ich  danck  dir. 
mag  ich,  ich  will  es  nmb  dich 


151.  die  arbait  umgeeteUt  nach  d.  204.  nitt  d,  fehlt  a. 

182.  nit  d,  mit  a.  206.  eyn  wort  d,  fehlt  a. 


Büd:  vor  v.  193:  Feld,  quer  durch  fließt  ein  Bach.  Auf  hoher  Holebrücke  eteht  der 
Pfennig  m  Oestalt  eines  sehwarsbärtigen  Mannes,  der  offenbar  einen  Juden  darsteUen  soll.  Frau 
Lid>e  liegt  im  Bach,  so  daß  nur  ihr  Oberkörper  sichtbar  ist.  Links  kommt  der  Dichter  mit 
gekreusten  Armen  (sum  Zeichen  des  Schreckens).  Bechts  im  Hintergrund  Türme  und  Windmühle. 


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38 


2.  Minne  und  Pfennig. 


[37*]  verdienen;  der  Pfenning  hät  mich 
211  nachend  verderbt  on  schuld, 
mag  ich  haben  von  diner  huld, 
so  lanß  es  dir  sin  laid 
und  hilff  mir  durch  die  haid 
215  in  die  wftestin,  in  das  feld 
do  den  stät  min  gezelt. 
ich  bin  so  schwach  daß  ich  nit 

kan 

on  din  hilff  weder  ston  noch 

gon.’ 

‘edle  frow’,  ich  do  sprach, 

220  ‘mir  ist  laid  &wer  ungemach. 

6öt  waißt,  kan  ich  es  rechen, 
ich  hilff  ffch  dißen  höhmät 

brechen 

an  dem  Pfenning,  ob  ich  kan. 
er  mßß  mir  werden  underton, 

225  ftch  ze  dienen  näch  üwerm  lust 

und  er; 

er  Wirt  min  her  nimer  mer, 
und  will  üch  dienen  mit  stet 
und  Volbringen  Awer  gebet, 
die  ir  mir  habt  tain  sagen, 

230  und  will  Ach  selber  tragen 
in  Awer  gezelt  uff  minem  rAck, 
und  seter  mir  es  zA  ainem  glAck 
daß  ich  Ach,  edle  frow  her, 
die  ich  vor  also  nie  mer 
235  recht  getragen  hon,  nu  tragen  sol; 

282.  satzt  a. 

233.  Das  <2,  Doch  daO  a. 

234.  ich  d,  fehlt  a. 

235.  na]  Tod  ad. 

239.  nach  lieb  gestrichen:  löbt  mich  a. 

245.  wonen  d,  wrmne  a. 


der  lust  tät  minem  herzen  w'öl, 
wie  wöl  mir  Awer  liden  ist  laid, 
und  dag  mit  Ach  Awer  kranck- 

hait.’ 

frow  Lieb  danckt  mir  und  löbt 

min  sin. 

240  ich  hüb  sie  uff  und  trüg  sie  hin. 
[38'‘Jsie  clagt  mir  ser  Aber  daß  feld 
biß  in  ir  wnneckliches  zeit, 
wie  sie  der  Pfenning  hett  ver- 

stössen 

mit  vil  andren  iren  genössen, 

245  daß  sie  all  wone»  mAsten 
all  verschmecht  in  ii'er  wAstin. 
der  Pfenning  wer  worden  also 

werd 

das  ander  tngent  niemen  begert. 
jedermann  tßt  allain  sAchen  in. 
250  In  der  sag  körnen  wir  hin 
do  der  werden  gezelt  waß 
uff  geschlagen  in  dem  graß. 
ich  rente  die  edeln  frowen  Min 
und  maoA2  böt  dar  inn. 

255  do  ich  also  tet  vor  ir  ston 
und  wolt  mit  urlöb  von  ir  gön, 
[38*]  do  hört  ich  ain  grosse  c/ag 
vor  dem  zeit  in  dem  hag. 
der  geschieht  wundert  mich  ser. 
260  Lieb  sprach:  ‘es  ist  frow  Er 
mit  andern  t^’ainenden  frowen, 

253.  renne  mit  einem  Punkt  über  dem 
eweiten  Strich;  rfinte  =  reinte  'reinigte'? 

2öSf.  DaUegt  ich  die  edle  fraw  hyn  Yn 
ergab  mich  irem  gebot  willig  eyn  d. 

254.  mag  a.  inn  sin  a. 

257.  dag  d,  sag  a. 

261.  warnenden  B.,  ainenden(.^  a. 


Bilder:  vor  v.  241:  Bach  mit  Brücke;  der  Dichier  ndU  hnieend  Frau  Liebe  au» 
dem  Wasser. 

nach  V.  260:  Zdt  der  Frau  Liebe;  es  kehrt  auf  den  folgenden  Bädern  wieder,  doch  m 
wechselnder  Größe,  Gestalt  und  Farbe.  Frau  Liebe  liegt  im  Bett  (vgl.  v.  254),  der  Dichter  sUdä 
daneben,  um  sich  eu  verabschieden.  Im  Hintergrund  hügelige  Landschaft,  doch  hier  wie  auf 
einigen  der  folgenden  Bilder  flüchtig  ausgeführt. 


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2.  Minne  und  Pfennig. 


39 


die  hie  inder  wüsten  owen 
all  gar  min  nächbürin  sind, 
von  deß  laidigen  Pfennings  pin 
265  vertriben,  also  öch  bin  ich. 

die  wöllend  villicht  clagen  mich.’ 
in  der  red  sie  do  in  giengen. . 
sie  clagten  sie  nnd  enpfiengen 
mich  do  als  ainen  gast 
270  und  sprachen:  ‘frow,  nit  last 
nnd  erzelt  üwer  kranckhait, 
wan  es  ist  uns  werlichen  aUen 

laid. 

dar  umb  sind  wir  körnen  her 
zä  ver  niemen  diße  mer.’ 

(sa»-]  frow  Lieb  in  ganz  do  erzalt 
276  daß  grösß  unrecht  und  gewalt 
daß  von  dem  Pfenning  waß  ge¬ 
schehen, 

und  wie  er  sie  hett  tain  ve- 

schmehen 

und  gestössen  in  des  baches  sere, 
280  daß  sie  nahend  ertruncken  were, 
wan  ich  hett  geholffen  ir. 
des  danckten  sie  alle  mir. 

Do  frow  Lieb  daß  hett  erzelt, 
die  werden  frowen  usßerwelt 
285  sie  bewainten  diß  geschieht, 
kaine  mocht  lang  gereden  nicht 
vor  wainen,  doch  frow  Er 
tröst  do  frow  Lieben  ser 
und  sprach:  ‘liebe  gespil  min, 

290  der  kumer  ist  nit  allain  din. 
da  waß  grössers  nit  gemitten, 
wir  habens  all  vor  gelitten 


[39*]  von  dem  Pfenning,  daß  ist  war, 
lang  zitt  und  vil  jär. 

295  wir  sind  worden  von  im  ve- 

schmecht 

wenig  sind  nun  unßer  kneht. 
was  Werder  frowen,  die  ich  hön 
jung  genert  mit  eren  schön, 
die  macht  der  Pfenning  in  clainer 

stund 

300  an  wirden  nnd  an  eren  wund, 
dar  umb  mösten  wir  fliehen 
und  her  in  die  wüeste  ziehen, 
wan  unßer  1er  ist  nit  mer  wert, 
wan  yederman  deß  Pfennings  be- 

gert 

305  und  sicht  nit  an  mich  Ere. 
daß  dag  ich  Göt  ümer  mere 
daß  sich  die  weit  hät  verkert, 
daß  man  den  Pfenning  für  mich 

ert, 

der  etwan  alzitt  waß  min  kneht 
310  und  zwar,  wenn  ichs  bedecht, 
so  solt  ich  truren  ser, 
des  nöt  tut  sprechen  mer. 
dem  zwar  nymmer  misslingt 
der  stets  näch  eren  ringt, 

315  sunder  spricht:  “ach  Göt,  wie  ser 
get  güt  nun  für  er 
und  gewalt  für  recht! 
daß  dag  ich  armer  kneht” 
es  solten  sich  die  jungen  schämen, 
320  wann  sie  verkerend  der  alten 

namen. 

die  er  höher  wegend  dan  sterben. 


263.  Die  all  a. 

265.  vor  bin  gestrichen:  ich  a. 
270.  nit  d,  din  a. 

282  aus  d,  fehlt  a. 

291.  Das  o. 


807.  306  umgestellt  gegen  ad.  fOr  d,  fü  a. 
812.  mir  a. 

314.  Fehlen  danach  stoei  Verse?  H. 

315.  ach  d,  Och  a. 

319.  schamO  d,  Schemen  a. 


Bild:  nach  v.  288:  Fünf  SchwesterUtgenden  und  der  Dichter  Stehen  um  das  Bett 
herum.  Frau  Ehre  klagt. 


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40 


3.  Minne  und  Pfennig. 


lässend  laider  mich  umb  den 

Pfenning  verderben, 
umb  deß  b6ßen,  schndden  Pfen¬ 
nings  balde, 

Got,  du  waist,  on  min  schulde/ 

325  do  mit  frow  Er  ir  red  bescbl&ßt. 
Frowen  Gerechtikait  nit  ver- 

dr&ßt, 

[40r]sie  staind  nff,  als  ich  üch  sag, 
und  sprach:  4ch  bin  öch  ain 

dag 

und  vertriben  uß  der  weit 
330  daß  macht  öch  daß  böß  gelt 
wa  ich  mich  sol  keren  und  wen¬ 
den, 

so  sicht  man  an  allen  enden: 
der  Pfenning  zücht  hin, 
wie  gerecht  ich  ymer  bin, 

335  wie  wiß  und  wie  kftnstig, 
schön  und  vernfifftig. 
der  Pfenning  an  dem  rechten 
tftt  bannen  und  echten, 
bevesten  und  eitleren, 

340  mit  falschen  zungen  absolvieren; 
es  ver  zücht  und  verkert  alle 

recht 

wan  er  will,  so  ist  schlecht 
sin  sach,  und  gewint  die  zehe. 
[40*]bytel,  schriber  und  fürspreche, 

845  procurator,  juristen  und  advocat 
und  wer  gewalt  an  rechten  hät, 
die  stond  alle  dem  Pfenning  by, 

827.  Die  d,  Ich  a. 

832.  man  d,  mich  a. 

887  nach  d,  Mer  dem  pf.  dan  die  r.  a. 
838.  Thüt  d,  Es  t&t  a. 

842.  üt  es  ad. 

361.  fftr  d,  fehli  a.  l.  Oot? 


wie  ungerecht  er  ymmer  sy, 
niemant  by  mir  und  den  armen. 

350  daß  möß  Göt  ymmer  erbarmen 
daß  ßr  mich,  der  Götz  gewalt, 
der  Pfenning  wirt  usserwelt, 
der  doch  die  sei  also  verfürt’ 


355  satzt  sich  nider  und  fieng  an 
frow  Wißhait  die  wolgetön, 
und  wolt  öch  die  dag  meren 
und  sprach:  ‘ich  hön  ainen  herren 
[di**]  laider  öch  an  dem  Pfenning, 

360  der  über  alle  er  hät  geding. 
wa  ich  by  armen  wonen  thö, 
do  bin  ich  terschmecht  spät  und 

frü, 

man  heit  den  wißen  der  güt  hät, 
der  sust  wöl  tret  der  narren  pfat 
365  witz  on  pfenning  tregt  nit  für, 
armer  witz  stat  vor  der  tür, 
so  richer  gät  in  und  uß, 
und  verdirbt  vil  witz  in  armans 

haß. 

ist  das  nit  ain  kleglich  ding 
370  daß  für  mich  der  Pfenning 
geert  söl  werden  allenthalben? 
er  machet  die  wißen  kalben, 
öch  die  geleiten,  daß  sie  ir  kanst 
alle  ziehen  zü  siner  gunst, 

375  daß  sie  nit  gebrachen  eben 

als  sie  Göt  und  ich  in  hön  geben, 
wie  der  Pfenning  tüt  klingen, 

854  fddt  a,  Dar  nach  vff  dem  selbigen 
gefert  d. 

860.  h&t]  min  a.  Der  vbertiifft  alle  ding  d. 
362.  Terschmecht  B.,  fMt  ad. 

863.  Man  heit  d,  Vnd  holt  a. 

867.  vor  in  gestrichen:  nfi  Tnd  a. 

872.  Er  kan  a,  Das  machet  d. 


Büder:  vor  v.  827:  Frau  Gerechtigkeit  klagt.  Der  Didtter  steht  hier  wie  auf  den 
folgenden  Büdem  am  Bettende.  Die  Haltung  seiner  Arme  deutet  die  Erregung  an. 

nach  V.  858:  Frau  Weisheit  sitzt  am  Bett  der  Frau  Liebe  und  klagt.  Links  und  reehls 
vom  Bett  Truhe  und  Kommode. 


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2.  Minne  und  Pfennig. 


41 


als  tän  sie  in  red  nnd  in  singen, 
gewint  ain  armer  ain  wißen  sin, 
380  so  zücht  doch  der  rieh  hin; 
er  felscht  kunst  und  wißhait 
daß  sy  Got  von  himel  claid 
daß  mich,  die  Got  gewirdiget  hät, 
der  Pfenning  yerdring  frü  nnd 

spät* 

[41 »]  do  mit  schwaig  sie  der  geschieht 
386  Frow  Frhmkait  die  ließ  nicht, 
sie  yerf&rt  die  dag  nnd  sprach: 
‘ich  lid  größ  ungemach 
von  dem  Pfenning,  daß  ist  wär. 
390  mir  ist  inder  weit  wonen  schwer, 
der  Pfenning  gät  über  al  für, 
so  Frümkait  stät  hinder  der  tür 
nnd  müß  von  im  verschmecht  be> 

liben, 

baide  von  manen  und  von  wiben, 
395  do  der  Pfenning  ist  zü  hoff  also 

werd 

daß  man  schlech  der  Frümkait 

nit  begert. 

wer  nit  uffsatz  und  pfenning  hät^ 
der  gehört  nit  in  der  fürsten  rät 
[45»-]  kan  er  nit  der  nüwen  list, 

400  so  hilfft  nit  daß  er  frum  ist 
nnd  wer  frümkait  rauten  kan, 
man  spricht,  er  sy  ain  schlechter 

man 

und  nit  von  den  höhsten  sinnen, 
kan  er  aber  güt  gewinnen 
405  mit  uffsatz,  wüchem  nnd  triegen. 


378.  thüt  man  d,  tä  a. 

385.  der  d,  die  a.  Vgl.  1 57«. 

390.  Her  a.  Ut  fMt  a. 

391.  gat  d,  fMt  a. 

406.  Teingen  a  unklar;  Bonben  d. 
412.  Dan  d,  Do  a.  das  fMt  ad. 


teingen,  schmeheln  und  liegen 
und  verschlahen  als  ein  göckler, 
so  ist  er  zü  höff  nit  nnmer. 
schlecht  frümkait  on  pfenning 
410  hät  in  der  weit  kain  geding. 
so  Wirt  der  Pfennmg  nit  geren 
dan  das  man  in  tüt  vast  vil  eren; 
deß  Frümkait  nit  geren  tüt, 
so  dan  g%Tt  daß  böß  güt 
415  wie  wol  mich  Göt  hät  gebotten, 
so  tüt  die  .  weit  doch  min  spötten 
wo  ich  ön  pfenning  bin  und  ste. 
daß  klag  ich  Göt  ymmer  mer. 
also  bin  ich  versmecht: 

420  ich  waß  vor  herr  nnd  bin  nun 

kneht* 

da  mit  tet  Frümkait  schwigen. 

Frow  Edle  staind  uff  mit  nigen 
nnd  wolt  öch  sagen  iren  sin 
und  sprach:  ‘ich  hin  üwer  die- 

nerin 

425  nnd  geher  zü  dienst  üch  werden, 
allen  tagenden  uff  erden. 

[4.9*’]  wan  ich  wer  Edel  nit  genant, 
mir  weren  dan  tagend  bekant 
und  hielt  iren  orden  und  geböt 
430  ich  bin  öch  laider  ze  spöt 
von  dem  Pfenning  worden, 
daß  öch  wenig  miuen  orden 
halten  tain  und  öch  eren. 
man  will  sich  nyme  dar  an  keren 
435  daß  min  wird  ist  näch  tagend 

streben. 


414.  Als  dan  begert  d,  So  er  dan  o. 

417.  ich  On  ich  On  a. 

424.  byn  d,  fMt  a. 

4StJ  bis  429  stehen  auch  über  dem  Büd, 
sind  aber  da  gestrichen  a. 

432.  ich  a. 


Bilder:  vor  v.  385:  Frau  Frömmigkeit  stM  Klagend  am  Bett  der  Frau  Liebe, 
vor  V.  427 :  Frau  Adel  kniet  wehklagend  am  Bett. 


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42 


2.  Minne  und  Pfennig. 


und  in  falschen  Sachen  leben, 
süßt  sin  wir  näch  der  natur  stam 
alle  körnen  von  Adam 
daß  niemant  edel  ist  besacht 
440  dan  der  den  tugend  edel  macht, 
also  waß  vor  der  alten  sit. 
daß  will  man  jetzund  haben  nit. 
[43»-]  wenig  taind  näch  tugend  stellen, 
sunder  sich  zü  dem  Pfenning  ge¬ 
sellen. 

445  wer  den  hät  und  gewinnen  kan, 
der  haißt  h&wer  ain  edelman 
und  Wirt  geert  frd  und  spät, 
ob  er  tagend  halt  nit  enhät, 
so  Wirt  er  doch  da  von  hoch 

ge  ert. 

450  darumb  hät  sich  der  adell  verkert, 
und  ist  worden  nun  sin  löff 
wfichem,  röben  und  falscher  köff, 
spilen,  schelten  und  schweren, 
höchfart  triben  und  unerlich  zeren. 
455  daß  was  vor  zitten  grosse  schand, 
daß  ist  nun  er  indem  land. 
tetten  es  die  fürsten  unerlich 

schetzen, 

so  ließ  manger  von  sölichem 

tretzem 

und  forte  sin  er  dem  adel  näch 
460  und  wer  näch  dem  pfenning  nit 

so  gäch. 

der  liebt  laider  den  allen  so  vil 
das  nahend  zwar  des  adels  spil 
niemand  schier  sicht  triben, 
durnieren,  stechen,  werden  wiben 
465  dienen  mit  ritterlicher  Arunst. 


man  setzt  nun  den  gunst 
in  den  pfenning  und  gewin. 
dar  uff  setzt  yederman  sin  sin 
und  hät  der  ritterschafft  kain 

acht. 

470  yederman  näch  dem  pfenning 

tracht 

mit  wuchern  und  uneren. 

Werder  Got,  thü  es  verkeren, 

(/.?']  were  dem  adel  schand, 
das  ich  wider  indem  land 
475  wird  werd  als  by  den  alten, 
ich  mäß  für  ain  schand  halten 
daß  nun  der  Juden  spil 
der  adel  laider  triben  wil. 
es  tüt  sei  und  er  betören.’ 

480  Do  mit  tett  frow  Edel  hören 
dißer  dag.  so  sach  ich 
aber  ain  frowen  miniclich 
uff  staind  öch  do  zü  dißer  hand, 
Gaistlichhait  waß  sie  genant, 

485  demüticlich  in  rüwer  wat 
aldo  öch  an  die  dag  trat 
[44 r]  und  sprach:  ‘Lieb,  du  edler  schätz, 
mir  ist  laid  der  groß  traz 
den  der  Pfenning  hät  bewißet  dir. 
490  hör  waß  hät  er  öch  ge  tön  mir. 
ich  waß  von  Göt  der  weit  geben, 
daß  ich  solt  leren  gaistlich  leben, 
do  mit  die  sei  nun  zü  zieren, 
der  Pfenning  kan  daß  höffieren, 
495  das  man  in  ert  und  mich  nit; 
und  solt  doch  sin  der  gaistlich  sit 
daß  sie  den  Pfenning  verschmecht 
nun  ist  sie  worden  öch  sin  kneht. 


439.  edel  d,  fehlt  a.  485.  geträwer  a. 

444.  vor  gesellen  gestrichen:  stellen  a.  497.  hat  versch.  a. 

463.  schiel  a.  498.  sie  d,  fehlt  a. 

465.  riterlicher  knnst  d,  ritterlichem  last  a. 


Bild:  nach  v.  486:  tVau  Geistlichkeit  in  B'onnentracht  kniet  am  Bett.  Frau  Liebe 
liegt  hier  und  auf  dem  nächsten  Bild  mit  entblößtem  Oberkörper  in  einem  Himmelbett. 


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2.  Minne  und  Pfennig. 


43 


ich  sol  sin  fry,  umb  sust; 

500  so  kan  deß  Pfennings  lieb  und 

gunst 

nmb  mich  machen  failen  köff 
nun  stAt  näch  köffmans  löS. 
wer  mer  git  näch  marcktes  schi- 

nen, 

der  behelt  mich  z&  dem  sinen. 

505  gar  selten  kan  kain  armer  mer 
körnen  zä  der  gaistlichen  er. 
der  pfenning  bestet  und  licht 
und  besetzt  die  weit  und  wicht 
bäbst,  bischoff  und  kardinäl, 

510  pfaffen,  mfinch,  nunnen  über  al; 
im  ist  bicht  und  bäß  fail, 
und  aller  sacraroent  hall 
ist  alles  zd  sinen  spilen  berait; 
und  waß  gehört  in  der  gaistlich- 

hait, 

515  daß  solt  alles  umb  sust  sin. 
so  wirfft  der  tftffel  sin  somen 

darin; 

[44 ']  daß  beschlecbt  der  Pfenning, 
ist  es  nit  ain  kleglich  ding 
daß  6öt  sin  sacrament 
520  der  böß  Pfenning  also  schent 
und  verfürt  köffcr  und  verköffer? 
hört  öch  nöch  andre  mer: 
wan  sie  den  pfenning  gesamnet 

hönd, 

kain  nutz  mag  dar  uß  gon, 

525  und  söch  by  in  kain  hail 

und  macht  sie  ungehorsam  und 

gail, 

daß  sie  irs  ordens  gar  vergessen, 
sie  wöllen  wol  trincken  und  essen, 
frölich  sin  als  weltlich  lüt 


530  und  öch  schimpffen  mit  der  br&t 
und  ziehen  sich  als  die  layen 
und  wöllen  sin  vornen  am  rayen, 
und  waiy?  nit  waß  in  über  belipt 
daß  das  almäßen  nit  tribt. 

535  es  tät  stechen  und  tumieren, 
es  tüt  bälen  und  hofieren, 
hoffart  triben,  und  Schemen  sich 
daß  sie  sich  ziehend  geistlich, 
und  weren  sich  platten  tragen, 

540  die  doch  sind  ir  pfläg  und  ir 

wagen, 

und  niemend  stettes  daß  almäsen 

in 

und  wöllen  doch  nit  pfaffen  sin. 
zwar  sölicher  handel  im  nit  zimpt 
der  alltag  Göttes  almäßen  in 

nimpt. 

545  er  ist  zwar  den  tod  schuldig  dar 

an 

der  daß  almäßen  nit  verbetten 

kan. 

es  gehört  den  armen  lütten 
[45’‘]  und  nit  dar  mit  frowen  trütten 
und  wölnust  triben  dißer  weit. 

550  daß  macht  als  das  böß  gelt 
daß  ich  Gaistlichhait  wird  ent¬ 
wicht. 

Werder  Göt,  sie  under  rieht 
die  dir  zä  dienst  sind  gegeben, 
daß  sie  fieren  ain  ander  leben, 

555  do  mit  sie  der  sei  hail  triben 
und  lassen  den  Pfenning  beliben 
in  knehts  löff  und  diene  mir. 
so  Wirt  erfület  min  begir 
und  würde  der  Pfenning  wider 

kneht 


509.  Kirchen  bäbst  a,  Eylchen  d. 

513.  sainen  mit  offenbar  getilgtem  a  a. 

514.  in  die  d,  l.  an  der? 

521.  konffer  d,  kOff  a. 

525.  l.  sacb  =  sacket.^  H. 


533.  waidt  a. 

540.  sind  (2,  fehlt  a. 

543.  Zwor  d,  Vnd  czwar  a. 
555.  sie  d,  ist  a. 


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44 


2.  Minne  und  Pfennig. 


560  nnd  min  orden  gehalten  recht.* 
do  mit  macht  sie  ir  red  ain  end. 

Frow  Lieb,  kranck  und  eilend, 
[45 «]  danckt  in  fast  ir  dag 

mit  kurzen  werten,  daß  ir  sag 
565  ain  end  hett,  dan  sie  waß  kranck. 
dar  näch  nit  gar  lanck 
träten  die  frowen  z&  mir  her 
und  sprachen:  *  gesell,  unßer 

schwer 

hastu  gehört  von  deß  Pfennings 

gewalt. 

570  wie  ist  es  nun  in  der  weit  ge¬ 
stalt? 

will  es  niergen  verkeren  sich? 
daß  sag  nnß,  daß  bitten  wir  dich, 
daß  wir  von  dir  niemen  tröst 
und  unßers  kömers  werden  erlöst 
575  nnd  mögen  wider  mit  eren 
wider  haim  in  die  weit  keren.’ 
‘ach,  edle  frowen*,  ich  do  sprach, 
‘mir  ist  laid  Awer  nngemacb, 
nnd  t&t  mir  we,  daß  waißt  Göt, 
580  daß  fich  der  Pfenning  macht  zd 

spöt 

[46'‘]iind  also  ich  merck  diß  geschieht, 
so  ist  kain  bessrung  nicht 
ye  lenger,  ye  erger  in  der  weit, 
nnd  Wirt  nit  geert  dan  daß  gelt 
585  bayden  fürsten,  stetten  und  lande 
wdchem  nnd  röben  ist  nime 

schände. 

wie  wöl  min  sag  bringt  laid, 
so  ist  es  doch  die  wärhait. 


nnd  wölt  Göt  daß  ich  sölt  geleben 
590  daß  ir  der  weit  wftrdent  wider 

geben 

und  söltend  berschen  und  walten 
als  da  vor  by  den  alten! 
dar  umb  wölt  ich  ain  stum  sin.’ 
Sie  danckten  mir  deß  willen 

min 

595  und  sprächen:  ‘geseUe,  erbarms 

Göt! 

und  bitten  dich,  biß  unßer  böt 
nnt  t&  es  aller  weit  sagen 
daß  wirs  Göt  wöllen  clagen 
nnd  bitten  umb  räch  als  lang  und 

vil 

600  biß  sin  barmherzkait  macht  zil 
nnd  end  an  dißem  jamer  quäl, 
der  die  sei  senckt  ab  zA  tal; 
und  die  sach  mag  nit  besten, 
es  mäß  ain  plag  dar  Aber  gön, 

605  die  Aber  all  pläg  schryet:  wäffen! 
wie  wöl  es  Got  tAt  vil  strauffen, 
so  will  sich  doch  niemend  dar  an 

keren 

und  allain  den  Pfenning  eren 
nnd  vergessen  tugend  und  Göt’ 
610  ich  sprach:  ‘frowen,  Awerm  geböt 
wer  ich  billich  gehorsam, 
nnd  wirckten  es  frowen  nnd  man: 
[46']  so  fArcht  ich  nun  es  mach  zom, 
und  hab  die  arbait  gar  verlomu 
615  doch  dar  umb  will  ich  nit  laussen.’ 
sie  danckten  mir  und  giengen  ir 

strässen: 


592.  ir  da  a,  ir  deten  d.  611.  ich  d,  ich  a. 

595.  geselle  d,  gesellen  a.  616.  ginge  d,  ich  gieng  a. 

610.  eüwerm  d,  iwer  a.  _ 

Büder:  nach  v.  562:  Links  am  Bettende  steht  der  Dieder,  reMs  die  sechs  Frauen,  deren 
eüu  bemüht  scheint,  Frau  Liehe  besser  eueudecken. 

nach  V.  566:  Landschaft.  Der  Dithter  verneigt  sich  vor  einer  Frau  und  reicht  ihr 
sum  Abschied  die  Hand;  vier  andere  Frauen  stetten  dahinter. 


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3. 


und  Pfennig. 


45 


'doch  sol  uns  nit  wunder  niemen 
daß  uns  der  Pfenning  tfit  ver  Sche¬ 
men. 

es  tfit  es  Götes  sun  schöpffer, 

620  den  macht  er  sicher  so  nnmer 
daß  man  im  me  eren  bewißt 
dan  Göt,  der  nnß  alle  spißt.’ 

Ich  nam  nrlöb  von  frow  Lieben 

do, 

die  lag  kranck  und  unfro. 

625  ich  bat  sie  mir  Och  urlob  geben; 
sie  sprach:  'gesell,  sol  ich  leben, 
ich  will  din  vergessen  nicht 
und  bitt  dich,  verkünd  diß  ge¬ 
schieht 

allen  die  mich  lieb  hönd, 

630  was  mir  der  Pfenning  hät  gethon, 
wie  er  min  gespilen  und  mich 

sehend, 

die  wonen  all  hie  indem  eilend.’ 
[47  r]  ich  verhieß  es  ir  mit  fliß ; 

sie  bfit  mir  ir  hendlin  wiß: 

685  'trut  gesell,  far  hin  mit  hail, 
an  allem  glück  sy  din  tail.’ 

Also  schied  ich  und  ließ  sie 

kranck. 

mficht  ich  nun  verdienen  danck 
von  den  werden  tagenden  frowen, 
640  die  vertriben  sind  indie  wüesten 

owen 

und  verschmecht  von  dem  Pfen¬ 
ning, 

so  doch  hett  ich  min  geding 
verbrächt  und  verkünt  min  gebot, 
dar  zfi  hilff  mir,  werder  Göt, 


625.  mir  d,  fehlt  a. 
641.  Vnd  d,  Waren  a. 
643.  Hier  bricht  d  ab. 
652.  ich. 


645  zfi  tröst  und  hail  den  alten  eren! 
küng,  fürsten  und  grössen  herren 
und  alle  üwer  ritter  und  kneht 
und  sust  alles  menschen  geschieht, 
geistlich  und  weltlich,  rfiff  ich  an: 
650  üch  mit  allen  trüwen  ich  herman 
aller  tagend  und  Göttes  huld, 
das  ir  öch  der  tugend  Unschuld 
betrachten  wolt  und  das  wenden 
das  nit  also  an  allen  enden 
655  Wißhait,  Kunst,  Frümkait  und 

Ere, 

Lieb,  Adel  und  Gaistlich  Lere 
bezwungen  werd  von  Pfennings 

gewalt, 

der  die  weit  macht  ungestalt. 
die  höpter  haben  des  me  schuld, 
660  daß  sie  in  eren  und  haben  gedult. 
tetten  sie  wficher  und  schand  ver¬ 
schmähen, 

do  wdrden  sie  bald  an  sehen 
[47  •]  das  er  w^c^er  und  schand  verdirb 
und  jederman  näch  eren  wirb 
665  und  wird  tugend  werd  als  by  den 

alten; 

sust  wird  ie  die  regel  nit  ge¬ 
halten. 

das  mich  ert,  das  will  ich  eren. 
das  merckt  eben,  ir  fürsten  und 

herren : 

wfilt  ir  nit  wenden  daß  leben, 

670  ir  müst  dört  dar  umb  rechnung 

geben. 

halt  tugend  lieb  und  werd 
und  den  der  sie  sfichen  begert. 


657.  ward. 
660.  in  fehlt. 

662.  worden. 

663.  wonsch. 


Bdd:  nach  v.  682:  Der  Dichter  steht  allein  am  Bett  der  Frau  Liebe  und  reicht  ihr 
eum  Abschied  die  Hand. 


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46 


2.  Minne  und  Pfennig. 


und  verscbmecht  die  näch  laster 

ringen, 

wie  sie  den  pfenning  zu  samen 

bringen, 

675  so  habt  ir  die  tugend  wider  erlößt 
und  mangen  biderman  getröst, 
die  yetzund  verscbmecht  und  ver- 

triben  sind 

und  von  dem  Pfenning  liden  pin. 
so  bringt  ir  wider  die  alten  Sitten, 


680  die  hie  schand  haben  vermitten, 
und  Wirt  die  weit  gebessert  schön, 
und  empfahen  dar  umb  lön, 
der  den  güten  ye  was  berait 
von  Göt  in  der  öwikait. 

685  der  verlieh  in  hail  in  allen  dingen 
die  alle  zitt  näch  eren  ringen, 
und  behüt  sie  hie  und  dort  vor 

eilend ! 

do  mit  hab  die  red  ain  end. 


3. 

Der  Minne  Freud  und  Leid. 


[4S»-]  Es  ist  geweßen  ye  ain  sit, 
wem  bekümert  herz  wont  mit, 
daß  er  gedenck  an  schuld,  an 

schaden, 

das  ers  mit  hail  werd  entladen. 

5  also  tett  ich  an  ainem  tag, 
do  ich  indißen  gedencken  lag; 
dan  lieb  tet  mir  etwa  laiden. 
ich  gedacht;  ‘machstu  schaiden 
laid  von  lieb,  so  wird  dir  baß. 

10  und  wie  ab  dich  dar  zü  hilffe  daß 
das  du  diner  frowen  zü  aller  zitt 
trüwlich  dienst  on  wider  strit? 
wie  möht  die  gut  so  hört  gesin? 
sie  tett  dan  öch  den  willen  din 


15  und  wiechß  kain  zom  zwischen 

unß  baiden. 
also  wird  lieb  von  laid  geschaiden, 
und  lebst  all  zitt  inder  fröden 

hnß.’ 

[48 '■J  Min  gedencken  gieng  mir  uß; 

ye  mer  ich  gedacht,  ie  irrer  ich 

wari. 

20  ich  hüb  mich  uff  an  die  fart 
und  gieng  zü  walde  in  ain, 
do  ich  irret  all  ain, 
dar  umb  daß  ich  minen  Sachen 
dester  baß  möht  ende  machen 
25  mit  gedencken  näch  dem  hail. 
des  Waldes  lust  macht  mich  gail, 


676.  vor  getröst  gestrichen:  erl6ßt. 


679.  den. 


Zu  3. 

1.  ain  nachträglich  vom  Schreiber  eingefugt. 

2.  herz  fehlt. 

12.  hinter  dienst  gestichen:  .czSl  aller  czitt 
18.  die]  dir. 


18.  Vß  minen. 

19.  ward]  waß. 

21.  in  oder  an? 

21  f.  Der  Beim  ist  offenbar  verderbt. 


Büd:  über  dem  Anfang:  Landschaß;  der  Dichter  reicht  mit  dem  Hut  m  der  Hand 
einer  Dame  seine  Bechte. 


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3.  Der  Minne  Freud  und  Leid. 


47 


daß  waß  mit  fröden  geziert, 
mit  mangerlay  blumliii  gefloriert, 
daß  zwar  an  im  nit  gebrach 
30  an  dem  boden  und  obtach. 
deß  sumers  gewalt  hett  in  ge¬ 
macht 

mit  allem  fliß  so  wunecklich  ge¬ 
sucht 

daß  mich  wnndert  von  siner  zier, 
des  frowten  sich  die  wilden  tier, 
[i9  ••]  der  ain  tail  luffen  und  sprangen, 
86  ain  tail  gailten  und  och  sungen, 
als  es  ir  natur  het  gemessen. 


mines  kömers  und  gedencken. 

40  ye  doch  so  tett  ich  wider  sencken 
min  gemüt  uff  den  ersten  sin, 
dar  umb  dan  ich  waß  körnen  hin, 
und  gieng  von  weg  ain  gfite  leng 
in  dem  wald  biß  an  ain  end  eng, 
45  do  ich  ungehindert  also  belib 
und  min  sinn  zä  samen  trib, 
rin  zu  machen  minen  komer  groß, 
der  arbait  mich  nit  verdroß. 

Alß  ich  also  gedacht  und  saß, 

50  unlang  dar  nach  do  hört  ich  daß 
ain  wipliche  bild  näch  friem  schal 
lieblich  sang,  und  erhal 
so  wunecklichen  indem  wald. 
ich  erschrack  and  ylt  öch  bald 
55  an  den  weg  durch  die  dicken 


und  sprach;  ‘min  sach  die  will 

sich  schicken 

d&ß  ich  müß  aber  lenger  sorgen.’ 
ich  kam  zürn  weg  und  staind  ver¬ 
borgen 

und  sach  daß  dort  her  tratt 
GO  in  frowem  möt  uff  ainem  pfad 
ain  mineckliches  frölin  zart  und 

fin, 

daß  sang  so  lut  daß  liedlin: 

‘ein  stet,  ain  tr&w  mich  erfröwt..’ 
min  sinn  wurden  mir  zerströwt 
65  do  ich  an  sach  daß  geziert  bild. 
ir  u'ät  waß  rot,  und  gieng  im  wild 
[Jö»]  näch  allem  wünsch  gebildet  zwär. 
ain  krenzlin  trüg  sie  uff  irem  här. 
ich  staint  vergafft  sie  an  ze- 

blicken, 

70  und  ward  es  sich  also  schicken 
daß  ich  hört  zu  der  andern  hand 
ersüffzen  ain  bild  ich  do  fand, 
des  bald  min  äugen  namen  war. 
do  sach  ich  truriclichen  dar 
75  engegen  gön  ain  wunecliche  magt, 
ir  hend  beschlössen,  als  ob  sie 

werlichen  clagt 
ir  wät  was  graw,  ir  höpt  bedeckt, 
sust  waß  alle  schön  an  sie  gelegt 
und  gar  zühtig  in  dem  wandel. 

80  So  macht  sich  also  der  handeil 
daß  die  frowen  näch  miner  begier 


32.  gesacht  aus  gemacht.  60.  frowen. 

38  fehlt;  man  kann  etwa  ergänzen:  Des  66.  wSt  fehlt,  röt  ir  mnnd.  Vgl.  v.  77. 

Waldes  zier  lie6  mich  yergessen.  73.  Bald  min  aigen  wer. 

47.  rin  =  ring.  74.  dar]  dfirt  her. 

49.  hinter  also  gestritten:  so.  75.  Erst  hier  setzt  d  ein. 

57.  Wan  a,  Daß  E. 


Bilder:  nach  v.  30:  Feld,  im  Hintergrund  Häuser;  der  Dichter  geht  spazieren, 
nach  0.  70:  Zwei  Frauen  in  rotem  Kleide  unterhalten  sich  stehend;  die  eine  hat  ein 
Kopftuch,  die  andre  einen  Kranz  im  Haar.  Im  Mittelgrund  hinten  sieht  man  den  Kopf  des 
Dichters,  der  im  Gebüsch  versteckt  lauscht. 


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48 


3.  Der  Minne  Freud  und  Leid. 


begegneten  ain  ander  nahend  by 

mir. 

[50»-]  sie  waren  gespilen,  als  ich  ver- 

nam. 

die  ain  z&  der  andern  kam 
85  und  wurden  ain  ander  nahend, 
so  früntlich  begirlich  umb  fahend 
ge  sähe  ich  nie;  mit  Worten  süssen 
tetten  sie  ain  ander  grüssen: 

‘sag  an,  gespil,  mir  die  mer: 

90  waß  hät  tain  dich  bringen  her? 
war  umb  bistu  singend  also  frow? 
läß  mich  wisßen*,  sprach  die  graw, 
‘ob  ich  icht  mit  diner  fröd 
geringem  müht  min  laid, 

95  wan  es  tüt  erfrüwen  mich 
was  zü  hail  süchet  dich; 
daß  soltu  genzlich  gelüben  mir.' 

Die  rot  spracÄ  uß  fryer  begier: 
‘mich  wundert  ser,  dürst  ich  es 

frägen, 

100  was  dich  her  hab  getragen, 
daß  du  trurig  vor  mir  stäst 
du  solt  mir  sagen  diner  sorgi'n 

last 

[50*1  mir  ist  laid  waß  dir  gebricüt 
miner  fröd  ich  dich  under  rieht, 

105  als  du  mich  gebetten  häst. 

ich  hön  von  ainem  knaben  trost. 
der  liebt  mir  so  gar  iniclich 
daß  ich  in  hab  genzlich 
zü  aller  zitt  in  minem  herzen. 

110  yer  sch  wunden  sind  mir  all  min 

schmerzen 


wan  ich  sin  trüw  gedencken  tü. 
in  fröden  ich  allzitt  rü, 
das  macht  sin  werde  güte, 
die  mir  trüst  min  gemüte, 

115  und  wölt  uff  erden  kain  fröd  hön 
anders  dan  alzitt  in  sehen  an. 
das  wer  wöl  min  himelrich. 
alle  fröd  sind  ir  nit  gelich 
die  lieb  gen  lieb  kan  machen. 

120  kain  ander  ding  mag  es  besachen 
das  yolkomne  fröd  uff  erden  sy, 
es  sy  dan  menschen  minn  da  by. 
wer  ich  ain  gewaltige  kayßerin 
und  trüg  nit  zü  ainem  knaben 

minn, 

125  so  wer  on  fröd  min  gewalt, 
richtnm  oder  schön  gestalt 
in  minem  herzen  gar  yeraicht 
was  sol  mir  das  do  fröd  zerbricht? 
fröd  on  lieb  nit  mag  gesin. 

180  dar  umb  fröw  ich  mich  des  kna¬ 
ben  min, 

der  mir  liebt  zü  aller  stund, 
nun  dar,  gespil,  dir  ist  kunt 
wor  umb  ich  allzitt  frölich  bin. 
nun  sag  mir  öch  dinen  sin, 
[5i»‘]trut  liebe  gespil,  des  bit  ich  dich.’ 

136  Die  graw  die  sprach:  ‘das  tain 

ich. 

sit  du  din  herz  hast  uffgetön, 
das  min  will  ich  dich  öch  wissen 

lön. 

nnser  sinn  sind  gar  nngelich: 

140  ich  trur,  du  bist  frölich, 


92.  gra  d,  frow  vad  graw  a. 
95.  Wan  d,  Wafl  a. 

98.  rot  sprach  d,  red  sprachs  a. 
108.  gebricht  d,  gebiist  a. 


106.  bOn  fröd  lieb  vnd  t.  a((f). 
119.  120  umgestellt  nach  d. 
122.  minn]  fröd  a(d). 

187  aus  d,  fehlt  a. 


Bild:  nach  v.  102:  Wie  das  letzte,  nur  etwas  von  der  Seite  gesehen.  Die  Frauen  hier 
wie  auf  den  folgenden  Bildern  durch  rotes  und  graues  Eieid  unterschieden. 


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3.  Der  Minne  Freud  und  Leid. 


49 


and  körnend  doch  aß  ainer  sach, 
als  ich  dir  das  kaat  mach, 
da  fröwst  dich  lieb,  so  trar  ich. 
diner  törhait  wandert  mich. 

145  da  kanst  nit  wöl  gdden 
von  den  grossen  fröden. 
trat  gespil,  w61t  es  dir  nit  ver¬ 
schmähen, 

so  w61t  ich  an  fahen 
and  dir  sagen  minen  mät. 

150  din  für  niemen  ist  ye  nit  gfit. 
ich  hon  lieb,  das  wisß  6öt, 
och  ain  knaben,  der  min  geböt 
halten  tüt  näch  liebes  art, 
dem  min  herz  nie  hät  gespart 
155  trüw  and  stett  tailen  mit. 
ich  glob  daß  uff  erd  leb  nit 


in  trüwen  ich  in  and  er  mich 

maint, 

und  kan  her^r  von  lieb  sagen, 

160  so  sol  man  ye  das  min  fragen, 
das  hät  versüch  ye  der  lieben  spil 
mit  allem  last  dick  und  vil 
in  eren,  als  sich  dan  zimpt; 
und  wer  es  recht  vernimpt, 

165  so  sprich  ich  wöl  uff  minen  aid: 
das  hät  hundert  laid 
und  kain  fröd  her  gegen, 
gespil,  ich  will  es  aß  legen: 
[üi^lich  hon  ain  knaben,  der  mir  ge¬ 
feit, 

170  für  all  diß  weit  mir  usser  weit, 
den  sich  ich  gern,  daß  ist  min 

fröd. 


144.  wandert  d,  daß  w.  a. 

145.  n.  w.  ge  enden  a,  nit  toI  sagen  vnd 
güden  d. 

149.  mjnen  d,  dinen  a. 

157  fehlt  a;  dz  sich  hab  eins  de  andere 
also  vereint  d. 

158.  hinter  ich  gestrichen:  mich  maint  a. 

DfoUeb«  Text«  dee  Uittelxlter*.  XXIV. 


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höre  da  wider  manig  laid: 
wann  ich  in  sich,  so  gedar  ich 

nicht 

frölich  gestellen  min  gesicht 
175  und  müß  die  fröd  halb  ver  miden 
vor  der  falschen  zungen  schniden. 
villicht  so  merck  es  ain  melder, 
so  wird  die  fröd  mir  ze  schwer 
und  verwandelt  in  grosses  we. 

180  hör  was  ich  dir  sag  me: 

sich  ich  in  nit,  so  ist  min  dag 
mit  süffzen,  sennen  naht  und  tag. 
vor  verlangen  hön  ich  kain  rü. 
ob  es  daß  glück  mir  fügt  dar  zä 
185  das  wir  ettwan  zu  samen  körnen, 
so  stond  wir  als  die  stömmen, 
und  truren  versucht  unßer  begir 
die  künden  bedi  wir 
ain  ander  nit  wöl  erzögen. 

190  er  schrecken,  zittern  ist  unßer 

aigen. 

die  forcht  mir  alle  fröd  er  wert, 
merck  was  lieb  fröd  beschert: 
tät  man  allzitt  die  warhait  sagen, 
so  wölt  ich  lieb  dester  lieber  tra¬ 
gen. 

195  trat  gespil,  du  waist  öch  wöl, 
wer  lieb  recht  haben  söl, 
das  er  sie  vil  müß  miden. 
das  ist  liebes  das  gröst  liden. 
hon  ich  lieb,  so  müß  ich  besorgen 
200  bede  aubend  und  den  morgen 
\52r]  daß  ich  sie  icht  ver  ließen  tü. 
des  gewint  min  herz  nimer  rü. 
sit  es  ist  klain  des  lieb  verdrüßt. 


159.  kan  von  herczen  ad. 

179.  we  verbessert  aus  schwer  a. 
187.  versücht  =  verschiuht. 

192.  beschwert  d. 

202.  Des  d,  Das  a. 

203.  Vgl.  4 186  f. 

4 


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UNIVERSITY  OF  CALIFORNIA 


50 


3.  Der 


Freud  imd  Leid. 


und  vil  arckwanß  dar  uß  be¬ 
schlüst, 

205  so  möß  ich  allwegen  in  sorgen  sin 
das  ich  nit  erzürn  den  knaben 

min 

und  verließ  min  trüw  und  arbait, 
die  ich  uf!  in  hön  gelait. 
licht  erzürnt  er  sinen  müt, 

210  das  er  mir  kippeln  und  küßen  tut 
und  tüt  mich  zihen  daß 
des  ich  nie  schuldig  waß. 
das  bringt  mir  sölich  pin 
das  ich  lieber  on  lieb  will  sin. 

215  sicht  er  mich  zornlichen  an, 

[5-2'']  das  tüt  mir  durch  min  herz  gön. 
Min  gespil,  hör  fürbas  mich: 
tüt  es  dan  machen  sich 
das  ich  zü  im  ain  arckwan  ge¬ 
winn 

220  wie  er  ain  andre  hab  im  sinn, 
vor  laid  müht  ich  verzagen, 
das  ferich  will  mir  min  herz  ab¬ 
nagen 

und  läßt  mich  nit  körnen  zü  güt. 
merck,  gespil,  was  lieb  tüt: 

225  und  es  nun  gelücA:  mir 
ganz  hilff  näch  miner  begir, 
das  mir  der  knab  näch  minem 

müt 

was  mir  gevait,  genzlich  tüt, 
und  zwischen  uns  ist  kain  misß- 

fallen, 

280  die  fröd  wer  ob  in  allen, 
wie  wöl  mir  selten  möge  hön. 


204.  dar]  das  a. 

205.  seyn  d,  ston  vnd  sin  a. 

222.  Die  Torcht  d. 

225.  ob  das  glück  d,  es  nun  gel&ckt  a  (es 
Oenitiv  =  des). 

228.  gewalt  a.  _ 


dannocht  hangt  laid  dar  an. 
ie  lieber  mir  der  knab  ist, 
ye  mer  besorgen  zü  aller  frist 
235  müß  ich  das  er  mir  nit  sterbe 
oder  sust  von  mir  werbe, 
und  das  mich  lieb  icht  bring  dar 

o 

zu 

das  ich  wider  min  er  tü. 
wan  wo  lieb  ist  allain, 

240  do  ist  vei'sagen  nit  gemain 
und  kan  lieb  nit  tain  genug, 
das  bringt  lieben  unfüg. 
das  besorg  ich  für  alle  ding 
das  mich  lieb  nit  dar  zü  bring 
245  das  es  dem  claffer  icht  werd  kunt 
dar  umb  sorg  ich  zü  aller  stund. 
Hör  von  lieben  noch  ain  ge¬ 
schieht, 

und  macht  mir  vil  fröden  ze 

nicht : 

[55»‘]  hon  ich  in  lieb,  so  sich  in  geren 
250  an  gelück,  an  wird  und  an  eren. 
dar  umb  haiß  ich  in  ritten 
zü  höffen,  tumieren  und  öch 

stritten, 

über  mer  und  gen  Brüssen, 
gen  Ysi>anien  und  gen  Rüssen 
255  und  andre  land  nach  ritter  schafft, 
das  bringt  mir  fröd  und  krafft. 
merck  das  liden  das  dar  an  hang^: 
stets  mich  näch  im  belangt; 
dar  uß  mir  groß  liden  enstät 
260  das  ich  nit  waiß  wie  es  im  gät. 
so  müß  ich  besorgen  ymmer 


231.  mir]  wirs  d. 

240.  Do  ist  d,  So  a. 

245.  es  d,  er  a. 

250.  Zü  nemen  an  g.  d,  Sin  g.  a. 
254.  ysanien  a. 


Bild:  nach  v.  212:  Wie  das  leUte,  nur  ist  die  Farbe  der  Kleide  vertauscht. 


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3.  Der  Minne  Freud  und  Leid. 


51 


wie  er  verließ  lib  und  er. 
dise  sorg  kömpt  mir  nit  ab. 
nun  merck  was  ich  fröden  hab, 

265  und  gelöb  das  ain  tag  fröd 
nit  geweren  mag  on  laid. 
laid  aber  wol  geweren  mag 
on  fröd  zwär  mangen  tag. 
ich  will  der  fröd  gern  enberen, 

270  das  mich  laid  nit  th&  beschweren, 
und  ob  es  mir  gät  näch  minem 

sin, 

dannocht  ist  laid  dar  inn. 
uff  mich  man  lügt  und  schryt, 
wan  glück  will  haben  nid. 

275  nöch  hon  ich  nit  gar  geseit 
was  mir  lieb  bring  laid, 
und  kan  niemend  gar  bedencken 
wie  vil  laids  lieb  tüt  krencken. 
wer  es  recht  besinnen  wil, 

280  so  ist  des  laides  also  vil 
[55']  das  ich  billich  trurig  stön. 
dar  umb  möß  ich  wunder  hön 
das  du  dich  fröwst  der  torhait. 
wa  ain  fröd,  da  hundert  laid. 

285  wers  versöcht,  der  ist  min  züg 
das  ich  laider  nit  lüg. 
es  ist  mir  worden  zä  sur. 
nun  waistu,  gespil,  wes  ich  trur 
und  was  ich  an  lieb  schowe. 

280  dar  nmb  ich  in  den  wald  flöhe, 
das  ich  des  lidens  sy  vertragen, 
belib  by  mir  und  hilff  mir  clagenl’ 
sprach  die  graw  die  geschieht. 


Die  röt  sprach;  ‘das  tfi  ich 

nicht. 

295  als  ich  verste  dinen  m&t, 

so  syen  wir  by  ain  ander  nit 

g&t. 

r>i ']  da  also  doch  halft  do  verclagen, 
dar  uff  will  ich  antwirt  sagen: 
diner  red  wich  wundert. 

800  es  haben  gelebt  manig  hundert 
die  wißer  waren  dan  du  und  ich, 
die  doch  lieb  fröwten  sich, 
ye  wisser,  ye  edler,  ye  richer, 
ye  stercker,  ye  gelerter,  ye  ge- 

licher 

305  und  ye  mehtiger  sie  geweßen  sind, 
ye  e  sind  sie  worden  blind 
durch  liebes  fröden  lust, 
und  haben  doch  wöl  öch  gewißt 
was  lieb  laides  und  fröd  brecht, 

810  und  sie  dar  umb  nit  verschmecht, 
sunder  stets  dar  näch  geworben, 
mancher  ist  dar  umb  gestorben, 
die  andern  litten  grosse  nöt. 
das  alles  die  lieb  gemacht  hät. 

315  wan  nit  lieb  übte  sich, 

was  wer  fröd?  das  bitt  ich  dich, 
alle  hüpschkait  dißer  erden 
tüt  alle  umb  lieb  werben, 
rieh  und  arm  dient  der  min 

820  biß  her  von  der  weit  an  begin. 
sie  hät  die  weit  alle  in  gewalt, 
schön,  ungestalt,  jung  und  alt. 
Adam  flel,  der  erst  man, 


274.  Vgl.  1 1614. 

287.  schwer  ad. 

28S.  tniren  a. 

289  f.  In  d  reimt  schüch  :  flOch. 

296.  darunter  getirichen  v.  307 f.  a. 

297  unklar;  So  da  dich  als  von  lieb  düst 
clagea  d,  Das  also  ich  dich  hört  do  cl.  B. 


298.  wiU  d,  fehlt  a. 

299.  Deyn  red  mich  ser  bekimmert  d,  D. 
Mden  sich  w.  a. 

819.  arm  mit  der  gemain  a(d). 

823.  vor  fiel  gestrichen:  ge  a. 


Bild:  nach  0.296:  Hügdige  Landschafl.  Vom  die  etoei  Frauen  im  Gespräch. 

4* 


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52 


3.  Der  Minne  Freud  und  Leid. 


do  in  Göt  geschüff,  von  stunden 

an 

325  durch  lust  der  lieb  von  siw  ge- 

böt. 

David,  den  sunder  liet  lib  Got, 
durch  lust  der  lieb  ainen  mord 

begieng. 

Absolon,  der  schönst,  flöhe  und 

behieng 

an  ainem  böm  durch  liebes  lust 
330  und  ward  gestochen  durch  sin 

brust. 

Salomon  der  wissag,  Gottes  kneht, 
den  zwang  öch  die  lieb  schlecht 
der  ain  mörin  lieb  gewan; 
des  bat  er  ain  abgöt  an. 

335  Samson,  der  sterckst,  tet  geben 
umb  lust  der  lieb  ögen  und  leben. 
Aristotiles,  der  gelertst  in  kunstj 

laid 

das  in  mit  willen  ain  frow  rait. 
Virgilius  siner  kunst  vergaß, 

340  das  er  in  ainen  korb  saß; 

der  lust  brächt  in  zä  ungemach: 
er  hieng,  das  in  mengklich  sach. 
Achilles  und  öch  Tristan, 
die  zwen  edel  kün  man, 

345  Hector  und  Paris,  die  werden 

held, 

Troillus,  der  junglin  usserwelt, 
haben  ir  leben  und  liebe 
geben  umb  lust  der  wibe. 

PiVamus,  das  edel  herz, 

850  mit  sinem  b&len  umb  liebes  scherz 


riben  sich  baide  an  ain  sch  wert: 
ir  baider  herz  do  das  begert 
das  macht  alles  der  lieben  spU. 
menig  tußend  mer  und  vil 
355  haben  durch  den  lust  ir  leben  ge- 

ent. 

betten  sie  der  fröd  nit  erkent, 
sie  betten  die  wöl  vermitten. 
ich  will  volgen  den  alten  Sitten 
und  nit  wißer  halten  mich 
360  dan  sie  alle,  als  du  tflst  dich. 

['>C']  sich  an  was  lieb  kan  bringen, 
sit  ir  lust  kan  also  zwingen 
den  stercksten  und  den  he/-sten, 
den  wißten  und  den  gelertsten; 

365  und  mochten  die  nit  sicher  weßen, 
wie  möcht  ich  dan  geneßen? 
ich  mäß  näch  lust  der  lieb  stellen 
und  mich  fröwen  mins  gesellen 
und  nit  sehen  claffen  an, 

370  dar  vor  sich  nit  gehütten  kan: 
es  w’ont  bößen  und  glitten  mit 
fürbas  mag  ich  mer  biten  nit. 
ich  bin  die  erst  wo  lieb  tfit 

zemen. 

dar  umb  will  ich  mich  nit  Sche¬ 
men 

375  und  frölich  sin  lieb  zü  eren. 
gespil,  du  solt  mirs  nit  verkeren 
und  lauß  ab  din  törhait 
din  seltzmar  sin  ist  mir  laid; 
nun  rüwe  und  setze  da  von 
380  und  laß  uns  wider  haim  gön’, 
sprach  die  röt,  ‘das  bit  ich  dich. 


325.  lust  d,  last  a.  lieb  sin  geböt  a. 

326.  nach  bet  gestrichen:  gut  a. 

332  aus  d,  fehlt  a. 

837.  Aristoteles  und  Phyüis:  v.  d.  Hagen, 
Gesamtabenteuer  Bd.  1  Nr.  2. 

339.  Über  das  Korbabenteuer  vgl.  Gesamt- 
abenteuer  Bd.  3  S.  CXXXIX  ff. 

349.  Priamus  ad.  das  das  a. 


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850.  l.  schmerz  ? 

351.  l.  triben  ? 

363.  huhsten  a(d). 

364.  wjsesten  d,  widen  a. 

365.  sicher  d,  sich  a. 

372.  ich  nit  mer  a. 

373.  wo  die  erst  a,  umgesUÜt  nach  H. 


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3.  Der  Minne  Freud  und  Leid. 


53 


es  Wirt  dir  lieben,  gewerstu  mich, 
dar  umb:  wer  ain  getrüwen  bülen 

hät, 

der  fröwe  sich,  daß  ist  min  rät, 
385  wan  trüw  in  der  lieben  orden 
ist  nun  gar  seltzam  worden, 
wan  es  lebt  nit  vor  liebes  krafft 
und  ist  ains  herzen  rechte  aigen¬ 
schafft, 

und  mag  kain  herz  frölich  sin, 

390  es  schin  dan  lieb  dar  in.’ 

Als  sie  ir  red  beschlössen  hät, 
[öö*-]  ich  uß  dem  busch  zÄ  ir  trat, 
wan  es  was  und  ducht  mich  zit 
do  zä  entschaiden  dißen  strit. 

395  ich  größt  sie  iniclichen  mit  ge¬ 
berden  ; 

sie  erschrecken  baid  vil  werden, 
doch  danckten  sie  mir  mit  fliß 
und  boten  mir  ir  hendlin  wiß. 
ich  sprach:  ‘edeln  frowen  minic- 

lich, 

400  nit  erschreckt  und  hört  mich, 
ich  bin  ganz  näch  üwerm  willen 
und  beger  den  krieg  stillen, 
ob  ich  künd,  weßt  ich  die  sach. 
mir  \<^er  laid  öwer  ungemach; 

405  mag  es  gesin  an  uwer  göt, 
so  läßt  mich  wissen  üwern  mut. 
[37r\  ich  will  min  sin  dar  an  legen, 
ob  ich  öch  bede  möht  verainen.’ 
Die  frowen  sahen  ain  ander  an 
410  und  sprachen:  ‘zwar  dißen  man 
das  glück  hät  gefürt  her. 
wir  söllen  im  sagen  diße  mer 


und  gewalt  geben  von  uns  beden 
die  sach  zö  entschaiden.’ 

415  es  gefiel  in  wol  und  geschach. 
yegklich  gelobt  und  sprach: 

‘min  gesell,  nun  entricht 
mit  dinem  urtail  diß  geschieht, 
wir  wolgen  dir  kurz  und  lang.’ 

420  Ich  sprach:  ‘wer  ich  nit  so 

kranck 

an  sinnen,  ich  tett  es  geren. 
doch  will  ich  üwer  bett  geweren, 
wan  kainem  ist  kain  ding  zö  vil 
do  man  im  volgen  wil. 

425  üch  zö  dienst  will  ich  wägen, 
wes  ich  nit  waiß,  daß  möß  ich 
.  .  frägen.’ 

sie  danckten  und  erzalten  mir 
zö  baiden  sitten  ir  begir, 
als  es  eben  hett  gelut. 

430  also  ward  mir  deß  rechten  ge- 

truwt. 

yecklich  befalch  mir  iren  tail. 
ich  sprach:  ‘nun  dar  mit  hail! 
ich  hön  üwer  sach  vernömen, 
zö  rechter  zit  bin  ich  körnen. 

435  üch  töt  des  kriegs  nit  nöt. 
üwer  yegklichs  zwär  recht  hät: 
wan  ir  ain  ander  recht  verstond, 
baide  ir  mit  ain  ander  haim  gond. 
[•>7*’]  als  ich  dan  underschaid: 

440  by  lieb  ist  ye  geweßen  laid; 
von  natur  lieb  fröd  begert 

bringen, 

uß  fröd  dick  laid  entspringen, 
wie  künd  ich  kennen  die  fröd. 


388.  mins  a.  412.  ym  d,  nan  a. 

405.  an  d,  ön  a.  413.  von  d,  wo  a. 

407/".  Als  Beim  darf  wohl  lain  «legen)  417.  vnd  a. 

:  Terain(en)  angesetet  werden;  lainen  paßt  in  418.  Hier  bricht  d  ab. 

der  Bedeutung  nicht  gane.  437.  ir  fehU.  verstond  atu  verstand. 


Bild:  nach  v.  406:  Landschaft;  links  und  rechts  im  Hintergrund  hohe  Bäume.  Vom 
steht  der  Dichter  swischen  beiden  Frauen  und  sucht  sie  su  versöhnen. 


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54 


3.  Der  Minne  Freud  und  Leid. 


wan  ich  nit  wißt  was  wer  laid? 
445  by  dem  snren  kent  man  daß  siesß. 
also  ich  Awern  strit  bieß. 
als  ir  rotte  sprecht  das  do  nit  sy 
volkömen,  ist  die  lieb  do  by 
fr6d  nff  erden,  das  ist  wär, 

450  als  mich  bedunckt,  ^anz  und  gar. 
als  ir  graw’e  setzt  üwer  gedenck 
wie  lieb  in  groß  laid  sencA-, 
das  mag  ich  üch  gelegen  nicht, 
als  ich  üch  daß  under  rieht: 

455  bringt  nun  lieb  fröd, 

so  mdß  sie  öch  bringen  laid, 
das  ains  dem  andern  werd  erkant. 
wer  fröd  nit  früd  genant. 


460  wer  sin  wider  sach  dar  leit 
und  ye  grösser  lieb  befacht, 
ye  grösser  laid  do  öch  macht, 
wan  es  der  totderfal  also  git 
dar  solt  enden  vast  der  stritt: 

465  wer  wöl  went,  wol  dem  ist, 
wer  übel  went,  dem  yil  gebrist 
nnd  merck:  zway  tragend  lieb  ge- 

lich, 

das  ain  mag  machen  do  von  rieh, 
das  ander  macht  arm  do  von. 

470  also  weit  ir  hie  die  sach  verston. 
wer  all  sach  versorgen  tüt, 
der  hät  selten  gütten  müt. 
[58»']wer  aber  sin  sach  bevilcht  dem 

glück, 

der  schlecht  vil  sorg  zu  rück. 

475  also  mag  öch  sin  üch  baiden: 


lieb  von  laid  mag  man  nit  schai- 

den, 

doch  lieb  das  laid  nngelich  nert. 
aim  ist  von  ir  mer  fröd  beschert, 
dem  andern  mer  laids  nnd  trieb- 

sal. 

480  das  glück  ist  nit  glich  über  al. 
dar  umb  tüt  dick  ains  nit  schelten 
das  das  ander  muß  engelten. 
also  mag  üch  baiden  sin. 
dar  umbso  hört  daß  urtail  min. 

485  merckt  teas  ich  üch  hon  erzelt, 
ir  baid  frowen  usßerwelt, 
dar  näch  sölt  ir  üch  richten  nun: 
offt  zway  als  ir  kriegen  taind 
und  habend  doch  baide  recht. 

490  da  mit  sig  üwer  sach  schlecht, 
von  dißem  urtail  niemend  uß 
ain  fröd  nnd  gond  wider  ze  huß, 
und  fröwt  üwer  bülen  getrüwen 
nnd  laußt  üch  nit  rüwen 
495  ob  ir  von  lieb  kumer  lit; 
es  lonet  wider  ain  zitt 
das  offt  versagt  ain  jär. 
das  glück  feit  her  und  dar: 
es  ist  hüwer  der  rötten  allain, 

500  es  mag  üch  werden  gemain 
baiden  ze  jftr,  das  fieg  Göt 
und  ander  aller  getrüwer  rät’ 

Do  ich  also  hett  geschwigen, 
[5S»]  die  frowen  mir  baid  nigen 
505  und  sprachen:  'gesell,  wtr  dancken 

dir, 

du  hast  erfült  unser  begir. 


447.  rette. 

448.  Ist  ist  =  enist  (tnhd.  ensi)  oder 
man  besser  mit  JET.  nit  statt  die? 

452.  senckt. 

466.  vor  laid  gestrichen:  l&d. 

469  fehlt. 

462.  Ye]  In. 

463.  wider]  ynder. 


464.  enden  fehU. 

seiet  466.  went  =  wsenet  oder  wendet. 

479.  triebsal  aus  triebsail. 

485.  was  fehlt. 

500.  nac6  üch  gestrichen:  magen. 
601.  Baide. 

505.  wr. 

506.  Da. 


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3.  Der  Minne  Freud  und  Leid. 


55 


wir  sind  der  warhait  under  rieht, 
die  wir  vor  wißten  nicht.’ 

‘din  1er  macht  mich  frow 
510  und  gibt  mir  trost’  sprach  die 

g^aw. 

deß  glichen  tet  öch  die  röt: 

‘des  danck  ich  dir  frü  und  spät’, 
und  sprachen  baide:  ‘trat  gesell, 
6ot  behüt  dich  vor  ungefell! 


515  wir  westen  gern  den  namen  din, 
möht  es  mit  dinem  willen  sin, 
das  wir  k&nden  kennen  dich.’ 
ich  sprach:  ‘frowen,  so  haiB  ich 
in  rechten  trftwen  der  eilend 

knab.’ 

520  yegkliche  mir  ir  hendlin  gab. 
ich  danckt  in  mit  grösser  begir. 
also  schieden  sie  von  mir. 


4. 

Der  Traum  im  Garten. 


159*"]  Aines  tages  fügt  sich  daß 
das  ich  in  ainem  garten  sas 
in  dißen  gedencken  ganz  allain 
wie  ich  miner  werden  frowen  rain 
5  näch  irem  willen  möht  gefallen 
in  schimpft,  in  ernst  und  öch  in 

schallen, 

und  ir  geböt  ich  nit  über  trett 
und  gehorsam  wer  was  sie  mich 

bett, 

das  nicht  ganz  an  mir  brech 
10  und  sunder  früntlich  zü  mir 

sprech : 

‘näch  allem  wünsch  so  fröwstu 

mich; 

begerstu  sin,  das  tain  öch  ich.’ 
so  wer  öch  aller  min  will  völ- 

brächt ! 

Ich  sas  also  infröden  und  ge- 

dächt 


15  den  Sachen  näch  als  tieft 

das  ich  von  rechter  begir  ent¬ 
schlieft. 

mich  ducht  wie  die  schön  minic- 

lich 

zü  mir  nider  satzte  sich 
und  sprach:  ‘gesell,  ich  bin  by  dir. 
20  wiltn  nun  wissen  min  begir: 
das  ich  beger  von  dir,  das  ist  min 

tröst 

da  mit  du  dich  bekümert  häst.' 
ich  sprach:  ‘ja,  min  öwiger  hört, 
ich  gehör  ye  nie  lieber  kain  wort 
25  dan  din  willen  nun  zü  wissen, 
den  zehalten  hön  ich  mich  ge- 

flissen 

und  will  do  mit  enden  min  leben.’ 

Sie  sprach:  ‘gesell,  nun  merck 

es  eben: 

laß  dir  kain  sach  bringen  laid, 


Zu  4. 

9.  Das  =  Das  sie.  17.  Micht  mit  gestrichenem  t. 


Bild:  vor  dem  Anfang,  Bl.  58*:  Landschaft,  links  und  rechts  betoaldete  Hügd;  am 
rechten  Hügd  liegt  der  Dichter  mit  aufgestütztem  Kopf  und  hält  die  rechte  Hand  flach  an  die 
Brust,  Vor  ihm  im  Mittelgrund  steht  $eine  Geliebte,  mit  der  er  sich  im  Traum  unterhält. 


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56 


4.  Der  Traum  im  Garten. 


30  du  wissest  dan  die  rechten  war- 

hait. 

[5fl»]  wiltu  das  dir  söl  gelingen, 
so  diene  Gut  vor  allen  dingen, 
fldch  klaffen,  nid  und  hasß. 
din  gehaim  sag  nit  fürbaß, 

35  mit  schweren  soltu  dich  nit 

rechen, 

kainer  frow'en  soltu  übel  sprechen, 
vor  allen  dingen  röm  dich  nicht, 
was  dir  von  frowen  gut  geschieht, 
din  lieb  trag  haimlich  und  still, 

40  nit  schrib  an  die  wend  waß  sy 

din  will, 

biß  wärhafftig  und  verschwigen, 
din  trüw  lauß  nit  verligen, 
biß  zühtig  mit  Worten  und  geber¬ 
den, 

niemend  getrüg  mit  geverden. 

45  du  sölt  bülen  näch  eren, 
dinen  bulen  nit  verkeren. 
biß  milt,  stet  und  fridlich, 
vor  vil  güden  so  hüt  dich 
und  nit  lauß  dich  zorn  überwin¬ 
den 

50  und  öch  dich  nit  trnncken  finden, 
hab  gedult  recht  mit  aller  sach, 
by  den  lütten  du  dich  früntlich 

mach, 

grüß  sie  vil  und  habs  in  eren. 
niemans  soltu  spotten  geren, 

55  hab  dinen  mund  in  stetter  hüt. 
näch  redlichen  Sachen  setz  din 

müt, 

niemend  verschmech  und  biß 

muntber. 

hüt  dich  vor  schänden,  ich  dich 

1er. 

57.  muntber  wohl  vom  Schreiber  verlesen 
aus  yrinutber,  das  tum  Sinn  der  vorhergehenden 
Verse  besser  paßt. 

78.  übe. 


du  solt  dich  zü  den  gütten  ge¬ 
sellen, 

60  näch  büsem  güt  soltu  nit  stellen, 
ere,  mfit.,  güt  soltu  brißen, 
was  du  nit  kanst,  das  fräg  die 

wißen. 

[60']trüwer  sach  soltu  flißen  dich; 
biß  zierlich,  herlich  und  weltlich. 
65  du  solt  keck  und  manlich  beliben 
w'o  man  ritterliche  werck  tüt  tri- 

ben, 

und  fiüch  nit  umb  kain  nöt, 
wig  schand  höher  dan  den  tod. 
das  gehör  als  die  knaben  an 
70  die  durch  er  zü  bülen  gön. 
das  soltu  als  verkünden  in, 
das  sie  mit  dir  mercken  den  sin. 
das  ist  min  will  in  der  gemain. 
Wiltu  nun  wissen  waß  mir 

allain 

75  von  dir  übel  und  wöl  gefeit?’ 
sprach  die  schön  usserwelt. 

*  lieber  gesell,  du  hast  ain  sitt, 
du  truwst  mir  übel,  das  darfst  du 

nit; 

und  ziehst  mich  öch  argkwon 
80  des  ich  nie  sin  und  müt  gewan, 
und  verschwürst  es  w’er  ge¬ 
schehen. 

das  mich  belaidget,  das  müß  ich 

je^en. 

also  fremd  bistu  gen  mir  on  nöt 
das  mir  öch  lieber  wer  der  töd 
85  dan  sölichs  liden  önverschult; 
und  wer  nit  so  größ  min  gedult, 
so  möbt  ich  durch  diß  geschieht 
nit  werden  da  mit  nnder  rieht 
ob  die  lieb  die  min  herz  treit, 

79.  l.  durch  arew.  ? 

83.  bistu  fehlt. 

87.  nach  ich  gestrichen:  nit. 

89.  das  erste  die  aus  min. 


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4.  Der  Traum  im  Garten. 


57 


90  indir  wer  lieb  oder  laid. 

das  entricht  ich  doch  vast  gen 

dir, 

und  solt  doch  gelöben  mir 
[60 p]  das  ich  kain  übell  an  dir  beginn, 
setz  es  nß  dinem  sinn, 

95  min  gesel,  das  bitt  ich  dich, 
und  tü  nymmer  also  betrieben 

mich, 

so  will  ich  sin  din  trüwe  gespil. 
nit  anders  ich  von  dir  geren  wil. 
halt  din  trüw  stet  an  mir, 

100  des  geliehen  tain  ich  wider  gen 

dir.’ 

Also  die  schön  ir  red  beschloß, 
ir  zü  antwirten  mich  nit  verdroß, 
und  sprach:  ‘selig  sy  die  stund 
dar  inne  mir  von  ir  ist  worden 

kirnt 

105  miner  liebsten  frowen  sin  und  be- 

gir 

und  gehüsten,  die  sie  het  gen  mir. 
min  liebster  hört,  seint  daß  dm 

gebot, 

so  bit  ich  den  lieben  werden  Göt 
das  er  mir  verlihe  crafft  und  sin, 
110  das  ich  all  weg  erschin  dar  in 
und  dinen  willen  ganz  verbring, 
das  wer  mins  herzen  geding. 

Göt  wisß  das  nit  uif  erden 
mir  zü  größer  fröd  mag  werden 
115  dan  dir  ze  dienen  mit  gefallen, 
doch  merck  ich  an  dinem  kalleu 
das  dich  verdrüßt  das  ich  zü 

zitten 

mit  dir  zürn  und  wider  stritten 
und,  als  du  mainst,  ön  alle  sach. 
120  dar  zü  ich  min  antwirt  mach: 

90.  Indier. 

97.  sin  feJüt. 

106.  gebesten. 

107.  dem. 


lieb  müß  gezancket  hön. 
ob  nun  zü  zitten  ain  arckwan 
mir  bekümert  min  gemüt  etwaß, 
so  wechßt  doch  dar  uß  kain  haß, 
[<'i'’]der  unßer  lieb  mag  zertrennen. 

126  es  kumpt  uß  lieb,  wiltus  erkennen, 
hett  ich  dich  nit  lieb,  was 

kümertes  mich 
wie  du  teilest  halten  dich? 
es  wer  mir  alles  eben  schlecht, 

130  du  tettest  wol  oder  unrecht, 
besorgnust  der  Verlust  mich 

krenckt; 

das  min  herz  offt  bedenckt, 
wan  es  ist  von  natur  sit 
das  böß  zü  besorgen,  das  güt  nit. 
135  es  mag  licht  sin  daß  lieb  ver¬ 
drüßt  ; 

dar  uß  sie  vil  arckwäns  beschlüßt. 
hett  ich  mich  sölichs  ye  bedacht, 
so  hett  mich  lieb  dar  zü  bracht, 
die  ich  dir  trag  mit  stetten  trü- 

wen. 

140  ewiger  trost,  lauß  dich  nit  rüwen 
und  vergib  mir;  hab  ich  it  geton, 
ich  wil  es  füro  faren  lön 
und  ymer  tain  näch  dem  willen 

din. 

din  stetter  diener  will  ich  sin 
145  und  thön  wöl  getrüwen  dir. 
was  du  schaffest  mit  mir, 
ich  wil  mich  ffissen  zü  dinem  ge- 

böt’ 

Die  schön  die  sprach:  ‘nun 

danck  dir  Göt; 
din  verhaissen  mich  fröwt, 

150  und  din  antwirt  hat  zerströt 
als  min  laid  und  ungemach, 

121.  vgl.  1  isss. 

135/*.  vgl.  Sgosf. 

150.  czentört. 


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58 


4.  Der  Traum  im  Garten. 


hat  gemacht  min  fr6d  zwifach. 
kumme  im  näch,  als  du  sprichst, 
da  mit  du  mir  in  min  hei'z  brichst 
155  und  machst  dich  werd  gen  Gut 

und  der  weit 

und  enpfaclist  von  mir  daß  wi¬ 
der  gelt, 

[6io\  waß  ich  mit  eren  mag  tain 

(daran  soltu  kainen  zwifell  hön), 
und  will  mich  richten  ganz  dar  zu 
160  und  will  machen  minem  herzen  ru 
und  dir  min  herz  tailen  mit 
des  geliehen  öch  ich  dich  bit. 
wan  es  geschieht,  wirt  mi<  fröden 
unßer  lieb  von  laid  geschaiden, 

165  und  also  mag  es  weren  öwenclich. 
min  gesell,  Göt  behüt  dich! 
es  ist  zitt,  ich  schaid  von  dir. 
mir  ist  erfült  min  begir.’ 

Ich  sprach:  ‘frow,  durch  din 

gnäd  g&t 

170  bit  ain  wil  und  tröst  min  gemfit! 
nit  schaid  also  bald  von  mir, 
hör  min  tröst  und  min  begir! 
sit  du  mir  ganz  häst  verhaissen 

verzihen 

und  din  fr&ntschaff  wider  gelihen, 
175  so  soltu  nit  also  von  mir  gaben, 
snnder  mich  mit  willen  umb  fahen, 
dinen  frönd,  mit  ermlin  wisß. 
des  bitt  ich  dich  mit  ganzem  fliß: 
mich  zft  dir,  lieb,  also  bind 
180  das  ich  der  richtung  ganz  enpfind.’ 
Sie  sprach:  ‘gesell,  wer  es  nit 

ze  vil? 

eins  ich  dir  doch  sagen  wil: 
ich  gönd  dirs,  wölt  es  niemen 

sehen 


der  minen  eren  tat  näch  spehem’ 
185  sie  sach  hin  und  öch  her 
ob  yemand  me  da  wer. 

[<'-'■]  mit  lust  sie  mich  umb  fieng. 

die  fröd  mir  durch  min  herz  gieng, 
das  mich  beducht  sicher  daß 
190  das  mir  nie  wer  worden  baß 
all  min  tag,  und  hett  gewölt 
das  es  öwenclich  weren  sölt. 
es  waß  verschwunden  als  min 

laid, 

ich  was  umb  geben  mit  aller  fröd, 
195  als  ich  lag  an  ir  gezierten  brüst 
Mir  was  so  wöl  indem  lust 
das  ich  von  rechter  beg^  ent- 

wacht 

ich  erschreck  das  mir  min  herz 

kracht, 

do  ich  niemand  sach  nöch  fand. 

200  ich  staind  uff  trurig  z&  hand 
und  söcht  im  garten  hin  und  her, 
ob  sie  yemgend  verborgen  wer. 
es  was  umb  snst,  ich  fand  ir 

nicht 

mich  bekömert  ser  diß  geschieht 
205  das  es  laider  nit  also  was, 

und  satzt  mich  nider  in  daß  graß 
und  bedächt  mich  trurig  dißer 

mer, 

wie  es  nun  ain  tröm  wer 
und  wie  größ  fröd  hett  do  von. 

210  was  möhten  dan  mir  die  mercker 

tain, 

ob  mir  das  glück  wird  bereit 
das  uß  dem  tröm  wird  ain  wär- 

hait? 

Also  tett  ich  die  sach  betrach¬ 
ten 


154.  in  fekU. 

163.  mit]  min. 

173.  min  venihen. 


199.  sach  steAt  über  gettrichenem  fand. 
207.  difie. 

210.  mercker]  werck. 


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4.  Der  Traum  im  Garten. 


59 


und  höch  in  minem  gem&t  achten 
215  die  geböt  und  ir  begir, 

die  sie  im  schiäff  hett  z&  mir, 
daß  ich  sie  trülich  halten  wölt 
und  verkünden  waß  ich  sölt, 
nit  minner  dan  ob  ir  mund 
220  mir  sie  hät  machen  tain  kunt. 
die  Süllen  hie  mit  verkündet  sin 
allen  rainen  frölin  fin 
und  allen  rainen  gespilen  güt 
die  näch  eren  haben  müt 
225  und  bülschaift  mainent  zetriben 
gen  rainen  werden  wiben, 
daß  sie  an  sehen  diße  1er 
und  hütten  sich  vor  uner 
und  vor  Unzucht  iren  lib. 

280  dar  mit  erwirbt  er  werde  wib. 
es  ist  wöl  was  im  gfits  wider  fert 
dem  die  tagend  sind  beschert 


und  also  hielten  dißer  frowen  ge¬ 
böt. 

die  behüt  öch  der  werde  GMit 
235  allweg  mit  hail  vorlaid 

die  frowen  dienend  mit  stettikait 
und  ire  ere  allzitt  bewaren! 

Ich  mocht  es  nit  lenger  sparen, 
ich  gieng  her  hain  und  sücht  sie 
240  und  sagt  ir  alles  wa  und  wie 
und  was  ich  hett  gehört  und  ge¬ 
sehen. 

sie  sprach:  ‘gesell,  ich  will  dir 

vejehen : 

es  ist  min  will  und  gefölt  mir 

wöl.’ 

do  mit  sich  die  red  enden  söl, 

245  die  ich,  ain  knab  eilend, 
allen  gutten  gesellen  send. 


5. 

Dis  ist  ein  sproch  von  dem  mynner  in  dem  garten. 


[74r] 

Zwar,  Mynne,  din  orden  mich 

krencket. 

welich  man  sich  dar  nach  lenket 
daz  er  getruwer  lieb  pfligt 
und  so  gut  besnnder  wigt 
5  ein  wip  vor  allen  wiben, 
die  yn  mit  truwen  schriben 
wil  in  ires  herczen  grünt, 
da  Wirt  ein  wemdez  für  enczünt 
in  dem  getrüwen  herczen. 


10  daz  senfczen,  senden  smerczen 
wirbet  an  in  manche  zit. 
sin  trost  an  der  getrüwen  lit 
und  alle  sin  höhste  wünne. 
noch  clarer  dan  die  sünne 
15  lüchtet  sie  in  sins  herczen  grünt; 
daz  stricket  unentladen  bünt. 
wann  er  die  guten  myden  müz 
und  iren  süßen  senften  grüz, 
daz  ist  ein  leit  on  ende. 


220.  ne  fehlt. 
222.  AUaijL 


229 /f.  Singular  und  Plural  wechseln  will- 
lArlich. 

285.  Vnd  allweg. 


Zu  5. 

11.  mache.  Verses  ‘ unauflösbar';  man  erwartet  freilich 

16.  Tinentladen  heißt  nach  dem  Sinne  des  eher  onentloeset  oder  allenfalls  onentl&zen.  R. 


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60 


5.  Der  Minner  im  Garten. 


20  daz  nyinan  kan  g-ewende. 

[~^isin  hoher  inut  sich  swerczet, 
manig  jamer  an  ym  schcrczet. 
daz  niüz  er  ymmer  liden 
die  wil  daz  er  muz  miden 
25  sin  liep;  daz  ist  di  groste  not, 
verre  wirser  dan  der  tot. 
der  nymet  schir  ein  ende, 
sint  senenden  herczen  elende 
mit  jamer  ymmer  seuffczen  birt. 

30  wan  er  von  lieb  entpfremdet  wirt, 
w’az  sal  er  dan  uff  erden? 
sin  lip  muz  dar  zu  werden 
daz  er  verluset  die  sinne, 
hilff,  Venus,  küniginne, 

35  sit  daz  wirket  din  gewalt! 
die  rechte  lieb  ist  so  gestalt 
alz  ich  dir,  frawe,  künde, 
werlich  du  hast  sin  sAnde, 
leßest  du  verderben  steten  mflt, 

40  wer  daz  in  dime  dinste  tut. 
wo  von  mir  daz  ist  bekant, 
daz  wil  ich  sagen  alzehant. 

[73r]  Daz  waz  hür  in  dez  meyen  zit, 
die  mancher  hand  wunne  git, 

45  wanne  laup  uz  den  esten  sprüßet 
und  sich  die  plud  entslüßet. 
da  daz  stunt  in  der  bilde, 
ich  reit  über  ein  gevilde; 
daz  waz  mir  werlich  unbekant, 

50  ich  waz  nye  kumen  in  daz  lant. 
von  wunder  sich  daz  Schichte 
daz  ich  mich  fürbaz  richte 
und  mich  myn  weg  sus  eben  trug, 
ich  kam  für  einen  garten  clug, 

55  der  waz  wit,  unmaßen  groz, 


da  mitten  durch  ein  waßer  floß, 
dar  uff  ging  manig  grozer  kiel; 
die  augenw’eyde  mir  wol  geviel. 
ich  trat  ab  für  dez  garten  tor. 

60  ich  waz  nit  lenger  mer  da  vor 
und  richte  gegen  dem  waßer  mich, 
ich  sach  nnmaßen  cleglich 
in  jamer  einen  jungen  man. 
der  waz  von  libe  gar  wolgetan, 
[“^••ler  mohte  ein  künig,  ein  keyser  .sy; 

66  doch  wont  ym  sende  in  herczen 

by. 

ich  trat  ym  nahe  under  einen 

bäum, 

daz  ich  der  sweren  leste  saüm 
erkente  und  hörte  waz  er  sprach. 

70  ich  Stunt  daz  er  mich  nit  ensach. 
‘o  we!’  sprach  der  gehöre, 

‘ich  mag  nit  me  gestüre, 
min  sendes  hercze  müz  zurgee 
veremelczet,  alz  vor  dem  füre  ein 

snee, 

75  vor  rechter  liebe  zönder. 
so  liep  ist  mir  besonder 
ein  wip,  die  hercze  nnd  sinne  er- 

koz, 

die  mich  vil  armen  krefftloz 
machet  hie  nnd  manche  stünt. 

80  gewaltig  in  mynez  herczen  grünt 
ist  ir  lip  zart,  gehöre, 
ich  han  nit  me  zu  störe 
von  ir  wann  seneclich  clage, 
daz  ich  sie  gern  alle  tage 

85  mit  frewden  wülte  schau  wen. 
daz  glicht  wol  dem  tauwen, 

[76»-]  der  dez  meyen  frucht  erlapt 


24.  maz  mnz. 

51.  schickete. 

55.  vor  groz  gestrichen:  breit. 
58.  Da. 

64.  übe  aus  liebe. 


86.  Daß  ton  hier  vom  Dichter  in  der 
üblichen  starken  Form  gebraucht  wird  (taowe  ; 
schaawe),  beweisen  die  andern  Infinitive  ohne 
-n  im  Beim :  v.  72,  98,  106  u.  a. 


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5.  Der  Minner  im  Garten. 


61 


min  hercze  würde  frisch  beliapt, 
daz  sus  vor  leyd  verswindet, 

90  und  jamer  sich  gesindet 

zü  mir,  wann  ich  sie  myden  müz. 
so  wird  mir  hoher  frewden  büz, 
wann  ich  den  werden  schin  muz 

spar, 

ein  tag  ist  mer  wann  hundert  jar 
95  die  ich  by  lieb  were. 

0  we  der  senden  swere! 
wanne  ich  daz  so  bedenke, 
dez  müz  myn  lip  sich  krencke, 
wann  ich  der  seiden  bin  entwert, 
100  min  hercze  sich  in  jamer  bert 
und  wil  daz  jamer  rechen, 
ein  stahel  mühte  zurbrechen 
an  den  man  leit  also  getwang, 
daz  mir  ist  leyder  alzelang.’ 

105  er  want  sin  hende  und  arme: 

‘ach  liep,  laz  dich  diz  erbarme! 
ich  secze  ez  in  din  eygen  hant.’ 

Vor  rechter  liebe  im  do  geswant, 
[76 •]  daz  er  unversünnen  nider  saz. 

110  die  liebe  ir  groz  gewalt  do  maz, 
in  der  mazz  er  sus  belag. 
die  liebe  der  sin  hercz  pflag, 
die  was  krefftig  und  groz. 
ich  sach  hin  uff  dez  Wassers  floz 
115  vil  manig  schiff  dort  her  ge, 
wol  funfhündert  oder  me, 
mit  mangen  hohen  segel  ffn, 
rot  waz  ir  aller  schin. 
da  mit  ich  sie  erkante, 

120  e  daz  mir  ymant  nante 
daz  ez  waz  die  frawe  myn, 

Venus,  die  edel  künigin, 
dar  manigen  diener  brachte, 
der  truwen  sie  gedachte 
125  an  den  der  in  dem  garten  lag; 
sin  not  sie  clegenlichen  wag. 
dem  tet  si  vil  wol  geliche; 
vil  manigen  herren  riche, 


künigin  und  herczogin, 

130  grefinne  und  mange  frawen  fin, 
[77»]raer  danne  funfftusent  an  dem  her, 
die  mit  ir  kamen  über  mer, 
die  di  künigin  so  riche 
brahte  dar  so  küstenliche 
135  durch  ere  und  im  wirdekeit. 
ez  darff  im  zwar  nit  wesen  leit, 
die  kost  sie  gar  geringe  wag 
durch  den  der  in  dem  garten  lag. 
mit  sulcher  hei'schafft  kam  sie  dar 
140  daz  ir  myn  äugen  namen  war. 
so  rilich  waz  daz  gancz  her: 
ich  horte  da  bucken,  pfiffen  mer, 
tamburn  und  bosumen  schal; 
ritter  waz  da  manig  zal, 

145  fideln,  rotten,  seyten  spil, 
dez  eim  keyser  wer  zu  vil, 
der  sulicher  reicheit  pflege, 
wo  er  zu  velde  lege, 
alz  sie  mit  frewden  pflagen. 

150  einhalp  dez  waßers  lagen 
die  wite  wurffen  encker  in; 
daz  in  gebot  die  künigin 
[77«’]  und  hiez  sie  beiten  an  der  habe. 

die  frien  namen  die  segel  abe 
155  an  der  selben  wile. 
die  vart  wol  tusent  mile 
dar  ane  ruwe  hat  gewert, 
daz  maniger  ruwe  hat  begert. 

Venus,  die  edel  künigin, 

160  saz  in  ein  cleinez  schiff lin 
und  für  hin  da  sie  ligend  vant 
dem  in  dem  galten  do  geswant. 
den  weg  sie  do  nit  lenger  spart, 
sie.  ging  zu  im  uff  der  vart. 

165  da  sie  die  erden  rurte, 

iren  grozen  gewalt  ich  spurte, 
daz  er  nit  lenger  da  gelag. 
er  Stunt  uff  und  sprach:  ‘ist  ez 

tag? 

min  truren  ist  erschrecket: 


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62 


5.  Der  Mtnner  im  Oarten. 


170  wer  hat  mich  hie  gewecket?’ 
uz  lachendem  munde, 
alz  wol  die  künigin  künde, 
ein  willig,  gütlich  grüzzen  bot. 
sie  sprach:  ‘mir  ist  leit  din  not, 
[/S'’]und  darff  dich  doch  nit  rüwe. 

176  din  liebe  und  din  trüwe 
hat  dich  mir  gemach  et  w'ert 
und  auch  der  der  din  hercze 

gert’ 

‘o  we!’  gar  tugentlich  er  sprach, 
180  ‘ez  ist  so  lang  daz  ich  sie  sach. 
wer  sit  ir,  liebe  frawe  myii?’ 
sie  sprach:  ‘ich  bin  ein  künigin, 
die  da  Venus  ist  genant, 
der  alle  herczen  sint  bekaiit, 

185  und  han  gewalt  der  mynne. 
wer  strebt  nach  mynem  gewinne, 
dem  gib  ich  herlichen  rat^ 
sin  heil  an  myner  helffe  stat.’ 
er  sprach:  ‘sit  irs,  die  künigin, 

190  wem  tüt  ir  danne  ewer  helffe 

schin  ? 

mir  ist  leider  türe 
uwer  hilffe  und  uwer  stüre, 
ir  sit  ein  ungetruwez  wip. 
wie  mag  erliden  ewer  lip 
195  in  mynem  herczen  sülich  not? 

ich  waz  nahe  in  der  liebe  tot 
[78»]  nach  der  vil  süße»  aneblicke. 

min  lip  lag  in  der  senden  stricke, 
min  frewde  waz  zegangen, 

200  min  hercze  müste  erlangen 
so  swinde  nach  der  lieben: 
ez  möbte  zu  stücken  stieben, 
sit  mir  so  selten  ist  beschert 
dez  sich  myn  sendes  hercze  nert. 
205  dez  muz  ich  gein  nch  tragen  haß, 
sit  üwer  hilff  mir  ist  so  laß 


und  manigem  gelück  scbibet 
der  liebe  durch  spotten  tribet, 
dem  rechte  liebe  nye  wart  kunt 
210  und  ze  aller  zit  sin  munt 
daz  boste  werden  frawen  gibt, 
dem  selben  selten  tce  geschieht, 
dar  umb  daz  ers  nit  türe  wig^ 
und  daz  sin  trost  dar  an  nit  ligt 
215  durch  lieb  er  gar  truncken  wirt, 
daz  im  die  höhste  frewde  birt 
dem  ist  üwer  helff  wolbereit 
und  lonet  im  umb  sin  arbeit. 

[78'']  so  gar  sit  ir  verstummet 
220  und  uwer  mut  vertummet 
daz  ir  nit  lonet  yeden  man 
dar  nach  alz  er  verdinen  kan.’ 

Mit  wiczen  sprach  die  künigin: 
‘nu  hür  und  laz  din  zürnen  sin, 

225  ich  w'il  dicli  dez  berichte, 
du  sagest  mir  gar  von  nichte, 
dez  ich  nit  achte  hin  noch  her. 
wie  mag  ich  seiden  den  gewer 
der  selde  nicht  erkennet 
230  und  werde  wip  nit  nennet 

für  hohen  schacz  in  sinem  mü^? 
wie  mag  dem  lip  oder  göt 
geschehen  von  in*  wirdikeit? 
ez  en  ist  ym  weder  liep  noch  leit. 
235  ob  ym  iht  von  irr  güte  wirt, 

der  höhsten  seiden  er  doch  enbirt, 
daz  er  sich  doch  nit  frewet 
zwar  rechte  liebe  in  strewet 
under  im  smehen  füz, 

240  daz  er  doch  ymmer  liden  müz 
[79«’]  daz  er  den  werden  ist  unwerd. 
wer  dez  zün  frewden  nü  begert, 
da  kümpt  wol  nach  dem  willen 

myn 

der  kürsen  glich  ir  mentellin. 


177.  vor  mir  gestrichen:  mich.  212.  me. 

197.  süße.  231.  mute. 


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5.  Der  Minner  im  Oarten. 


63 


245  zwar  der  sich  dir  nit  glichet: 

din  getruwer  möt  dich  richet 

und  edelt  dinen  werden  lip, 

daz  dich  hohe  und  edel  wi^ 

ymmer  haben  dester  baz, 

250  sit  din  möt  ir  nye  vergaz. 

du  achtes  tur  ir  süßickeit, 

din  Zunge  ist  zu  aller  zit  bereit; 

wie  dik  yn  lobez  wirt  erdacht, 

daz  wirt  von  dir  ye  vollenbraclit. 

255  dez  müßen  alle  werden  wip 

prisen  dinen  werden  lip 

für  den  der  yn  nit  lobez  gibt. 

ob  dem  ymmer  heil  geschiht 

von  keinem  guten  wibe, 

2C0  die  wil  ich  abschribe 

von  aller  hohen,  werden  art. 

ir  lobp  si  immer  me  verspart, 

[80»-]  ob  sie  zu  dem  bösten  küset 

und  rechte  liebe  verlüset, 

265  do  man  ir  wirdiclichen  gert, 

sie  müz  doch  ymmer  sin  unwert, 

und  hat  ir  dank  ein  ende. 

•• 

ich  darff  ir  me  nit  pfende, 
wanne  sie  sich  glichet  der  kürsen 

so. 

270  die  aht  ich  recht  alz  ein  ströyn 

stro. 

verleget  ist  derselben  mut, 
wann  yn  geschiht  auch  nymmer 

gut, 

sie  haben  niht  truwen  in  herczen, 
sie  sint  auch  los  dez  smerczen 
275  der  von  rehter  liebe  kümpt, 
der  doch  vil  manigen  werden 

frümpt 

daz  er  der  werlt  lob  bejagt. 


hörstn  nu  waz  ich  dir  hab  ge¬ 
sagt? 

allen  den  die  nu  uff  erden  leben, 
280  hon  ich  die  wilkür  geben, 
jedem  man  nach  sinem  müt. 
küset  er  übel  oder  güt, 
da  volge  ich  ye  mit  willen  mite; 
daz  sal  von  rechte  sin  myn  site. 
[80"]  dar  umb  bedenk  sich  yederman 
286  waz  ym  daz  beste  si  getan, 
und  pfleg  rechter  liebe  also 
daz  er  sich  geliche  nit  dem  stro, 
daz  uff  der  erden  sich  verlit. 

290  Dez  valken  und  dez  raben  sit 
sint  mir  auch  bede  wolbekant; 
die  bede  vögel  sint  genant, 
ir  adel  ist  doch  nngelich. 
wer  ich  nu  so  künstenrich, 

295  daz  byspi/  wölt  ich  dir  noch 

sagen : 

den  raben  siht  man  selten  jagen 
nach  hoher  spise  edelich. 
er  tut  nach  siner  art  gelich, 
recht  alz  er  ist  ein  raben  kint 
300  wo  er  weiz  ein  schelmigs  rint, 
mit  Urlaub  daz  nenne  ich  dir, 
dar  stet  sin  müt  nnd  alle  sin  gir; 
er  spiset  da  rehte  vol, 
in  düncket  wie  er  hab  so  wol 
305  erflogen  gar  ein  edel  tyer. 

im  wart. nye  sür,  dez  glaub  mir, 
[8J»-]da  daz  tier  der  nyder  lag; 

er  schriet  doch  durch  den  langen 

tag 

und  machtez  wit  und  offenbar. 

310  dem  raben  ich  wol  geliche  zwar 
vil  mangen  der  daz  selbe  tut. 


248.  wipt.  295.  byspilt. 

253.  yn  aus  ym.  808.  schiert. 

268.  pfenden. 


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64 


5.  Der  Minner  im  Garien. 


der  ny  verdinte  lieplich  gut 
von  keyme  guten  wibe 
und  wil  doch  claffen  tribe, 

315  daz  selten  wird  von  ym  gespart, 
der  tut  wol  nach  dez  raben  art. 
ich  sag  dir  von  dez  valken  site: 
den  fürt  man  hohen  herren  mite, 
dar  umb  daz  er  edelichen  tut. 

320  er  ist  von  art  also  gemüt: 

wann  er  dez  reyels  flug  erküset, 
die  vart  er  nyramer  mer  ver- 

lewset; 

wie  hoch  sin  fligen  wirt  gezilt, 
den  valken  doch  dez  nit  bevilt, 

325  er  flügen  wit  und  höhet  sich, 
daz  er  wird  dem  reyel  glich 
oder  über  in  geflüget, 
den  reygel  gar  betrüget. 

[81  o]  wie  hoch  sin  fligen  wart  gestalt, 
330  der  valke  gewinnet  sin  doch  ge- 

walt, 

daz  er  yn  doch  zu  der  erden 

bringet. 

mit  erbeit  er  dar  ringet 

und  auch  mit  lust,  dez  er  sich 

nert. 

manig  fligen  wirt  von  ym  gebert, 
335  dez  jn  doch  wenig  verdrüßet. 
gar  tügentlich  genüßet 
er  waz  ym  von  dem  reygel  wirt. 
sin  munt  doch  schrien  gar  verbirt, 
dez  der  rabe  dicke  pfligt, 

340  wo  ich  vor  ym  der  nyder  ligt. 

Wer  wil  nach  valken  art  der- 

jage, 

der  sal  sich  höhen  alle  tage 
mit  tagenden  und  mit  milde. 

325.  er  Augen  wit  =  er  erflOge  in  wite  R. 
327.  am  Ende  gestrichen:  den. 

341.  iagen. 

342.  h5h6n. 

351.  l.  sin  lip? 


er  spar  nit  waz  dem  Schilde 
345  ye  gegeben  wart  ze  lobe, 
sus  sal  er  ritterlichen  tobe 
menlich  noch  eren  prise. 
wo  er  mag  daz  bewise, 
daz  sal  nit  von  im  sin  gespart. 

350  er  sal  auch  witen  sine  vart, 

[^<2'']da  von  lip  gehöhet  wirt. 
ist  nu  sin  hercze  also  begirt 
daz  er  durch  werder  frawen  gruz 
zühet  sich  in  sülche  nnmüz 
355  daz  nu  lit  an  verderben, 
und  waget  sere  sin  sterben, 
damit  er  edelt  sinen  lip, 
daz  yn  höhe  und  edel  wip 
mit  günste  wol  erkennen 
360  und  in  zu  gute  nennen, 
ye  edler  ist  ein  edel  wip, 
ye  tugenthaffter  ist  ir  lip. 
sie  kan  daz  wol  bedencke, 
ir  hercze  ist  so  gelenckc 
365  daz  sie  yn  lieplich  nymp  dar  yn. 
er  sal  auch  in  dem  herczen  sin 
mit  rechter  lieb  sie  bewar, 
mit  trüwe  und  auch  mit  stete  gar. 
so  mag  beclyben  im  ir  grfiz, 

370  daz  ym  wirt  aller  sorgen  buz.’ 

Der  werd  sprach  gar  unver- 

zaget: 

‘frawe,  ir  habt  mir  vil  gesaget; 
[S^^ldar  nach  wil  ich  mich  richten, 
wil  mir  selde  pflihten. 

375  ich  wil  ye  rehter  liebe  pflegen.’ 
er  nam  mit  willen  iren  segen 
und  sprach  mit  zühten  schone; 
‘fraw,  myner  seiden  crone, 
kündet  rechte  liebe  ir, 

363.  bedencken. 

864.  gelencken. 

377.  schon. 

379.  vor  ir  gestrichen:  mi 


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5.  Der  Minner  im  Garten. 


65 


380  SO  hoffe  ich  daz  sie  danke  mir.* 
hin  schiet  die  künigin  wolgemut, 
sie  sprach:  ‘ich  weiz  daz  sie  ez 

tüt.* 

Sie  hat  yn  sus  bescheiden 
von  liebe  und  auch  von  leyden, 


385  von  werden  und  auch  von  un- 

werden. 

der  beider  sit  uff  erden 
wart  mir  in  dem  garten  könt, 
reht  alz  ich  horte  da  zu  stunt. 


6. 

♦ 

[94»]  Diz  ist  ein  krig  ob  mynnen  beßer  sie  oder  geschelleschafft. 


[95*']  Mich  betwang  ein  swerer  müt, 
alz  noch  dicke  manigen  tät 
dem  doch  nit  enwirret. 
min  sin  der  waz  verirret 
5  in  wfinderlicher  norme, 
in  der  sorgen  forme 
waz  ich  gar  gedr&cket, 
min  frewde  waz  mir  enzücket, 
ich  enwest  wie  ader  war. 

10  ich  gedaht:  ‘heylalle,  yeia  ieral 
west  ich  waz  nu  griffen  an, 
daz  ich  nit  würde  der  sinne  wan!* 
Ich  gen  sus  und  verquellen 
nnd  wU  mir  selb  daz  leben  stein. 
15  da  kam  mir  in  mynen  gedank 
daz  ich  beitte  nit  zu  lang, 
ich  reit  hin  nyder  in  den  gränt, 
einen  sperwer  an  der  stünt 
nam  ich  mit  mir  durch  kurczwile 
20  und  reit  hin  mit  sneller  yle 
uff  einen  wnnniclichen  bach. 
ein  gezelt  ich  vor  mir  sach, 

[95*]  daz  waz  wit  und  hoch. 

manig  bäum  sich  dar  über  zoch, 

25  daz  ichs  hum  dar  durch  erkos. 


ich  wart  miner  sorgen  los 
ein  teil  von  dem  palän. 
ez  waz  von  roter  varwe  brün, 
uz  richem  flüwel  gesniten 
30  nach  gar  edelichem  siten. 
ein  gülden  cron  waz  der  knauff, 
der  mir  in  die  äugen  slauff 
mit  sime  claren  glaste, 
für  mich  ylt  ich  vaste, 

35  biz  ich  dar  kam  harte  na. 
ich  erbeißte  balde  da 
und  gedahte:  ‘wart,  wer  ist  hie? 
Got  gebe  daz  mich  yeman  sie.’ 

Da  ich  mich  süs  einen  sach, 

40  min  pfert  an  ein  stndach 
bant  ich  nnd  ging  lise  dar 
uff  den  anger  wol  gevar 
da  daz  gezelt  waz  uff  geslan. 
do  ick  so  na  kam  dar  an, 

45  da  hört  ich  dinne  lise 
[96»-jzwo  stimme  gar  nach  prise 
mit  süßen  Worten  sprechen, 
da  begonde  ich  stechen 
mit  minem  meßer  eine  nat 
50  da  sach  ich  in  richer  wat 


Zn  6. 

5.  norme  c,  orme  p.  29.  flnele  c. 

25.  küme  e,  feKU  p.  44  au»  c,  fehlt  p. 

Dantfoh«  Text«  de«  Mittelelten.  XXIV.  5 


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66 


6.  Minne  und  Geselhchaft. 


zwey  bilde  die  ich  bekante, 
die  man  gemeinlich  nante 
die  blümen  vor  allen  frawen. 
ir  blicke  die  machten  mir  tawen 
55  min  hercze  an  frmdcn  dürre, 
waz  mir  ye  leydes  würre, 
dez  waz  mir  gar  vergeßen. 
sie  waren  beide  geseßen 
uff  einen  pfulwen  sydein 
60  und  hatten  by  den  zyden 
ein  buch  in  ir  beyder  hant 
und  lasen  dar  an  von  Tristrant 
und  von  Ysoten  der  reinen, 
wie  einz  daz  ander  meynen 
65  künd  in  steter  minne. 
mit  herczen  und  mit  sinne 
konden  sie  truwe  halten 
[96»]  gar  an  allez  spalten, 
sus  lasen  sie  da  beyde. 

70  ir  nam  hatte  underscheyde 
und  auch  ir  leben,  waz  mir  ge¬ 
sagt: 

die  eine  waz  frawe,  die  ander 

waz  magt, 

und  waren  beide  der  wünsch  vil 

gar. 

Da  sie  gelesen  hatten  dar 
75  wie  Tristant  und  Ysot 

hielten  truwe  biz  an  den  tot, 
da  sprach  die  fraw  zu  der  magt: 
‘ach  Got,  waz  seiden  waz  in  be¬ 
tagt 

da  sich  die  mynne  an  in  erhüp! 

80  wanne  minne  sere  darnach  ye 

grfip 

wie  sich  gehielte  wip  und  man. 
min  tmt  gespile,  nü  sag  mir  an: 
bist  du  der  minne  dienst  wip 


56.  frende  c,  sorgen  p. 

57.  iJber  wart  steAt  ein  z ;  rt  ist  aber  nicht 
gestrichen  p. 


oder  wez  nietet  sich  din  lip?’ 

85  die  reine  magt  da  wider  sprach, 
da  dise  rede  also  geschach: 

‘pfy,  sölt  ich  mynnen  leben 
und  sült  wider  die  ere  streben!’ 
die  frawe  sprach:  ‘wie  meinstu 

daz? 

[9/'-]wiltu  der  mynne  sin  gehaz, 

91  so  haßest  du  der  werlt  pris 

und  dünckest  mich  nit  vollen  wis. 
nu  sage  mir  uff  die  truwe  din 
wie  dann  din  leben  künne  sin?’ 

95  si  sprach  da  wider:  ‘daz  sag  ich 

dir: 

geselleschaff  die  liebet  mir 
in  herczen,  in  müte, 
wanne  sie  hat  in  ir  hüte 
wip  und  dar  zu  werde  manne. 

100  in  der  schänden  banne 
wirt  dar  in  vemyebelt 
wer  die  mynne  tribelt. 
er  Wirt  auch  dicke  schäm  rot, 
sin  hercz  muz  auch  liden  not, 

105  wann  mans  begynnet  prüben. 
man  kan  auch  nit  geüben 
die  mynne  ein  kurcze  stunt 
ez  werde  dann  den  lüden  kunt. 
so  ist  ere  und  hoher  mut  verlom. 

110  die  süße  mynne  wirt  ein  dom 
und  in  dem  herczen  ein  galle. 

[57*]  so  lebe  ich  in  dem  schalle 
mit  Werder  gesellikeit., 
ich  tancz  und  singe  und  bin  ge- 

meit 

115  beide  hie,  dort  und  da; 
so  gest  du  allez  lüstern  na. 
wo  zwey  claffen  heimlich, 
so  swürest  du  sie  meinden  dich 


59.  tS  syden  c. 
108.  IndC  c,  lüde  p. 


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6.  Minne  und  GeseHsckaff. 


67 


und  daz  sie  wißen  din  tat, 

120  da  von  din  hercze  freude  lat. 
also  enwirst  du  nymmer  fro,’ 
die  frawe  zörniclich  do 
der  rede  ein  antwürte  gap: 

‘die  rede  lütet  alz  plippen  plap, 
125  sie  enhanget  noch  enlenet. 
hett  ich  mich  hät  nit  gesenet, 
mir  g^üwefe  vor  dinen  Worten, 
daz  sie  an  allen  orten 
sint  also  effenlich 
130  daz  du  die  werden  minne  rieh 
mit  geselleschafft  vertümmen  wilt, 
durch  die  vil  mancher  hat  verspilt 
nnder  schilten  ritterlich. 

[9S'-]wenest  du  danne  betrigen  mich, 
185  sit  du  selber  vil  wol  weist 
daz  an  der  mynne  volleist 
nyman  kan  erwerben  pris? 
der  minnen  nyman  zu  wis 
wart,  er  müste  ir  volgen. 

140  wilt  du  ir  sin  erbfilgen 
und  mit  lobe  sin  so  lach, 
ich  weiz  sie  leget  an  dich  gerach, 
daz  du  mit  den  guten  gesellen 
.  wirst  geschant  in  der  hellen.’ 

145  die  magt  do  lechenlich  sprach: 
‘wer  nü  förht  diz  ungemach, 
der  sal  in  den  kirchoff  flihen. 
s61t  man  mich  uz  der  hüte  zihen, 
ich  enmag  der  mynne  nit  geloben. 
150  jai  sie  hat  mit  der  arme  cloben 
dir  gevangen  der  sinne  veder, 
dich  hat  betäubt  ir  krefftig  weder 
und  troffen  mit  ir  donrstral. 


du  bist  erzogen  in  der  quaZ, 

155  dar  ynne  enlebt  ich  nit  ein  jar. 

[98«-]  du  stellest  nach  diner  frewden  lar, 
also  tut  in  dem  hu« 
ein  kacze  nach  der  müs, 
sus  varest  du  sin  alle  zit. 

160  ob  dir  danne  wol  gelük  geschit 
daz  er  kümet  wo  du  bist, 
ob  dir  danne  umb  ere  iht  ist, 
so  müst  du  gein  ym  swigen. 
dar  umb  so  wil  ich  nygen 
165  der  werden,  guten  geschelleschafft. 
ir  kürezwile  hat  wide  krafft. 
ich  vinde  sie  war  ich  körnen, 
min  truren  laz  ich  lömen, 
so  du  ez  heltest  in  der  don. 

170  din  frünt  ist  auch  von  dir  gewan 
daz  du  yn  trätest  minniclich; 
lachest  du  danne  gütlich 
yergen  einen  andern  an, 
von  zom  er  uff  dich  sagen  kan 
175  du  minnest  einen  andern, 
din  hercze  wölle  wandern 
nach  fremder  mynne,  und  schendet 

dich. 

[99»-]  er  kan  auch  wol  gerümen  sich 
waz  du  ym  heimlich  hast  getan. 
180  du  müst  mer  hut  vor  ym  han 
danne  hetest  du  zu  rehter  ee. 
auch  hast  du  schänden  von  ym 

me, 

der  sorgen  wirdest  du  nymmer 

fry, 

du  fürhst  daz  ein  ander  sy 
185  im  verre  lieber  danne  du  bist. 


120.  lat]  haet  c. 

127.  gruwede  c,  grüwe  p. 

141/*.  Hübner  faßt  lach  alt  Nebenform  tu 
lack  ‘  lau '  {DWb  VI,  34).  Oder  lies  slach  (B.)  ? 
gerach  sieht  aut  wie  eine  Mitchform  von  geiich 
und  r&che.  Vod  m.  1.  s.  vollich  Ich  wen  sy 


syget  an  dich  c,  was  schvoerlich  das  Richtige 
trifft. 

154.  qnael  c,  qnale  p. 

157.  hSs  c,  hnse  p. 

166.  wide  c,  wider  p. 

b* 


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68 


6.  Minn*  und  OeuMsehafi. 


daz  tut  allez  der  mynnen  list 
und  kan  ez  an  dir  gestellen. 
so  erfrewen  mich  die  gesellen, 
ich  mein  wip,  mayd  und  man. 

190  ir  keyns  ich  uzgefaßen  kan.’ 
da  dise  rede  also  geschach, 
die  frawe  in  argem  müte  sprach: 
‘ach  mynne,  ach  mynne,  ymmer 

wel 

wie  sal  ich  geliden  me 
195  den  gewalt  den  dise  begat, 
daz  sie  so  gesmehet  hat 
dinen  namen  und  wirde  wert 
und  nit  me  werder  mynne  gert?’ 
da  sprach  sie  zu  der  werden 

magt: 

[PS»] ‘ach  wie  manchem  du  hast  gesagt 
201  daz  du  yn  mynnest  sunder  yar. 
du  tüst  sie  alle  wenen  war. 
wie  kAnd  daz  ymmer  werden  gut 
daz  din  gar  unsteter  mfit 
205  nyergen  kan  beliben? 
sdümb  wilt  du  triben, 
daz  heißest  du  geselleschafft, 
so  ist  der  höhen  mynne  krafft 
edel  und  gewere 
210  und  aller  schänden  lere. 
die  besten  die  ye  worden, 
sint  in  der  mynnen  orden 
gewesen  allez  ir  leben, 
waz  möhte  beßer  frewde  geben 
215  danne  da  lieb  ist  by  liebe? 
da  Wirt  ieglichz  zu  diebe 
und  s^ilt  dem  andern  sorgen  groz 
und  seczet  uff  der  frewden  floz 
und  enwißent  nit  umb  truren. 

220  ez  ist  auch  von  naturen 


daz  niht  mag  one  mynne  leben, 
mynne  müz  in  den  lufften  sweben, 
[iOO'-jsi  ist  auch  in  dem  wage, 
der  süßen  mynne  läge 
225  die  ist  manigfaltig 
und  aller  der  gewaltig, 
ez  sy  zam  oder  wilde, 
und  aller  menschen  bilde, 
mynne  ist  auch  in  hymelriche. 

230  die  clöster  alle  geliche 
beswert  man  in  der  mynne. 
dar  umb  müet  mich  in  synne 
daz  du  mich  wenst  yerbleffen, 
mit  dinen  Worten  effen. 

235  daz  ich  geselleschafft  geste, 
dez  gefrisch  ich  ny  nit  me 
in  allen  mynen  jaren.’ 
da  sprach  die  wolgebaren, 
schöne,  küsch,  werde  magt: 

240  ‘  du  hast  von  mynnen  vil  gesagt, 
auch  hast  du  mich  da  by  gezigen 
daz  ich  sy  dar  zu  gedigen 
daz  ich  mynne  hye  und  da. 
ir  keinen  ich  ungetröstet  la 
[100*]  die  mir  clagen  ir  not 
246  ich  wölt  Uber  ligen  tot 
danne  ich  ymant  tete  kAnt 
daz  mich  sin  mynne  hette  enzAnt 
mit  gnter  geseUeschafft  bin  ich 

fro, 

250  dar  under  ich  mich  hüten  so 
daz  man  mich  nihtz  gezihen  kan. 
sag,  vörhtest  du  niht  dinen  man, 
ob  ers  icht  würde  von  dir  gewar 
daz  du  mynnest  anderswar 
255  danne  nach  siner  mynne  solt? 
zwar  er  würde  dir  nymmer  holt 


190.  ys  gefassin  c,  yzgefafiet  p. 

195.  Danne  p,  Die  c. 

198.  Der  n.  m.  w.  m.  p,  D'  niemS  w'd* 
wirde  e. 


212.  Die  sint  c,  Sit  p. 

217.  stelt  dem  c,  schilt  den  p. 
227.  wilde  c,  wild  p. 

255.  vor  siner  gttirichen:  d  p. 


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6.  Minne  und  GeseUechaft. 


69 


darzu  nimt  dich  in  sinen  spot 
beid  die  werlt  und  auch  Got. 
die  inynne  tut  auch  den  schaden: 
260  welichz  hercz  mit  mynne  wirt 

überladen, 

Gotz  er  mit  vergißet 
und  waz  zu  eren  mißet.’ 
da^  sprach  die  wolgeblümet 
mag^,  ir  lip  gerümet 
265  ie  wart  von  allen  luten, 
ir  lop  daz  konde  trüten 
[101  »•]  zuht,  ere,  wirde  und  pris ; 
ich  werde  nimmer  also  gris 
daz  ich  ir  könde  vergeßen. 

270  hette  ich  den  hymel  beseßen, 
wincket  sie  mir,  ich  kerne  aldar, 
so  lüstig  waz  die  magt  gevar. 
si  waz  ein  morgenstern, 
ir  Worte  die  horte  ich  gern 
275  von  der  mynnen  underscheit 
ich  wünscht  dicke  uff  mynen  eyt 
daz  alle  frawen  iren  müt 
hetten;  seht,  daz  were  güt; 
so  hielten  sie  meniclich  zu  frünt 
280  d«r  sich  nü  an  yn  versünt 
wan  ez  stet  leider  nü  also: 
ist  ein  frawe  mit  yman  fro, 
mit  welchem  sie  ez  nit  entüt, 
den  wil  ez  nit  düncken  gut. 

285  dar  umb  flißent  ewch,  reine  wip, 
daz  ir  n^ans  lip 
uz  vaßet  vor  in  allen, 
so  düncket  gnt  ewer  schallen. 
[101»]  Der  frawen  rede  waz  unver- 

swigen, 


290  ir  schimpf  in  arg  waz  gedigen, 
ir  keine  der  andern  nit  verdrug. 
gar  genge  waz  ir  Worte  pflüg, 
si  menten  in  her  und  dar. 
da  wart  myn  sperwer  get^ar 
295  einer  lerchen,  darnach  er  swang, 
daz  die  schelle  lute  erclang. 
owe  und  ach  der  melde! 
da  geswigen  in  dem  gezelde 
die  magt,  daz  wip  von  hoher  ge> 

burt 

300  sie  sprach:  'ach!  hat  man  gehört 
die  rede  die  wir  han  getriben, 
so  ist  vil  leydes  uns  becliben.’ 
zu  yn  beiden  ich  da  ging; 
mit  grüzze  mich  gütlich  enpfing 
805  die  magt,  wanne  sie  mich  kante, 
mit  namen  sie  mich  nante, 
danckes  ich  ir  nit  versweig; 
die  frawe  mit  zühten  mir  da 

neig. 

da  baten  si  mich  siezen  hyder, 

310  von  mir  wart  nit  gerett  da 

wider. 

[lo^»] ich  gedahte:  ‘ich  wils  mich  wem 

niAt, 

daz  gelück  mir  nymmer  me  ge- 

schiht ! * 

da  ich  nyder  da  gesaz, 
die  frawe  kond  ir  red  baz 
'  315  danne  die  magt;  dez  sprach  ^ie 

an. 

si  sprach:  ‘frünt,  du  salt  mir 

san: 

hast  du  unser  rede  gehört. 


257.  nemet  c,  mynnet  p. 

268.  Dis  c,  Da  p. 

2/Bn.  nach  ere  gestrichen:  vnd  p. 
268.  nach  also  gestrichen:  gtif  p. 
278.  Betts  c,  Hette  p. 

280.  D'  c,  Dar  p. 


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282.  frawen  mit  gestrichenem  n  p. 

294.  gewaer  c,  genar  p. 

300.  spraichS  c. 

302.  yns  vil  leydes  p,  umgesteBt  nach  c. 
304.  si  mich  e,  ich  p. 

811.  darüber  gestrvAen  v.  194  p.  nit  p. 


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70 


6.  Minne  wn<2  Gesellschaft. 


so  mäht  du  wennen  wir  sin  ver- 

tört, 

wir  meinens  nit  durch  ertlich. 

.S20  nü  düncket  in  den  sinnen  mich 
daz  nit  beßers  danne  m}iine  si 
so  man  trüwe  hat  daby. 
so  sprichet  dise  werde  magt 
und  hat  daz  wider  mich  gesagt, 
325  geselleschafft  si  beßer. 
dez  ist  myn  frewde  leßer, 
biz  daz  ich  erfarn  die  warheit. 
nü  sage  reht  uff  dinen  eyt, 
unser  welcher  rede  duncket  dich 

krump?’  — 

330  'dar  zu  bin  ich  gar  zu  tümp 
daz  ich  künde  geslihten 
und  ewern  zom  verrihten.’ 

[102  f]  die  magt  uz  rotem  munde  sprach, 
da  dise  rede  do  geschach: 

335  ‘hastu  rehter  sinne  kralft, 

so  gestest  du  der  geschelschafft ! 
dez  ist  sie  von  dir  wol  gewon.’ 
die  fraw  liez  noch  nit  da  von, 
si  sprach:  'du  salt  mir  gestan, 

340  sit  ich  daz  best  erkom  han.’ 
do  macht  yeglich  ir  rede  so  gut 
daz  ich  gedaht  in  mynem  müt: 
ich  enkan  mich  nit  bewarn. 
ich  sprach:  'frawe,  lat  michz  er- 

varn 

345  und  gebt  mir  frist  ein  halbz  jar. 
ich  erfarn  ewch  sicherlich  war 
dez  rechtes  an  ein  end 
an  manchem  manne  behende.* 
si  sprachen :  '  yle  bald  dinen  weg, 
350  enschühe  brücken  noch  den 

Steg!’  — 

319.  dorch  ertlich  p,  ernstlich  c,  l.  dor- 
nehtlich  ? 

327.  die  e,  diese  p. 

331.  ich  is  k.  c. 

853.  kerte  c,  kere  p. 


'so  lat  mich  üwern  nrlaup  han.’ 
si  sprachen  bede:  'daz  si  getan!’ 
da  kerte  ich  myne  Straße, 
ich  sprach:  'gelück,  laße 
[103’-]  mich  nü  schier  kümen  dar 
356  da  ich  der  rede  ein  ende  ervar 
und  die  rehten  warheit, 
daz  ich  den  frawen  wend  ir  leit.’ 

Ein  knappe  von  den  wappen 

kam, 

360  der  mir  vil  sorgen  do  benam. 
er  sagte  von  einem  hoffe  groz. 
der  rede  mich  da  nit  verdroz. 
er  sprach:  'nü  ylent  hin, 
ir  vindent  da  ritters  herczen  sin 
365  in  ern  form  gestempfet, 
uff  tugent  stampf  geempfet 
ist  da  manig  werder  lip, 
beid  magd,  man  und  wip.’ 
da  ylt  ich  hin  waz  ich  mohte, 

370  wann  mir  kein  sümen  tocht«, 
ich  must  rennen  und  draben. 
der  hoff  hat  sich  erhaben, 
da  ich  aldar  kam  geritten, 
freud  wart  da  nit  vermiten; 

375  sich  frewten  frawen  und  man, 
keyn  hercze  waz  da  freuden  an, 
[103  «■]  menlich  ir  mit  fliß  pflag. 

daz  werte  biz  an  den  vierden 

tag. 

da  fugte  sich  die  stunde 
380  mir  zu  seiden  funde, 
daz  sich  gehawffet  hette 
vil  werder  ritter  stete 
in  ein  gezelt  gar  heimelich. 
zu  yn  vil  balde  hub  ich  mich, 

385  ich  gedaht:  'nu  bin  ich  kamen  ja 

356.  ende  aus  rende  p. 

863.  8.  zn  m'  c. 

368.  magede  c,  fehlt  p. 

370.  dockte  c,  tocht  p. 

375.  vrauwete  c,  fehlt  p. 


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6.  Minne  und  OeseUschafl. 


71 


uff  miner  reyse  rehten  sla. 
alhie  die  besten  ritter  sin 
die  man  vindet  umb  den  Byn. 
an  allen  dingen  underscheit 
390  wißent  sie  die  warheit.’ 

ich  wil  ewch  nennen  wer  sie 

warn, 

ich  meine  die  süßen,  werden,  Clä¬ 
ren: 

der  tagend  künig  von  Beheim, 
by  ym  der  gr&ve  von  Sponheim, 
395  der  in  der  wibe  lobe  swebt, 

wann  sin  hercze  nach  ern  strebt, 
auch  sich  da  geseczet  hat 
von  Winsperg  her  Cunrad, 

[104 '•]  der  edel  und  der  reine. 

400  by  ira  der  von  Fleckensteine 
saz,  der  biderb  Heinrich, 
dez  düncket  nit  alleine  mich: 
nntügend  ist  an  im  gefrit, 
die  tugent  er  bert  reht  alz  ein 

smit 

405  d6iz  ysen  tut  mit  dem  hamer. 
by  im  in  wirde  kamer 
saz  her  Symon  von  Gäntheim, 
der  ist  der  tagend  honigseim. 
von  Stronburg  her  Eberhart 
410  auch  darinne  gesehen  wart, 
auch  sach  ich  sunder  trigen 
den  guten  Gerhart  von  Biegen, 
da  saz  auch  der  edel  zart, 
von  Wacheim  her  Gerhart 
415  da  saz  auch  gar  m&des  rieh 
her  Cunrat  von  L&ssenich. 
da  waz  auch  in  wirde  schone 


389.  l.  on  underscheit  B. 

393.  Gemeint  tat  König  Johann  von  Böhmen, 
der  1346  bei  Crecy  fiel. 

394.  Vgl  V.  459. 

410.  darunter  gestrichen:  Den  gnten  ger- 
haxt  p. 

418.  gerhairt  v.  L  c. 


her  Cunrat  von  Landescrone. 
da  saz  der  da  übet  ritters  werk, 
[104 'l  her  Gerhart  von  Schafsperg 
421  und  von  Dietsch  her  Otte, 
der  nye  wart  zu  spotte 
zu  keiner  massenie. 
nach  mannes  mfit  ist  sin  crie, 

425  den  übet  er  uz  und  da  heime. 
er  ist  becleibet  mit  der  eren 

leime. 

wie  ieclicher  si  der  jare  jüng, 
si  tunt  zu  tügenden  manchen 

Sprung. 

da  kam  gegangen  von  Hohenloch 
430  her  Lüeze,  der  alle  schände  ye 

floch. 

sin  künfft  myn  äuge  gern  sach. 
Alin  münt  mit  luter  stimme 

sprach, 

daz  sie  ez  horten  überal 
und  in  ir  aller  oren  schal: 

485  ‘herre  her  künig,  vil  werder  man, 
wült  ir  mir  herlauben  an, 
ir  und  dise  vil  werde  schar, 
daz  ich  mit  Worten  hie  ervar 
einer  frage,  durch  die  ich  bin 
440  zu  ewch  kumen  daher  in? 
nyman  ez  für  arg  enpfa!’ 
der  könig  sprach  für  sie  alle: 

‘ja’. 

[105'-]  da  sprach  ich:  ‘herre,  vil  werder 

lip, 

eine  schone  magt  und  ein  reinez 

wip 

445  die  kriegten  umb  ein  sache 


421.  Vnd  her  d.  her  o.  p,  By  eme  va  pri- 
sich  h.  0.  c. 

430.  läcze]  gotze  c. 

431.  äugen  p(c).  vor  sach  gestrichen: 
sahen  p. 

441.  Vn  is  n.  c. 


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72 


6.  Minne  und  Geseüschaß. 


mit  herczen  ungemache, 
umb  mynne  und  umb  geselle¬ 
schafft, 

welchz  habe  die  besten  krafft, 
geselleschafft  oder  mynne. 

450  wie  düncket  ewch  in  dem  sinne?’ 
dez  antw&rt  er  mit  snelle, 
er  sprach:  ^mich  düncket,  geselle, 
dez,  sammir  Gotez  mynne: 
wer  in  der  mynnen  brynne, 

455  der  si  mit  sorgen  ser  behafft. 
dez  lob  ich  die  geselleschafft.’ 
da  sprach  mit  wisem  münde 
siteclich,  alz  er  wol  künde, 
von  Sponheim  grafe  her  Johan: 
460  'herre,  ir  süllet  da  von  lan. 
mynne  ist  über  alle  dingk 
ein  werdez  ende,  ein  süß  ur- 

springk. 

minne  machet  ^'ünge  di  alten  jar.’ 
fios'jder  von  Winsperg  sprach:  ‘ez  ist 

war, 

465  minne  ist  der  eren  attichstein.’ 
der  von  Fleckenstein  sprach: 

‘ neyn ! 

geselleschafft  ist  beßer. 
wanne  der  mynnen  messer 
trifft  mit  der  spicze, 

470  der  kümet  von  siner  wicze.* 
von  Hohenloch  der  schänden  lere 
sprach:  *  mynne  die  büßet  swere. 
ich  müß  die  mynne  vast  loben, 
wann  ich  bin  in  irm  cloben.’ 

475  her  Symon  und  her  Eberhart 
der  rede  da  gefraget  wart 
wem  si  gestünden 

462.  darunter  gestrichen  v.  465;  am  "Rande 
ganz  klein:  vaca  p. 

463.  joDg  c,  mäge  p. 

475.  nach  Her  gestrichen:  eberhart  p. 

476.  nach  da  gestrichen:  fraget  p. 

477.  Wenn  si  bestünden  p,  Wem  si  is  ge- 
stonden  c. 


in  irs  herczen  gründen, 
si  sprachen  bede  ane  toben: 

480  ‘geselleschafft  wir  wüUen  loben, 
wann  sie  ist  über  der  mynne 

art’ 

dez  zürnt  sich  her  Gerhart 
von  Wachenheim,  der  werde  lip; 
er  sprach:  ‘die  mynne  ist  leit 

vertrip 

485  den  frewden  sichen  herczen.’ 

[106']  daz  begond  smerczen 

herren  Gerhart  von  Biegen, 
im  wart  gach  zu  kriegen, 
die  mynne  er  schalt  gar  offenbar. 
490  er  sprach:  ‘bi  mynem  eid,  ez  en 

ist  nit  war 
daz  mynne  sy  über  geselleschafft, 
geselschafft  hat  die  krafft 
daz  sie  vertribet  sweren  müt, 
dammb  ist  sie  gut,  me  dann  gut’ 
495  dez  antwürt  ym  her  Otte, 
er  sprach:  ‘were  mynne  ein 

Schotte, 

ein  beiden  oder  uz  Czipperlant, 
so  were  zu  ser  uff  sie  geraut 
nu  gebet  si  doch  zu  borgen 
500  und  lat  mich  für  sie  sorgen 
und  lant  mich  auch  genysen 
daz  sie  mag  entsliessen, 
binden  und  enpinden. 
wer  sal  sich  danne  winden 
505  wider  sie  mit  kriegs  krafft? 
ich  lobe  sie  für  geselleschafft.’ 
da  sprach  der  von  Lüsnich: 

‘uff  mynen  eit,  dez  dünkt  auch 

mich. 

480.  wirt  mit  gestrichenem  t  p. 

499.  get  c. 

501.  lant  mich]  lam  sj  c. 

502.  si  nit  mach  vliessen  c. 

506.  sy  c,  fehit  p. 


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6,  Minne  und  GeseOsehaft. 


t 


73 


[106^]  ich  Sprechens  mit  knrczen  werten 

sieht : 

510  werlich  ir  habt  alle  unreht 
daz  ir  die  mynne  scheidet, 
wann  sie  die  herczen  beldet 
uff  menlich  ritters  tat. 
minne  ist  der  hohen  eren  sat. 

515  wann  man  sie  sewet  in  ritters 

müt, 

da  get  uff  menlich  wird  in  eren 

blüh 

daz  pr&ffet  ir  in  allen  ziden. 
wie  moht  manig  geliden 
so  manig  vientliches  kamen? 

520  sült  n&  der  mynnen  stür  nit  fru- 

men, 

so  enwftrde  kein  hercze  n^mer 

fro.’ 

‘wie  noch,  Cunrat,  wie  verstu  so?’ 
sprach  der  von  Landes  crone, 

‘hab  ein  wile  schone 
525  und  laz  auch  mich  ein  wenig  san. 
wir  willen  her  umb  nit  verzan, 
ob  uns  mynne  nit  lonet  alz  dir. 
sie  hat  erfüllet  dir  dein  gir, 
dez  swftrstu  wol,  si  tets  uns  auch. 
530  nein,  ir  ffter  zihet  den  gauch; 
[ro?»-]  beide  nft  und  zu  aller  stünt 

zühet  si  uns  den  halm  durch  den 

munt 

sit  si  uns  triegenlichen  trüget, 
dar  umb  myn  zunge  bügef 
535  und  hincket  an  iren  prise. 
si  fürt  nit  rehter  wise 
geselschafft  von  Schafsperg  Ger- 

hart, 

sag  an,  hab  ich  mich  nit  bewart 
daz  ich  die  mynne  gescholden  han? 


540  daz  salt  du  mich  wißen  lau 
wem  din  hercze  n&  geste. 
dez  biten  ich  dich  in  rehter  fle.’ 
da  sprach  von  Schafsperg  der 

heit: 

‘sit  du  ez  danne  wißen  weit, 

545  so  salt  du  ez  nit  für  arg  enpfan 
üwer  welchem  ich  alhie  gestan. 
sint  alle  meister  sprechent 
und  hant  ez  so  gerechent 
uz  alten  buchen  dorther  für 
550  daz  keinz  so  harten  herczen  tür 
enlebt,  ez  mynne  etwaz: 
sült  ich  ir  danne  benemen  daz, 
[i07'’]dä.z  were  werlich  mir  zu  vil. 
künd  ich  gejagen  an  ir  zil, 

555  dez  lüst  mich  von  herczen  wol. 
nit  me  ich  da  von  sagen  sol.’ 

Sus  yderman  sin  reht  do 

sprach. 

we  mir,  gedaht  ich,  waffen  ach! 
ich  bin  noch  unbescheiden  gar. 

560  si  kerens  her,  si  kerens  dar 
und  hellent  nit  geliche. 
ich  muz  baz  in  die  riche 
und  fremde  wege  dar  nach  varn. 
ich  bat  sie  alle  gelich  Gut  be- 

wam 

565  und  ylte  hin  gar  dratte. 
wen  ich  da  sach,  den  fragte 
ich  umb  der  rede  nrteiZ. 
wer  mich  beschied,  ich  würde 

geil. 

wer  dise  rede  gehört  hat, 

570  der  geb  mir  dar  zu  sinen  rat 
wie  ich  den  frawen  wider  sage, 
daz  ich  dank  an  yn  bejage. 


524.  schon  p.  567.  orteil  c,  yrteilt  p. 

534.  bnget  c,  bögen  p. 


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74 


7.  Männerirtv*  und  Frauentreue. 


7. 

[107’’]  Diser  sproch  ist  ob  manne  trüwe  beßer  sy  oder  frawen 

truwen. 


(JOS'-J  Min  weg  mich  einez  morgens 

trftg 

an  ein  waßer,  daz  gar  ungefüg 
ivdiz  von  rehter  grözze. 
von  winden  manig  gestdße 
5  die  Anden  namen  her  und  dar. 
ez  waz  so  rehte  eigisvar 
daz  mir  begünde  grusen. 
ez  ging  dar  ruschen,  susen, 
daz  die  Anden  huses  ho 
10  sich  uff  draten  balde  do. 

ich  gedaht  ez  wer  ein  sturmwint. 
‘biz  daz  die  winde  alle  ver¬ 
gangen  sint, 

enthalt  by  disem  staden  alhie.’ 
da  ich  also  in  vorhten  gie, 

15  ich  besach  daz  wetter  hie  und 

da. 

der  hymel  waz  ein  wenig  pla 
an  einem  ende  worden, 
der  wint  der  ging  von  norden, 
der  schöne  gewitter  brenget 
20  der  hymel  wart  gemenget. 

zu  haut  sach  ich  der  sAnen  schin, 
alda  der  wint  begond  lin. 

[i08»]  da  g^ng  ich  zu  dem  staden  wider; 
her  und  dar,  uff  und  nyder 
25  sucht  ich  einen  schiffman, 
der  Aber  waßer  varn  kan. 
ich  ging  daz  waßer  uff  und  abe 


und  ersach  in  einer  engen  haöe 
halten  einen  segel  pla. 

30  in  einen  nachen  saß  ich  da. 
ich  gedaht:  ‘ez  ist  sunder  Sache 

niht 

daz  man  schiff  hie  halten  sicht’ 
sus  für  ich  dar  verlocken 
biz  daz  ich  by  den  kocken 
35  mit  mynem  nachen  da  gestiez. 
den  deinen  nachen  ich  da  liez 
und  sprank  in  daz  schiff  zu  haut 
Ich  besach  dez  Schiffes  want, 
die  waz  behenket  kÖstenlich. 

40  in  den  äugen  duht  ez  mich 
ein  samit  syden  unmaßen  bla, 
dar  yn  gestrewet  hie  und  da 
von  gold  reine  die  bustaben, 
lAsticlich  und  wol  erhaben. 

[109»-]  si  sprachen  zu  dAde: 

46  ‘bla  tragent  die  lAde, 
ez  ist  auch  ein  varwe  gut 
wol  ym  der  ir  reht  tut! 
so  betAdet  sie  auch  stete, 

50  wer  ir  tut  gerette. 

wer  untrAwe  an  ir  verhänget, 
so  Wirt  si  swarcz  gemenget 
dar  umb  beseh  sich  wer  sie  trage, 
daz  die  varwe  icht  von  im  clage.’ 
55  in  der  selben  varwe 
pfulwen  und  kAssin  garwe 


2.  das  e(f),  fehlt  p. 

3.  Wafi  e,  hatt  p. 

28.  habe  e,  bade  p. 

34.  vor  kocken  gestrichen:  g  p. 
39.  Die  e,  Daz  p. 


41.  vor  bla  gestrichen:  grozz  p. 
64.  frauwe  e(f). 

55.  varwe  aus  warwe  p. 

56.  vnd  vnd  p. 


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7.  Männerireue  und  Frauentreue. 


75 


lag  daz  schiff  do  allez  rol. 
ich  gedaht:  4n  trüwen,  hie  slieff 

ich  wol !  ’ 

min  kogeln  zoh  ich  für  den  glast; 
60  wie  ich  doch  were  dez  schiffs 

gast, 

ich  gebart  gar  wirticliche. 
mir  wart  auch  slefferlich. 
da  ich  mich  dinne  alleine  sach, 
‘we  mir’,  gedaht  ich,  ‘ymmer 

ach! 

65  wez  heldet  daz  schiff  alleine 
by  dises  werdes  reyne? 

[109 «’]  ez  ist  so  wol  dar  zu  gemacht 
daz  reine  wip  an  überbracht 
mit  guter  geselschafft  alhie 
70  sich  erclefften  und  daz  sie 
sweres  Volkes  wem  entladen, 
ob  sie  von  undersclieiden  saden, 
da  wült  ich  gern  hören  zu.’ 

Sus  lag  ich  in  gedencken  nä, 

75  ich  slieff  noch  enwachte. 
an  der  stunt  ez  da  gerächte 
daz  mir  von  slaff  begonde  tür¬ 
mein. 

in  dem  slaffe  hört  ich  mürmeln 
menlich  stymme  und  auch  ein 

wip. 

80  da  rihte  ich  uff  mynen  lip 
und  lüstert  dem  done  nach, 
ich  lieff  da  von  dez  waßers  lach 
and  sprang  mit  freuden  uff  den 

wert. 

da  ichs  getet,  ich  wart  ervert, 

85  und  begond  mich  doch  rüwen; 
ich  vorht  si  sülden  mich  schuhen, 
ich  sach  si  beide  binden  zu, 
da  enhatte  ich  raste  noch  kein 

rü 


68.  Do  f,  Dftz  p. 

96.  bare  e,  enbar  p. 


[iior]  daz  sie  myn  würden  iht  gewar. 
90  ich  kroch  uff  henden  und  füßen 

dar 

und  begonde  mich  da  drücken, 
gar  heimlichen  smücken 
begonde  ich  mich  vaste  under 

ein  ris. 

sie  triben  allerley  wis 
95  mit  claffen  vaste  her  und  dar. 

Die  frawe,  aller  schänden  üar, 
sprach  dem  frümen  ritter  zu: 
‘geselle,  du  hast  wenig  rü 
din  jüngen  tage  da  her  gehabt. 
100  in  fremde  lant  du  bist  gedrabt, 
ich  müz  ez  mit  Urlaub  vor  dir 

jehen, 

man  hat  dich  hie  und  dort  ge¬ 
sehen. 

dez  müz  ich  dich  zu  gesellen 

wein. 

hörtestu  sin  niht,  ich  wüld  zeln 
105  vil  lande  die  du  hast  ervarn, 
in  den  du  ritterschafft  er  am 
künde«^  und  auch  der  wibe  gruz. 
ob  ich  mit  Urlaub  /ragen  muz: 
ob  du  ye  kernst  an  die  stat 
110  und  uff  dez  underscheides  pfat 
[770']  daz  du  erfürest  die  wäre  mere 
ob  frawen  trüwe  ganczer  were 
oder  manne  trüwe,  dez  fragen 

ich, 

daz  du  dez  wüllest  bescheiden 

mich.’  — 

115  ‘frawe,  üwer  tugent  hat  mich 

gerümet 

me  und  mynen  lip  geblümet, 
daz  nye  der  zehend  an  mir  ge- 

schach. 

mich  hat  leyder  schänden  dach 


107.  Enndestn  e,  Künde  p. 

108.  fragen  e,  tagen  jp. 


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76 


7.  Männertreue  und  Frauentreue. 


bedecket  me  dann  eren  krön. 

120  ich  fürht  mir  si  üwer  lop  ein 

hon.’ 

si  sprach:  ‘dem  sy  wie  ym  sy, 
ich  bin  durch  claffen  da  her  by 
gesessen,  daz  laz  enden, 
wiltu  dinen  syn  druff  wenden, 

125  du  sagest  mir  wol  den  gnint  da 

von.’ 

der  ritter  sprach  mit  hartem  don: 
‘waz  ich  sage,  daz  ist  on  zom. 
uff  den  eyt  den  ich  hon  geswom, 
uff  den  ich  billich  buwe: 

130  mich  dftncket  der  manne  tmwe 
steter  und  vester. 
sie  habent  swerer  lester 
[111^]  uff  sich  geladen  von  truwen  wen; 
untrüwen  hant  sie  irn  sen 
135  mit  trftwen  an  iren  r&k  gemacht.’ 
die  frawe  antw&rt  mit  zoms 

braht : 

‘du  sagest  recht  alz  du  dich  ver- 

stest. 

ich  weiz  daz  du  mirs  nit  engest, 
ich  wölle  dich  überreden  zwar: 
140  die  wip  hant  in  irs  herczen  tor 
gesencket  trüwe  mit  heris  kraft, 
mit  aller  trüwe  stete  sedelhafft 
ist  trüwe  dinne  worden, 
recht  alz  manches  orden 
145  haltent  alle  ir  regeln  reht, 
sns  müßen  die  wibe  ir  tru  sieht 
gein  den  mannen  halden. 
wie  getürst  ein  wip  erbalden 
daz  sie  einen  man  betrüge 
150  und  liebe  veiyehc  der  sie  lüge  ? 


wanne  wo  ein  wip  von  rehter 

schancz 

minnet  von  rehter  stete  gancz 
eyneii  ritterlichen  man, 
sy  enkan  ez  nochten  nit  gesan. 
[iii'jich  weys  daz  uff  myn  letzte  vart 
156  daz  manch  strenge  liebe  hart 
ist  vergangen  mit  herczeleyde 
durch  reyner  wibe  plödikeicL 
dez  slahe  den  wan  uz  dinem  müt 
160  daz  dekem  hidirbe  wip  güt 

betrüget  den  man  zu  keiner  frist 
sy  sagt  ez  käme  daz  war  ist. 
die  red  ich  nit  gelangen  kan, 
die  wip  entänt  nit  alz  di  man, 

165  der  mit  Worten  manger  güdet. 
wo  man  den  guten  abent  büdet, 
da  wüllent  sy  guten  morgen 

nemen. 

dez  wülten  wir  uns  sere  Sche¬ 
men.’ 

Der  ritter  sprach  gar  sidelich: 
170  ‘frawe,  ir  habt  balde  gesweig^et 

mich. 

ir  künnet  mit  Worten  lange  zal, 
mich  düncket  ir  sit  der  manne 

hal. 

ich  wen  ez  von  naturen  sy, 
ein  frawe  klaffet  me  dann  manne 

dry. 

175  dez  enkan  ich  myn  gesellen  göt 
nit  entreden,  als  ir  tüt 
[112'-]  (ich  und  alle  üwer  gespiln, 

danne  ich  wil  an  die  warheit 

ziln. 

ein  man  waget  gut  und  lip 


123.  L  uns  e.  e. 

134/1  Dan  Sraüwe  als  ich  mich  verstehn 
Die  teiliing  ist  6ngelich  g.  e. 

144.  monchs  e. 


150.  Viehe  ef,  vemihte  p. 

160.  Daz  dekein  bidirbe  R.,  Dez  daneben 
dir  die  p,  Dafi  yemmer  kein  reinez  e. 

168.  gelengen  e,  gelanben  p. 


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77 


7.  Männertreue  und  Frauentreue. 


180  yil  me  durch  ein  einig  wip 
danne  tusent  wip  durch  einen 

man. 

war  sie  yn  heißen  riten  gan, 
in  welch  laut  sie  lüstet, 
i«^  er  danne  nit  ger&stet, 

185  er  ritet  dar  on  gerete, 
daz  tut  sin  tr&we  stete, 
daz  er  dann  gftßet  sin  edel  bl&t, 
daz  düncket  ewch  wip  von 

herczen  gut, 

daz  ir  yn  schicket  über  mer. 

190  da  lidet  er  manig  herte  ser 
und  vil  manig  angst, 
ach  wip,  also  du  yn  drangst 
in  todes  Wappen  müdiclich! 
ach  wip,  daz  sült  erbarmen  dich 
195  daz  diser  mort  durch  dich  ge- 

schiht ! 

nnder  rosse  man  sie  ligen  siht, 
manchen  edeln  ritter  reyn, 
gebrochen  arme  und  beyn, 
zutretet  nase  und  mfint; 

200  wanne  er  hie  und  da  ist  wünt 
und  sich  der  beyn  nit  wol  ver¬ 
mag, 

den  arm  er  treit  an  sinem  nag, 
sns  Wirt  er  nymmer  lid  gancz. 
so  kümet  dorther  ein  snöder 

schrancz, 

205  gestreichet  und  gestrichen; 
alle  müde  ist  ym  entwichen, 
die  naht  mag  er  wol  springen, 
lauffen,  tanczen,  singen, 
toben,  trincken,  eßen.  • 

210  so  Wirt  dez  byderben  vergeßen. 


der  wünt  zu  herberg  gangen  ist. 
ach,  wibes  trüwe,  wie  klein  du 

bist! 

hört  er  ewch  an  ewer  ere 

sprechen, 

sölt  man  yn  dar  umb  erstechen, 
215  er  wil  ewch  ye  entreden, 
wo  er  getar,  an  allen  steden.’ 

Die  frawe  antwürt  mit  zorns 

müt: 

‘in  truwen,  über  geselle  gut, 
du  sprichest  wir  künnen  claffen. 
220  du  kaust  auch  wol  geschaffen 
[ii3r]  daz  alle  din  notdurfft  wirt  geseit. 
du  hast  auch  snelle  uff  mich  ge- 

jeyt 

din  mönt  get  sneller  dann  ein 

mül, 

an  dinen  Worten  ich  iaz  fül. 

225  du  hast  also  gesprochen: 
die  ritter  haben  gebrochen 
durch  uns  arm  und  beyn, 
ir  trüwe  sten  in  sülcher  mein, 
sie  wüllent  durch  uns  riden, 

280  ir  swert  durch  vynde  snyden 
und  tieff  durch  mannes  brust  tun 

waden; 

bosheit  sie  wüllen  do  mit  ent¬ 
laden 

werden  und  aller  zagheit, 
und  waz  yn  laster  mache  breit, 
235  daz  lan  die  man  durch  reine  wip; 
alle  ir  gut  und  ir  lip 
daz  wöllent  sie  durch  wip  ver- 

zem: 

'  so  wölt  ich  uff  myn  trüwe  swern. 


180.  durch  aus  danne  p. 

213.  Hört  am  Bande;  im  Text  verbessert 

184.  Ist  e,  Ir  p. 

aus  H&tt  p.  sprechen  e,  gesprochen  p. 

195.  dich  f,  fehlt  p. 

224.  das  e,  dich  p. 

201.  des  Leibes  e. 

282.  doe  mit  e,  sin  p. 

234.  yn]  ire  e. 

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78 


7.  Männerirette  und  Frauentreue. 


sie  tetens  umb  sin  selbz  pris! 

240  ritterschafft  versmülcz  alz  is, 
meint  man  nit  dran  dann  frawen. 
man  s61t  dran  wol  schawen 
[iiar]  wer  danne  biderb  hieze, 
enhetens  sie  ez  nit  genyze, 

245  von  aller  der  werlt  ere  vil. 
tu  hin,  ez  ist  ein  kindes  spil 
mannes  trüwe  für  wibes  stete, 
kein  man  durch  frawen  tete 
daz  yn  an  eren  swachet; 

250  so  ist  ez  leider  gerachet 

daz  ein  wip  durch  reht  trüwe 
ir  selbz  vergaz.  het  siez  rüwe 
dar  nach,  den  schaden  liez  er  ir. 
sich,  frünt,  alsülch  truwe  wir 
255  künnen  den  mannen  eygen. 
min  leben  müße  feygen, 
het  ich  irgen  einen  frönt, 
zu  dem  ich  harte  mich  het  ver- 

bönt, 

hiez  er  mich  durch  yn  in  den  tot 
260  gen,  ich  schühte  kein  not, 
ich  tet  ez  williclich  durch  yn. 
ich  hon  daz  wol  in  mynem  sin. 
sin  gebot  wült  ich  ye  tragen; 
lip,  gut  zu  dem  magen 
[ii4r]  begeh  ich,  wer  ez  sin  gebot 
266  ez  ist  war,  also  helff  mir  Got!’ 

Dem  ritter  waz  die  rede  swen 
er  sprach:  ‘ich  hörn  fremde  mer 
von  ewch,  reinez  wibez  fruht. 

270  nu  sprechet  uff  ewer  selbz  zuht 
und  selber  ewch  dar  an  betraht: 
sit  ir  ritterschafft  nit  aht, 
waz  sülle  wir  dann  durch  ewch 

tön? 


wir  enzügen  doch  nye  kein  hön, 
275  so  enkönnen  wir  auch  nit  hirten 

sin, 

rinder  hüten  noch  der  swin. 
wir  enkönnen  nit  schöbe  machen’ 
(smelich  begönde  er  do  lachen) 
‘ich  gelernt  ny  kein  belczwerg, 
280  ich  wende  daz  man  der  mynnen 

berg 

ergrüb  mit  der  ritterschafft, 
hot  hantwerg  aber  höher  krafft, 
so  müßen  die  wappen  wir  be¬ 
geben 

und  lernen  an  dem  stnle  weben. 
285  ez  ist  auch  lange  da  her  geprüft 
und  waz  in  der  werlt  rufft 
[114*]  daz  ritterschafft  zu  wiben  hört 
vil  biderber  ritter  ist  betört, 
mich  düncket  ir  riten  sy  verlom. 
290  teten  si  reht,  si  hetens  verhorn 
und  weren  zu  schul  gegangen 
und  heten  in  tun  langen 
die  Pfründen  uff  dem  köre, 
wer  da  ritet,  der  ist  ein  tore. 

295  Got  kennet  doch  göten  pilgerin, 
die  plate  möz  ymmer  swerer  sin 
danne  ir  röcklin  dünne, 
ob  ich  ez  geprüffen  könne, 
so  ahtet  ir  hantwerg,  pf affen 

sang 

800  höher  dann  der  helme  dang.’ 

Daz  reine  wip  sprach  aber  also: 
‘gotsein,  wi  verstes  du  ez  do, 
ich  wülle  die  ritter  drücken 
und  wölle  her  für  zücken 
805  zu  male  unendelich  diet? 

entrüwen,  also  enmayn  ichs  nft 


269.  vor  dorch  gestrichen :  in  den  p.  291.  schnle  e,  fehlt  p. 

263.  ich  nit  p,  je  e.  293.  presentze  e(f). 

264.  zn  dem]  fnint  nnd  e.  302.  Qotsein  =  Gotes  eine. 

267.  flwer  f,  swere  p. 


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7.  Mävmtrireue  und  jFYauenireue. 


79 


ich  sag  dir  sicherlichen  daz: 
und  were  ich  einem  mann  gehaz, 
[lis»*]  der  sin  hercze  het  gehafft 
310  in  rehter  lieb  mit  steter  krafft, 
ich  gewünne  in  liep  in  herczen 

hart. 

daz  mein  ich  nff  myn  letzte  vart. 
ich  enhon  ez  anders  nit  gemeint, 
den  mannen  sint  ir  hercze  ver- 

steint, 

315  daz  s&lich  truwe  nit  in  im  lip 
kan  kamen  so  in  die  werden  wip. 
ich  en  verkert  in  nit  zu  gründe, 
si  riten  alle  stünde 
her  und  dar,  daz  wildet  sinne, 

320  daz  gancz  trüwe  noch  stete 

mynne 

nit  in  irm  herczen  plibet; 
daz  riten  ez  in  vertribet. 
wer  sihet  so  mancherley 
clarer  wibe  fey, 

325  dem  Wirt  der  sin  verirret, 
verzwirkelt  und  yerzwirret 
Wirt  sin  hercz  da  und  hie, 
sin  stete  trüwe  vellet  an  die 
die  ym  dann  die  nehste  ist. 

830  dar  umb,  mannes  trüwe,  du  bist, 
alz  du,  herre  Got,  wol  weist. 
[ii5*]  an  frawen  vindet  man  allermeist 
trawe  ymmer  wernde. 
wer  tmwe  gern  lerade, 

335  der  küm  in  frawen  schüle. 
ich  wen  daz  man  da  hule 
künst  der  rehten  stete, 
wer  gern  trüwe  hete, 


815.  nocA  in  gestrichen:  jn  p. 

316.  am  Anfang  gestrichen:  Lip  p. 

321.  plibet  aus  pleibet  p. 

324  scheint  verderbt. 

826.  Yerzwifelt  n.  verirret  e,  W*  zwirbelt 
vnd  Vzw ...  in  p  am  Rand  hiider  v.  335;  der 
Schluß  abgeschnitten. 


der  vindet  sie  by  den  wiben. 

340  da  heime  sie  müßen  bliben, 
daz  stetet  yn  synne  und  müt. 
gancz  trüwe  mit  steter  flüt 
ir  hercze  dann  umb  flüßet. 
daz  wiße,  dez  genüßet 
345  vil  dicke  dez  reinen  wibes  amis 
daz  irs  getrüwen  herczen  ris 
gein  im  mit  liebe  birt  fruhte 
mit  wiplicher  zuhte. 
si  enhaut  kein  ander  gezal 
350  dann  daz  sie  in  irs  herczen  tal 
senket  liebe  gein  irem  getrüwen 

fründe. 

der  in  dez  vergunde, 
dez  wer  zu  mal  der  ungelimph. 
[iie»-]  tribent  sie  keinerley  schimpf, 

355  daz  verkert  man  yn  zu  stfint. 
sie  tünt  nöte  uff  den  munt 
manchem  bösen  cleffer, 
der  sinen  bösen  gleffer 
erwidert  mit  gebletze. 

360  er  saget  vil  manig  gesneptze. 
swig  er,  ez  were  alz  gut 
dar  umb  ein  wip  wolbehüt 
mftz  sin  werk  und  wort, 
si  entar  nit  sagen  waz  sie  dort 
365  trüwe  in  irm  herczen  hat. 
offenberlich  »r  dan  stat 
und  rümet  ewch  liebe  und 

trüwen. 

daz  müz  mich  ymmer  rüwen 
daz  es  nit  geoffenberig^  wirt 
370  waz  frawen  hercze  trüwen  birt. 
eins  wibes  hercz  ist  verzagt^ 


849.  ^  hergetze  sal  e. 
856.  Sie  e,  So  p. 

357.  Vor  m.  e. 

858.  seinS  f,  sine  p. 
866.  ire  e,  er  p. 

369.  efl  e,  irs  p. 

870.  hertze  e,  h’czen  p. 


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80 


7.  Mätmerireue  und  Frauenireue. 


dar  umb  ez  nymmer  reht  gesagt 
ir  liebe  nach  irem  willen, 
ir  trhwe  muz  sie  stillen, 

375  verborgen  nnd  heimlich  tragen. 
[116’]  daz  müßen  wir  armen  dicke  cla- 

gen.’ 

Der  ritter  sere  wart  erfert: 
‘frawe,  ir  habt  mich  beswert’, 
sprach  er,  ‘daz  ir  sagt  so  war. 
380  ir  habt  mich  überkumen  zwar, 
ich  gib  mich  gevangen  euch, 
wult  ir,  so  lat  mich  in  ein 

drüih! 

vil  billich  ir  mich  tümet. 
ich  han  ewch  ser  erzömet, 

385  umb  daz  ich  wiplich  stetikeit 
hett  so  gern  hin  geleit, 
ich  waz  uff  unrehtem  wege. 
dez  wil  ich  mich  in  ewer  pflege 
geben  ewch  gevangen, 

390  von  ewem  handen  hangen.’ 
die  fraw  snelle  antworte  do, 
si  sprach:  ‘nü  enwart  ich  nj'  so 

fro 

dis  daz  ich  dich  han  bekert 
und  mynen  gelauben  gelert 
395  doch  gewflschest  du  sin  nymmer 

hin, 

Bit  ich  nfl  din  meister  bin. 
ich  wil  dich  ser  kestigen, 

[117»-]  ich  wil  nit  verzihen 
uff  din  gevangnüsse. 

400  ich  sag  dir  gar  gewisse, 

ich  wil  dich  pinigen  sus  und  so, 
daz  dir  verget  din  mut  so  ho 
zu  sehen  dinen  genoßen, 
daz  sie  sich  an  dich  stoßen, 

405  daz  sfe  ez  gelauben  überal: 


dez  wibes  trüwe  ist  ein  sal, 
dy  mannes  tr&we  drücket, 
daz  sie  sich  nyder  smücket’ 
mit  den  Worten  tet  sie  ein  griff: 
410  ‘du  müst  mir  volgen  in  myn 

schiff’, 

sprach  sie  gar  vermeßen, 

.  ‘hye  ist  lange  genüg  geseßen.’ 
mit  dem  hals  sie  in  dans. 

‘du  gest  hie  zelten  als  ein  gans. 
415  laz  uns  snellich  ylen, 
über  dryßig  mylen 
wil  ich  dich  füren  hynnen. 
ich  enbit  dich  dinen  gewinnen 
nymmer  mit  mir  geteylen.’ 

420  sy  begünd  yn  do  seylen. 
f2i7*]sy  sprach:  ‘du  hast  hüt  gerast, 
waz  du  dar  an  gewünnen  hast, 
daz  strich  eins  tags  an  dinen 

stein, 

so  du  kümest  wider  hein.’ 

425  der  ritter  der  ryff  drade: 

‘frawe,  an  ewer  genade 
gab  ich  mich  on  pinlich  leben, 
nn  wüllet  ir  mich  an  martel 

geben ; 

wen  ich  daz  ewch  enfcret.’ 

430  ‘du  hast  claffen  geleret’, 
sprach  sie,  ‘swig,  du  snöder 

gauch, 

miner  genaden  müstn  leben .  auch.’ 
iren  weg  sie  gein  dem  schiffe 

vieng, 

alles  strebend  er  da  nach  ir 

gieng. 

435  von  dem  über  si  yn  sprang 
mit  iren  gevangen  ane  sinen 

dang. 


888.  vor  ir  ge$trichen:  s&lt  p.  429.  WeS  vch  dz  sere  enterit  f.  enret  p. 

893.  Als  e,  fehlt  p.  486.  Mit  dem  e,  Iren  p. 

4ffl.  Der  ef. 


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7.  Männertreue  und  Frauenirette. 


81 


Von  mir  sie  do  fl&Ben. 
ich  enweiz  nit  war  sie  sch&ßen, 
dan  da  ich  ir  hinweg  gewart, 

440  da  mäht  ich  mich  an  myn  yart 
und  sach  nach  mynem  nachen. 
dar  gein  begond  ich  rachen. 

[718»-]  doch  waz  ich  zu  mal  verdaht 
daz  mich  abentfire  braht 
445  hatt  zu  wünderlicher  rede, 
wann  ich  ny  zu  keyner  stede 
hört  so  wünderlichen  krieg 
und  darnach  so  herten  bieg, 
ich  welge  ez  her  und  welg  ez 

dar, 

450  der  frawen  rede  d&ht  mich  gar 
war  sin  nnd  ungelogen, 
dar  umb  wir  manne  nit  enmogen 
uns  wider  frawen  seczen. 
ir  tr&we  kan  dicke  leczen 
455  nnd  verwänden  mannes  lip. 
wem  ein  getrüwez  stetez  wip 
ir  rehte  trüwe  zeigen  wil, 
der  frawen  ist  nit  zu  vil, 
ez  sy  yr  liht  zu  tun  durch  den. 


460  ob  ir  sin  trüwe  wider  begen 
von  dem  manne,  daz  ist  gewagt, 
wer  mich  der  mer  für  warheit 

fragt, 

dem  sag  ich  waz  ich  hon  gehört: 
wir  sin  an  manne  trüwe  betört. 

[778»]  daz  hat  die  frawe  bewert  alhie. 
466  größer  bewemusse  nye 

gehört  ich  zwar  von  keinem  man. 
wer  ez  hört,  der  sol  ez  san 
für  warheit  allen  mannen. 

470  ir  trüwe  sie  verbannen 

wider  der  reinen  frawen  trüwe. 
da,  frömer  man,  dar  uff  buwe 
und  halt  dich  zu  den  frawen 

reyn, 

wann  ir  trüwe  ist  alz  ein  stein 
475  den  nyman  mag  erbillen. 
wem  si  mit  willen 
lihent  ir  hercze  getruwelich, 
der  mag  für  war  wol  frewen  sich 
und  mag  sich  wol  verloßen. 

480  daz  si  gekündet  allen  gnoßen! 


8. 

Diser  spruch  ist  von  den  zehen  swestern. 


[778»] 

Ich  vant  ein  wip  in  clagender 

not; 

sy  schrey:  ‘nä  küm,  vil  lieber 

tot, 

von  hercze  leyde  mich  enbind! 
ach,  leit  nnd  ungelüke,  ir  sint 
[i78'‘]niime  libe  ein  swerer  last! 


6  ach,  freuden  trost,  wie  fremd  ein 

gast 

bistu  in  dem  herczen  myn! 
für  dich  krefftige  nüwe  pin 
sprüßet  uz  myns  herczen  sproßen. 
10  solt  ich  myn  leit  verstoßen, 
ein  laut  sin  würd  erfüllet. 


439.  vor  da  gestrichen:  ma  p.  ir  e,  in  p. 
455.  von  hier  ab  20  andere  Sddußverse  in  e. 


463.  am  Anfatig  gestrichen:  Wir  p. 
480.  si  gek&ndet  aus  sie  gekAnden  p. 


3.  en  bint  f,  enbinde  p. 


Zu  8. 

10.  verstossen  5,  v’scboßen  p. 


Dttutücb«  Telia  doe  Mitielilterf.  XXIV. 


6 


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82 


8.  Die  eehn  Sch¥>estem. 


mit  echczendem  we  behftllet 
ist  myner  frewd  wipheit. 
awe,  des  jamers  kröne  treit 

15  min  haubt,  freude  nymmer  me.’ 
gar  jemerlich  sie  ‘ach!’  schre 
wol  f&nfstunt  nach  ein  ander, 
mit  dem  wort  geswant  er, 
daz  sie  zur  erden  seig. 

20  da  ich  hörte  daz  sie  sweig, 
da  trat  ich  ir  naher  baz. 
ein  volle  bl&men  tauwes  naz 
raspte  ich  da  gar  drate, 
da  mit  ich  sie  besprate 

25  so  lang  biz  sie  sich  versan. 
nöwen  jamer  hub  sie  an 
[119*]  und  klagt  grftlich  ir  leit 

ich  daht:  ‘hie  wirt  ein  snelle 

gescheit 

von  sele  und  auch  von  libe. 

30  wie  we  ist  disem  wibe! 
herre  Got,  nü  mach  ir  bazl’ 
ir  truren  waz  do  nit  zu  laz 
ez  brech  ir  snelliclich  die  not 
daz  sie  aber  viel  für  tot. 

35  da  erschrak  ich  me  dan  vor. 
mit  dem  haubt  ich  sie  enbor 
hub  uz  dem  näßen  clewe 
und  nam  sie  von  dem  wewe, 
so  ich  beste  künde. 

40  miner  red  ich  so  begonde: 
‘reines  wip,  vil  hoher  hört, 
aller  manne  leides  mort 
sit  ir  und  ein  frewden  tag. 
für  war  myn  munt  euch  heißen 

mag 

45  ein  köstenlichs  balsem  vaz. 


wiplicher  mynne  «linder,  daz 
durch  brich  ritter  herczen  grünt 
menlicher  tad  ein  füllemünt 
[j.20r]ist  ewer  wiplich  güte, 

50  mannes  tad  in  plüte 

«üchet  euwer  süße  uz  dürrem  ris, 
daz  ez  frewd  plüwet  in  aller 

wis. 

sit  alle  frewd  nü  an  ewch  lit 
und  ir  mit  tröste  mannes  plit, 

55  wez  untröst  ir  ewch  dann? 
ich  enkan  ewch  anders  nit  gesan 
danne:  frewet  sich  alle  werlt 

myn, 

ich  wült  auch  in  frewden  sin 
und  wült  nit  qnelen  mynen  lip.* 
60  Mit  sewffczenden  Worten  sprach 

daz  wip: 

‘du  sprichst  alz  der  dem  ny  kein 

leit 

geschach;  westestn  myn  erbeit, 
du  verdehts  sin  mich  nicht 
daz  myn  hercze  sus  jamerz  pfliht. 
65  nye  keym  menschen  wirs  ge¬ 
schach 

dann  mir,  dez  schry  ich  ymmer: 

ach! 

ach!  ach!  daz  ich  ye  mensch 

wart! 

ach,  leit,  wez  bin  ich  dir  so  zart 
daz  du  mich  nit  entödest 
70  und  mich  doch  also  nödest 

t 

[iÄ)»]mit  diner  sorgen  dämmen? 
verfluchet  sy  der  ammen 
dy  myn  gesleht  hat  emert! 
we,  waz  leides  ist  beschert 


12.  nocA  we  geetrichen:  heb  p. 

15.  nUmer  b,  ymm'  p. 

16.  ach  b,  auch  pf. 

22.  hant  vol  f. 

33.  brechte  f. 


46.  Wiplicber  b,  Wiplieb  p.  zond.  e, 
Blinder  p: 

47.  bliebet  f. 

51.  Zenbet  f,  S&cbet  p. 

59.  lip  aus  müt  p. 

63.  sin  my  p,  mich  es  f. 


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8.  Die  zehn  Schwestern. 


83 


75  mir  armen  creatüre! 
min  honigseym  zu  sure 
ist  mir  leider  worden, 
in  der  rüwer  orden 
ist  myn  freud  gesloßen, 

80  nn  heyl  het  mir  erftros^en 
und  ving  myn  heil  in  sorgen 

strik. 

miner  freuden  mger  dfinrsplik 
verbrennet  hot  bis  uff  den  grünt, 
min  swebende  wfinne  zu  tod  wfint 
85  lit,  di  kan  nyman  emem. 
wil  nngel&k  sus  uff  mich  zern, 
so  Wirt  ez  riche,  ich  frewden 

bloz. 

leide  geviel  ich  an  dem  loz, 
dez  eidet  ez  mich  in  sin  ge- 

Walt.*  — 

90  ‘Frawe,  ir  habt  mir  vil  erzalt 
üch  werre,  und  enwiz  doch  nit 

waz; 

ich  bin  zu  fragen  ein  teil  zu  laz. 

swig  ich  auch  so  lange! 
ewer  quäle  die  tut  mir  ange, 

95  reines  wip,  die  eugent  mir.’ 
si  sprach  zu  mir:  ‘ich  sag  ez  dir 
und  clage  dirs  in  din  hercze. 
mich  smirczet  so  min  smercze 
daz  ichs  nit  kan  verdulden, 

100  der  sorgen  brfich  ich  hfilden. 
min  sin  ir  zwifels  hütet  so 
daz  ich  uff  erden  nimmer  fro 
kan  werden  affter  diser  zit.’  — 
‘frawe,  sagt  mir  wer  ir  sit, 

105  und  tflnt  daz  snelle  on  underbintl’ 
Si  sprach:  ‘eins  hohen  königes 

kint 


bin  ich  gebom  von  rehter  ee, 
min  gesleht  hat  ern  me 
denn  allez  daz  uff  erden  waz. 

110  waz  man  von  wirde  noch  ye  ge- 

laz, 

daz  waz  gein  uns  gestüppe. 
nü  hat  mir  leides  gel&ppe 
durch  stochen  myne  wunne, 
getötet  alle  myn  könne. 

[121 «-]  ich  waz  selb  zehend  geswester. 
116  daz  ist  mir  also  gester 
daz  sie  alle  lebten 
und  in  em  swebten, 
hoch  in  der  wirde  trone. 

120  ir  aller  haubt  trug  crone, 

Zepter  und  riehen  gewalt. 
ach,  arme,  der  hot  der  tod  gefalt 
echt  in  kürczen  jam! 
wie  sölt  ich  baz  gebam, 

125  ich  armez  wip  elende?’ 
si  want  ir  wyzen  hende, 
ir  goltvar  har  sie  rauffte. 

‘ach  Got,  do  man  mich  tauffte, 
wez  ertrenket  man  nit  mich! 

130  nu  han  ich  auch  ein  königlich, 
und  ist  mir  alz  ich  nit  enhabe. 
ach,  tod,  schik  mich  zu  dem 

grabe, 

zu  den  lieben  swestem  myn, 
ane  sy  enmag  ich  nit  gesin. 

135  ich  armer,  elender  weyse, 
wy  geleb  ich  diser  freyse?’ 
[i5.2'-]si  sprach  zu  mir:  ‘tut  dir  nit  we 
min  wemde  not,  ach  ymmer  me, 
und  diz  grölich  leit?’  — 

140  ‘ja,  wißent,  fraw,  uff  mynen  eit, 
kein  ding  tet  mir  nye  so  ange. 


80.  erbossen  h,  erloschen  p. 

81.  fing  anch  p. 

82.  anger  f,  angen  p. 

89.  Des  f,  Daz  p. 

91.  1.  weiz  /■(&). 


94.  vor  ange  gestrichen:  we  p. 
102.  erde  f,  feJdt  p. 

126.  hende  f,  hend  p. 

128.  do  f,  fehlt  p. 

138.  me  f,  we  p. 


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84 


8.  Die  zehn  Schwestern. 


min  hercz  lit  in  einer  zange 
von  fremdem  quelendem  leide, 
sagt  mir  by  dem  eide: 

145  wie  hießen  üwer  swester?’ 

‘so  Wirt  myn  leit  ye  vester’, 
sprach  sie,  ‘wann  ich  sie  nennen, 
doch  salt  du  si  erkennen, 
die  eine  hiez  Gerechtikeit ; 

150  der  tod  tut  mir  so  krefftig  leit 
daz  mir  daz  hercze  rißet. 
ir  name  mir  doch  glißet 
in  mynes  herczen  äugen, 
nn  clage  ich  dir  vil  taugen 
155  min  swester  Maz,  die  ist  tod. 
ach  der  cleglichen  not! 
daz  hielffet  mir  alle  dy  werlt 

clan, 

wann  Mazz  kond  di  kröne  trän 
fürsten,  frawen,  ritter  wert 
160  nu  prüfe:  der  tod  auch  Stete 

gert, 

daz  reine  wip  hat  er  da  hin, 
daz  ist  myn  leit  und  sin  gewin. 
noch  ist  ein  leit  myn  rüwe: 
Warheit  und  Trüwe 
165  die  sach  ich  leider  auch  be¬ 
graben. 

ich  enkan  mich  nü  nit  wol  ge- 

haben, 

sit  sie  mir  sint  erstorben, 
sie  hant  dicke  lob  erworben 
in  hjrmel  und  in  erden. 

170  Got  erte  selb  dy  werden. 

0  we,  myn  swester,  die  werde 

magt, 

Scham  ist  tod!  daz  ymmer  clagt 
myn  hercze  vor  allen  dingen, 
ir  tod  kan  freude  twingen 
175  mit  leid  in  angst  clusen. 


188.  Irs  lebens  f,  Ir  lobens  p. 

189.  quB  f,  kan  p. 


alle  tugend  kond  sie  hnsen, 
wiplicher  wip  wart  ny  gebom. 
ich  hon  sie  gar  zu  unzit  verloni. 
awe  mir,  we,  Bescheidenheit 
180  ist  tod!  daz  ist  ein  sülich  leit 
\i23<']^s.z  ichs  nit  überwinden  mag. 
ach  daz  ich  disen  tag 
gelebt  han,  und  sie  sind  tod, 
daz  ist  myns  herczen  grymme 

not 

185  noch  hett  ich  ein  swester  me, 
der  tod  tut  mynem  herczen  we, 
wann  sie  waz  riches  lobez  wert 
ir  lebens  wol  myn  hercze  gert 
ir  tugend  kam  manigen  vil  eben, 
190  doch  verclag  ich  baz  ir  leben 
wann  der  andern  keyne. 
wült  Got,  wer  sie  alleine 
für  die  andern  alle  tod, 
so  were  geringe  myns  herczen 

not. 

195  sie  rüwet  mich  wol  durch  sippe, 
wir  sin  von  eime  rippe 
alle  gemachet  von  Gotes  hant, 
Miltikeit  waz  sie  genant 
nach  ir  min  äuge  billich  weint 
200  nu  prüffe:  waz  hat  Got  gemeint 
daz  er  mich  eyne  leben  lat 
und  8^  alle  genümen  hat 
[123^]  der  werlt  also  schedlich, 
und  daz  die  aht  künigrich 
205  alle  gar  on  erben  sint, 

ir  keine  gelaßen  hat  kein  kint? 
daz  ist  klage  über  alle  leit 
daz  n^an  nü  ir  erbe  treit* 

Do  sprach  ich  zu  der  frawen: 
210  ‘aUer  tugenden  ein  auwen, 
hohe,  werde  fürsün  fiy, 
gehabt  ewch  baz  dann  ewch  sy 


199.  min  f,  mir  p. 

211.  fnrstin  f,  fürste  p. 


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8.  Die  eehn  Schwestern. 


85 


geschehen  hie,  begebt  die  dage 
nnd  kftndet  mir  m«t  kurczer  sage: 
215  habt  ir  kein  swester  noch?’ 
si  sprach:  ‘ja,  eine  doch, 
uff  die  ich  mich  wenig  lan, 
wann  ich  hon  dez  ganczen  wan 
daz  sie  iht  lange  müge  leben. 

220  mich  dhncket  daz  ir  sie  vergeben, 
sie  ist  krank  zu  male, 
ich  sihe  an  ir  vil  quäle, 
si  enkan  sterben  noch  genesen 
und  wil  doch  by  den  löten  wesen, 
da  han  ich  vil  lidens  mitte, 

226  wann  sie  ist  anders  gesite 
dan  si  waz  vor  der  krankheit. 
ir  name  in  wirde  waz  gekleit, 
do  sy  sich  wol  vermohte. 

230  zu  dem  male  tohte 

kein  myn  swester  on  sie  nie, 
gein  ir  bngen  si  alle  ir  knye, 
sie  waz  die  eitest  und  die  herste. 
ir  «rsprüng  von  erste 
235  erbnb  sich  in  dem  hymelrich, 
si  braht  Got,  daz  ist  wißenlich, 
von  hiemel  uff  die  erden, 
si  tet  in  mensche  werden 
mit  irem  wisen  sinne. 

240  er  hiez  sie  selber  Mynne, 
also  nennen  wir  sie  noch, 
wil  si  gegen  kan  einen  kroch, 
ir  söche  und  ir  krankheit 
ist  mir  ein  nngefögez  leit 
245  nnd  lit  mir  zu  herczen  hart, 
ir  löt,  ir  laut  sint  unbet^art, 
ez  get  allez  an  störe. 


214.  mit  f,  mut  p. 

234.  ynprong  5,  ansprfing  p. 

242.  Tr  leit  mir  leist  des  Ijdinz  yoch  c. 
246.  lAt  ir  lant  p,  lant  jr  biete  f.  vnbe- 
wart  f,  ynbekant  p. 

251.  meym  f,  mynem  p. 

253.  dye  f,  dise  p. 


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noch  wirser  dann  ein  löre 
ist  worden  ir  vil  sößes  leben. 

250  groz  ungenade  ist  gegeben 
mir  an  mynem  sippteil, 
auch  ist  gar  dein  myn  heil.’ 

Do  die  frawe  diz  gesprach 
und  mir  ir  aller  namen  verjach, 
255  do  wundert  mich  der  mere 
wer  si  selber  were, 
und  bat  si  mir  ez  sagen, 
sprach  sie:  ‘ich  wil  dirs  nit  ver- 

dagen, 

man  heißet  mich  die  Manheit. 

260  manig  hercze  ist  mir  gereit 
und  dienent  mir  flißigliche. 
gar  wit  ist  myn  riche 
in  allen  kristen  landen; 
mit  gewalt  ich  wanden 
265  uff  velt,  uff  mer,  in  beiden  lant. 
waz  lebt,  daz  neyget  myner  hant. 
ich  vam  alz  ein  wolkenbrust 
und  aht  uff  nymands  vertust. 

[153»-]  ich  bin  wol  halb  unsinnig, 

270  min  gir  ist  so  gewinnig 

daz  ich  besorgen  lip  noch  leben.’ 
‘getörst  ich  dez  antwört  geben’, 
sprach  ich,  ‘frawe,  so  schelten  ich 
öwer  site,  sie  sin  niht  löblich. 

275  dez  zöm  sich  gein  mir  nit  ewer 

möt, 

idi  sagz  ewch,  frawe,  werlich 

durch  gut 

daz  ir  ewch  hötet  dester  baz. 
man  gibt  ewch,  Manheit,  manic 

haz; 


258.  Sye  sprach  ich  enwil  f,  Sprach  sie 
ich  p. 

260.  ist  f,  fehlt  p. 

261.  dienet  b. 

264.  wandern  b,  ebenso  284. 

265.  yelt  vor,  yff  nach  mer  gestrichen  p. 
278.  manche  hafi  f,  m.  daz  p. 


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86 


8.  Die  zehn  SehwetUm. 


daz  hdr  ich  von  den  wisen 
2S0  daz  sy  üch  nit  enprysen, 

und  wil  ewch  sagen  warümbe: 
vil  manig  groz  geprümme 
schicket  ir  in  den  landen 
und  tht  die  j&ngen  wanden 
285  uff  alle  abentüre, 

und  gebt  yn  kein  stüre 
daz  si  sinlich  triben 
ewer  manheit  schyben 
trybent  si  uff  alle  velt, 

290  dez  gibt  in  lop  daz  widergelt 
[i25'>]  daz  si  menlich  heißent. 

• 

uff  strites  gir  sy  beyßent 
ir  sinne  mit  falken  Augen, 
zu  tumyem,  stechen  hngen 
295  ir  gir,  ir  mut,  ir  wille. 
getörst  ich  sagen  stille 
war  umb  ez  mir  .missevellet : 
daz  riten  ist  nfi  gestellet 
nit  anders  dann:  «rita,  rit, 

300  vihta,  sticha,  strita,  strit! 
var  von  heymc  in  fremde  laut, 
renna,  töd  den  lip  zu  hant, 
ich  enbit  dich  anders  nymme.” 
dez  straff  ich  ewch  dar  Amme. 

305  ez  hört  auch  me  zu  werden  man 
dan  küm  nymmer  von  der  ban. 
wen  man  mit  Aiz  sal  rümen, 
den  müßen  tAgend  plAmen, 
der  Awer  swester  pAagen, 

310  e  danne  si  tod  gelagen. 
ich  ahten  riten  deine, 
pAigt  man  nit  tugend  reine 
[i56*-]dar  zu  vil  vesticliche. 

290.  lob  f,  liep  p. 

292.  sy  fehlt  c. 

301.  heyme  f,  heymS  p. 

303.  anders  f,  fehlt  p. 

308.  lügend  aus  lügenden  p. 

314.  eyner  f,  ewer  p. 

315.  er  f,  einer  p. 

316.  Vnd  m.  f,  Vnmafle  p.  geligl  f. 


waz  sal  einer  mudez  riche 
315  ob  er  gerechtikeit  nit  pAigt 

unef  maße  an  im  auch  nit  gesigt, 
die  werde  tugend  gecrönet, 
so  ist  sin  riten  gehönet 
stetikeit,  die  tugent, 

320  die  solt  er  triben  von  kindes 

jugent, 

auch  warhafft  und  getrewe  sin, 
hercze  liebe  frawe  myn. 
schäm  ist  ein  tugent  fAr  alle 

ding, 

zu  allen  eren  ein  nrspring. 

325  bescheidenbeit  die  solt  er  haben, 
wil  er  uff  wirde  ban  traben, 
und  milte  sin  in  mancher  wise 
und  nit  alleine  uff  gebens  prise, 
milte  sin  libes  und  mutes 
330  und  nach  mAgend  sines  gutes, 
auch  wart  zum  wappen  nye 

richer  hört 

dann  mynne;  wer  der  bekort 
in  irem  reinen  wesen, 
der  ist  aller  Untugend  genesen. 
(i26'']wo  mynne  ist  on  conterfeit, 

336  da  ist  frewde  on  herczeleit, 
sAße  on  aller  snm, 
trost  on  allez  trum. 
dir  wisset,  fraw  ver Manheit: 

340  mir  ist  durch  ewern  willen  leit 
daz  Mynne  ist  sich  und  also 

krank.* 

do  sprach  sie:  ‘dez  hab  ymmer 

dank, 

du  vil  lieber  geselle!’ 

321.  gelrene  f(jb),  gelrewen  p. 

329.  Tfi  gules  mates  f. 

333.  wesen  aus  wasen  p. 

336.  h'czelil  p. 

337.  alles  f,  alle  p. 

339.  Difi  wissen!  f,  Dise  wise  p.  fraw 
T’manheil  (=  wron  m.)  pf,  fraw  fraw  m.  b. 


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8.  Die  sehn  Schwestern. 


87 


Ich  sprach:  'nu  sagt  mir  snelle, 
345  war  umb  schicket  ir  nit  dsus, 
die  nä  ritent,  daz  sie  baz 
die  vorgenanten  tugent  rieh 
triben  ser  und  flißiglich, 
alz  man  hie  vor  jaren  pflag?’ 

350  sie  sprach:  4ch  sag  dir  wie  daz 

lag 

hye  vor  vor  manigen  jaren, 
da  lebendig  myn  swester  waren, 
wanne  wir  fryschen  einen  man 
and  wir  daz  sahen  wol  ym  an 
355  daz  er  zum  wappen  hatt  gir, 
so  santen  sie  alle  boten  mir 
[x27'-]imd  ließen  mich  ez  wißen, 
so  was  ich  dran  geflißen 
und  schaff  ein  groz  pariament 
360  and  verhaoffet  den  covent 
miner  werden  swester  her, 
dar  zu  tart  mich  kein  zer; 
und  praht  sie  dann  in  daz  palas, 
da  unser  gesprech  dicke  waz. 

365  wann  wir  dann  solten  rüsten 
dün  manheit  wolt  lüsten, 
den  verboten  wir  alle  dar 
und  sprachen  zu  im  alle  gar: 
^‘wiltu  werden  ein  ritter  her, 

370  so  prüfe  unser  aller  1er 

und  schrip  die  in  dins  herczen 

buch. 

nit  la  dir  sin:  ich  enruch 
ob  ich  der  lere  vergeßen.  * 
wir  wüllen  dir  dar  messen 
375  weder  zu  kurcz  noch  zu  lang, 
mäht  du  ez  gelem,  so  hab  dang 
in  allen  künigrichen.’' 


“wilt  du  menlich  strichen 
[157»]  zu  ritterlicher  abentüre, 

380  so  wil  ich  geben  dir  zu  stüre”, 
sprach  myn  swester  hochgemeit, 
“daz  du  habst  gerechtikeit, 
dann  mir  die  meiste  menig  gi^ 
daz  man  one  mich  hab  tagend 

nit. 

385  gerechtikeit  n;^ant  trüget, 
sy  enstyelt  noch  enlüget, 
valschez  urteil  ist  ir  leit, 
sy  geswör  nie  meynen  eit. 
böses  gut  ist  ir  ein  pin, 

390  si  ennymt  auch  nymant  daz  sin, 
si  gan  auch  aller  der  werlt  wol 
daz  sie  mit  em  leben  sol. 
gelükhafften  nydet  sie  nit, 

Got  zu  dienen  ir  sit  plit.” 

395  wann  Gerechtikeit  diz  gesprach, 
Mazze  man  dar  treten  sach 
zu  dem  jüngen  ritter: 

“wilt  du  versten  myn  litter”, 
sprach  fraw  Mazze,  “ich  schriben 

dir 

400  war  nach  gestellet  ist  myn  gir, 
[i58'-]wy  ein  ritter  die  manheit  übe 
daz  er  mich,  Maße,  iht  betrübe, 
wann  ich  bin  der  naturen, 
min  hercze  daz  muß  truren 
405  wer  mazze  nit  an  aller  stat 
ich  bin  aller  tugpend  gat, 
ich  scheid  mich  von  keiner  tat. 
maße  teil  gar  witen  hat: 
waz  tete  uff  erden  mag  gesin, 

410  wil  man  nit  maße  dar  en  plin, 
so  sint  die  werke  alle  lasterbere 


354.  vor  wir  gestrichen:  d  p. 

379.  litteDÜcher  f,  ri 

356.  So  so  p. 

aus  abent&ren  p. 

363.  sy  f,  fehU  p. 

383.  gicht  b,  gibt  p. 

368.  ym  f,  in  p. 

408.  ir  teyl  f,  die  p. 

409.  geschin  f. 

abent&re 


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88 


8.  Die  eehn  Schutettem. 


und  mir,  Maße,  gar  nnmere. 
diz  müwet  licht  Manheit, 
und,  daz  ich  ez  spriche,  daz  ist 

ir  leit 

415  doch,  ritter,  halt  an  Maße  dich, 
nit  baß  kan  gewisen  ich. 
daz  sint  myn  rete.” 
dar  nach  sprach  die  Stete: 

“sag,  liebe  swester  hochgebom, 
420  sal  diser  man  vil  uzerkom 
werden  und  manhafft  wesen, 
so  sal  er  stetikeit  an  sich  lesen. 
[i^S’jwil  er  stete  borden, 

er  Wirt  ein  plüm  in  ritters  orden. 
425  sin  lop  Wirt  rieh  gegrenet 
ob  er  sich  stete  senet.” 

“ein  wolgesnyten  ritters  kleit 
gib  ich  dir”,  sprach  Warheit^ 
“daz  si  din  plate,  schilt  und 

schoß. 

430  min  st&re  zu  ritterschaffte  ist 

g^oz. 

warheit  ist  ein  dürrer  schacz, 
du  salt  behalten  von  mir  den 

sacz 

daz  du  iht  kumest  in  lügen  reme. 
so  Wirt  din  riten  gar  geneme. 

435  an  wem  man  worheit  nit  en  vint, 
dez  manheit  ist  zür  not  ein 

wint” 

zu  haut  dar  nach  do  daz  ge- 

schach, 

Trüwe,  myn  swester,  auch  do 

sprach : 

“wült  ir  dem  ritter  helffen  vort, 
440  so  muz  ich  sagen  ym  ein  wort, 
daz  er  nit  rit  on  mynen  solt. 


min  gäbe  ist  beßer  dann  golt.” 
si  sprach:  “edel  ritter  jüng, 
wilt  du  enpfengen  der  eren  füng 
[i29'’]mit  manhafftem  riten, 

446  so  biz  zu  allen  ziten 

getrüwe  und  haße  nntmwe! 
so  Wirt  din  lop  gar  nüwe 
gepüret  in  der  eren  esse, 

450  alz  der  plüend  zwig  von  Jesse, 
und  schick  daz  ich  ez  an  dir 

spür.” 

nach  dem  wort  trat  her  für 
Scham  in  süßer  klngheit; 
si  sprach:  “ritter  so  gemeit, 

455  hast  du  zu  ritterschefft«  gir, 
so  schöme  dich  und  volge  mir. 
waz  da  ist  lasterbere, 
daz  schüh,  so  wirdest  du  mere 
allen  biderben  lüten. 

460  schäm  kan  wol  ruten 

uz  der  naturen  allen  bresten. 
wen  untngent  wil  begesten, 
die  kan  ich,  Scham,  vertilgen, 
min  lop  plüwet  alz  lilien. 

465  auch  hüt  dich  worte  lesterlich 
und  scheme  auch  zu  sweren  dich. 
[129*]  ich  gib  dir  dez  ein  underscheit, 
on  mich  tawg  nit  die  manheit” 
diese  wise  lere 

470  prüffet  Bescheidenheit  vil  sere; 
si  sprach  auch  dar  zu  iren 
*  Spruch : 

“ritter,  wilt  du  leren  noch, 
ich  lere  dich  mine  regelt 
nit  küm  mit  dem  flegel!, 

475  alz  man  daz  Sprichwort  spricht 
bescheidenheit  die  pricht 


416.  nach  kan  gestrichen:  ich  p.  454.  so]  vil  f. 

417.  sie  sint  p.  457.  da  aus  daz  p. 

436.  wint  /",  lint  p.  462.  vor  Tntngent  gestrichen :  yntrnwe  p. 

441.  meinS  f{h),  mynen  p. 


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8.  Die  zehn  Schwestern. 


89 


mangen  krieg  und  suren  müt. 
zu  allen  dingen  ist  sie  gut 
und  senfftet  und  gädet, 

480  vil  schaden  sie  behftdet. 
si  ist  auch  nymant  herte, 

Demfit  ist  ir  geferte, 

Gedult  ist  by  ir  gern, 
vil  über  ritter,  dae  lern, 

485  so  decket  dich  der  eren  dach, 
waz  man  von  manheit  ye  ge- 

sprach, 

daz  w&rde  gar  zu  nyde, 
ob  ich  mich  von  ir  schiede.” 

[I30r]  wann  dise  lere  gekündet  wart, 
490  Miltikeit,  m}m  swester  zart, 
trat  dar  vil  zühtikliche: 

“sag  mir,  mutes  riche”, 
sprach  sie,  “wilt  du  ritter  sin, 
so  sol  du  uff  den  Sachen  lin 
495  wie  du  miltikeit  pflegest, 
mit  milte  du  zu  eren  stegest. 
gut  halten  wider  ere 
krencket  ritterschafft  vil  sere. 
milt  bis  der  worte  din 
500  gein  riche,  gein  arme,  wie  sie  sin; 
teyl  din  gut  nach  diner  müge, 
gib  auch  dem  zu  geben  tüge! 
mUte  bedarff  wol  wysen  rat. 
wer  wislich  gibt,  der  ere  hat, 

505  düncket  mich  und  ist  auch  war. 
vergib  dich  nit,  daz  dine  jare 
in  kümerlicher  fnre  leben, 
wann  wer  nit  hat,  der  müz  stre¬ 
ben 

nmb  eins  andern  habe. 

510  da  von  kümet  er  eren  abe.” 

[130«’]  daz  waz  der  Milten  lere. 
zu  hant  mit  sneller  kere 


trat  myn  swester  Mynne  her  für; 
si  sprach:  “werder  ritter,  spür: 
515  wilt  du  die  wappen  triben, 
so  must  du  allen  wiben 
dienstlich  undertenig  sin, 
doch  müz  alle  din  selde  lin 
an  einer  die  dich  stüre 
520  zu  ritterschafft  gehüre. 

0  wol  dich,  seldeuhaffter  man, 
dem  werde«  wip  mit  liebe  gan 
daz  er  ir  diene  uff  mynne  solt! 
der  ist  richer  dann  daz  golt 
525  aller  diser  werlt  sin  were. 
ein  wiplich  wip  ahpere, 
die  sich  schänden  kan  entsnüren, 
ein  engel  sült  sie  rüren. 
kein  man  ist  sin  nit  wirdig 
530  daz  wiplich  hercze  girdig 
ist  nach  siner  mynne; 
ez  kost  billich  sin  sinne, 

[131  «■]  sin  lip,  sin  gut  und  waz  er  hat. 
wol  dem  man  dez  leben  stat 
585  an  eines  reinen  wibes  pflege, 
der  lebt  in  seiden  allewege, 
zu  ritterschafft  nye  bessers  wart 
dann  mynne  eins  reinen  wibes 

zart; 

die  aht  ich  alz  ein  götinne. 

540  nit  beßers  gutes  hat  mynne 

dann  liebez  wip,  den  hohen  hört, 
kein  man  kerne  nymmer  vort, 
entet  daz  mynnicliche  leben 
daz  wip  kan  lieben  mannen 

geben 

545  mit  irr  mynne  süßikeit. 
sie  hat  im  balde  hin  geleit 
swer  arbeit  und  sures  leben, 
er  sal  sich  alzemale  ergeben 


482.  getterte  /)  gefert  p. 
484.  das  f,  nü  p. 

487.  zu  nychtte  f. 


510.  nach  von  gestrichen:  von  p. 
522.  wcrdes  f,  werden  p. 

562.  sein  f,  f^üt  p. 


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90 


8.  Die  $An  B<htBetlem, 


mir,  Mynnen,  und  einem  wibe, 

550  so  Sülle  wir  sime  libe 
geben  hohe  wirdikeit 
im  sal  auch  durch  uns  beide  leit 
sin  aUez  daz  im  übel  stat. 
sus  kümet  er  uff  der  manheit 

grat. 

[131*]  waz  ein  man  sunder  mynne  tüt, 
556  dem  wert  kein  wil  der  m&t. 
darnmb,  jung  man,  fliBe  dich 
daz  du  mynnest  ernstlich 
mit  rehter  stetikeit; 

560  ez  lonet  wol  der  erbeit” 

wanne  diz  di  Mynne  gar  ge- 

sprach, 

den  ritter  man  do  keren  sach 
zu  mir  umb  volleist. 
an  mir  lag  ez  aller  meis^. 

565  so  sprach  ich  danne  dem  ritter 

zu: 

“min  swester  hant  geleret  nn 
dich  yil  genczlich  ir  leben, 
der  tugend  keine  du  salt  begeben, 
ich,  Manheit,  han  sie  alle  wert. 
570  wez  hercze  ritterscheffte  gert, 
den  zieret  wol  ir  lere. 
waz  hülffe  ob  du  stritest  sere, 
tümyerest  oder  stechest, 
ob  du  di  tugend  brechest 
575  die  myne  swester  leren  dich? 
volgest  du  in,  so  düncket  mich 
din  riten  werde  nücze. 
menlichen  müt  nnderstucze 
mit  den  vorgenanten  tügende 
580  und  rit  dann  nach  diner  mügende! 
ich  rat  uff  ritterlichen  müt: 
besorgen  lip  noch  daz  g^t, 


kint,  wip  oder  mage! 
nit  wir^  an  riten  trage, 

585  du  mäht  nit  riten  an  ein  zil. 
werde  ritterschafft  die  wil 
getriben  sin  biz  an  den  tot! 
rit  und  schühe  kein  not, 
so  bist  du  mir  ein  lieber  frünC' 
590  Ich  sprach:  ‘frawe,  ir  habt  ge- 

künt 

mir  vil  gar  ewer  liden. 
wie  sal  nü  geriden 
ein  man,  dez  bescheidet  mich, 
sit  der  tod  so  jemerlich 
595  euwer  swester  hat  erslan?’ 

‘daz  ist  auch  doch  daz  ich  klan’, 
sprach  Manheit  do  vil  kleglich, 
‘keynen  gehelffen  den  han  ich. 
[m<>]ich  lere  auch  nit  dann:  “rit  und 

rit!” 

600  waz  mir  gehelffen  mühte  Nit, 
sam  mir  Got,  daz  tet  si  gern, 
si  sprichet  dik:  “lern, 
jung  man,  nym  in  dinen  müt: 
waz  din  nachgebur  tnt 
605  mit  riten  und  mit  manheit, 
daz  laz  dir  inniclichen  leit 
daz  sin  lop  für  dich  brichet 
tfirnyert  er,  strit  er,  stichet, 
daz  nyd  und  nym  in  dinen  sin: 
610  ‘“er  gefürt  ez  nymmer  hin. 
sölt  sin  lop  für  mich  dringen, 
ich  liez  mich  ee  betwingen 
den  tod  vil  snelle  zu  grabe 
und  verzert  ee  alle  myn  habe.’”” 
615  sich,  alsus  hilffet  mir  Nit 
sy  ist  in  den  landen  wit 
gestrewet  in  menliches  müt 


558.  Hier  bricht  b  ab, 

564.  meist  f,  meiste  p. 

571.  vor  lere  geetrichen:  leben  p. 


582.  Besorge  f,  Gesorgen  p. 

584.  Wirt  f,  wirde  p. 

606.  nach  Daz  gestrichen:  dir  p. 


s 


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8.  Die  zehn  Sduoestem. 


91 


ich  nem  ir  helff  wol  für  gat. 
machet  sie  aber  ymant  daz  leben 

veyl, 

620  daz  mäz  ich  laßen  an  ein  heyl. 
[J33»-]sy  sal  herten  iren  site. 

durch  nyt  vil  vaste  wirt  gerite, 

*daz  weiz  ich  ane  zwyfel  war. 
ich  han  si  wert  ein  kleines  har 
625  het  ich  uff  sie  nit  gegeben 
da  myne  swester  künden  leben, 
sie  hett«  nit  tdrren  eugen  sich 
vor  den  kftniginnen  rieh. 

Sich,  n&  han  ich  dir  gesagt 
630  min  leit  und  waz  ich  hon  geclagt 
da  du  mich  fhnde  in  jamers 

clage. 

ein  rede  ich  dir  da  by  wol  sagen: 
sit  myn  swester  Mynne  ist  kräng, 
so  ist  ydes  mannes  gedang 
685  daz  er  mynne  hie  und  da. 

daz  machet  mich,  Manheit,  dik 

gra, 

wan  ez  dik  erzürnet  mich, 
wan  Mynne  machet  mfides  rieh 
minen  lieben  dienern; 

640  so  dünket  ez  mich  mit  gefem 
daz  sie  danne  wencket 
und  iren  mdt  verkrencket, 

[isa»]  si  enweiz  hewt  war  ümme, 
ir  sliht  fünde,  ir  krüme 
645  jaget  dann  die  widervart. 

daz  dünket  mich  ein  leben  hart 
daz  si  irriten  dar  nach  kerent. 
wie  sie  die  wip  lerent, 
darnach  müßen  si  riden, 

618.  nach  wol  geztrichen:  Vgnt  p. 

626.  konden  f,  knnde  p. 

62H.  betten  pjf. 

628.  koningynen  /)  küniginne  p. 

638.  rieh  f,  dich  p. 

639.  dynere  f. 

640.  gefere  f. 


650  wie  swer  ez  ist  zu  liden. 
etlich  wip  daz  ahtet  kleine; 
die  hat  den  mfit  mit  mir  gemeine, 
wann  ich  auch  dez  ahten  ni/it 
daz  eim  ritter  we  geschiht. 

655  fürschest  du  aber  mynen  sin, 
wie  ich  daz  mejmend  bin 
daz  mich  daz  d&ncket  nit  zu  gut? 
wie  ein  wip  ist  gemüt, 
darnach  keren  sich  die  man, 

660  nit  me  si  in  besorgen  kan. 
dez  we  mir,  we  der  leide ! 
si  sint  nit  alle  von  underscheide : 
die  doch  sint  wiplich  und  güt, 
der  hat  vil  kintlichen  m&t, 

[I34f]  daz  si  nit  künnent  geahten, 

666  mit  irem  sinne  betrahten 
daz  man  in  manheit  warff 
zu  tragend  wol  tusent  tugend 

darft’ 

die  frawe  sprach:  ‘diz  mfißen 

wir  lan, 

670  du  hörest  wol  daz  ich  nd  han 
von  wiben  keine  volleist’ 

Si  verswanjt  bLs  ein  geist. 
do  sprach  sie  zu  mir  ee  daz 

wort: 

‘rit  balde  und  kere  vort, 

675  und  waz  du  hörest  verkeren  mir, 
daz  entrede,  also  glaub  ich  dir. 
du  weist  den  lanff  allen  gar 
und  waz  mich  machet  freuden 

bar.’ 

sus  verfur  die  reine 
680  und  liez  mich  do  alleyne. 

644.  Tr  Bleichte  werde  ir  ein  crtlme  c. 

646.  mich  f,  fehlt  p. 

650.  es  f,  jfehlt  p. 

653.  nit  pf. 

655.  Yerstestn  f. 

659.  keret  sy  den  f. 

672.  Sye  v.  als  f  Da  t.  ab  p. 


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92 


9.  Der  enifiogene  Falke. 


V. 

Diser  sprach  ist  von  dem  valken. 


[13J  '■] 

Tnirigen  herczen  ungemach! 
die  mynne,  die  mir  manigei”  ach 
gefrumet  hot  an  mynen  dank, 
tet  mich  an  frewden  also  krank 
[J54>’]  daz  ich  den  sorgen  siges  jach. 

6  truren  alz  ein  sneller  hach 
yemitten  durch  myn  gedenke  floz 
und  tet  mich  aller  frewden  bloz. 
swaz  mir  uz  wibez  äugen  gruz 
10  erschein  ye  durch  sorgen  büz, 
dez  waz  ich  nit  gedenkig, 
ez  waz  mir  allez  wenkig 
waz  hoch  gemüte  solte  geben. 

SOS  in  unfrucht  swant  myn  leben. 
15  Do  ich  mit  sorgen  so  gerank 
daz  ez  min  sele  duht  zelank, 
do  wante  ich  mich  balde 
gegen  eime  gr&nen  walde, 
der  dort  vor  mynen  äugen  lag. 

20  trurens  ich  mich  do  bewag 
und  rante  durch  den  gr&nen  kle. 
min  hercze  dulte  ein  strenges  we 
und  auch  gar  ein  unsanfftez 

leben. 

do  sach  ich  zelten  gegen  mir 

eben 

25  ein  frawen,  von  der  ich  nfi  sage 
daz  ich  sit  joch  den  selben  tag 
[I35r]  so  mynnicliche  nye  gesacÄ, 
alz  ir  myn  hercze  do  verjach. 
do  ich  ir  also  nahe  quam 
30  daz  ir  äugen  mich  vemam, 
do  sach  ich  daz  sich  die  geerte 


gein  dem  walde  kerte. 
daz  tet  mich  frewden  sch&hen, 
ich  vorhte  daz  sie  fl&hen 
35  mich  w&lte  wider  in  den  walt; 
dez  wart  min  sorge  manigfalt 
neyn,  sie  bleib  verhalten, 
ich  prufft  sie  leides  walten, 
alz  ich  auch  sit  enpfant, 

40  do  mir  ir  kumer  wart  bekant 
do  mich  die  hohe  geert  ersach, 
dy  süße  mir  mit  zuhten  sprach 
ir  mynniclichen  werden  grfiz. 
mir  maste  unkunst  werden  bfiz 
45  s&lt  ich  üch  von  irr  schöne 

sagen, 

snst  müst  ich  an  ir  lop  verzagen, 
wart  ir  myn  dank  do  niht  ver¬ 
ewigen? 

nein  zwar,  hercze,  synne  nygen 
[135»]  der  süßen  mit  begirde. 

50  eya  waz  wiplicher  wirde 
an  der  gehüm,  sAßen  lag! 
in  synnen  sie  myn  hercze  wag 
wol  zu  der  höhsten  krön 
und  zu  dem  hymels  tron 
55  wol  an  sin  gebl&mpten  schar, 
wie  so  h&bsch  und  so  dar 
waz  allez  daz  ich  an  ir  koz. 
wart  wip  uff  erden  y  wandeis 

bloz, 

dez  m&z  ich  sie  bezihen, 

60  daz  an  ir  konde  gedihen 
zu  w&nsche  waz  wiplich  hiez. 


Überschrift:  nach  Diser  gestrichen:  ist.  82.  Sich  gern. 

2.  manigS.  46.  an  lop  ir. 

27.  gesache.  56.  We. 


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9.  Der  etUfiogene  Falke. 


93 


Unlang  sie  mich  halten  liez. 
eya,  sie  mir  ir  nngeferte  seit: 
‘geselle  myn,  mir  ist  leit 
65  von  ungelAke  widervam. 

diz  mag  ich  dir  nit  lenger  spam, 
ich  mäz  dir  myn  nngeverte  sagen 
und  auch  myn  ungeKike  klagen, 
ich  bin  zu  seiden  nit  gebom, 

70  ich  hon  myner  freude  spil  ver- 

lorn, 

inins  herczen  kürczwile, 

und  mit  sneller  yle 

dem  nach  gerant  her  in  den 

wald- 

durch  myn  Verlust  wart  ich  so 

halt 

75  daz  ich  ym  rante  alleine  nach, 
ey,  wie  ein  schedlicher  schach 
den  freuden  myn  gesprochen  ist! 
zwar,  yn  büßet  nymmer  list 
die  wil  myn  leben  turet, 

80  wil  ich  sin  die  truret. 

geselle  myn,  mir  ist  enpflogen 
ein  valk,  den  ich  het  erzogen, 
daz  ich  für  die  warheit  sprechen 

wil 

daz  wip  noch  man  ny  veder  spil 
85  so  gar  mit  allem  zart  erzoh. 
ez  sücht  mich  nd  daz  mich  floh, 
wenn  ich  mynen  edeln  valken 

sach, 

so  swant  mir  allez  myn  un- 

gemach, 

ja  het  ich  aller  wflnne  hört. 

90  nfl  vah  ich  leyder  an  die  vari 
da  man  die  freuden  sichen  zeit 
ich  bin  dem  ungel&ke  erwelt 
[136*]  in  diser  klagenden  reyse. 


wo  sal  ich  frewden  weyse 
95  nfl  kürczwile  suchen? 
ich  mäz  der  stunde  fluchen 
die  mir  den  schaden  hat  erholt 
da  von  myn  hercze  unsanffte  dolt 
für  die  warheit  ich  daz  sprechen 

wil: 

100  sit  ich  die  ersten  kindes  spil, 
dy  tocken  und  den  bal  verlie, 
daz  mir  mit  kürczwile  nye 
so  sanfft  wart  me  by  mynen 

tagen. 

ja  kan  ich  nymmer  vollen  klagen 
105  min  liebez,  trutes  vederspil. 
min  sorge  nympt  nymmer  zil, 
sol  ich  yn  so  verlorn  han. 
er  waz  so  schön,  so  wolgetan, 
uz  einer  so  edeln  zuht  braht 
110  daz  sin  Verlust  mit  jamer  gabt 
so  tyeff  in  mjmes  herczen  grünt! 
wart  mir  ye  kürczwile  künt, 
daz  hat  sich  gar  verkeret; 
ich  byn  nü  leit  geleret 
[I37r]  eya  daz  er  ye  myn  eygen  wart, 
116  sit  mir  sin  fluhtliche  vart 
mit  leide  also  zu  herczen  gat! 
geselle  myn,  nä  gib  mir  rat: 
waz  griff  ich  an  daz  darzu  tüge 
120  daz  mir  myn  leit  benemen 

müge? 

und  ez  myn  synne  zu  rehte 

spehen, 

so  müste  ich  üch  von  schulden 

jhehen, 

und  düht  mich  niht  an  truwen 

krank. 

ungelücke  und  truriclicher  swank 
125  mit  mir  ranten  in  den  walt.’ 


86.  erzoht. 

86.  l.  socht^  daz  =  daz  ez.  vor  floh 
zioei  Buchstaben  gestrichen. 


90.  wort 

112.  mir  aus  mirt. 
125.  taten. 


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94 


9.  Der  entflogene  Falke. 


Von  irem  jamer  wart  ich  so 

halt, 

der  süßen  ich  m3ni  trösten 

sprach : 

‘frawe,  duldet  ir  nngemach, 
daz  ist  von  kleinen  schulden; 

130  daz  laut  von  üwem  hulden 
mich  nü  vertriben. 
ir  mügt  noch  fro  beliben, 
swy  joch  der  valke  si  verlom. 
ez  ist  mir  sicher  an  ewch  zom, 
135  ob  er  nü  gar  verlorn  ist, 

so  könnet  ir  doch  denselben  list, 
f/57*l  daz  lat  an  ewch  werden  schin. 
ir  sölt  nit  lange  an  valken  sin. 
ist  ewch  der  valk  nü  enpflogen 
140  den  ir  selber  habt  gezogen, 
bereitet  und  geleret, 
di  knnst  von  ewch  verkeret 
w«rd  an  ein  rotes  vederspil, 
dez  ich  ewch  hür  beraten  wil.’ 

145  si  sprach:  ‘ne3m,  trutgeselle  myn, 
Got  dank  dir,  daz  sal  nit  sin. 
da  wil  ich  fürbaz  wesen  von 
daz  nymmer  me  keins  valken 

won 

in  myner  pflicht  werde  gesehen, 
150  daz  laz  ich  nymmer  me  be- 

schehen, 

sit  mir  myn  liebster  ist  enpflogen, 
den  ich  so  zertlich  hon  erzogen, 
ez  heißet  wol  geungebildet 
daz  sich  der  mir  entwildet 
155  hot  den  ich  so  zertlich  zoch, 
sit  daz  er  uz  der  schaln  kroch; 
und  waz  er  valken  site  kan, 
die  lerte  ich  yn  sich  nemen  an.* 


[138»-] ich  sprach:  ‘vil  reine  frawe  zart, 
160  nn  haltent  wiplich  art 

und  lerent  auch  mit  zühten  ela- 

gen. 

ir  sült  so  balde  nit  verzagen, 
vil  liht  ob  er  noch  fnnden  wirt? 
durch  üch  myn  Wille  nit  verbirt, 
165  ob  ir  sin  wüllt  gemchen, 
den  valken  rit  ich  suchen 
hin  in  den  walt,  so  ich  best  kan.’ 

Si  sprach:  *nein,  getrüwer  man, 
daz  geb  mir  sünderlich  ein  leit 
170  verlörest  du  din  arbeit, 

und  wer  mir  durch  din  tröwe 

zom, 

wanne  sicherlich,  er  ist  verlom. 
ich  prüfe  daz  besnnder 
an  mir,  daz  ist  ein  wunder. 

175  un  sinnen  jener  heißen  mnz, 
und  wörd  mir  allez  leidez  buz. 
ich  sag  dir  wol  und  ist  auch  war: 
ich  hon  den  valken  manig  jar 
erzogen,  daz  ich  nye  enpfant 
180  daz  billich  an  ym  wörd  gewant 
[i38  *1  Untat,  nntugent,  alle  unart; 
ich  hett  yn  allez  dez  bewart 
daz  man  an  vederspil  verkert; 
ich  hett  yn  ördenlich  gelert 
185  daz  er  daz  luder  gern  nam. 
er  wart  auch  sit  ny  u^tderzam 
daz  ich  yn  dez  ersten  bereit, 
daz  mich  snnder  zu  wunder  leit 
wie  ez  ymmer  möht  geschehen, 

190  wan  ich  hab  anders  nit  gesehen 
von  ym  dann  snellen,  gyrigen 

stoz, 

wenn  ich  ym  für  daz  luder  schoz. 


129.  vor  üt  gettricken:  lan.  schöldet 
143.  War  dann. 

156.  d*  schaln  aus  daz  er. 

162.  nit  fehlt. 


175.  In  sinnen. 

186.  vnderzam. 

187.  Daz  K,  fehlt  p. 


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9.  Der  etUflogette  Falke. 


95 


daz  hat  er  hAt  geschähet, 
der  mich  so  töblich  flühet! 

195  ich  het  ein  wil  gedingen 
mir  s&lt  noch  baz  gelingen, 
do  ich  ym  für  daz  luder  schoz, 
do  wond  ich  aber  daz  er  den  stoz 
nicht  lenger  sült  meyden. 

200  do  kond  ich  wider  reyden. 
do  er  mir  also  nahe  quam 
daz  er  myn  schryen  wol  vemam, 
[139»-]  do  kert  er  mir  den  rücken, 
mit  sneller  flüge  dücken 
205  sach  ich  in  die  lüfften  hoch 
fligen  ser  und  daz  er  zoch 
hin  über  jenen  walt  hinweg, 
er  waz  der  fluht  also  kek 
daz  ich  alle  myn  synne  wen 
210  daz  ich  mich  dar  nach  ymmer 

sen 

daz  mir  die  selde  icht  me  be- 

schehe 

daz  ich  yn  ymmer  me  gesehe 
den  liht  in  wilder  wise. 
ich  wil  dem  dürren  ryse 
215  tun  nach  der  türteltuben  art 
enpfelhen  mich,  di  daz  bewart 
daz  sich  ir  rüe  dez  verwigt 
daz  si  nach  irr  verlüste  pfligt 
ir  rüe  uff  dürren  esten. 

220  ich  kan  mich  freuden  gesten 
und  sorge,  die  mich  nit  yerbirt. 
ich  weiz,  wo  er  gevangen  wirt, 
do  Wirt  sin  nit  so  wol  gepflogen 
alz  ich  sin  pflag  uff  allen  wegen. 
[139*]  daz  git  mir  sünderlich  ein  leit 
226  von  myner  wolbescheidenheit, 
die  ir  an  miner  tröwe  speht 


ez  waß  allz  sin  gevider  sieht, 
an  keyner  stat  gestrübet. 

230  ich  het  yn  auch  gehübet 
und  beschuhet  also  weydenlich 
daz  er  wol  erkant  daz  ich 
in  hete  in  allen  sinnen  holt, 
nn  fürt  er  hin  daz  rode  golt 
235  und  auch  di  glanczen  schellen, 
do  ich  die  hört  hellen,, 
die  düngen  in  mynes  herczen 

grünt, 

do  wart  mir  alle  myn  frend  en- 

zünt. 

sol  ich  yn  nü  verlom  hon, 

240  so  wil  ich  frewden  wesen  an. 
er  lebe  auch  alz  ez  ym  ergee, 
doch  weiz  ich  daz  sin  nymmer 

me 

gepflogen  wirt  alz  ich  sin  pflag. 
min  fliz  an  ym  zu  male  lag. 

245  sit  mich  daz  nit  geholffen  hat, 
so  kan  dez  nymmer  werden  rat, 
[140»-]  ich  müz  in  leide  swinden.’ 

Sie  ving  an  hende  winden 
und  want  sich  von  mir  hindan. 
250  sie  sach  mich  tmriclichen  an, 
mangen  seoffczen  sie  do  lie, 
der  uz  irs  herczen  gründe  gie. 
sie  sprach  mir  tmriclichen  zu: 
‘geselle,  mjnien  willen  tü, 

255  rit  heim,  din  süchen  daz  la  varn, 
so  wil  ich  riten  auch  myn  schäm 
hin  zu  der  freudenlosen  diet, 
die  sich  nit  wann  leides  niet. 
wann  wiß:  din  süchen  hat  nit 

frnmen. 

260  die  zame  ist  ym  nü  benumen, 


200.  ich  p,  er  i2. 
209.  wene. 

216.  di  sich  dez. 


249.  hinden. 

266.  l.  auch  nit  spam  ? 


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96 


9.  Der  entflogene  Fdüce. 


daz  er  die  l&te  scbüliet 

und  allez  loken  flühe^/ 

ich  sprach:  ‘frawe  myn,  daz  ist 

mir  leit. 

ich  liez  durch  kein  arbeit.’ 

265  si  sprach:  ‘nein,  trutgeselle  myn, 
la  sin,  la  sin,  ker  wider  hin. 

Got  müz  dich  in  hät  han!’ 
sus  schied  die  werde  von  mir 

dan. 

[140']  ich  hielt  ein  wile  und  sah  ir 

nach, 

270  ir  waz  zu  der  widerferte  gach. 
sie  furt  leides  mit  ir  vil. 


Wer  myner  1er  volgen  wil, 
der  sage  den  reinen  wiben  dank, 
wanne  ich  zele  alle  trAwe  krank 
275  gegen  reiner,  werder  wibez 

trüwe. 

auch  wil  ichs  sprechen  ane  ruwe: 
ich  wen  daz  trftwe  nyndert  sie 
wont  sie  nit  guten  wiben  by; 
diz  ist  mir  von  yn  worden  kdnt 
280  nu  wünschet  daz  ein  selig  fünt 
ir  kürczlichen  wider  ge, 
der  sie  nit  laß  truren  me. 
dez  günde  ich  ir,  uff  mynen  eyt, 
als  myner  selbs  selikeit 


10. 

Das  Minneturnier. 


[SS»-]  Ich  thummer  such  der  hoffwyß 

drytt 

und  wer  im  schympf  und  ernst 

gern  mitt, 

wie  wennig  ich  der  sytten  kan; 
dienstlicher  man  sol  undertan 
5  sym  obem  altzyt  wesen, 
dar  in  laßt  mich  genesen, 
es  ist  nit  das  ich  wen, 
ich  hauwe  vil  grober  spen; 
so  ich  bruch  allen  flysß, 

10  gar  wennig  ich  umb  rysß 
im  zyrckel  Gottes  wunder, 
der  ich  deheynes  besünder 
nymmer  mer  hergrund. 


und  ob  ich  eynnig  kund 
15  was  alle  menschen  künden, 
noch  mocht  ich  nit  hei^nnden 
des  vantasy  mich  reytzt 
hie  mit  sy  ab  geschneytzt 
mynr  kmmmen  est  uß  flechten. 
20  ich  bin  verfaßt  dem  rechten, 
das  alle  nndatt  strafft 
gar  dick  myn  lyb  entschlafft 
und  übt  natürlich  rüge, 
so  fug  und  auch  nnfüge. 

25  mir  wircken  seltzum  treym 
gemelt,  und  nit  geheym, 
mir  die  zn  halten  zympt, 

[88»]  durch  was  man  gutts  vernympt. 


262.  fl&hen.  276.  Doch. 

264.  liez  =  liez  ez. 

Zu  10. 

1.  V.  1  bis  4,  189  bis  196  und  833  bis  860  26.  nit]  auch. 

sind  vierhebig,  aUe  andern  Verse  dreihebig. 


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JO.  Das  Minntturnier. 


97 


nnbillich  man  das  birgtt. 

30  das  merckt:  ein  träum  der  wirgtt 
mich  reden  diß  gesprech. 
die  leng  ich  gern  ab  brech 
und  nem  an  mich  die  kfirtz; 
wie  ich  den  träum  besturtz, 

35  so  bricht  er  neben  uß. 

Wirt  ein  verlengen  dmß, 
dar  in  habt  kein  yerdriessen. 
mit  kurtzer  red  beschliessen 
mag  nieman  diß  geschiecht, 

40  wie  mich  der  träum  anyicht 
den  ich  uch  hie  entdeck, 
ich  bitt  mich  nieman  weck 
biß  ich  den  bring  zu  end. 
dem  anfang  ich  zu  lend. 

45  Mir  traumpt  eins  nachts  so  sQes 
als  ob  frauw  Myn  durch  grues 
mit  wachen  mich  begrueßt. 
min  schlaff  der  was  gesneßt 
zu  kurtzwyl  menger  hand, 

50  dar  in  ich  sichtig  vand 
wie  das  frauw  Abentür 
hett  diesen  meyen  hiir 
geschlagen  sich  zu  yeld 
unfer  by  eyn  geweld 
[89»-]  und  ein  gebierg  zu  thal, 

56  uß  dem  ein  wasser  schmal, 
doch  schiffrich,  groß  dett  fliessen, 
dar  ob  zu  sammen  stiessen 
gebierg,  geweld  und  anger. 

60  die  breyt,  wie  wytt  noch  langer, 
das  han  ich  nit  gemessen, 
der  anger  was  besessen 
mit  freudenricher  schar, 
zu  erst  do  ich  blickt  dar 
65  yor  liechter  son  uff  brehen, 
da  hett  der  thauw  mit  trehen 


blum,  laub  und  graß  benetzt, 
eyn  yds  sich  des  hergetzt 
des  sin  nattur  begert. 

70  in  dem  ward  ich  herfert 
durch  yil  der  yogel  stim, 
die  tratzlich  süeßer  grim 
uff  schrien  gein  dem  himmel, 
ee  das  des  tages  wimmel 
75  die  morgen  rot  yerzuckt. 
es  lag  auch  noch  geschmückt 
sueß  lieb  in  beides  arm. 
die  morgen  wind,  senfft,  warm 
herzeygten  sich  dem  tag. 

80  ‘Nun  me  ich  sehen  mag’, 
dacht  ich  in  mym  gemüett, 
[SS«-] ‘was  doch  des  meyen  güett 
mit  wftnder  hie  bescheyn.’ 
her  und  dar  alleyn 
85  spatzirt  ich  ungeirtt; 
in  dem  myr  sichtig  wirtt 
eyn  gebierg,  sam  wers  gemeld, 
dar  in  der  wunder  seid 
mengfaltig  was  behußt, 

90  yil  stett  und  schloß  yerklußt, 
für  alls  benotten  yest; 

US  dem  yil  werder  gest 
frauw  Abentur  zu  zogen, 
ich  wand  des  sin  betrogen 
95  durch  yttel  zauber  list. 
das  wunder  das  hie  ist, 
dem  wißt  ich  gern  sin  end. 
ich  dratt  mynr  drytt  behend 
biß  ich  yand  eynen  grysen; 

100  den  batt  ich  gütlich  wysen 
mich  diß  yerwundem  wild 
und  wer  uff  dem  gefild 
die  groß  yersammelung  wer. 
er  sprach  zu  myr:  ‘dritt  her, 
105  hie  by  uns  in  dem  berg 


54.  eyn  radiert  aus  eym.  72.  l.  süeßes  grimmen  (:  stimmen)? 

Deuitobe  Taste  daa  Ifittalaltan.  XXIV.  "J 


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98 


JO.  Daa  Minneturnier. 


da  wont  ein  kleyn  gezv  erg, 
der  dich  des  grundes  bericht 
was  wirckung  hie  beschicht. 
|»0'-]die  hat  sin  eynnyg  haut 
110  in  silier  stein  want 

gemalt  und  uff  geschriben. 
all  ordenung  wirt  getriben 
wie  er  die  hat  gesetzt; 
sin  list  dich  nach  hergetzt 
115  und  Wirt  dir  selsam  sin.’ 

ich  sprach:  ‘ach,  frunt  der  Myn, 
so  w.vßt  mich  zu  im  dar!’ 
er  sagt  zu  myr:  ‘nym  war, 
doii.  siestu  groß  ein  thor, 

120  da  finstu  hangen  vor 
zu  yder  syt  ein  schilt. 

Venus,  die  göttin  milt, 
den  ein  hatt  uff  geschlagen; 
den  andern  an  verzagen 
125  frauw  Abentür  mitt  krafft, 
die  diß  versammelung  schafft, 
hat  drostlich  dar  gehangen, 
was  yden  dutt  gelangen 
zu  ritterlicher  just, 

130  des  fint  er  allen  lust. 
dar  by  nym  eben  gaum: 
vil  schilt  an  eynem  bäum 
sind  by  den  schilt  gehencktt. 
wie  im  der  man  gedencktt 
135  zu  tryben  ritter  spiell 
l-W'-Jund  er  das  tryben  will,, 
ein  schilt  er  dar  von  fintt. 
des  zeychen  im  begintt 
wes  er  sich  halten  soll.’ 

140  ‘myn  frunt,  ich  merck  uch  woll’, 
sagt  ich  hin  zu  dem  alten, 

‘glück  myns  gangs  muß  walten, 
das  mich  der  zwerg  in  laß.’ 
er  sprach:  ‘er  ist  der  maß 
145  das  er  dich  gütlich  heltt 


und  sich  zu  dir  geseltt, 
auch  gütlich  underw'yßt. 
all  gest  hand  in  gebryßt.’ 

Des  abscheyds  ging  ich  hin. 

150  der  zwerg  der  ließ  mich  in 
mit  züchten  menger  frag, 
ich  was  mynr  antwort  trag, 
den  er  was  myr  zu  kläg. 
er  redt:  ‘gesel,  mit  fug 
155  laß  uns  zu  sammen  sitzen.’ 
sinrich,  spitz  mit  witzen 
was  all  sin  red  gethan. 

‘bistu  ein  edel  man, 

syt  michs  bedunckt,  das  sag!’ 

160  ich  antwort  im  den  tag 
mit  so  getannen  fluchten 
und  mit  den  besten  züchten 
die  ich  herdencken  künd, 
so  das  im  nit  myn  münd 
[•‘^^''Imin  namen  dett  bekand, 

166  auch  nit  von  wellem  land 
ich  kommen  was  biß  dar. 

‘wie  ich  vil  land  herfar’, 
sagt  ich,  ‘das  ist  myn  ger, 

170  des  bin  ich  kommen  her 
zu  dieser  fremden  schanw.’ 
er  sprach:  ‘hie  lytt  myn  frauw. 
frauw  Abentur,  mit  macht, 
die  hatts  also  betracht 
175  das  sie  des  meyen  zyt 

wil  haben  kempff  und  stryt, 
turnnyren,  rennen,  stechen, 
schilt,  heim  und  spieß  zurbrechen, 
jagen,  beyssen,  schiessen. 

180  wes  yder  mag  gemessen, 
des  flnt  er  feylen  kauff. 
dem  laß  ich  sinen  lauff 
und  sag  dir  von  der  sach; 
diß  ordenung,  die  ich  mach, 

185  die  ist  also  gethan: 


185.  also  so. 


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10.  Das  Minnetumier. 


99 


wer  ernst  und  schympf  wel  han, 
der  fint  by  myr  bescheydt, 
und  ist  so  an  geleydt: 
den  ersten  schilt  hat  Venus 
190  für  myn  thor  gehangen  sus: 

wer  pflegen  wol  gerechter  mynn, 
[Ol  «>]  das  er  der  sueßen  konigynn 
gehorsam  sy  und  irm  gebott. 
der  ander  schilt  zeygt  an  die  rott 
195  die  hie  myn  frauw  versammelt 

hat. 

‘frauw  Aventür’  geschriben  stat 
hoch  an  des  schiltes  ortt, 
dar  nach  von  wort  zu  wortt 
was  ir  brieffeleye  sy, 

200  dem  nach  auch  dar  by 
wie  sie  thut  fried  gebietten. 
wer  sich  wil  arbeyt  nyetten 
nach  ritterlichem  pryß, 
der  hütt  vnd  sy  des  wyß 
205  das  er  kein  Unzucht  bruch; 
er  nympt  vil  bdsem  struch 
denn  ye  gedett  her  Key. 
min  frauw  wil  das  der  mey, 
den  Gott  so  hatt  gebluembtt, 

210  von  ir  werd  auch  geruembtt 
uff  aller  cristen  ter, 
syt  uß  den  landen  fer 
Wirt  vU  versammelung  hie. 
ir  gnad  fnrwar  ist  die 
215  die  menger  wunder  wyltt. 
die  dritten  meng  der  schyltt, 
des  baums  gehengt  on  zal, 
da  fint  ein  yeder  wal 
was  er  gern  aventurtt. 

[9-2»-]ist  er  zum  ernst  gestürtt 
221  und  klopfft  an  schilt  den  hohsten, 
so  kom  ich  und  vertrösten 
eins  kempff  genossen  sin. 
wes  me3rnung  dan  erschin 


225  zu  rennen  mit  den  spiessen, 
der  mag  on  myn  verdriessen 
klopffen  an  schilt  den  andern, 
er  darff  nit  wytter  wandern, 
er  flysß  sich  und  sy  klug; 

230  ich  send  im  zu  siu  fug. 
also  getts  für  und  für. 
was  yder  wel  und  kur, 
so  er  ein  schilt  an  klopfft, 
so  komm  ich  zwerg  gehopfft 
235  und  schick  im  zu  sin  man, 
der  ritterlichen  kan 
des  wercks  des  er  begertt. 
und  wen  dan  sich  verrertt 
der  Schild  beduttung  ‘hurttir!’, 
240  so  vacht  dan  an  ein  thurnnyr 
und  gesellen  stechen  darnach, 
wem  sy  zu  dencken  gach, 
der  arbeytt  und  sy  vest. 
by  diesem  ettlich  gest 
245  mögen  schiessen,  beyssen,  jagen; 

wer  dan  sin  sund  wil  klagen, 

[92 »]  der  fint  auch  Gotts  gezirde. 
gantz  aller  lust  begirde 
wirtt  lutzel  hie  vergessen. 

2.50  gesel,  wir  sind  gesessen 
ob  diesem  ding  zu  lang, 
woluff  mit  myr,  und  gang 
zu  hochgebomen  kinden, 
da  machtu  furbas  finden 
255  das  wesen  das  hie  ist.’ 

Ich  sprach  zu  im  der  frist 
mit  dancken  und  mit  nyegen: 
‘min  knuw  das  sol  sich  byegen 
uch,  frunt,  zu  dienst  alzytt.’ 

260  er  sagt:  ‘sieh  uff,  hie  lytt 
der  suessen  Mynn  frauw  I 
ir  paflyon  an  schauw, 
dar  uff  Amor,  das  kind, 
dar  by  ir  ingesind 


212.  lande  mit  Rasur  am  Schluß.  237.  Attraktion  des  Demonstrativums. 

1* 


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100 


10,  7Ms  Minnetnmier, 


‘26r»  mit  einer  meng  groÜ. 
frauw  Aventtür  nit  bloß 
lytt  zu  der  andern  sytten, 
dar  macht  du  gen  und  rytten 
biß  dir  werd  gar  besichtig 
270  und  gentzlich  wol  berichtig 
gantz  aller  dieser  handel. 

mit  Urlaub  furbas  wandel. 

0 

gesel,  zu  gutem  heyl. 
ich  muß  zu  mynem  teyl 
hie  wartten  mynr  gescheft't. 

276  ee  mich  zu  hoff  verklefft 
der  schwatzlüt  gifftig  zung; 
der  alt  und  auch  der  jung 
sind  klein  dar  für  gefrytt.’ 

280  ‘ich  bit  uch,  fruntt,  nun  bytt’, 
sprach  ich,  ‘und  hortt  ein  klein, 
sol  ich  nun  fnrbas  eyn 
hie  wandern  unbekant, 
des  sorg  ich  sin  geschant. 

285  vil  ludt  zu  hoff  sint  nydig; 
des  wirt  der  gut  verstossen  dig, 
der  arg  hien  zu  gelassen.’ 

Der  wil  kumpt  nß  der  massen 
ein  recht  geschickter  man. 

290  der  zwerg  der  sprach  in  an, 
gar  gütlich  er  in  batt 
und  sprach  der  selben  statt; 
‘gesell  und  frunt  der  Myn, 
lasß  dir  bevollen  sin 
295  den  fremden  gast  by  myr. 
usß  ferrem  land  sin  gyr 
hatt  in  getragen  her 
zu  freyschen  dieser  mer, 
die  hie  herwachßen  will. 

300  nym  hien  und  für  in  still 
zn  seltzammer  presentt 
dinr  kongin  hoch  benentt, 
der  dn  durhutter  bist 
ir  gnad  sich  kluger  list 


.305  Wirt  gein  dem  gast  gebruchen. 
min  gast,  hütt  dich  für  stmchen 
die  kungin  ist  subtyl, 
sie  hat  unzalber  pfyl 
in  ir,  der  Mynnen,  koecher. 

310  ir  stahel  schmytzt  die  locher 
durch  dusenffaltig  mum; 
mit  irm  gewalt  an  dum 
herst  sie  on  alles  myttel, 
doch  .schont  sie  ser  der  spytteL 
315  da  arm  gebrechen  sint 
Amor,  ir  kint  gefint, 
schwebt  ob  ir  in  den  Infften; 
gewalts  myt  ubergnfften 
zwingt  sie  offt  wyß  und  thum. 
320  nun,  gast,  ich  ker  mich  am, 
zytt  ist  es  das  ich  ge. 
ir  beyd,  myn  frund,  ade!’ 

Hie  mit  der  zwerg  abschied. 
der  ander  sprach:  ‘ich  ried 
325  du  blibst  ein  klein  wyl  stan, 
so  wil  ich  yllens  gan 
der  kungln  Venns  sagen 
was  dich  dutt  her  betagen, 
und  wider  kommen  schnei.’ 

[94  '■]  ‘  ich  danck  uch  und  gehel  ’, 

331  sagt  ich;  er  ging  nnd  yltt 
die  zyt  gar  unverwyltt 
schauwt  ich  der  göttin  zeit 
nnd  meynt  nit  das  die  weit 
335  so  rychen  hört  vermöcht. 

Amor,  das  kind,  herh6cht 
in  guldem  tabemackel, 
hett  in  sinr  hend  ein  fackel 
von  eym  karfunckel  stein, 

340  des  glast  so  liecht  herschein 
sam  wers  ein  hitzigs  für. 
so  hett  frauw  Aventtür 
uff  irm  gezelt  ein  affen, 
der  was  also  geschaffen. 


336.  danach  gestrichen:  Hett  jo  sinr  hend  f. 


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10.  Das  Minneturnier. 


101 


345  er  ließ  nicht  unversucht, 
umb  kurtz  so  wil  ich  flucht 
von  dieser  meldnng  nemmen 
und  mflß  mich  doch  des  schemmen 
das  ich  nit  gar  herzel 
350  und  vü  der  ding  verhel 
da  fürstlich  kostbarkeyt 
was  großlich  an  geleyt, 
auch  listen,  seyl  und  horten, 
und  wie  von  wort  zu  Worten 
355  al  zeltt  da  warn  geschickt. 

[94*]  min  m&nt  sin  vil  verzwickt, 
das  myr  benympt  die  leng. 

Als  bald  durch  ein  getreng 
kam  myn  geselschafft  schier 
.360  und  sprach;  ‘gett  her  mit  myr, 
min  gnedig  frauw  die  gert 
zu  halten  unverkert 
uch  für  ir  hoffgesind.’ 
des  gangs  was  ich  geschwind, 

365  dan  al  myn  gird  dar  strebt, 
ich  dacht:  ‘ich  han  herlebt 
das  ich  der  mynn  göttin 
zu  hoffgesind  benent  bin.* 
mit  willen  yltt  ich  dar 
370  da  ich  die  gottin  klar 
fand  in  herklertem  schin. 

‘du  solt  enpfangen  sin 
zu  wilkum  Gott  und  myr!’ 
sprach  sie;  ich  neygt  zu  ir 
375  min  biegen,  wie  myr  zam. 
ir  hendlin  wisß  das  kam 
mir  schlechten  knecht  gebotten. 
zu  Engellant  und  Schotten 
herlebt  ich  nye  der  er. 

380  sie  sprach  zu  myr:  ‘sitz  her 
und  sag  uns,  wenn  und  wie 
du  kumbst  und  wes  dir  hie 
[.95'-]der  kumpanny  behag. 


365.  dem  schwebt. 
375.  I  Mit  f 


kung  Arttus  mengen  tag 
•385  vertreyb  uff  Florischantz ; 
der  zytt  offt  krön  und  krantz 
wart  ritterlich  herworben, 
hie  ist  noch  unherstorben 
meng  ritterlicher  heltt, 

390  der  hab  wir  uns  geseltt, 
frauw  Aventtur  uud  ich. 
wir  wollen  lassen  dich 
der  ritter  wunder  sehen 
und  vil  hersufftzter  trehen 
395  usß  liechten  äugen  wallen, 
so  ritterliches  vallen 
der  blummen  färb  bedeckt 
und  lieb  in  lieb  herschreckt 
durch  myns  gewalts  betrang. 

400  sie  sind  in  mynem  zwang 
die  hie  der  lieb  begern.’ 

Ich  sprach:  ‘by  mynen  ern, 
min  durchherluchte  frauw, 
mit  an  gefallem  tauw 
405  hüt  fräw  au  diesem  morgen 
ging  ich  mit  mengen  sorgen 
umb  schweymen  hien  und  her 
und  nam  zu  lest  myn  ker 
zu  eynem  zwerg  gantz  reyn. 

[95  "j  der  ist  sins  ly bs  ser  kleyn, 

411  sinr  synn  doch  hoch,  gegrößt; 
der  hat  myr  gantz  entblößt 
diß  wesen  und  geschieh, 
von  wunder  ich  herschrick 
415  so  ich  im  nach  gedenck.’ 

ir  gnad  die  sprach:  ‘nit  wenck! 
der  zwerg  acht  dich,  myn  knecht. 
des  machtu  schauwen  recht 
gautz  allen  diesen  handel.’ 

420  ich  sagt:  ‘gnad,  frauw,  on  wandel 
bin  ich  des  diensts  herfrejrt.’ 
ln  dem  so  kumpt  bereyt 


890.  l.  Dem  (Den  f)  R. 


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102 


10.  Das  Minnetumier. 


ir  frauwen  zymmer  gantz, 
mit  menger  blumen  krantz 
425  geschont  und  wol  geschmückt, 
da  ward  sich  dieff  gebückt 
von  den  gefinten  w'erden; 
ich  weyß  nit  mer  uff  erden 
der  kostberlichen  macht. 

430  ir  waren  in  myner  acht 

der  Jungfrau w  ob  druhundert, 
eynr  kleydung  usß  gesondert 
von  yttel  Scharlach  rott. 
myn  gnedig  frauw  gebott 
435  sich  schicken  zu  der  mesß, 
und  ging  usß  dem  besesß 
[^’ö'-jin  sunder  ir  gemach, 
das  under  zeltes  dach 
was  an  ein  ort  gestelt. 

440  eyn  schub  sie  ab  ir  velt 

und  schmückt  sich,  als  sie  wolt, 
ir  har  gebend  von  golt 
und  liechter  robin  gym 
(die  zal  ich  kleyn  bestym), 

445  dar  uff  ir  kunglich  krön; 
die  was  so  wercklich  schon 
durch  steyn  und  golt  geflochten 
das  wennig  menschen  mochten 
herkennen  sollich  gemecht. 

450  noch  was  es  mynder  schlecht 
al  umb  zu  allen  orten 
mit  sueß  gerümpten  Worten. 
Amor,  dem  kind,  gemeß 
der  kungin  schons  geleß 
455  was  schynbarlich  gegentzet. 
biß  uff  ir  brust  sich  glenzet 
ir  schons  gebrech  lieplich, 
dar  under  hett  sie  sich 
bekleytt  mit  guldem  stuck, 

460  sam  hett  ir  wunschlichs  gluck 


zu  franden  das  geweben. 
ich  meyn  nit  das  im  leben 
ir  nicht  geliehen  kund. 

[öo*']  wer  ir  nit  guttes  gund, 

465  dem  sy  die  lieb  gehasß! 

Mit  dem  herblickt  ich  daß 
ob  dusent  ritter  und  knecht 
zu  dienst  nach  irem  recht 
mynr  frauwen  gnad  zu  trungen. 
470  dem  was  nit  wol  gelungen 
der  ir  den  rock  nit  trüg; 
dan  weller  mocht  mit  fflg, 
der  trang  zu  nehst  hien  by. 
der  höchsten  fürsten  dry 
475  der  furten  zwen  die  tock, 
der  dritt  trug  ir  den  rock 
zu  priesterlichem  ampt 
da  wart  gar  unverschampt 
der  müßig  don  gesungen 
480  usß  franßsos  welscher  zungen. 
ob  funfftzig  cantor  warn, 
die  künden  offenbarn 
süeßlich  das  göttlich  lob. 
dem  selben  schwebt  auch  ob 
485  künstlicher  orgennyst, 
und  als  zur  selben  fryst 
das  ampt  gesungen  wartt, 
von  stund  man  sich  da  schartt 
zum  essen  yederman. 

(^7'-]iang  sag  ich  dar  von  han 
491  mit  willen  ab  geschnytten, 
denn  vil  ludt  han  den  sytten 
das  in  knrtz  red  geveltt. 
auch  hat  mirs  gluck  gesteltt 
495  mynr  arbeyt  klein  genyessen. 
usß  dem  volgt  offt  verdryessen; 
ich  zeyg  den  kurtzen  weg. 

Die  maßenny  nit  treg 


423.  l.  glantz  ? 
427.  dem. 

441.  l.  solt.** 


4Ö0.  nynder.^*  R. 
494.  michs. 


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10.  Das  Minneiurnier. 


103 


dem  essen  nach  sich  schartten 
500  mit  partten  wider  partten 
zu  ritterlicher  wer. 
da  was  gantz  alles  her 
zu  rosß  und  fusß  enbor. 
gern  wolt  ich  reden  for 
505  von  aller  ordemmng, 
so  hat  Venns  myn  zung 
zu  dieser  red  verletzt, 
gedieht  wil  sin  hergetzt, 
mnssig,  an  verdriessen. 

510  salt  myn  gedieht  herschiessen 
usß  angezeygtem  boßen, 
so  kem  dar  usß  gefloßen 
ein  michel  grosses  buch, 
das  wer  mir  yetzt  ein  fluch. 

515  dar  umb  gar  offt  ich  zuck 
[97  *]  und  setz  zu  gnad  und  gluck 
dem  ich  hie  dienstlich  schal, 
solt  ichs  benennen  al 
von  frauwen  und  von  hem, 

520  eym  yeden  sin  lob  mern 
mit  wesen,  was  und  wie, 
wie  dieser,  der  und  die 
sich  hant  die  zyt  gehalten, 
des  kund  her  Wolffram  walten, 
525  von  Eschelbach  genent. 
wer  sin  gedieht  herkent, 
min  meynung  hie  vemympt. 
doch  sag  ich,  als  mjr  zympt: 
ein  für  genommer  platz, 

530  dar  uff  man  trutz  und  tratz 
mocht  ritterlichen  bruchen, 
zu  vallen  und  strnchen 
was  er  verfaßt  in  schrancken 
mit  mengen  starcken  blancken, 
535  zu  ring  vier  dusent  schritt, 
^estult  und  hoch  gebritt, 
mit  sammet  überzogen 
stund  dar  by  uff  gebogen. 


der  frauwen  zymer  vil, 

540  der  ich  keins  nennen  wil 
denn  besunder  zwey, 
l'^S'^lder  was  auch  diß  geschrey: 
frauw  Aventtur  und  Venus, 
die  der  sueßen  mynn  kus 
545  in  irm  gewalt  beschlußt. 
wes  man  zu  freud  genußt, 
das  Wirt  ir  presentiertt. 
des  ging  ir  gnad  geschiertt 
uff  das  gezymmer  ir. 

550  frauw  Aventtur  auch  schir 
kam  uff  die  andern  sytten. 
ein  Zugang  und  ein  rytten 
was  ubermessig  grosß. 
da  wart  gesehen  blosß 
555  meng  sneß  gerötter  mund, 
und  in  der  selben  stund 
so  kumpt  das  zwerglin  stoltz 
mit  in  synr  handt  ein  holtz, 
recht  wie  eins  marschalcks  bengel. 
560  geziert  schier  glich  eym  engel 
was  es  in  siner  watt, 
es  ging  mit  züchten  dratt 
zu  beyd  den  frauwen  myn; 
den  wolt  gefellig  sin 
565  das  man  den  schympff  anfiug. 
an  stett  es  dannen  ging 
zu  sitzen  uff  sin  pferd. 

[yö»]  die  beyd  von  der  erd 
warn  dryer  eilen  lang. 

570  zu  dem  ein  trumpter  trang, 
den  hieß  der  zwerg  uff  blasen, 
wer  sich  nit  wolt  vermasen, 
der  raust  da  wesen  styll. 
er  sprach:  ‘hie  ist  der  wyll 
575  beyd  myner  frauwen  gnad 
das  nyeman  red  noch  rad 
zu  dem  das  im  nit  zym, 
und,  als  ich  sie  veraym. 


536.  Bestnlt. 


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104 


10.  Das  Minnetumier. 


wer  eynich  unzucht  übt, 

S80  der  Wirt  sins  libs  betrübt 

4 

synr  ern  und  auch  sins  gutts, 
darumb  so  sind  des  mutts 
das  wir  behalten  zucht, 
so  nyessen  wir  der  frucht 
585  die  uns  der  mey  hie  pflantzt’ 

Das  zwerglin  hopfft  und  dantzt 
zu  synem  berg  gar  schnell; 
da  was  die  hamnasch  zell 
der  ritterlichen  fürsten 
590  und  aller  der  gedürsten 
zu  pflegen  ritters  ampt 
die  wurden  da  versampt, 
wie  das  was  uff  gemerckt 
was  yden  dar  in  sterckt, 

595  de«  fand  er  keynen  mangel. 

[»»»•l  des  hat  der  mynnen  angel 
verschlickt  meng  küner  tegen. 
der  pfleg  der  priester  segen. 
wer  her  kumpt,  der  muß  hin; 

600  verirtt  ich  aber  bin 
und  für  mich  selber  us. 
der  trumpter  zu  dem  sus 
der  bliesen  mennig  hflndertt, 
da  yede  schar  gesundert 
605  hien  zogen  uff  die  ban. 
sagt  ich  nun  wie  sichs  an 
des  ersten  hat  gefangen, 
so  han  ich  mich  vergangen 
und  kan  dar  von  nit  lan, 

610  ich  laß  hie  mit  bestan. 
fechten,  stahel  trennen, 
thumyem,  stechen,  rennen, 
dantzen,  sagen,  singen, 
nach  pryß  und  ern  zu  ringen 
615  was  da  kein  underscheyd, 
dann  suchen  alle  freyd 
ein  tag  und  alle  tag. 
gespött  ich  mit  myr  trag 


595.  Des  R.,  Dem  h. 


SO  ich  uch  nit  entschliesß; 

620  des  durch  der  leng  verdriesß 
sich  birgt  hie  myn  gemnett. 
es  ist  diß  meyen  güett 
by  Arttus  nye  herhortt 
[99 »]  ob  mich  myn  tranm  betortt, 

625  das  habt  myr  nit  vor  übel; 
ein  bader  lobt  sin  knbel 
für  alls  sin  hnß  gesind. 
mit  schäm  ich  hie  verbind 
biß  fürbaß  zn  dem  end. 

630  Venus,  myn  frauw,  behend 
all  ritterschafft  wol  kantt, 
der  sie  myr  wennig  nantt 
sin  was  myn  frag  auch  kleyn, 
dann  myr  geviel  der  eyn 
685  für  all  die  andern  da. 
die  zytt  was  kommen  na, 
schilt,  heim  und  spieß  sich  spryß- 

ten, 

so  daß  man  den  gebryßten 
ir  ritterlichs  justiern 
640  durch  alls  gezung  gloriern 
mit  red  all  tag  da  pflag. 
myn  frauw  die  sprach:  ^nun  sag, 
wer  ringt  nach  danck  dem  besten 
nnder  allen  diesen  gesten? 

645  das  wil  ich  von  dir  hom.’ 
ich  sagt:  ‘ach  frauw,  betorn 
mocht  mich  myn  taube  wyß, 
sie  streben  all  nach  pryß; 
ye  doch  gevellt  myr  der 
650  der  alle  tag  zucht  her 

geferbt  rot,  schwartz  und  wysß. 
[ioo'-Jnach  sym  herschynten  glysß 
so  ist  er  furst  groß  mechtig, 
sin  dienstlüdt  all  eintrechtig 
655  sind  in  sin  färb  beschnytten 
und  üben  manlich  sytten, 
sam  wem  sie  held  mit  al. 


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10.  Das  Minnetumier. 


105 


deß  fürsten  senlich  qwal 
dütt  nach  den  eren  dnrsten. 

660  herblickt  ich  ye  kein  fürsten 
begabt  mit  hoher  tugent 
in  so  gethaner  jugent, 
so  meyn  ich  das  ers  sy. 
er  dntt  sin  ding  so  fry 
665  als  hett  er  riesen  sterck, 
sin  lyedmaß  ich  nit  merck 
in  so  gethaner  krafft, 
sin  hertz  und  wil  verschafft 
das  im  zu  lob  gelingt. 

670  den  danck  er  hynnen  bringt.’ 

Min  gnedig  frauw  die  sprach: 
‘min  knecht,  in  mym  gemach 
red  wir  mit  muß  dar  von. 
er  ist  myn  liebster  son, 

675  das  wil  ich  dir  urkunden 
und  so  sin  wesen  gründen, 
dar  in  du  ine  herkenst 
und  billich  für  den  nenst 
[/oo^ider  aller  tugent  wyelt. 

680  unlang  so  wirt  gespielt 
diß  wesen  uff  ein  ortt, 
so  mog  wir  wort  zu  wortt 
von  dem  und  anderm  sprechen, 
hab  acht  der  Stangen  brechen 
685  und  vil  der  ritter  val. 
din  furst  hatt  unser  wal.’ 

Hie  mit  ging  zu  die  wyl 
das  man  durch  müed  mit  yl 
der  arbeyt  rüg  begert. 

690  Venus,  myn  frauw,  die  kert 
zu  irm  gezelt  hien  wider, 
in  irm  gemach  sie  nyeder 
sich  satzt  uff  ein  gestüel 
und  ließ  ir  bringen  kfiel 
695  getranck  und  auch  von  spyß. 
die  listig  göttin  wyß 
hieß  all  die  im  usß  gan 


709.  JiinUr  ewigs  gestrichen:  alle. 


und  sprach:  ‘myn  fremder  man, 
wie  liebt  dir  diß  gevertt?’ 

700  ich  sagt:  ‘myr  ist  beschertt 
myn  zyt  nie  größer  heyl 
dan  das  ich  sol  zum  teyl 
uch  sin  benent  zu  knecht.’ 
sie  sprach:  ‘deß  merck  mich 

recht : 

705  kein  ding  mag  werder  sin 
dan  das  in  gutem  schin 
[loir]  dem  wysen  ist  geacht. 

all  ding  sind  krancker  macht 
an  ewigs  ein  alleyn. 

710  merck  uff  was  ich  nun  meyn, 
dar  von  wir  reden  wollen 
und  billich,  als  wir  sollen, 
von  dem  der  dir  gevelltt. 
den  hab  ich  usserweltt 
715  myr  für  myn  liebsten  son, 
wenn  synr  complexion 
ist  er  sangwinibus, 
under  dem  stera  Venus 
unzwifflich  geborn, 

720  der  myn  gantz  usserkorn 
durch  all  siu  vysamy. 
ich  won  im  gunstlich  by 
und  han  in  auch  alweg 
gehabt  in  myner  pfleg, 

725  als  ich  dan  fürbaß  wil, 
biß  in  das  mörtlich  zil 
zu  dienen  myr  benympt 
sin  angeburt  die  klympt 
im  romschen  rych  an  myttel 
730  wol  glich  dem  hohsten  tyttel, 
so  man  ubt  kunglich  wal. 
sinr  dugent  vil  an  zal 
ich  yetzt  zu  melden  laß, 
[Wi'lumb  das  ich  üb  die  maß; 

735  ab  der  dich  nit  verdrieß, 
ich  sag  dir  und  entschließ 


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106 


10.  Das  Minnetumier. 


hie  wie  ich  in  herkenn, 
zu  weller  zyt  und  wenn, 
und  sag  also  anfangs; 

740  Ein  kindelin  klein  und  krancks 
fliegt  myr  frauw  Seid  zu  hus; 
sin  hertzlin  lebt  dem  sus 
des  ye  die  mynn  begertt. 
in  dem  han  ich  hernertt 
745  den  hochgelobten  jungen, 
biß  diß  herfur  getrungen 
ist  hie  durch  all  dieß  diett. 
sin  manlich  hant  verschriett 
hut  vil  der  schilt  und  heim, 

750  das  für  und  auch  der  melm 
von  siner  hurttir  stoben, 
hört  ich  nit  uff  zu  loben, 
min  red  sich  nummer  endt, 
sin  löblich  werck  herkendt 
755  Wirt  dir  und  andern  lütten, 
des  laß  ich  myn  bedutteu 
und  bitt  dich,  hör  furbas. 
eins  tags  er  by  myr  sas, 
da  redt  wir  menger  hand. 

760  mit  sufftzen  er  dick  wand 
[j05'-]sin  hend  durch  vantasy, 
sam  dett  im  wonen  by 
eyn  sucht,  geheyssen  sennen. 
ich  sprach:  “mich  trieg  dan 

wenen, 

765  min  son,  du  bist  beschwert, 
ob  dich  das  kind  versert 
das  Amor  ist  geheyssen, 
so  finstu  in  den  kreyssen 
noch  aller  dieser  land 
770  (des  hab  myn  truw  zu  pfand!) 
nit  beßers  rats  dan  myn. 

Amor,  myn  kindt,  sinnt  pin, 
wer  nit  herkennt  sin  artt, 
und  dem  zu  recht  nit  wartt 
775  des  er  sich  under  windt. 


741.  myr  aus  mjn. 


es  sind  an  im  herblindt 
gar  vil  der  menschen  worden 
in  aller  regel  orden.” 

‘“min  grnedig  frauw”’,  sprach  er, 
780  “‘dinr  gnaden  radts  ich  beger 
altzyt  in  myner  sach, 

und  ob  ich  schmertzlich  lach. 

* 

ach,  gnedig  frauw,  das  dult! 
din  kind  Amor  sin  hnld 
785  jetzt  schmertzlich  mit  myr  deyli, 
als  ob  sichs  dieblich  geylt 
[705']  ist  das  geheyssen  lieb? 

ich  glich  din  kind  dem  dieb, 
der  gibt  und  wider  stilt 
790  min  gottin,  ob  du  wüt, 

was  ist  doch  lieb,  das  sag!”’  — 
“Min  son,  was  dir  behag, 
das  dun  ich  hertzlich  gern, 
dut  dich  din  lieb  versern 
795  mit  heysser  mynnen  brant, 
das  gib  nur  usß  der  hant. 
lieb  ist  so  reyner  güett, 
sie  laßt  din  stets  gemüett 
in  jamer  nit  versincke^ 

800  wilt  du  der  lieb  nit  hincken 
und  pflegen  ir  zu  recht 
wer  lieb  zu  recht  betrecht 
gantz  ewig,  der  nit  irrtt 
mißbruch  der  lieb  verwirrtt, 

805  so  das  der  lieb  vemunfft 
dritt  in  der  narren  zunfft 
min  son,  dem  biß  zu  wyß! 
hoch  an  der  eren  ryß 
hat  din  geb&m  geschlagen. 

810  des  laß  dich  nit  herjagen 
keyn  zwyfel  in  der  mynn! 

Nun,  das  myr  nit  entrynn 
din  frag  was  lieb  doch  sy, 

[itw»-]  die  deyl  ich  dir  in  dry; 

815  all  ander  ich  ver  achtt. 


772.  singt. 


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10.  Das  Minnetumier. 


107 


die  erst  mit  flyß  betrachtt, 
das  ist  die  lieb  gotlich. 
die  ander  lieb  die  ordent  sich 
gantz  in  den  selben  flusß. 

820  die  dritten  lieb  bringt  gusß 
der  angeborn  nattur. 
wurd  myr  das  nit  zu  sur, 
ein  kleyn  redt  ich  dar  von, 
min  aller  liebster  son. 

825  wem  dubyttatt  dryfaltig 
hatt  nnser  Got  gewaltig 
die  lieb  also  gedrytt, 
gegründt  und  hoch  gefrytt 
wie  ich  die  hie  verfasß. 

830  die  ersten  lieb  ist  dasß: 
lieb  solt  du  han  ein  Gott 
und  halten  sin  gebott. 
die  ander  lieb  hat  ordenung, 
wie  uns  bewyßt  die  cristlich 

zung, 

835  sackermentlich  in  der  ee; 

nit  wytter  red  ich  dar  von  me. 
die  dritten  lieb  ich  fürbaß  meid, 
die  bringt  uns  seid  und  auch  un- 

seld; 

der  nent  man  mich  ein  gottin. 

840  das  ist,  myn  son,  natturlich 

mynn, 

li05>-]in  der  sich  wenig  ich  verbirgt 
was  die  natturlich  lieb  dan  wirgt, 
es  werd  geoffent  mym  gewalt. 
dar  in  ist  Übung  manigfalt, 

845  die  dir  nit  not  sind  zu  herzein. 
die  höchsten  Übung  wol  wir  wein 
die  mym  gewalt  geeygent  ist. 
Amor,  myn  kind,  mit  klugem  list 
hat  es  gar  mennig  hertz  verritztt 


825  am  Anfang  offenbar  verderbt;  l.  Von 
drinittatt  ? 

833.  Vgl.  Anm.  zu  r.  1. 


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850  und  sich  dar  in  heymlich  ge- 

spitztt 

mit  stich  der  mynn  zu  allen 

ortten. 

ein  loß  geberd  in  werck  und 

wortten, 

getaubt,  gebient  mit  offen  äugen, 
yetzt  offenbar,  dan  Stil  und 

dangen, 

855  yetzt  rot  gef  erbt,  dan  gel  und 

bleych, 

yetzt  hertts  gemüett,  dann  lind 

und  weych, 
yetzt  verzagt,  dann  keck  und 

fry  — 

das  wont,  myn  son,  den  menschen 

by 

die  der  lieb  nattür  gebiertt 
860  und  in  ir  hertz  gegossen  wirtt 
von  angebomer  krafft.” 

Er  sprach:  ‘“myn  frauw,  so 

schafft 

din  kint  gar  wenig  rüg. 
ist  sin  gewalt  so  klüg 
865  die  hertzen  zu  herschlictien, 
was  mags  din  gud  geriehen 
das  du  im  das  verbeugst 
und  nit  mit  rätten  zwengst, 

[loir]  es  ein  masß  behalt? 

870  sin  mütwil  so  ver  alt 

und  wird  dar  in  herkecken, 
mit  rätten  noch  mit  stecken 
herlaßt  es  sich  sinr  dück. 
ich  wen  es  dien  zu  gluck 
875  und  gar  zu  hohen  em, 
wer  sich  beger  zu  kern 
dir,  Venus,  frauw,  zu  dien, 

841.  ich  =  icht. 

856.  vor  weych  gestrichen:  ble. 


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108 


10.  Das  Minneiurnier. 


wen  uß  dem  kung  der  bien 
sugt  man  das  honig  seym; 

880  das  meynt  ich  in  geheym 
uß  dir  in  mich  zu  ziehen, 
eyn  schrecken  und  ein  fliehen 
Amor,  din  kint,  myr  zeygt. 
und  so  myn  hertz  sich  eygt 
885  ZU  pflegen  rechter  lieb 
und  ich  mich  gantz  hergieb 
dienstlich  der  lieb  uff  gnad, 
so  kümpt  zu  frü  und  spad 
din  kind  mit  vil  der  schertz 
890  und  dnnckt  sich  sin  gehertz. 
im  gilt  myn  schmertz  gelich. 
sind  zwey  in  diesem  rych 
die  sich  zu  sammen  sennen, 
die  dutt  din  kind  verwennen 
895  in  zuversiecht  all  stund, 
ir  beyder  hertzen  wund 
[ioi'jwerd  gluck  zu  sammen  fugen, 
ich  muß  myn  jamer  rügen, 
was  ist  für  sennen  gutt 
900  da  zweyer  hertzen  mfltt 
eins  willen  sind  vereynt 
und  in  der  tag  bescheynt 
ein  finster,  bitter  nacht? 
min  gnedig  frauw,  betracht: 

905  ist  des  din  ^ad  gelobtt? 
wüett  so  din  kind  und  dobtt 
nach  dinr  gethanen  sag, 
so  glaub,  myn  frauw,  ich  klag, 
bin  ich  gebom  dym  kynd.’” 

910  Ich  sprach:  ‘^myn  son,  nit  lind 
ist  rechter  lieb  herobem; 
lieb  laßt  sich  nit  herkobem 
mit  wünschen  und  gedencken. 
bekrencken  und  versencken 
915  dutt  Übermaß  der  ding, 
merck,  son,  wenn  dir  geling 


so  das  din  lieb  herjag 
des  sich  din  hertz  yermag 
zu  lieb  für  ander  all, 

920  so  mit  bedenck  den  schall 
nach  dym  gevallen  ewig, 
im  hymmel  wont  der  selb  sig, 
hie  ist  er  uns  benommen. 
[i05»-]keyn  lieb  ist  hie  volkommen 
925  dan  gotlich  lieb  die  eyn. 
natturlich  lieb  ist  kleyn 
der  lieb  gelich  zu  achten, 
dar  in  soltu  betrachten 
was  sy  der  underscheydt. 

930  liebt  dir  ein  schone  meydt, 
das  ist  ein  lieb  natturlich. 
die  nit  bedenck  sin  ewiglich, 
das  dich  din  Glot  nit  straff, 
hütt  dich  auch,  nit  verschlaff 
935  die  ewig  lieb  durch  zytlich! 
unratt  dar  in  vermyschtt  sich 
wer  lang  dar  in  yerbytt. 
halt  rechte  masß  und  zytt 
in  allem  dym  gefertt, 

940  so  Wirt  dir  nit  yerkertt 
yon  Gott  und  auch  der  weit, 
und  als  din  frag  sich  melt 
was  gut  für  sennen  sy, 
da  pfleg  der  artzenny 
945  mit  so  gethaner  witz: 
laß  das  daß  wyter  sitz 
dan  du  es  macht  herlangen, 
die  lieb  ist  kleyn  yerfangen 
die  man  nit  mag  herreychen. 
950  man  ner  sich  dan  im  zeychen 
das  rechte  lieb  usß  streckt 
[iOö']  durch  hoffenung  herkeckt 
gar  offt  der  menschen  hertz. 
die  lieb  übt  yil  schmertz, 

955  dar  mit  man  sie  herkenn. 


878 /■.  scheint  verderbt 


933.  din]  sin?  B. 


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UMVERSITY  OF  CALIFORIMJA 


10.  Das  Minnetumier. 


109 


glaub,  wen  ir  füer  brenn, 
der  muß  sich  senfftlich  küln. 
usß  wütten  und  usß  wUln 
wie  unvemunfftigs  schwyn 
960  Tolgt  mengem  menschen  pin. 
min  zarter  son,  das  merck: 
ub  altzyt  manlich  sterck 
in  allen  din  gemüetten. 
lytt  ichts  in  dir  zu  brutten, 

965  das  schlach  dir  usß  dem  synn.” 

Er  sprach:  ‘“myn  kunyg5mn, 
min  lieb  die  laßt  nit  sich 
zu  mym  gevallen  mich 
meynstern  wie  ich  wil. 

970  mag  man  der  mynn  spil 
dan  alweg  so  uff  stossen, 
so  sind  der  mynn  genossen 
unstet  und  wanckel  mnttig.’” 
ich  sagt:  “myn  son,  bis  guttig, 
975  verstand  mich  als  es  ist. 
by  Wesens  dir  gebrist. 
du  bist  versert  durch  myden, 
das  mustu  guttig  lyden 
oder  also  dar  von  lan. 

[;o6'']nit  altzyt  mag  man  han 
981  das  sennlichs  hertz  begert. 
gerechte  lieb  verkert 
sich  nit  durch  keyn  abwesen, 
ich  wil  zu  dym  genesen, 

985  min  son,  dir  hilfflich  sin.” 

‘“gnad,  gnedig  frauw  die  Myn’”, 
sagt  er  an,  ‘“steett  zu  myr! 
hilff,  radts  und  1er  von  dir 
bin  ich  altzytt  begem.”’ 

990  Ich  sprach:  “wir  wollen  kem 
von  dieser  dispetatz. 
villicht  vind  wir  ein  schätz, 
der  uns  auch  kurtzt  die  wyl. 
min  son,  nit  geh  noch  yl. 


995  dym  zom  laß  nit  sin  krafft. 
halt  dich  dinr  meynsterschafft, 
so  blybt  din  macht  und  rüm. 
in  diesem  keyserthum 
ist  dir  keyn  furst  geglicht. 

1000  de^  hat  dich  Got  gericht, 
dem  gib  des  er  und  danck! 
dins  regements  anfanck 
bedenck,  allweg  sin  end 
in  Gott,  dym  schopffer,  lend. 

1005  nit  din,  sin  will  der  werd, 
dan  was  dir  tregt  die  erd, 
deß  bistn  pfleger  sin, 

[loe*]  sin  ist  es  und  nit  din. 

gerichts  und  rechts  pfleg  wyßlich, 
1010  parthyg  nieman  rechts  ab  brich, 
verwyeß  din  furstlichs  ampt 
so  das  dich  nit  verdampt 
die  urteyl  sinr  gericht. 
mit  land  und  lütten  vicht, 

1015  wer  dich  tring  wider  recht, 
din  ritter  und  din  knecht 
halt  vest,  sam  dun  sie  dich, 
nit  allen  mißbruch  rieh, 
offt  gnad  für  recht  bewyß 
1020  und  biß  doch  nit  so  lyß 
das  man  veracht  din  zom. 
mach  dich  dym  fynd  ein  dorn, 
so  dich  sin  aug  anblick. 
im  hertzen  nit  herschrick 
1025  ab  grnsamlichen  mern. 

dinr  land  und  ludt  beschwern 
mit  wysem  radt  betracht, 
nit  über  letist  din  macht 
mit  mengem  last  zu  groß. 

1030  lasß  dich  nit  finden  bloß, 
geschickt  zu  diner  wer 
din  jerlich  nutzung  mer; 
wan  nympt  sie  deglich  ab. 


962.  Vb  radiert  aus  Vsä.  1006.  dir  =  dar. 

992.  vnd.  1028.  l.  lest?  H. 


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110 


10.  Da^  Minnetnrnier. 


du  kumpst  zu  krancker  hab, 
1107']  ich  zeygs  uffs  kurtzst  dir  an. 
1036  was  dir  sy  underthan, 

das  schyrm  mit  hoher  truw 
und  allen  unfryed  schuw 
da  man  dich  friedlich  laß. 

1040  hab  flysß  gerechter  masß 
zu  fryeden  und  zu  vechten. 
bedenck  das  mittel  flechten 
im  höchsten  ist  geflochten, 
zu  vil  noch  lutzel  mochten 
1045  im  lob  noch  nye  besteen. 

auch  laß  din  schympff  zurgeen 
so  er  dich  dunck  im  besten, 
ein  stetige  ubergesten 
lert  kästen  und  die  keller 
1050  und  brucht  gar  vil  der  heller, 
der  man  zu  nott  bedarff. 
ich  weyß  din  syn  so  scharff 
diß  alles  zu  hermessen; 
des  sy  der  red  vergessen! 

1055  Ich  red  hie  wie  die  mutter, 
min  drutter  und  du  gütter; 
usß  truwe  myn  red  bedenck! 
mer  wil  ich  snchen  schwenck 
die  myner  art  gezymmen, 

1060  und  wil  dir  die  bestymmen, 
so  kurtzst  ich  yemer  kan. 

[107^]  mich  trieg  dan  al  myn  wan, 
so  lebstu  mym  geblütt, 
ich  acht  dich  glich  der  gütt 
1065  Artus,  dem  Bryttuneyßer : 
der  was  zu  unlob  heyßer, 
zu  lob  eynr  hellen  stymm. 
min  son,  die  leytter  klymm 
die  ich  dich  für  uff  stygen, 

1070  so  Wirt  din  unlob  sch wy gen, 
din  lob  herklingen  hei. 
unheyl  bringt  wider  vel. 


verschult  und  unverschult. 
der  muß  wir  han  gedult 
1075  und  streben  nach  dem  heyl. 
gantz  alle  ding  sind  feyl, 
nit  all  mit  gelt  zu  kauften, 
mit  arbeyt  sur  herlanffen 
wirt  dick  das  süeß  gewonnen. 

1080  Wer  drinckt  der  mynn  bronnen. 
der  muß  myn  regel  halten 
und  uff  des  gluck  ratts  walten 
steet  setzen  sin  gelingen, 
steets  ritterlichen  tringen 
1085  zu  ritterlichen  ern 

und  in  die  nachvolg  kern 
der  taffeirunder  dyett,  • 
die  nit  durch  gab  und  myett 
übten  ritters  orden. 

[708*-]die  besten  dar  inn  worden 
1091  durch  güett  der  mynn  geübtt. 
kung  Artus  nie  betrübt 
keyn  ritter  durch  den  gyl, 
es  wer  dan  nnder  wyl 
1095  her  Kay  und  sin  gelich. 
son,  wer  der  em  ist  rych, 
der  hat  dich  für  den  man 
der  dienst  herkennen  kan. 
dem  soltu  sin  so  mylt 
1100  das  im  din  gab  vergilt 
was  er  verdient  umb  dich, 
so  machstu  williglich 
dir  diensts  all  ritterschafft, 
merck  wie  der  mynn  krafft 
1105  die  taff  eirunder  zwang: 
hern  Partzevals  anfang 
ubt  mynn  in  schulsacks  kleytt. 
die  frauw  vom  Lack  uß  leytt 
den  düem  hem  Lanselott, 

1110  dem  Yenover  gebott 
vil  ritterlicher  datt. 


1055.  l.  din  ?  1105.  am  Anfang  gestrichen:  Hern  partze. 

1074.  l.  Des  ? 


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10.  Das  Minnetumier. 


111 


Schonottalandern  hatt 
geübt  die  magt  Sygun 
durch  mennig  groß  forttün 
1115  der  heydenschafft  zu  wider, 
dar  vor  und  auch  dick  sider 
zu  em  und  ritters  mfitt 
[/08']die  mynn  mer  Übung  dutt 
wenn  aller  fürsten  geben. 

1120  durch  Kyburg  wagt  sin  leben 
Sant  Wylhelm  der  marckys, 
der  durch  die  hiemmel  prys 
an  heyden  hat  herstritten; 
der  meldnng  blib  vermitten. 
1125  ich  weyß  der  namen  vil, 
son,  die  der  mynnen  spil 
zu  woldatt  hat  gereyßt. 

Ein  schon  jungfrauwe  heyßt 
und  auch  ein  schönes  wyb 
1130  wol  hoher  seiden  schyb; 
und  das  daß  warlich  sy, 

,das  merck,  myn  son,  hie  by: 
liebt  dir  ein  wyplichs  bild, 
gezembt,  nit  dom  und  wild, 
1185  geberd  und  wandeis  züchtig, 
auch  aller  unem  fluchtig, 
geborn  dir,  furst,  glich  messig 
oder  ritters  artt  gelessig, 
so  sprich  sie  süßlich  an 
1140  und  mach  ir  underthan 

dienstlich  alls  din  begynnen! 
ist  sie  von  guten  s3Tinen, 
vernunfftig  und  kan  glympff, 
sie  merckt  din  ernst  und 

schympff. 

1145  der  wider  lieb  sie  lebt, 

[  109  »•]  ir  hertz  stetts  ob  dir  schwebt 
in  lufften  wie  der  falck, 
und  blickt  ob  nit  der  schalck 
icht  won  by  dir  zu  huß. 


1150  ir  dutt  anfangs  der  grüß, 
biß  das  sie  dich  herkentt. 
bistu  ir  dan  benentt 
billich  zu  lieb  und  lust. 

i 

sie  vaßt  dich  in  die  brust, 
1155  dar  in  ir  hertz,  das  reyn, 
hat  liebloß  gantz  alleyn 
ein  lange  zyt  gewontt 
alsdann  sie  dich  belontt 
dinr  lieb  mit  wider  lieb 
1160  und  spricht:  ‘“gesel,  ich  gieb 
min  gunst  dir  für  al  ander.’” 
Sygun  Schonottulander 
det  anfangs  auch  also; 
eins  Worts  starb  sie  unfro, 
1165  des  mals  sie  zu  im  sprach, 
under  des  schiltes  dach 
wurd  er  ir  lieb  her  amen, 
den  dodt  must  er  si^  garnen, 
der  wunden  verch  in  rurtt. 
1170  brack  und  seyl  verfurtt 
den  jungen  held,  eiaß! 
der  brack  Gardievyas 
ist  übel  da  gebryßt. 

\J09>]  des  dotts  Sygun  bewyßt 
1175  ir  ubermessig  traw. 

ir  dag  was  deglich  nuw, 
besargtt  uff  eyner  lynden; 
der  must  ir  hertz  entpfinden 
mit  leytt  nün  gantzer  jar. 
1180  des  glaub,  myn  son,  furwar: 
keyn  erlichs  wyb  noch  magt 
vermag  sich  mans  verzagt 
oder  der  nit  leb  nach  lob 
und  in  der  untzucht  dob, 

1185  wie  riffian  by  dem  win. 
wiltu  gevellig  sin 
dins  hertzen  drutt  amy, 
so  mach  dich  Unzucht  fry, 


1128.  vor  heySt  getilgt:  die. 
1 150.  l.  dort  (=  tiuret)  ?  H. 


1165  ff.  Titurel  71,  3. 4. 
1168.  Dem.  sin. 


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112 


10.  Das  Minnetumier. 


ritterlich  und  forchtsam, 

1190  und  ub  das  sich  herhdch  din 

nam! 

schyrm  witwen  und  weysen, 
htidt  dich  vor  winckel  reysen, 
dring  alweg  an  das  liecht, 
da  man  die  dursten  siecht 
1195  sich  schicken  zu  der  wyrd! 
zu  Gotts  dienst  hab  begyrd 
in  allem  bandel  din, 
so  das  in  dir  herschin 
das  primüm  querite 
1200  Gottes  rych  und  des  me; 

[JiO»-]  Inhalt  der  passional 

bedenck  zum  tag  ein  mal 
und  danck  Gott,  als  du  solt, 
so  blybt  dir  hertzlich  holt 
1205  dins  hertzen  trosterynn. 
min  son,  das  kan  die  mynn. 
red  ich  von  diesem  me, 
so  sprechen  ludtt  wie  ee. 
ich  finds  in  alten  buchen, 

1210  da  machtu  selb  in  suchen 
der  mynn  und  lieb  getetten, 
und  was  der  mennig  poetten 
hand  klug  dar  von  geschriben. 
ich  han  vil  red  getriben, 

1215  der  dich  verdriessen  mocht.” 

“‘Das  ist  myn  syen  entpflocht’”, 
sprach  er,  “‘in  myn  gedencken. 
g^ad  frauw,  ich  hört  den 

schwencken 

gern  zu  biß  an  ir  end. 

1220  von  diner  gnad  ich  wend 
und  danck  dir  inniglich, 
din  gnad  an  m3rr  nit  brich, 
wie  ichs  verdienen  sol. 
ich  wil  der  mynn  zol 


1225  dir  nndertenig  zollen, 
ich  han  mit  flyß  gehollen 
in  alles  din  geschick. 

I  i  ']  min  hertz  stett  uff  dem  ry ck 
dins  vessels  an  gebunden.’” 

1230  Ich  sprach:  “ich  han  befanden, 
min  son,  das  mich  benügft 
von  dir,  und  so  dir  fflg^ 
so  macht  du  wider  keren. 
alsdan  will  ich  dich  leren 
1235  min  ord«n  und  myn  regel, 
und  zeygen  dir  den  pflegel 
dar  mit  ich  stettigs  trysch, 
und  auch  war  mit  ich  fysch 
dieff  in  des  meres  grund, 

1240  dar  zu  mit  wellem  vund 
ich  an  den  hiemmel  reych 
und,  ob  dich  unmynn  leych 
mit  falschem  an  sich  ziehen, 
wie  du  dem  solt  entpfliehen, 

1245  und  welles  unmynn  heyß; 
was  mit  der  üllen  beyß 
und  hfltt  sich  vor  dem  falcken, 
da  laß  dich  nit  beschalcken, 
min  son,  die  nacht  betrügt, 

1250  der  sonnen  schin  nit  lügt, 
wie  heyß  der  yemmer  sticht, 
hie  mit  myn  red  ab  bricht 
des  ends,  myn  son,  mit  diesenoL 
[zii»-]  schmeckt  sie  dir  glich  dem  bie- 

sem, 

1255  das  wer  myn  hochs  hergetzen. 
vemym  myn  yetzigs  letzen, 
gantz  gunsüich  in  der  zal.” 

Er  sprach:  “‘mich  hat  ein 

stral 

dynr  süßen  mynn  geschossen. 

1260  des  bin  ich  unverdrossen. 


1199  f.  Matth.  6, 33.  1241.  dem. 

1285.  Odern.  1249.  macht. 

1240.  vnd. 


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10.  Das  Miimehimisr. 


113 


fraaw,  diner  rett  zu  pflegen, 
gnad  myr  mit  dinem  segen!'*’ 

Mit  dem  schied  ab  myn  son. 
die  meldung  ich  dir  don, 

1265  die  merck,  myn  knecht  und  gast, 
und  biß  dem  dienstlich  vast 
der  dir  dntt  hie  gevallen. 
sin  ernsten,  schympffen,  schallen 
ist  zu  dym  lob  gesteltt. 

1270  so  han  ich  dir  herzeltt 
die  red,  beyd  sin  und  myn; 
die  laß  gevellig  sin, 
min  knecht,  dir  nnverdrießlich. 
min  lang  red  hie  endet  sich, 

1275  syt  ich  nit  hab  der  wyl. 
zyt  ist  es  das  ich  yl 
mich  schicken  zu  dem  dantz.*  — 
'gnad,  gnedig  frauw,  mir  gantz. 
ich  hört  nie  lieber  mer 
[iii'jdan  ich  in  diesem  her 
1281  herblick  und  auch  herboer. 
fnnd  ich  der  engel  koer 
dem  wesen  glich  inhalten, 
ich  wolt  von  hynnen  schalten, 
1285  dar  ylen,  ob  ich  kund, 
herlassen  mich  der  snnd 
die  mich  dar  an  verhindein.’ 


Nun  hörtt,  jetzt  wil  sich  myn- 

dem 

diß  kurtzwyl  vor  dem  end. 

1290  min  kammer  t&r  behend 
stieß  uff  myn  knecht  durch 

sorgen, 

ferr  uff  den  tag  am  morgen, 
und  sorg^  ich  leg  ser  kranck, 
da  ich  in  dem  gedanck 
1295  mjms  traums  mit  zabeln  schlieff. 
so  lut  er  mich  an  rieff 
das  ich  dar  ab  herwacht, 
er  sprach  zu  myr  und  lacht: 

'ir  hand  die  mesß  verschlaffen !  ’ 
1800  '  dich  muß  der  hencker  straffen !  ’ 
gab  ich  zu  antwort  im; 
ich  kunt  vor  zomes  grym 
nit  wissen  wie  myr  wer. 
da  ich  nach  myner  ger 
1305  myn  träum  nit  mocht  gar  enden, 
ich  sprach:  ‘Got  muß  dich  sehen¬ 
den, 

[ii2r]  das  du  mich  hast  herweckt’ 
das  wecken  mich  herscreckt, 
so  das  ich  hie  herwind, 

1310  mym  träum  ke3rn  end  find. 


11. 

Bestrafte  Untreue. 


[lOr]  Nun  dar,  ir  jungen  werden, 
die  nun  lebend  uff  der  erden 
in  fröwden  und  in  houchem  mfit, 
die  süUend  gen  des  mayen  plflt 


5  sich  freu;en,  deß  ist  worden  zitt, 
wann  der  süsse  may  der  geit 
fröd  den  wolgemäten  hertzen. 
da  wider  fügt  er  senden  smertzen 


1299.  detssdbe  Motiv:  Hdtxlvrin  115  v.  292. 

Za  11. 

5.  frewen  w,  frien  g. 

Deota«be  T«st«  dM  UittoUIter*.  XXIV.  8 


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114 


/  /.  Jtestrape  Ut^reut. 


mir  armer  indem  hertzen  mein, 

10  und  leid  ouch  jämerliche  pein, 
du  mir  untruw  gefugt  haut, 
ich  het  ergeben  an  ain  stat 
lib,  mät  und  ouch  das  hertze  min 
und  wölt  ouch  deß  gar  sicher  sein 
15  wie  ich  hett  gantze  trüw  da  fan¬ 
den. 

das  haut  in  also  kurtzen  stunden 
untruw  alles  ander  fam. 
das  ich  by  allen  mein  jarn 
von  sölicher  untruw  nie  hört 

sagen. 

20  min  hertz  mag  wol  von  schulden 

clagen 

das  mir  in  also  kurtzer  frist 
trüw  mit  untruw  vergolten  ist. 
es  het  geschworn  das  hertze  min 
[^O'les  sdlt  bis  an  des  ende  sein 
25  nicht  wann  trüw  hon  fanden, 
zwar  ich  hon  aller  erst  enpfnnden 
siner.  untrüw  an  dem  end. 
dar  umb  ich  ain  arm  und  eilend 
beliben  muß  und  frowden  än. 

80  güten  gedingen  und  lieben  won 
haut  untrüw  mir  gefüret  hin, 
dar  umb  ich  ymmer  trurig  bin, 
baide  nacht  und  ouch  den  tag. 
kain  rü  ich  nymmer  gehaben 

mag, 

35  u6  dem  schlanf  ich  dick  erwach, 
min  hertz  rüfft  dick  mit  seuffzen: 

ach! 

ouch  ist  stet  minß  hertzen  schrey: 
wie  gern  w&r  ich  unmaussen  fry! 


11.  l.  Die  to. 

16.  hett  to,  fehit  g. 

21.  mir]  jm  tr. 

25.  haben  w,  hon  ich 
38.  Wi6  g. 

40.  ist  to,  fMt  g. 

43  hia  48  aus  tc,  fehlen  g. 


da  wil  man  mir  helfen  nicht; 

40  da  von  ist  all  mein  frod  enwicht. 

Also  lag  ich  an  ainer  nacht, 
wider  mich  selb  ich  mir  gedaucht; 
'ach  herts,  teilt  du  also  verzagen, 
so  muß  ich  heg  allen  meinen  tagen 
45  allen  frewden  wider  urlab  geben: 
war  zu  sol  mir  dan  daz  leben  ? 
mir  w&r  bdsser  vil  der  tod 
wen  daz  ich  leb  in  sullicher  noti!' 
da  ich  in  den  gedencken  lag, 

50  ich  sach  uff,  es  was  am  tag; 
auch  hört  ich  der  fogel  gesang. 
ich  plaib  dar  nach  unlang, 
ich  stund  uff  bald  und  g^eng. 
ain  schmalen  stig  ich  da  gevieng, 
55  der  trüg  mich  also  pald 
[i/'‘]hin  gen  ainem  grünen  wald. 
da  sach  ich  ainen  panmgarten 
so  wnnneclichen  und  so  zarten 
das  ich  so  schönes  nie  gesach. 

60  es  was  deß  garten  überdach 
nicht  anderß  wann  lonb  und  föge- 

lin. 

ich  hüb  mich  pald  und  g^eng  dar 

ein. 

do  ich  in  den  garten  kam 
und  sein  alles  war  genam, 

65  was  wunn  an  dem  garten  was! 
feiel  pla  und  grünes  gras 
was  da  zü  samen  gemenckt, 
sechs  färb  gar  sehen  gesprengt 
plümen  weyß,  gel,  prün  und  rot, 

70  alß  es  der  süsse  man  gepot 
wann  der  lag  da  reichlich  zü  feld 


49.  nach  tc,  Walt  ich  darnach  nit  lenger 
lag  9’ 

49/1  umgeatelH  nach  w. 

61.  52  atu  tc,  fehlen  g. 

G6.  pla  tc,  plat  g. 

70.  l.  may,  tete  in  r.  6  ?  H. 


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11.  Beslrafit  Untreue. 


115 


und  hett  mit  listen  sine  zeit 

uff  geschlagen  ön  wer. 

dar  zä  so  sach  ich  ligen  ain 

wunneclichs  her, 
75  der  selben  zal  on  manß  was: 
ich  main  die  tropffen  an  dem  graß, 
von  s&ssem  tow  gevallen. 
die  dar  frow  Sunn  mit  schallen 
durch  die  wölken  da  gelentzt. 

[ii*\  vil  schier  so  ward  da  engentz 
Sl  des  Clären  tewes  anehan 
müst  weichen  von  der  sunn 

uff  gang. 

ich  sach  da  mengen  schönen 

paum; 

ich  gedaucht:  ‘lig  ich  in  ainem 

träum, 

85  oder  wer  haut  mich  da  her 

praucht  ?  * 

wann  mir  was  sicher  ungedancht 
das  ich  kain  fröd  sölt  süchen  da. 
wär  ich  gewesen  anderßwa, 
das  ließ  ich  gern  on  allen  haß, 

90  wann  mir  was  lützel  dester  baß 
alß  ich  je  me  fröd  da  sach, 
minem  hertzen  je  wirß  geschach. 
gedencken  mich  erst  beg^den 

man 

das  ich  gedaucht:  'mftß  ich  mich 

an 

95  der  fröden  der  mein  hertz  ye  gert, 
so  sind  onch  mir  die  fröd  nnwerd 
die  mine  ougen  senhend  hie.’ 
grossen  jamer  min  hertz  da  gefie, 
belangen  ward  mir  aber  nüw, 

100  ich  sennet  mich  nach  stetter  tröw, 
wie  fremd  die  mir  nun  worden  ist 


ich  gedaucht  an  der  selben  frist: 
*ach  Got,  sölt  ich  die  fröd  hon 
da  ich  nun  bin  geschaiden  von 

105  gegen  diser  wunneclichen  zier, 

[12'']  wer  künd  sich  geliehen  mir 
an  fröden  und  an  hohem  mät? 
was  achtet  ich  des  maien  pl&t, 
het  ich  des  mein  hertz  begert! 

110  deß  pin  ich  laider  ungewert. 
das  dag  ich  arme  ymmer, 
von  der  dag  so  lauß  ich  uymmer 
biß  ich  vollende  all  mein  tag. 
was  hilfft  mich  das  ich  lang 

dag? 

115  es  ist  doch  an  mir  niemand  laid. 
das  ist  ain  grosser  underschaid 
das  mir  ist  we  und  im  ist  woL 
ich  wond  das  ymmer  wesen  solt 
noch  an  unß  baiden  möcht  be* 

schenhen, 

120  wann  ich  nun  laider  hon  gesenhen 
das  er  mein  trüw  gar  ring  wigt. 
untröw  haut  trüw  angesigt 
insinem  hertzen  sicherlich. 

ich  dneht  mich  als  der  kaiser  rieh, 

# 

125  würd  trüw  mit  trüw  vergolten 

mir. 

des  ich  nun  laider  wol  enpir.’ 

Da  ich  also  stund  und  clagt 
und  von  laid  het  nachend  verzagt, 
gedenck  machent  mich  so  kranck 

130  das  ich  müst  on  minen  danck 
da  nider  sitzen  indas  graß. 
min  krafft  mir  gar  verschwunden 

was, 

[12*]  die  hett  mir  unmöt  gar  be¬ 
nommen. 


75.  Des  zall  w. 

80.  l.  engentcet  w. 

81.  anehan  anehang. 
92.  Als  IC. 


93  f.  l.  manen  :  anen  w. 

105.  Jn  to. 

117.  Das  jm  ist  wol  vnd  mir  ist  we  tc. 

118.  das  es  nymer  me  tr. 

8* 


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1 1.  Bestrafte  Untreue. 


ich  gedaucht:  'ich  mag  nit  mer 

wider  körnen, 

135  mein  leben  wil  sich  enden  hie.’ 
ain  klaine  krafft  ich  da  gehe, 
das  ich  ain  wenig  uff  sach. 
ich  sag  üch  als  mir  beschach; 
do  ich  also  umb  plickt, 

140  von  forchten  ich  da  erschrick, 
wann  ich  sach  da  dry  frowen 

ston, 

so  wunneclich  und  wolgeton 
das  ich  so  schönes  nie  gesach. 
von  forchten  mir  da  wegeschach, 
145  wan  ich  west  nit  ab  in  ir  mutt 
gen  mir  wer  übel  oder  gütt. 
nur  ainß  dings  tröst  ich  mich: 
das  sie  warn  frou?^  als  ich; 
da  von  ich  ain  hertz  gewan. 

150  Die  ain  trög  swartze  claider  an 
und  nant  sich  frow  Trüw,  als  ich 

da  hört 

sd  sprach:  'mit  swartz  dag  ich 

das  mort 

das  manig  man  an  frowen  tfit 
und  doch  will  sein  gerecht  und 

gfit 

155  er  git  ir  trüw  und  swert  ir  ayd 
er  well  in  stüttikait 
gentzlich  nach  irem  willen  leben, 
der  trüw  wird  ir  als  vil  geben 
das  sie  es  mdß  globen  zö  hand; 

160  so  i)richt  erß  doch,  und  giltz  ain 

land.’ 

[^5'’]  Die  ander  was  in  plaM>  geklait 
und  nampt  sich  frow  Stetikait; 


die  clagt  ouch  ser  und  sprach  also: 
‘ich.  Stet,  mag  nymmer  wesen 

frow, 

165  syd  Unst&t  mich  verdmngen  haut 
indem  land  an  so  menger  stat; 
wann  menig  man  ist  also  gemöt 
das  er  an  ainer  frowen  g^t 
pricht  er  waist  selbs  nit  umb  was; 

170  dem  sol  man  billich  tragen  haß, 
die  werden  man  und  frowen  göt, 
wan  er  vor  em  ist  behüt. 
unsUt  haut  in  als  gar  umb  geben, 
das  im  halt  laidet  stütes  leben, 

175  und  macht  sich  da  mit  un  werd, 
das  sin  niemand  zü  eren  gert.* 

Die  dryt  in  wisser  färb  ich 

sach; 

die  clagt  ouch  ser  und  sprach: 
‘ich  haiß  frow  Lieb  und  hon  den 

sin 

180  das  ich  da  all  zitt  gern  bin 
wa  sich  lieb  mit  lieb  veraint 
und  das  mit  gantzen  trüwen 

maint 

das  haut  laider  sich  verkert, 
rechter  lieb  nun  nieman  gert 
[^5»]  das  mag  ich,  Lieb,  nicht  mer  er- 

liden 

186  und  müß  ir  aller  hertze  myden. 
die  mir  würin  gern  underton, 
die  mag  ich  nit  behalten  dar  an, 
wann  ich  waiß  das  manig  man 

190  ain  frowen  laut  offt  in  g^tem  won 
er  hab  sie  lieb,  und  des  ist  nicAt 
mit  dem  mag  ich  nit  haben  pflicht 


145.  jr  in  w,  umgesteüt  nach  H. 

163.  spricht  tr,  was  g. 

145/*.  aus  w,  fehlen  g. 

170.  sol  man  g,  solten  tr. 

148.  frawen  tr,  from  g. 

179.  lieb  tr,  leb  g. 

155.  jr  tr,  fehlt  g. 

181.  sich  tr,  fehlt  g. 

160.  pricht  tr,  spricht  g. 

189.  waiO  tr,  fehlt  g. 

161.  plaw  tr,  plawes  g. 

191.  nicht  tr,  mir  nit  g. 

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11.  Bestrafte  Untreue. 


117 


wann  sin  lieb  ist  trüw  fry. 
kain  rechte  lieb  wondt  im  nit  by, 
195  sein  pringt  Myn  alUeit  laid; 
das  macht  sein  unstettikait 
das  er  kain  rechte  lieb  mag  han. 
die  unstet  z^cht  in  da  von, 
das  er  an  der  gfiten  wenck 
200  und  sie  an  allen  fröwden  krenck.’ 

Do  die  red  also  beschach 
und  yegliche  besonder  sprach 
was  ir  z&  sprechen  da  gezam, 
und  das  alles  ennt  nam, 

205  vil  schier  wurden  sie  ge  war 
das  z&  in  kam  gegangen  dar 
ain  frow,  so  recht  schon  und 

mynneclich 

das  ir  da  keine  was  gelich 
an  schöni  und  ouch  an  clarhait. 
210  sie  tr&g  ouch  also  riche  klaid 
das  für  die  andern  all  wag, 
als  f&r  die  nacht  der  liecht  tag 
lAchtet  stät  mit  sinem  schein, 
noch  rötter  dann  der  dar  mbin 
[ur^  was  da  als  ir  gewand. 

216  es  was  ir  recht,  sie  was  genant 
die  gewaltig  frow  Mynn, 
die  da  ist  ain  maisterin 
weib  und  man  über  alle  land. 

220  die  dry  frowen  all  z&  hand 
gar  schnell  eclich  uff  spmngen, 
frölich  sye  her  gen  ir  drungen. 
sie  sprechend:  ‘frow,  sind  Got 

wilkomen ! 

ir  hond  uns  tmrentz  vil  genomen, 
225  seid  ir  her  zä  uns  körnen  seit, 
wir  habe  üwer  gewart  lange  zitt. 
seid  uns  üwer  botschafft  erst  ward 

kunt. 


zü  hand  an  der  selben  stund 
so  seind  wir  all  dry  her  körnen 
230  und  hetten  gern  von  üch  ver- 

nomen 

was  üwer  will  gen  uns  war; 
das  mücht  uns  wesen  nit  zä  swar 
wir  laistin  geren  üwer  gebott.’ 

Sie  sprach:  ‘das  vergelt  üch 

Gott! 

[io  67»]  daz  dien  icÄ  gereti  wie  ich  sol. 

286  ewres  rattes  darff  ich  wol, 
wan  ick  teil  euch  nit  betagen, 
ich  wöll  dich  allen  dreyen  sagen 
von  wunderlicker  tagalt. 

240  sick  het  ergeben  in  mein  gewalt 
[68']  ain  fraw  und  ain  gesell  gütt. 
sie  hetten  baideu  stetten  mutt 
und  waren  mir  auch  under  tan. 
wie  ich  es  gehebt  wolt  han, 

245  daz  warens  paideu  stett  berait, 
gantze  trete  und  stettikait 
wont  in  gewaUdgclichen  bey, 
sie  waren  aller  untrew  frey. 
dar  zu  gab  ich  mein  hilfßich  stuyr; 
250  mit  dem  reckten  myne  fuyr 
zundt  ich  ir  paider  hertzen  an, 
daz  aines  nach  dem  andern  pran 
in  rechter  lieb  on  allen  wanck. 
nun  ist  sein  trew  worden  kranck, 
255  auch  ist  der  reckten  mynne  schein 
erloschen  in  dem  hertzen  sein. 

[66*]  sein  trew  hat  er  weit  gezogen 
und  hat  die  gen  gutten  frawen 

also  betrogen. 

daz  claig  ich  euch  und  ist  mir 

laid: 

260  sie  sprach:  *sag  an,  fraw  Stettikait, 
waz  ist  dar  umb  in  ewrem  syn'f’ 


195  bis  198  a««  to,  fdiiett  g.  229.  seid  g,  sey  to. 

196.  dein  to.  236  bis  etm  Schluß  ergänzt  ttach  to. 

211.  Das  =  Das  sie,  tote  12  sei. 


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118 


II.  Be$lrafie  Untreue. 


Die  Stet  sprach:  ‘ynnd,  fraw 

Myn, 

tcoU  ir  mir  gynncn  das  ich  sprich 
und  mich  mit  wortten  an  in  rieh?' 
265  fraw  J^yn  die  sprach :  ‘  dir  sey 

ytan' 

sie  sprach:  *so  wil  ich  heben  an 
und  teil  im  wünschen  das  seinen 

leih 

hassen  alle  werden  weib, 
und  das  in  weder  man  noch  fraw 
270  kaines  gtdten  nit  yetraw. 

daz  wünsch  ich  im,  daz  ist  sein 

recht, 

wan  er  ist  geicessen  schlecht 
gen  ir  als  aines  kreßners  stab, 
auch  gat  im  an  der  warhait  ab, 

275  die  hat  er  vast  an  ir  gespirt. 

ich  waiß  wol  daz  kain  fraw  mir 

wirt 

sie  hob  als  gantzer  stett  gepflegen, 
die  er  hatt  lassen  ander  wegen.' 
Fraw  Drey  stund  auff  und 

sprach: 

280  ‘ich  mag  von  schulden  clagen;  ach 
daz  sein  leib  ye  ward  geporen, 
an  dem  vil  trete  ist  verloren! 
dar  und)  wünsch  ich  dem  unge- 

trewen 

daz  muß  sein  laid  newen, 

285  und  weß  sein  hertz  zu  freteden  ger, 
das  sich  daz  edles  in  laid  verkör, 
und  wer  in  tretven  und  in  stet  ge- 

haist, 

[69»]  daz  im  der  nitz  wan  untrew  laist. 
daz  ist  vor  Gott  sein  rechter  Ion, 


290  wan  er  daz  selb  auch  will  thun. 
ich  waiß  die  gutten  in  den  trewen 
deu;  mich  ir  trew  muß  ymer  rewen. 
die  sie  an  im  verloren  hatt. 

Gott  geb  ir  aller  seiden  rat, 

295  daz  kann  ir  trew  verdienen  y>ol. 
nit  anderst  man  ir  wünsche  sol.' 

Fraw  Lieb  drat  da  zu  hand 

het'  für. 

sie  sprach:  ‘an  ewr  red  ich  spir 
daz  ewr  clag  ist  halben  mein, 

300  seit  das  sich  in  dem  hertz en  sein 
aü  rechte  lieb  verendet  hatt. 
ich  wand  daz  ich  von  dem  stat 
seines  hertzen  nit  wolt  kumen 
[70r]})iß  ffuxr  der  tod  hett  benomen. 

305  daz  mag  nit  sein,  sich  hat  verkerf 
sein  hertz  unstetter  liebe  gert. 
die  hatt  in  gar  von  mir  vertribeu, 
und  ist  an  nyemant  stet  pliben. 
dar  unib  wünsch  ich  im,  als  ich 

kan, 

310  daz  sich  sein  schand  muß  hd)en  an 
und  daz  sein  er  als  vergee 
als  in  dem  sutner  thät  der  sehne, 
und  daz  all  sein  friund  sich  schä¬ 
men 

seiner  gepurd  und  seines  namett 
315  und  im  lützel  güttes  verjechen. 
kain  lieb  im  nymer  mäß  geschecheti. 
und  wer  im  aller  2aides^  sey, 
der  won  im  stettigclicken  bey, 
und  wan  er  hob  ain  lieben  won, 
[70»]  der  müß  im  mit  grossem  laid  zer- 

gan. 

321  daz  wünsch  ich  im  inmeinem  m&t. 


278.  l.  krefimera  H. 
276.  mir]  l.  mer?  H. 
280.  clagen  H,  fehlt  to. 
284.  sie. 

294.  sede  seiden. 

295.  sol. 


901.  Als. 

904.  Biß  =  Bifi  ez. 

906.  TBstetten. 

907.  mich. 

914.  Deiner. 

817.  liebest 


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11.  Bestrafte  Untreue. 


119 


fcan  die  rain  fraw  g&tt 
heit  rechte  lieb  in  irem  hertzen 
mit  schimpffen,  schal  und  schertzen, 
325  dez  ist  sie  sicherlich  tcol  bewert; 
ir  hertz  ye  rechter  lieb  begerV 
Da  die  red  alle  waz  geschechen, 
fraw  Myn  begund  zu  in  allen 

jechen : 

*ich  hör  wol,  ir  send  im  gran. 

330  dcu!  pin  ich  auch  im  allsam, 
wan  daz  ist  vor  Gott  sein  recht, 
er  sey  ritter  oder  knecht, 
der  sollich  mort  an  frawen  th&f, 
dem  Süllen  alle  frawen  gütt 
335  nymer  wessen  trete  noch  hold. 

171»*]  daz  hatt  sein  untrew  wol  ver¬ 
schuld.* 

fraw  Myn  sprach:  *ich  will  daz  ir 

all  drey  verhaissent  mir 

daz  ir  im  kainen  dienst  thüit, 

340  und  rattent  allen  frawen  gütt 
daz  sie  von  seiner  liebe  ziechen 
und  sein  groß  untrew  fliechen.* 
sie  sprachen:  ‘fraw,  daz  sey  ge- 

than. 

er  sol  kain  dienst  von  uns  mer 

han. 

345  damit  siilt  ir  uns  Urlaub  geben.* 
sie  sprach:  ‘Gott  müß  etvr  pflegen!* 
Also  die  frawen  schieden  sich, 
in  meinem  syn  gedacht  ich 
waz  mir  zu  thün  wär. 

350  mir  waz  leib  und  mütt  schwer, 


330.  in. 
384.  aller. 


wan  ich  waz  alles  trostes  frey, 

[71']  mir  wont  auch  nyemant  bey. 

da  begund  verdriessen  mich  der 

zeit. 

der  gart  tcaz  lang  und  weit, 

365  ich  sach  hin  und  sack  her 
und  sach  laider  nyemant  mer 
der  mir  gab  hilff  oder  trost, 
daz  ich  von  trewen  waz  erlöst, 
ich  mocht  nit  lenger  do  pleiben, 

360  die  nach  begund  mich  do  von  trei¬ 
ben. 

ich  gieng  biß  ich  haim  kam. 

Also  mein  fart  ain  end  nani. 
aber  mein  laid  sich  endet  nicht 
es  geschech  den  ain  geschieht 
365  da  von  mir  kern  ain  gutter  müt. 
auch  pitt  ich  all  frawen  gütt 
daz  sie  gedencken  an  dieser  frist 
wie  es  mir  ergangen  ist. 
halt  ewr  hertz  bey  der  zeit  inn, 

370  daz  es  euch  nit  zu  ver  entrinn, 
und  lat  euch  wessen  nit  zu  geuh! 
gedencket  waz  künftig  wirt  dar¬ 
nach: 

nit  wen  laid  und  grossen  nott. 
dar  vor  pittent  euch  behütt  Gott. 
375  all  die  sein  noch  überig  sein, 

ir  werden  frawen,  gedenckent  mein 
und  wunschent  mir  hail  durch  ewr 

gut. 

damit  uns  Gott  alle  behütt! 


372.  Gedencke. 
377.  gttt  fehU. 


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120 


12.  Der  Minne  GerielU. 


12. 

Der  Minne  Gericht 


[30»]  Des  morgens  in  dem  külen  tow 
kam  ich  gegangen  in  ain  ow 
spatzieren  durch  verdriessen. 
zu  aines  prunnes  fliessen 

5  kam  ich  gar  vergeben, 
mein  hertz  in  frod  tett  leben, 
da  sach  ich  pl&mlin  one  zal; 
pr&n  wolgemät  und  die  wal, 
vergiß  mein  nit  plab,  das  plftmlin 

hei, 

10  gedenck  an  mich,  die  plämen  gel 
lachten  da  wider  ain  ander, 
und  ich  also  wander, 
da  fröt  ich  »uch  im  hertzen, 

15  paide  vogel  und  die  tier, 
das  by  mein  zitten  mir 
nie  sölicher  lust  begegnet  was 
alß  ich  zß  wald  und  in  dem  graß 
vand  under  des  mayen  ob  dach. 

20  mit  dem  die  sunn  her  prach 
brunschlich  als  ain  zänder. 
mein  hertz  nam  michel  wunder 
wie  es  der  may  also  kund 

schicken. 

Mit  dem  gund  ich  erplicken 
li?i»‘]ain  frow  by  dem  brunnen. 

26  in  fröden  richer  wunnen 
grüst  ich  die  tugentlich 
und  sprach:  ‘ir  werde  frow 

wunneclich, 

was  sächt  ir  in  deß  maien  zier 


30  all  hie,  das  s&llt  ir  sagen  mir.* 
sie  antwürt  mir  uß  betrübtem  müt 
und  sprach:  ‘lieber  gesell  gät, 
durch  belangen  und  verdriessen 
bin  ich  zfi  desß  prnnnen  fliessen 
35  her  körnen  den  may  zü  schowen, 
die  liechten  plämen  Inder  owen 
und  zehöm  der  klainen  fögel  1 

singen,  1 
die  in  dem  wald  lustlich  erclingen! 
dar  durch  ob  mir  vergieng  swär.’ 
40  ich  sprach :  ‘  nun  sagt  ir  mir 

rechte  mär, 

ir  werdes,  mynnecliches  pild, 
ob  ir  durch  deß  mayen  milt 
sint  körnen  her  durch  fröden  lost 
oder  umb  ander  sach  snnst?’  — 

45  ‘ja,  geseU,  durch  deß  mayen  hail 
und  ouch  umb  cfäglich  sach  ain 

tail, 

die  mir  senden  an  lügen  töt; 
und  wisß  ouch,  tmtt  gesell  güt, 
ich  bin  betrftpt  im  hertzen 
50  und  trag  haimlichen  smertzen 
[^i'ltüff  in  mineß  hertzen  grnnd. 
ich  bin  versert  und  verwunt 
tieff  mit  untruwen  wauffen. 
das  ich  ie  ward  beschaffen, 

55  das  dag  ich  ymmer  und  ewenclicb. 
ach,  höchster  Gott  im  himelrich, 
lauß  vallen  her  ab  ainen  stain 

zetal, 


9.  pl&mln. 

13.  acb. 

14  fehlt;  l.  etwa:  Wan  ich  sach  da 
scberUen. 


18.  ich  fehlt. 
46.  tiglich. 
56.  h&cbter. 


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13.  Der  Minne  Gericht. 


121 


der  mich  hie  all  zu  mal 
erschlach  zfi  tod  an  diser  stat! 

60  0  her,  sol  mein  werden  nymmer 

rant, 

das  sich  mein  unhail  waicher, 
her  GK>t,  so  ist  all  mein  begir 
dn  laust  mich  gar  ersterben 
und  in  deß  merß  gmnd  verderben, 
65  da  mit  ich  käm  deß  jamers  ab!* 
ich  sprach:  ‘ach  frow,  üwers  her- 

tzen  dag 

pringt  mir  sicher  selber  smertzen.’ 
sie  sprach:  ‘mein  lachen  und  min 

schertzen, 

gesell,  ist  mir  zd  dag  und  wainen 

worden.’ 

70  ich  sprach:  ‘pfüw,  es  ist  erst  ver- 

lom! 

klagt  maßlich,  ir  minneclichs  pild, 
fröt  uch  hie  deß  mayen  mild 
und  der  liechten  plfimlin  prechen, 
zart  raines  wib,  tät  mir  vergehen 
75  was  doch  sy  üwer  clagen  pinl’ 
[22r]  Sie  sprach:  ‘lieber  gesell  mein, 
wist  ich  dich  als  trüw  vesten, 
ob  ich  mich  tett  gen  nch  engesten, 
das  dn  mir  triülich  rant  weitest 

geben, 

80  so  wdlt  ich  dir  mein  claglichs 

leben 

gern  machen  offenbar.’ 

ich  sprach:  ‘zart  frow,  das  sölt  ir 

gar 

gen  mir  on  allen  zwifel  sein 
das  hertz,  synn  und  der  müt  mein 
85  deß  hin  fftr  nymmer  melden  sol.’ 
sie  sprach:  ‘gesell,  ich  trüw  dir 

wol, 

dn  tdst  mir  trülich  raut  geben, 


61.  l.  waiche  mir  R. 
111.  As]  Vnd. 


SO  will  ich  dir  recht  als  mein 

leben 

sagen,  all  meinß  hertzen  dag. 

90  sid  dich  Got  uff  disen  tag 

zn  mir  her  gefügt  hant  in  disen 

may 

und  nnr  allain  wir  zway 
sind  körnen  in  deß  mayen  rieh, 
so  h6r,  gesell  tngentlich: 

95  ich  dag  Aber  ain  ritter  herte 

dag, 

dem  ich  vil  mengen  tag 
tragen  hab  lieb  und  stAte  trüw. 
nun  hant  in  recht  affterrüw 
begriffen  und  besessen, 

100  und  haut  min  gar  vergessen, 
alß  ob  er  mich  nie  erkant  hab. 
[^.9*]  noch  ist  ains  mein  gröste  dag: 
er  haut  mich  verkert  mit  ainer 

andern, 

die  ist  von  Flandern. 

105  die  selb  zfl  aller  zitt 

ainen  nmb  den  andern  gitt. 
das  tAt  mir  am  wArsten  im  her¬ 
tzen. 

dar  nmb  all  mein  fröd  und  scher¬ 
tzen 

ist  mir  zA  grossem  trAbsal  wor¬ 
den, 

110  nnd  dag  das  ich  hon  gar  verlom 
an  im  all  mein  lieb  nnd  stAtikait, 
wann  ich  im  allzitt  was  berait 
in  züchten  nnd  in  eren 
dett  ich  in  allzitt  geweren 
115  alles  das  sein  hertz  begert. 
ich  hab  in  ouch  gelert 
gAt  ritterlich  sach  zA  triben. 
man  möch^  nit  halbs  vol  schri- 

ben 


118.  möchtzt. 


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122 


12.  Der  Minne  Gericht. 


die  untrüw  als  mir  ist  geschen- 

hen.’  — 

120  *zart  frow,  nun  tdt  mir  ainß  ver- 

jehen : 

mag  ucti  niemand  von  dag 

bringen?’  — 

‘ach,  gesell,  ich  hab  klain  ge- 

dingen 

das  ich  nymmer  erfröwt  mag 

werden, 

dann  ich  hie  uff  diser  erden 
125  mein  zitt  in  laid  vertrib. 
doch  gesell,  hie  belib, 
desß  bit  ich  dych  durch  alle 

trdw, 

ob  noch  möcht  werden  nüw 
[^3'-jfröd  uns  baiden. 

130  mich  haut  alher  beschaiden 
frow  Mynn  uff  disen  tag 
und  wil  verhdm  hie  min  dag. 
s6  wil  mir  ouch  raut  geben 
wie  ich  hin  f&r  min  leben 
135  an  fäch,  da  mit  ich  an  frdd  nit 

Verderb 

und  als  gar  an  hohem  müt  nit 

sterb, 

als  ich  zu  ir  hab  ain  trauu^en.’ 

Secht,  da  sach  ich  durch  die 

owen 

frow  Mynn  dor  her  varen 
140  inrott  als  der  orden; 
rott  bedütt  die  mynn. 
sie  sprach:  ‘ir  höchste  richterin, 
frow  Mynn,  nun  höret  min  dag 
und  hertzelaid  als  ich  trag, 

145  wann  ich  vor  jamer  nit  reden 

kan, 

und  bit  uch,  ir  erloubt  mir  disen 

man. 


121.  och]  dQ. 
137.  traomn. 


das  er  üch,  frow  Mynn,  f&r  mich 

mach  kunt 

meinß  laides  den  aller  höchsten 

punt.’ 

frow  Myn  sprach:  ‘ich  gan  im 

sein  woL’  — 

150  ‘nun  hört,  sid  ich  dagen  sol 
an  ir  stat  uch,  frow  Mynn; 
ir  höchste  richterin, 
ir  senhetz  in  swartz  däglich 
mit  gewunden  henden  sendlich, 

155  ire  ougen  Überflossen, 


1^3»]  der  raine  ire  wenglin  rott. 

nun  hör,  frow  Mynn,  ir  dag  und 

not: 

sie  clagt  üwem  gnaden  frü  und 

spaut 

160  das  sie  ainer  engolten  haut 
ir  überflüssiger  trüw, 
die  ir  allzitt  gen  im  was  nüw 
on  alles  wencken; 
wann  sie  dett  nie  gedencken 
165  anderß  dann  lieb  stüt  an  im  zn 

halten. 

nun  haut  er  sein  trüw  und  lieb 

gespalten 

an  ir  on  alle  schuld. 

* 

dar  umb  sie  lidet  und  dult 
tag  und  nacht;  haimlichen  smer* 

tzen 

170  haut  sie  an  irem  hertzen ; 

ir  sy  ouch  fröd  und  wunn  ver¬ 
gangen, 

sie  hab  ouch  laides  zangen 
begriffen  starck  mit  ir  krafft, 
das  sie  sy  gantz  dorhafft 
175  worden  von  siner  untrüw, 

die  ir  täglich  von  im  ward  nüw. 


140.  l.  der  myon  orden  ?  VgL  v.  571  f. 
160.  l.  engelten  laut? 


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12.  Der  Minne  OerichL 


123 


frow  Mynn,  das  tfit  sie  ueh  sagen 

and  herteclich  clagen, 

frow  Mynn,'  und  bit  nch  raut  ze- 

geben, 

180  da  mit  sie  hin  für  ir  leben 

anheb,  da  mit  sie  werd  gerochen.’ 
frow  Mynn  sprach:  ‘syd  er  haut 

zerprochen 

sein  lieb,  st&tte,  trüw  an  dir, 
rain  sAlig  wib,  nun  folg  mir 
185  und  ker  von  im,  wann  er  ist 

varnde  hab, 
und  schrib  im  er  sy  ouch  schabab. 
syd  nun  die  schuld  din  nit  ist, 
so  wigs  ouch  ring  zu  aller  frist 
und  gedenck:  ‘‘was  ich  nicht 

haben  sol, 

190  des  trüw  ich  mich  verwegen  wol.” 
wann  er  haut  Abel  an  dir  geton, 
dar  umb  soltu  in  faren  Ion. 
doch  soltu  disen  ouch  fraugen. 
main  ich  er  wiß  dir  ouch  zü  sagen 
195  was  gehört  zü  lieben  Sachen.’ 
mein  hertz  ward  da  in  fröden 

lachen 

das  mir  die  aubentür  beschert 

was. 

ich  sprach:  ‘frow  Mynn,  alles  das 
das  ich  der  rainen  west  zü  rauten 
200  oder  da  mit  ich  ir  west  körnen  zü 

statten, 

frow  Mynn,  das  dett  ich  ir  gern.’ 
die  betrübt  sprach:  ‘gesell,  tü 

mich  gewem 
und  raut  mir  noch  mer  in  trüwen, 
da  mit  ich  uß  den  affterrüwen 
205  möcht  körnen  und  laides  würd  an; 
wenn  ich  verste  dn  siest  ouch  der 

weit  man. 


und  sich  wol  das  dir  wonet  by 
der  weit  louff,  wie  dem  sy. 
dar  umb  tü  mir  dinen  raut  noch 

geben.’ 

210  ich  sprach:  ‘Got  laus  Ach  mit  sei¬ 
den  leben, 

zart  sülige  wib,  ich  raut  uch  gern, 
und  gelobt  mir  by  minen  ern: 
möcht  ich  uch  selber  helfen 

rechen, 

dar  umb  wölt  ich  gern  zuprechen 

215  spieß  scherpff  uff  schiltes  rannt, 
wenn  mich  ie  deß  mein  trüw  er- 

mant 

umb  das  als  er  an  nch  haut  ge¬ 
ton; 

deß  solt  ir  keinen  zwifel  hon. 
doch  will  ich  uch  me  raut  geben. 

220  volgt  mir  und  verkert  üwer  leben 
wider  zü  gütem  müt. 
das  raut  ich  üch,  zart  frow  gut, 
und  laust  in  sin  wer  er  sy, 
und  werdent  wider  mütes  fry 

225  und  fröwt  nch  mit  den  fröwden 

riehen 

und  tünd  niernt  deß  geleichen 
samb  nch  laid  sy  geschenhen. 
ouch  tünd  üwer  laid  suß  niemant 

verjenhen, 

wann  offt  tüt  ains  clagen  ainem 

sin  swär, 

230  es  sÄch  lieber  das  sin  mer  wir. 
so  vindt  ir  noch  gesellen  vil, 
die  fröd  und  ritterliche  spil 
durch  iüwer  gepott  triben.’  — 
‘swig,  gesell,  das  wil  ich  lanssen 

bliben. 

[^5'-]kainer  lieb  der  pflig  ich  nymmer 

mer. 


204.  den  fefüt,  itt  aber  nach  affter  ge- 
strichen. 


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124 


J2.  Der  Minne  QerichL 


236  und  gloub  mir  uff  min  er: 
solt  mir  noch  ainest  also  be- 

schehen 

das  ich  aber  ainem  tet  Terjehen 
stäte  lieb  nnd  wari  trdw, 

240  und  das  er  dann  die  aifter  rüw 
gen  mir  mer  solt  gewinnen, 
e  wil  ich  deß  gedingen 
leben  und  gedencken,  ob  ich  nicht 

hon, 

das  ich  doch  nichts  Verliesen  kan. 
246  so  hab  ich  vor  laid  rfi  und  rast 
nnd  von  senen  kain  überlast, 
und  wil  ouch  kain  wechssel  triben, 
in  stütt  und  trüw  also  z&  beliben, 
er  tü  recht  an  mir  was  er  well. 
250  da  von,  trut  gesell, 

sölichs  rautz  volg  ich  dir  nit’ 
ich  sprach:  ‘frow,  nympt  üch  der 

syt! 

bednnck  üch  mein  raut  nit  gfüt, 
so  fragt  frow  Mynn,  die  honch 

gemüt, 

255  die  üch  nß  sölichem  laid 
wol  gantze  nnderschaid, 
waist  trüwen  raut  zfl  geben, 
wie  du  dann  uch  haist  leben, 
da  wider  süllt  ir  nit  sin.’  — 

[25»]  ‘  wolhin,  lieber  gesell  min, 

261  erst  rautscht  du  mir  recht  und 

wol. 

dinß  rautz  ich  dir  folgen  sol. 
nun  kum  ich  wider  an  uch,  frow 

Mynn: 

raut  mir  noch  dar  inn 
265  uff  den  raut  den  mir  diser  tüt. 
da  mit  raut  mir,  frow  Mynn  gut, 
das  ich  nit  kum  in  grossu  rüw. 


nnd  rantent  uff  ewer  wäre  trüw, 
und  man  uch  üwers  höchsten 

Orden, 

270  alß  ir  habt  geswom: 
wa  ir  yemant  erfamd  tüt 
do  man  mit  unstütem  müt 
lieb  nnd  trüw  wolt  letzen, 
die  weit  ir  alle  setzen 

275  indas  lannt  gen  Bewental, 

das  in  da  nymmer  mer  kain  maul 
von  lieb  kain  g^t  me  sol  ge¬ 
schehen. 

nun  tünd  ir,  frow  Mynn,  selber 

jenhen 

das  diser  mich  von  stät  wölt  kern 

280  und  weit  mich  unstüt  lern, 
da  mit  ich  küm  in  grosses  laid.’ 
der  gesell  sprach:  ‘uff  mein  aid, 
frow,  das  verantwürt  ich  gen 

ewem  trüwen: 

gelobend,  es  müst  mich  ymmer 

rewen 

285  sölt  üch  mein  raut  zu  schaden 

körnen. 

[^'‘lich  main  ir  habend  mich  nit  recht 

vemomen. 

ich  raut  üch  nur  zü  fröden  das 

pest, 

und  gelonbt:  das  ich  west 
das  üch  min  raut  verfüm  solt, 

290  so  gelobnd  das  ich  wolt 
e  an  lib  und  güt  verderben 
und  selber  an  hohem  müt  sterben, 
da  von  tünd  mich  nit  verdencken, 
zart  frow,  ich  wolt  üch  ungern 

krencken 

295  an  fröwden,  das  uch  nit  wir  zä 

synn. 


252.  spracht  aus  spricht.  dritten  Person,  teie  auch  v.  344.  403.  512.  515; 

282.  Der  Dichter  redet  von  sich  in  der  vgl.  auch  v.  824. 


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12.  Der  Minne  Gericht. 


125 


dar  nmb  so  fraugt  frow  Mynn 
ob  ich  an  allen  argen  wan 
üch  dar  inn  nit  recht  gerauten 

hon. 

das  wil  ich  ach  bAssen  gern, 

300  wie  mich  frow  Mjrnn  tfit  lern, 
und  gern  abtragen,  ob  ich  kan.’ 
sie  sprach:  'da  bist  ain  gfitter 

man. 

mainstu  das  ich  bäß  an  dich  be- 

ger? 

ich  waiß  wol,  din  raut  and  1er 
305  gibstn  mir  in  trAwen  und  in  güt. 
aber  mein  sin  und  stAtter  müt 
mag  es  am  hertzen  nit  gehon.’ 
frow  Mynn  sprach:  ‘ich  wil  üch 

sagen, 

ir  betrAbten  fröwden  an: 

310  sinen  raut  ich  nit  verpessern  kan, 
den  ach  diser  geben  tüt. 

[56*]  dann  stellet  wider  üwem  müt 
zA  den  frowden  riehen, 
so  tüt  üch  laid  entwichen. 

315  das  raut  ich  üch  offenlich, 
wann  ir  volgend  billich 
all  hie  disem  trüwen  man, 
alß  yer  ich  mich  versynnen  kan, 
wan  er  git  üch  trüwen  raut. 

320  ir  müg^  wol  an  ain  andriu  stat 
ewem  schrägen  zü  besserm  markt 

setzen 

gen  ainem  der  üch  tü  ergetzen 
ewers  laids  und  swArer  dag, 
doch  also  das  er  uch  ouch  trag 
325  stAte  lieb  on  alles  verkem, 
und  tüt  suß  kain  gewern, . 
ir  erkennet  dann  sin  trüw  recht, 
vindent  ir  in  dann  trüw  und 

schlecht. 


so  tünd  nach  sinem  willen  leben. 

330  kainen  bessern  raut  kan  ich  üch 

geben. 

so  Wirt  uch  noch  mer  tr&^d  zü 

tail 

und  vergant  üch  aJls  üwer  unhail.’ 

Mit  dem  kam  frow  StAt  ge¬ 
gangen 

und  ward  lieplich  enpfangen 

335  von  frow  Mynn  und  ouch  von  mir. 
‘noch  ains  wellend  rauten  wir, 
gesell,  diser  eilenden, 
ob  mir  ir  laid  möchtin  wenden: 

(^7»-]sid  frow  Stett  ouch  zü  unß  ist 

körnen, 

340  als  du  das  ouch  haust  vemomen, 
das  sie  es  auch  raut  tA  bitten; 
wann  die  durch  stAte  Sitten 
ir  dar  inn  billich  rauten  sol.’ 
er  sprach:  ‘frow  Mynn,  es  gefeit 

mir  wol.’ 

345  die  betrAbt  sprach:  ‘ich  bit  sie 

gern, 

wenn  wer  mich  möcht  wisen  oder 

lern 

da  mit  ich  kAm  uß  den  Sachen; 
gesell,  so  tü  kündig  machen 
an  miner  stat  frowen  StAtt, 

350  und  wie  man  mich  trüw  engelten 

laut, 

das  tü  ir  alles  machen  kunt, 
alles  meinß  laides  ain  rechten 

grund, 

so  waist  sie  mir  dar  inn  zü  rauten 
und  dester  baß  körnen  zü  statten.’ 

355  also  erzellt  ich  frow  Stet  ir  leben, 
die  ir  ouch  sölich  raut  tett  geben; 
frow  Stett  sprach:  ‘so  raut  ich 

üch 


297.  an^n. 

322.  Gemainem. 


328.  sw&re. 
331.  frow. 


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126 


12.  Der  Minne  Gericht. 


nff  mein  statu  trüw, 
euch,  vil  rain,  s^lig  wib, 

860  das  ir  mit  uwern  jungen  lib 
ewer  gemüt  wider  kerent 
zu  ainem  andern  der  üwer  be- 

geret, 

der  uch  lieb  und  sUtt  tii  halten 
und  sin  trüw  nit  tfi  Si)alten, 

[27  r]  als  ich  hör  das  der  erst  hab  ge- 

ton. 

866  nit  baß  ich  uch  gerauten  kan, 
wann  es  wür  schad  uff  min  aid, 
sölt  ir  in  solichem  hertzen  laid 
ewer  zitt  uff  erden  vertriben. 

370  lond  den  schnöden  beliben 
mit  siner  unstat  wer  er  sy, 
und  laust  uch  machen  möttes  fry. 
man  vindt  noch  ritter  gut, 
dar  zu  gesellen  houch  gemüt. 

375  die  noch  kindent  fröd  machen 
mit  ritterlichen  Sachen 
und  die  stüte  orden  tragend, 
naintz  bessers  waiß  ich  üch  ze- 

sagen.’ 

sie  sprach:  ‘ir  sagent  mir  güte 

mür. 

380  wa  vindt  man  sie  aber  öngefür 
den  man  möcht  getrüwen 
und  gantz  nff  sie  puwen? 
ich  besorg  man  vind  ir  keinen 
die  uns  mit  trüwen  mainen, 

385  sid  mich  der  haut  verlaussen 
der  mir  uß  der  maussen 
uff  erd  der  aller  liebst  was. 
ir  sond  ouch  für  war  wissen  das: 
er  schwör  mir  den  höchsten  aid 
390  das  er  durch  lieb  noch  durch  laid 
[^8'‘]mich  nymmer  wölt  verkern. 


364.  Bchalten. 

396.  sehen. 

415 /f.  vgl  V.  467  ff. 


mein  trüw  tett  mich  ouch  lern 
das  ich  im  wider  swem  tett 
ach  Got,  wie  offt  an  menger  stet 
395  ist  das  von  uns  baiden  beschehen 
das  ich  im  offt  in  lieb  tett  ^‘ehen 
das  sin  lieb  mein  hertz  durch  gie! 
ach,  ich  waiß  wol  wenn  und  wie! 
das  ist  nun  laider  alles  verlom. 

400  Gott  weit  das  ich  nie  war  gebom 
worden  von  müter  lib!’ 

‘erhör  ouch,  sülig  wib’, 
sprach  der  gesell  und  bald  frowen. 
‘hab  zü  der  weit  ain  pesser  trü¬ 
wen 

405  und  zü  fröden  güte  Zuversicht! 
ain  sölichs  laider  offt  geschieht 
das  trüw  ains  am  andern  tüt 

prechen. 

das  kan  frow  Mynn  mit  recht  wol 

rechen. 

dar  umb,  zart  frow,  gehabend  üch 

wol, 

410  wann  üch  ye  recht  ergon  sol 
von  dem  der  übel  an  üch  haut 

geton. 

dar  an  sond  ir  keinen  zwifel 

hon.’  — 

‘frow  Stett,  weit  ir  mir  deß  trost 

geben, 

so  will  ich  gern  fröwlichen  leben, 
415  biß  ich  in  zü  recht  mag  pringen.’ 

‘frilich  hab  trost  und  gedingen’, 
1^8 '1  frow  Mynn  und  St&t  sprachend 

baid, 

‘d«r  sol  hie  on  underschaid 
recht  widerfam  nach  diner  ger, 
420  und  wiß  das  uns  kome  her 
etlich  frowen  zü  dem  rechten 


418.  Du  soll. 

420.  l  komen,  wie  maiuio  r.  423  u.  ö. 


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12.  Der  Minne  Gericht. 


127 


mit  vil  ritter  und  knechten, 
die  ouch  maini  z&  clagen. 
dir  haist  ouch  frow  Mynn  sagen 
425  sie  wel  das  recht  selber  besitzen 
und  mit  gütten  witzen 
trüwlich  dar  ob  sein.’ 

Mit  dem  kamen  die  frowen 

rain, 

frow  Lieb  und  frow  Trüw, 

430  frow  Zucht  und  Er,  die  gehewr, 
frow  Maß  und  frow  Scham, 
der  frowen  aller  höchster  nam; 
die  tett  frow  Mynn  lieplich  en- 

pfahen. 

sie  tetten  all  z&  ir  gaben 
435  und  sprachend:  ^frow  Mynn, 
ir  höchste  richterin, 
was  püt  dwer  gnad  nnß  allen?’  — 
‘ir  frowen,  es  ist  gevallen 
ain  frow  in  hertzeliche  dag. 

440  der  hon  ich  ainen  recht  tag 
[-29^]  beschaiden  geh  ainem  ritter, 
der  ir  suß  ze  bitter 
gemacht  haut  mit  seiner  nnstat 
und  sie  trüw  engelten  laut. 

445  ir  frowen,  die  müß  wir  schlecht 

machen 

mit  ritterlichen  Sachen, 

wann  sie  das  recht  röfft  swürlich 

an.’  — 

‘frow  Mynn,  sag  unß,  wer  ist  der 

man?’  — 

‘ir  frowen,  er  ist  von  Wangkel- 

stein. 

450  zö  Unstettem  felß  ist  er  da  haim, 
und  in  Falscheneck  ist  er  be- 

huset.’  — 

‘nun  pfü,  dar  ab  unß  gruset, 
ab  siner  slöß  bösen  namen. 


er  mag  wol  sein  von  bösenn 

stammen 

455  kummen,  das  gloub  mir. 

rain  sülig  wib,  wir  wellind  dir 
recht  gen  im  laussen  gon. 
er  m&ß  aber  gen  dir  ston 
in  recht,  das  man  hör  din  dag, 

460  all  hie  hüt  nff  disen  tag, 

wann  er  kumpt  ouch  für  unß 

her.’  — 

‘frow  Mynn,  das  ist  mines  hertzen 

ger, 

wann  er  dar  wider  nicht  mag 

sprechen ; 

ich  trü  und  hoff,  ir  sond  mich 

rechen  ’, 

465  sprach  die  betrübt  wider, 

[-29«’] ‘wann  er  ist  falsch  und  nit 

bider.’ 

‘frilich  hab  trost  und  gedingen, 
wir  wellind  dirn  zü  recht  pringen’, 
sprachend  die  frowen  wider  paid, 
470  ‘dir  sol  hie  on  underschaid 
recht  hergon  nach  diner  ger, 
alß  denn  frow  Mynn  ist  körnen 

her 

zü  unß  in  dise  owen 
mit  disen  frowen  und  jungfrowen.’ 
475  Do  sprach  frow  Mynn  hoch  ge- 

müt: 

‘so  wol  her,  ir  frowen  gfit, 
und  sitz  her  zü  mir  nider 
und  laust  unß  diser  frowen  pider 
recht  sprechen  und  hergon 
480  gen  dem  der  da  hie  sol  ston 
gen  ir  hüt  umb  trüw  und  er.’ 
mit  dem  giengen  die  frowen  her 
und  sprachend;  ‘hoch  gelopte  Min, 
deß  rechten  ain  rechte  richterin, 


430.  Er]  l.  Tugend,  wie  v.  493  und  755  ?  '  484.  rechtelichterin. 

451.  in  fehtt. 


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128 


12.  Der  Minne  Gericht. 


485  sitzt  ander  unß,  wer  uch  gefall.’ 
frow  Mynn  sprach:  ‘nun  sitzt  all. 
by  erst  so  sitzt  nider,  frow  Stätt; 
nempt  z&  üch  frow  Trüw,  ir  sind 

min  raut; 

frow  Lieb,  ich  haiß  üch  ouch 

sitzen; 

490  frow  Zucht,  nun  sitzt  mit  witzen 

[30»-]  und  sitzend  zu  disen  frowen  her, 
das  püt  ich  üch  by  mynne  ger. 
frow  Tugend,  frow  Scham, 
der  frowen  aller  höchste  nam, 

495  sitzt  zü  den  andern  frowen  nider; 
frow  Maß,  ir  raine  frow  pider, 
sitzt  ouch  zü  disen  frowen  her, 
und  lond  unß  hören  wer 
über  den  dag  so  herte  dag. 

500  dar  nach  ich  üch  deß  rechten 

fraug.’ 

Mit  dem  setzt  sich  frow  Mynn 
und  sprach:  'wem  sy  zü  synn 
zü  clagen,  der  kam  her!’ 
die  betrübt  frow  sprach:  ‘ich  be- 

ger 

505  ains  der  mir  mein  wort  die  spre¬ 
chen, 

*  frow  Mynn,  der  üch  herzel  minen 

prechen.’ 

frow  Mynn  sprach:  ‘ich  gan  üch 

sin  wol, 

so  vil  ich  dann  durch  recht  sol.’  — 
‘frow  Mynn,  so  beger  ich  deß 

510  der  alhie  in  des  maies  beses 

by  unß  ist  gewesen  disen  langen 

ta^.’ 

also  gewan  sie  in  mit  fraug. 
sie  sprach:  ‘gesell,  sprich  mir 

mein  wort, 

alß  du  hüt  von  mir  haust  gehört, 


515  tü  es  durch  aller  frowen  er!’ 

er  sprach:  ‘sid  ich  bin  körnen  her, 
[30»]  frow,  zü  solicher  aubentür, 

so  wil  ich  üch  gern  lern  und  stür 
geben,  so  ich  best  kan, 

520  so  ver  es  mir  mein  frow  Min 

gan.’ 

frow  Mynn:  ‘ich  gan  dirs  wol. 
ain  yeglicher  trüwlich  helfen  sol 
des  rechten,  als  er  best  kan.’  — 
‘frow  Mynn,  so  ding  ich  sie  an, 
525  ob  ich  sampt  und  nit  recht  1er, 
da  sü  mich  dann  wol  verker 
mit  ainem  der  es  wol  verste, 
da  mit  ir  doch  recht  erge.’ 
frow  Mynn  sprach:  ‘du  haust  ir 

gedingt  wol.’  — 

530  ‘so  hört,  syd  ich  ir  reden  soi 
frow  Mynn,  so  hört  der  betriepten 

dag. 

sie  clagt  sie  hab  all  ir  tag 
ain  ritter  gelieb  in  lieb  und  sUt, 
der  sie  nun  trüw  engelten  laut 
535  der  hab  fälschlich  an  ir  geton 
und  hab  sie  trüw  engelten  Ion. 
er  hab  ouch  haimlich  hinder  ir 
sein  hertz,  sin,  müt  und  begir 
einer  ander  gewaltig  machet. 

540  dar  umb  ir  hertz  er  krachet, 

[31 »]  dar  umb  sie  an  fröwden  müß  ver¬ 
zagen. 

frow  Mynn,  sie  tüt  ouch  me  cla¬ 
gen 

sie  hab  in  zü  gütten  Sachen 

praucht, 

dar  an  er  sunst  nie  het  gedaucht, 
545  und  hab  im  des  ersten  herweckt 

den  müt, 

alß  noch  vil  menge  frow  tüt. 


490.  z.  frow  schäm  nO.  526.  Da  =  das  vor  s,  wie  v.  851  u.  13 ae.  lu. 

505.  die]  l.  hie  tS  ? 


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12.  Der  Minne  Gericht. 


120 


da  mit  sy  er  zu  ainem  menschen 

worden, 

und  sie  hab  all  ir  trüw  verlern 
an  im,  all  ir  hertzenlich  lieb, 

550  nnd  er  hab  verholn  als  ain  diep 
ir  verstoln  ab  und  von  ir  hin 
baid  fröd,  hertz,  mdt  und  sin. 
das  legt  sie  zu  im  alß  mit  dag. 
frow  Mynn,  dar  umb  so  tfit  ain 

fraug 

555  wes  er  dar  umb  schuldig  sy. 

frow  Mynn,  sie  haist  mich  oucli 

da  pey 

melden  sie  hab  me  zü  clagen. 
frow  Mynn,  nun  tüt  fragen!’  — 
‘P®yt>  gesell,  nun  nympt  dir  der 

sit, 

560  ga  sol  man  sich  ver jähen  nit. 
lau  6  vor  berAffen  den 
der  gen  ir  in  das  recht  sol  sten, 
das  er  sein  antwürt  gen  ir  tü !  ’  — 
‘frow  Mynn,  so  haist  im  sprechen 

zu, 

565  ob  im  her  gebotten  sy.’ 

Ain  jungfrow  hoch  gem&t  und 

fry, 

[31  d  die  hieß  die  von  Trüwenstain, 
die  sprach:  ‘ir  werde  Mynne  rain, 
ich  hab  im  gepotten  alß  ich  billich 

sol, 

570  das  sond  ir  mir  geloben  wol. 
secht,  er  tünd  herfam 
inplaw  nach  stettem  orden; 
er  ylt  vast,  im  ist  gauch.’ 
frow  Mynn  gar  zuchticlichen 

sprach : 

575  ‘biß  wilkomen,  gesell  gfit! 

sichst  hie  die  frowen  in  trurigem 

mAt 

vor  disem  rechten  ston? 


die  bit  mich  das  ich  ir  laus  gon 
recht  über  dein  höchsten  trüw 

und  er.’  — 

580  ‘frow  Mynn,  ich  bin  ouch  körnen 

her 

mich  zü  verantwürten  gen  ir. 
ich  bit  üch,  ir  herlobent  mir 
und  schaffet  mir  aine  zA 
die  mir  mein  wort  sprechen  tA.’  — 

585  ‘gesell,  sAch  under  den  allen 
weihe  dir  tü  gevallen, 
der  gan  ich  sin  wol, 
so  ver  ich  durch  recht  sol.’  — 
‘frow  Mynn,  so  beger  ich  frowen 

Zucht. 

590  stett  uff,  ir  wolgeborne  frucht, 
tüt  mir  eilenden  mein  wort  hie 

sprechen.’  — 


an  mir,  wann  ich  sein  nit  enkan, 
[3.9  rj  (jann  haiß  ain  andrnn  zü  dir 

gon.’  — 

595  ‘frow  Zucht,  ich  beger  üwer  nit 

Wandel, 

ich  wil  üch  wol  allen  mein  handel 
aigenlich  und  gantz  erzein. 
ich  will  ouch  kain  andrun  erweln, 
mich  benügt  üwer  gantz  wol.’  — 
600  ‘frow  Mynn,  sid  ich  im  sprechen 

sol, 

so  ding  ich  im  alle  sin  recht 
die  ie  ain  yeder  ritter  oder  knecht 
vor  ewerm  hoffgericht  haben  sol.’ 
frow  Mynn  sprach:  ‘ich  gan  im 

sin  wol 

605  zA  wiem  yedertail  haut  gerechti- 

kait, 

und  ich  will  in  baiden  uff  minen 

ayd 

hüt  sin  ain  gerechte  richterin.’  — 


571.  er  fehiU.  595.  wadel. 

r>0ut0oh«  TtzU  den  MitUlalUrt.  XXIV.  9 


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130 


/?.  Der  Minne  Gericht . 


‘so  Ilöret  zu,  frow  Mynn! 
ich  dag  von  wegen  diser  frowen 
610  das  durch  ir  lieb  und  wol  ge- 

truwen 

ir  falschheyt  und  ontrüw  ist  ge¬ 
schehen 

von  dem  deu  ir  hie  tfit  sehen 
vor  hoffgericht  hie  in  ritters 

weyß, 

uff  den  sie  allen  iren  flyß 
615  nur  gelegt  hab  allain, 
der  falsch  und  unrain 
mit  ir  umb  gangen  sy,  als  ich 

uch  sag, 

wann  sie  im  baide  nacht  und  dag 
sy  gerecht  und  willig  gewesen. 

620  frow  Mynn,  send,  den  brieff  laut 

uch  lesen, 

[5^”]  dar  inn  vint  man  siner  untrüw 

vil; 

dar  uff  ich  ouch  me  reden  wil. 
nun  hört  deß  briefes  anefang: 
“volkomen  und  mangen  danck! 

625  wysß,  mein  trost  und  usserwelt, 
mein  hertz  haut  sich  z&  dir  ge- 

stelt 

vor  aller  weit,  mein  ainiger  trost, 
wan  du  haust  mich  von  trüren 

erlöst 

und  bist  die  der  ich  zö  willen  le¬ 
ben, 

630  und  wj’sß,  ee  ich  dich  weit  be¬ 
geben, 

das  ich  an  dir  weit  wencken, 
das  unser  lieb  sölt  krencken, 

608  ff.  ist  eine  emevte  Anklage,  vom  Dichter 
gesprochen.  Man  erwartet  viel  eher  die  Ver¬ 
teidigungsrede  der  Frau  Zucht,  die  vor  v.  683 
gehalten  sein  müßte,  aber  erst  v.  686  folgt. 

612.  den  ir  H.,  der  ie  g. 

624  mir  unklar;  steckt  eine  einleitende  ellip¬ 
tische  Begrüßungsformel  darin?  Z.  WUkomen 


e  wölt  ich  n&nstnnd  sterben; 
an  lib  und  göt  verderben 
635  wölt  ich  ee  uff  ainen  tag; 

und  wysß,  mein  trost,  das  ich  nit 

mag 

gehaben  weder  rüw  noch  rast 
vor  grossem  senen  überlast, 
das  ich  so  g^ern  wer  by  dir. 

640  0  höchster  hört,  du  liebest  mir 
von  tag  zü  tag,  ye  lenger  ye  mer. 
zü  dir  bekomen  ist  min  beger; 
wie  gantz  haut  mich  din  lieb 

umbf  angen ! 
mich  haut  ouch  diner  lieb  zangen 
645  begriffen  vest  und  krefftenclich. 

ich  züchs  an  Got  im  himelrich 
r35'‘]  das  du  für  war  die  recht  bist, 
die  mein  gewaltig  ist; 
wann  sölt  ich  oder  müst  ich  din 

enbem, 

650  so  wyß  das  ich  uff  diser  erd 
ainen  tag  ungern  weit  leben, 
doch  tüt  mir  vil  fröwd  geben 
das  ich  wol  waiß  das  du  bist 

mein. 

ich  wil  ouch  anderß  niemant-z  sein 
655  dann  din  allain,  das  glob  mir. 
ouch  tö  ich  mer  zü  wissen  dir 
das  ain  turne»  ist  genomen, 
zö  dem  ich  in  dein  pot  wil  kö¬ 
rnen 

und  dein  färb  da  frölich  tragen. 
660  möcht  ich  die  er  da  her  jagen, 
dar  nach  will  ich  ringen 
und  dir  sie  mit  mir  pringen. 

638.  l.  senens. 

650.  wayß. 

657.  turne. 

658.  ich  wil  in. 

662.  dir. 


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12.  Der  Mhme  Gericht. 


131 


da  mit  so  wünsch  mir  gluck  und 

hail, 

und  geh  Gott  das  unß  werd  z&  tail 
665  in  kurtze^H  lieplich  umbfang 
das  du  mit  dein  armenlin  plang 
mich  lieplich  druckest  an  din 

prust ; 

so  wftrd  erfiMlt  mein  fröd  und 

lust. 

da  mit  behAt  uns  Got 
670  und  halt  uns  baide  in  sinem  ge- 

pott 

und  halt  mich  alß  ich  dich! 
uff  erd  nit  mer  beger  ich.” 
nun  hört,  frow  Mynn, 
ir  edlu  richterin: 

das  schriben  als  er  ir  haut  geton, 
676  da  by  haut  erß  nit  beliben  Ion 
und  haut  sin  trüw  und  aid  zfi- 

prochen, 

alß  ich  vor  hin  hon  gesprochen, 
da  von  lang  zfi  sagen  wAr; 

680  so  sagt  der  brieff  alle  mAr, 
da  lauß  ichs  by  beliben, 
alß  ir  wol  bort  sin  schriben. 
nun  habt  ir  dag  und  widerred 

vemomen.’  — 
‘Frow  Zucht,  nun  tü  ich  an  uch 

körnen 

685  und  frang  üch  deß  rechten  uff 

uwer  wirdikait’  — 
‘frow  Mynn,  mir.  ist  von  hertzen 

laid 

das  man  in  ti\t  so  hart  verclagen. 
doch  haist  er  mich  Ach  wider 

sagen 

er  lögne  nit,  er  hab  ir  geschriben 
690  und  sy  ouch  in  dem  synn  beliben 

668.  ich  vor  mir  geeirichen. 

665.  kurtzen. 

688.  Stammt  and  widerred  aus  v.  705  ? 
697.  clagerim. 


ir  zu  dienen  ewenglich. 
dann  das  in  ain  andrA  mütes  rieh 
ouch  hab  gemacht  in  lieber  gir. 
was  er  des  süll  engelten  gen  ir 
695  mit  recht,  das  well  er  dulden 
und  körnen  zu  iwern  hulden.’ 
da  red  der  clagerin  für  leger: 
♦‘frow  Mynn,  hornd  ir  dise  m&r, 
das  er  den  wechssel  haut  getriben 
700  und  haut  ir  das  verswigen? 
[•^^''Ideß  bit  ich  Ach  zft  gedencken 
das  er  mit  valschem  wencken 
die  frowen  haut  in  laid  gesetzt, 
das  sie  an  hohem  müt  letzt. 

705  nun  hon  ir  dag  und  widerred  ver- 

nomen. 

frow  Mynn,  tut  in  das  rechten 

körnen ; 

wes  er  ir  schuldig  sy,  deß  fraugtl’ 
Frow  Mynn,  die  houch  gelobt 

magt, 

sprach:  ‘frow  Stett,  ich  fraug  Ach, 
710  das  ir  uff  uwer  statte  trAw 

ertaild  uff  red  und  widerwort.’  — 
‘frow  Mynn,  sid  ir  hie  und  dort 
baider  halben  haut  geschlagen  an, 
alß  ich  das  nun  vemomen  hon, 

715  und  er  vor  gericht  haut  selber 

verjehen, 

so  sol  im  nymmer  lieb  geschenhen 
von  kainer  werden  frowen, 
wann  im  ist  nit  z&  trAwen, 
dar  umb  das  er  sein  statt 

zü  praucA. 

720  ich  ertail  das  im  folg  hinden 

nauch 

schand  und  laster  biß  an  sin 

endes  zil. 

711.  Stammt  off  atM  v.  710  f 

712.  ir  =  er,  wie  v.  728  und  736. 

718.  in. 

719.  prancht. 

9* 


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132 


12.  Der  Minne  Gericht. 


des  ich  uck  trülich  bitten  wil.’ 
frow  Mynn  fraugt  an  frow  Trüw: 
‘ir  raines  wib,  was  bedunckt  üch 
725  recht  sein,  als  ir  habt  ver- 

nomen?’  — 

‘ich  sprich  das  er  nymmer  sol 

körnen 

zu  fröwden  noch  zfi  kainen  gutten 

Sachen. 

ir  sol  ouch  nämlich  verewachen 
alß  ain  verlogen  trieger, 

7S0  er  sol  ouch  allen  frowen  iinniar 
sein  biß  an  sin  endes  zil. 
nit  anderß  ich  zfi  recht  sprechen 

wil.’  — 

‘frow  Lieb,  nun  fraug  ich  üch 
uff  uwer  lieplich  trüw 
735  was  nck  nun  dar  umb  beduncket 

recht.’  — 

‘syt  ir  als  gar  unschlecht 
umb  gangen  ist  mit  lieb  und 

stütt, 

so  ertail  ich  das  er  frü  und  spaut 
müß  haben  den  ewigen  fluch. 

740  man  sol  in  ouch  indas  büch 
verzaichen  und  verschriben, 
dar  inn  er  sol  beliben 
by  den  unstütten  allen, 
frow  Mynn,  das  tüt  mir  z&  recht 

gevallen.’  — 

745  ‘frow  Zucht,  nun  fraug  ich  üch 
des  rechten  uff  üwer  trüw.’  — 
‘frow  Mynn,  als  ver  ich  mich 

verste, 

so  sprich  ich:  wa  er  sitz  oder  ge, 
das  er  hie  und  dort  verflücht  sy 
750  und  das  im  all  zitt  wone  py 

722.  Qch]  in. 

724.  Ich. 

735.  nch  fehlt. 

740.  indz  auch  buch. 


alles  das  ungeluck  das  alle  land 

haben, 

das  er  das  alles  allain  m&ß 

tragen, 

[<3-^'']  dar  zä  als  hertz  laid  und  pin. 
frow  Mynn,  das  ist  die  urtail 

min.’  — 

755  ‘frow  Tugent,  nun  tü  ich  üch  fra¬ 
gen.’  — 

‘frow  Mynn,  so  wil  ich  nun  uff 

min  aid  sagen 
und  dar  z&  urtail  geben 
das  im  aller  rainer  frowen  segen 
ymmer  syen  iwer  fluch 
760  und  Wucher  im  als  der  Juden 

flüch, 

da  mit  sich  mer  sein  nnhail, 
und  das  im  alle  dag  werd  zfi  tail 
hertzelayd  und  sendeclich  pin. 
frow  Mynn,  das  ist  die  urtail 

min.’  — 

765  ‘nun  fraug  ich  uch,  frow  Scham, 
der  frowen  aller  höchster  nam, 
deß  rechten  uff  üwer  aid.’  — 

‘frow  Mynn,  mir  ist  selber  laid 
das  er  alß  fälschlich  haut  geton. 
770  doch  ich  im  nit  helfen  kan 
und  sprich  das  im  zä  kainer 

stund 

von  kainer  frowen  rechten  mund 
kain  göttlich  wort  werd  zä  ge¬ 
sprochen, 

da  mit  all  frowen  werden  ge- 

•  rochen, 

775  dar  zä  sin  zitt  in  laster  vertrib 
und  dar  inn  ewenclich  belib 
so  lang  biß  an  sins  endes  zil. 

759.  syen  iwer  ■=  ei  ein  niuwer. 

760.  l.  eäch  R. 

765.  uch  fehlt. 

771.  im  das. 


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12.  Der  Mintie  Gericht. 


133 


noch  mer  ich  zu  recht  sprechen 

will. 

[55'-]  frow  Mynn,  ir  sond  verkünden 

allen  frowen 

780  die  da  stät  lieb  püwen, 

das  er  stüt  lieb  haut  zerprochen, 
alß  ich  vor  hon  gesprochen, 
dar  umb  das  er  keine  me  tu 

laichen. 

frow  Mynn,  ir  sond  in  ouch 

zaichen 

785  mit  ainem  prand  under  sin  ougen, 
da  mit  im  menglich  müg  schowen 
und  herkennen  hin  für  by  dem 

zaichen, 

das  hin  für  kaine  werd  ge- 

laichen 

von  dem  schalk  nymmer  mer. 

790  das  gib  ich  zü  recht  uff  min 

er.’  — 

‘frow  Maß,  nun  tü  ich  uch  fra¬ 
gen.’  — 

‘frow  Mynn,  das  wil  ich  uch 

sagen: 

ich  setz  mein  urtail  zü  frowen 

Scham. 

ir  sond  im  sinen  ritter  nam 
795  nieman,  dar  zü  sant  Jürgen  sporn, 
wann  er  das  billich  haut  verlom, 
und  für  ritters  orden  geben 
der  schnüden,  bösen  hüben  leben 
die  man  da  frihet  nemmet, 

800  das  man  in  da  by  kennet, 

und  ainer  snecken  korb  an  sinen 

kragen, 

den  er  in  dem  land  sol  tragen 
[36*’Jvon  ainem  dorff  zü  dem  andern. 

da  mit  laut  in  hain  wandern 
805  mit  ainem  hüben  lotter  holtz, 

780.  st&t  da. 

786.  l.  in. 


das  er  kainen  ritter  stoltz 
also  mer  hin  für  tü  sehenden, 
ir  sond  in  ouch  pfenden 
an  dem  lib  umb  das  wandel 
810  und  umb  den  grossen  handel 
den  er  haut  an  der  frowen  geton 
und  haut  sie  trüw  engelten  Ion. 
ir  sond  in  ouch  zaichen  mit  dem 

prand 

und  von  der  rechten  hand 
815  die  dry  finger  ab  howen 
da  mit  er  haut  der  frowen 
erschworn  mengen  falschen  ayd, 
da  mit  hin  für  frowen  und  maid 
vor  im  sint  versorget  schlecht. 

820  frow  Mynn,  das  ist  ewer  hoff  ge- 

richtz  recht.’ 
Frow  Mynn  sprach:  ‘wes  be- 

gerent  ir  mer?’ 
die  clagerin  sprach:  ‘sid  im  trüw 

und  er 

mit  recht  ist  gesprochen  ab, 
so  be.gei't  die  frow  aine  gemain 

fraug, 

825  das  er  hin  für  leg  ab 
die  staten  färb  plaw, 
dann  sie  im  nymmer  mer  gehört 

an. 

sid  ich  das  recht  genomen  hon, 
[•5<>‘Jso  wil  ich  frösch  schaiden  hin, 

830  frow  Mynn,  und  wa  ich  ymmer 

bin, 

dancken  ewem  gnaden, 
das  ir  mich  habt  entladen 
meineß  laides  und  in  fröwd  ge¬ 
setzt.’ 

frow  Mynn  sprach:  ‘farnd  hin,  ir 

werdent  ergetz 

835  alles  das  uch  ist  beschenhen.’ 

820.  mein. 

822.  clag'im. 


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134 


13.  Der  Minne  Gericht. 


Secht.  da  liet  man  wunder  ge¬ 
sehen 

klag  von  mannen  und  von  frowen. 
wir  hüben  uns  uß  der  owen, 
ich  und  die  da  warcnd  fröden 

rieh. 

840  also  gesegent  sie  mich  gütlich 
und  dancket  mir  uß  hohem  müt 
und  sprach;  ‘lieber  gesell  gut, 
du  bist  mir  trülich  gestanden  by. 
hertzelieb  din  Ion  s}’, 

845  das  füg  dir  Got  on  alles  end!’ 


die  rain  pot  mir  ir  hend 
zü  urloub  und  schied  mich  vou 

der  rainen. 

wie  sies  aber  noch  tü  mainen, 
ob  sie  sich  wider  nach  lieb  stel 
850  oder  allain  beliben  well, 

da  selb  ich  noch  nie  erfam  kind. 

# 

und  wünsch  ir  zü  aller  stund 
das  ir  noch  alle  lieb  geschech 
und  sie  wider  in  hohen  fröden 

süch. 


13. 

Der  Stern  der  Treue. 


W’-]  Ich  gieng  ains  aubentz  spaut 

allain, 

da  sach  ich  ain  frowen  rain 
ston  linder  ainem  paum. 
ich  nam  ir  dan  gaum. 

5  paide  ir  sitt  und  ouch  ir  perd 
die  dneht  mich  ongevard. 
sie  was  gar  adelich  gestalt 
und  in  rechter  mauß  pald. 
ich  nam  ouch  ir  klaider  war, 

10  die  warn  ouch  gar  wandeis  öar, 
ir  rock  was  waidelich  geschnitten 
nach  gewandlichem  sytten 
von  ainem  prün  sAmat 


15  ga  falten  als  manß  gern  treit, 
eben  ir  hübschlicheu  claid, 
und  was  ir  ouch  eng  genüg, 
uif  dem  i'ock  die  frow  trüg 
über  all  gesträt, 

20  das  es  mein  hertze  erfröwt, 

Stern,  von  ünem  gold  geschlagen. 

I'^^'^lsölt  es  ain  kaiserin  tragen, 
sie  waren  kospar  gnüg, 
alß  sye  es  uff  dem  rock  trüg. 

25  ain  prüiieu  kappen  von  Scharlach, 
geschnitten  klain  und  zwifach, 
ir  das  hopt  verdacht, 


845.  ou  J2.,  vnd  g. 

Zu  13. 

Bei  diesem  Gedicht  macht  sich  das  Fehlen 
einer  sweiten  Hs.  besonders  fühlbar.  Zahlreiche 
Lücken  (mindestens  11)  und  viele  sinnentstellende 
Fehler  erschweren  das  Verständnis  des  Textes 
sehr,  so  daß  die  Verbesserungsvorschläge  hier 
noch  weniger  als  sonst  den  Anspruch  auf 
Sicherheit  machen  können. 


851.  wie. 


4.  gaum  fehlt. 

10.  Wandel  Tarn  g,  waudels  bar  ü. 

12.  unwandlicbem  ?  H. ;  oder  gar  waide- 
lichem  ? 

27.  Das  sie  ir. 


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13,  Der  Stern  der  Treue. 


135 


das  ich  ploß  nit  gesenhen  macht 
wann  so  vil  das  antlit  dar. 

30  die  kappen  was  beschlagen  gar 
anch  mit  guldin  stern, 
da  sach  ich  üch  von  fern, 
aller  ir  wandel  mir  wol  gefiel, 
by  ainem  paum  ain  prun  wiel. 

35 . 

ich  gedaucht:  ‘solt  ich  allain 
gen  zu  der  frowen 
und  sie  recht  schowen, 
es  hett  nit  gflt  gelimpffen, 

40  so  kan  ich  nit  wol  schimppffen. 
ich  will  trincken  hon  zu  wort, 
und  schlach  da  by  ainen  ort’ 

Da  ich  kam  zfi  dem  paum, 
do  her  sach  mich  die  rain 
45  und  gieng  her  gegen  mir 
[•'iS'’]  und  sprach :  ‘  gesell,  Got  geh  dir 
gfiten  aubent;  wa  wilt  hin  so 

spaut  ?  ’ 

ich  sprach  zu  der  frowen  traut: 
‘Got  danck  üwer  tugentpar  sytt 
50  das  ir  üwer  grussen  tailud  mit. 
ich  wolt  hie  gedruncken  hon 
und  wolt  mich  sunst  ergon. 
nun  ist  mir  aubentür  geschehen 
das  ich  üch  hie  hon  gesenhen, 

55  und  west  ouch  gern  wer  ir  wer^.’ 
sie  sprach:  ‘ich  würd  licht  ver- 

mert 

von  dir,  das  wür  nit  güt.’ 
ich  sprach:  ‘frow,  nain,  er  ent&t. 
ir  sond  uff  mich  clain  sorg  hon. 

28.  sie. 

31.  mit  fehlt. 

82.  Da  sach  =  Das  sach. 

34.  paum  fehlt. 

42.  amen]  l  an  den.^ 

44.  War  gaum  Reimtoort  wie  v.  4P 

60.  tailnd  am  Rande  für  geetrichenes  tänd 
im  Texte. 

55.  wern. 


60  ich  wil  ain  wil  hie  by  uch  ston, 
und  sag  mir,  zarte  frow  rain, 
was  üwer  wesan  main 
das  ir  allain  hie  so  spaut  sind?’ 
sie  sprach:  ‘ich  sag  dir  wie  es 

leit: 

65  Trüw  ist  min  rechter  nam, 

hab  es  dar  für  nit  daz  ich  mich 

schäm. 

das  ich  hie  allain  pin, 
das  tun  ich  uff  ain  sin. 
ich  hon  geschafft  vil, 

70  das  ich  dir  nun  sagen  wil. 

ISS']  ich  hon  gehofft  in  &im  berg, 
den  verkoufft  ain  klainß  zwerg. 
da  sind  noch  vil  inn 
die  undertenig  sind  der  Mynn, 

75  wann  sie  dar  ein  die  schuZ  haut 
und  lernd  sie  frü  und  spaut 
recht  mynn  halten 
und  stet  lieb  walten; 
ich  hon  ir  vil  in  miner  pflicht. 

80  ir  aller  kunst  wür  ain  wicht 
wer  mein  nit  gert  zfi  siner  1er, 
stätikait  und  rechte  er 
und  wil  doch  mynn  pflegen, 
das  wysß:  der  ist  verlegen, 

85  an  allen  gfiten  dingen 
kan  im  nit  gelingen, 
und  ist  verschmächt  aller  tilgend, 
kumpt  er  in  alter  und  in  Jugend, 
das  wyß  uff  mein  aid, 

90  ich  hon  dir  die  warhait  geseit. 
da  von  bin  ich  bekümmert  ser 

58.  er]  l.  ir;  vgl.  Anm.  tu  Dlria. 

68.  ir  fehlt. 

71.  ain. 

72.  l.  verklust,  wegen  v.  555  f.  9 

75.  schuld,  wie  557. 

78.  halte  vor  walten  ge$tr. 

83.  mein. 

88.  er  fddt. 


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136 


13.  Der  Stern  der  Treue. 


ZU  der  schul  mit  miiier  1er. 


deß  ich  dir  nit  sagen  wil. 

95  aber  war  umb  ich  hie  ste 
und  all  aubend  her  gee, 
das  will  ich  gern  sagen  dir. 
sid  es  zü  horn  ist  di»  gir. 
ich  tun  es  durch  kurtzwil 
100  und  bin  hie  nachtz  untz  uff  ain 

zil 

und  wart  ainß  sternß  hie, 
den  kund  ich  lang  ersehen  nie. 
sin  uff  gang  pringt  mir  sorgen  vil, 
vil  mer  dann  ich  dir  sagen  wil. 

105  sich  wie  der  himel  ist  geziert, 
mit  allen  stern  durch  floriert, 
die  lüchtend  durch  die  vinster 

nacht. 

der  ainig  stern  meins  hertzen 

ft'ffcht 

mit  aller  wunn  gar  durch  get, 

110  so  er  ain  Wochen  stet. 

sin  glesten  ist  so  manigvalt, 
da  mit  er  mich  by  fröden  halt, 
sein  schin  gaut  allen  stern  vor. 
ich  nam  in  mineß  hertzen  tor, 

115  da  sich  gen  im  entschlust, 
der  wirdikeit  genüst, 
all  die  mit  mir  umb  gand, 
das  ich  die  gütlich  bestand, 
sein  louff  ist  wider  die  faigen, 

120  die  mir  untruw  erzaigend 
und  mein  gesellen,  die  ich  hon, 
manig  Untugend  habend  getün 
[39  f]  und  alle  zitt  wider  sie  <riegent, 

95.  vmb  vor  war  gestr. 

98.  diner. 

108.  hertz.  tracht  B.,  rücbt  g. 

114.  in  =  in  in.  vor. 

115.  Da  sich  =  Das  sich. 

123.  pringet. 

131.  im. 

136.  l.  erspeheu  ? 


mit  Worten  uff  sie  liegend, 

125  yerratnnß  triben  vil. 

mein  stern  der  selb  nit  enwil; 
sie  sind  by  im  abgezalt 
so  er  wird  reichsnen  mit  gew^alt, 
deß  ich  doch  gedingen  hfiu 
130  es  süll  kürtzwill  ergan. 

ob  in  die  w'olken  habind  vertrlbt, 
so  w’aifl  ich  wol  daß  er  übt 
alß  das  mir  tröstlich  ist.’ 

Ich  sprach  zü  der  selben  firist: 
135  ‘frow,  laut  mich  üch  helfen 

senhen, 

oh  ich  in  recht  künd  ersehen, 
dort  staut  ain  stern,  der  ist  grosfl: 
er  mag  w'ol  sein  üwer  genoß 
vor  ander  stern  all; 

140  secht  wie  er  üch  gefall, 
nempt  den,  laut  in  fam!’ 
sie  sprach:  'woltest  du  mich  be- 

wam, 

solt  ich  den  üwem  verkem 


145  mein  nam  zü  der  frist, 
ob  der  mein  verporgen  ist. 
das  macht  lecht  die  bösen  wind, 
deß  Übergangs  ich  vU  vind 
[40f]  da  mit  sein  clarhait  wirt  bedeckt, 
150  das  nun  mein  liden  erkreckt. 
schür,  hagel,  regen  und  sne 
tünd  mir  dick  an  im  we, 
so  er  über  die  berg  gee, 
so  er  über  die  uff  gee 

155 . 

und  Satumuß  gen  im  staut. 

139.  Der. 

140.  Secht  R.,  Sicht  g. 

141.  in]  l.  jenen  ^  R. 

149/'.  Es  reimt  wohl  bedacht  :  erwacht 
(vgl.  V.  27  f.)  oder  bedeckt  :  erweckt. 

154  wird  bloße  sinnlose  Wiederholung  sein 
und  156  unmittelbar  an  153  anschließen,  mit 
dem  Reim  ste.  R. 


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13.  Der  Stern  der  Treue. 


137 


SO  Wirt  nun  mein  hertz  gar  versert 
und  all  mein  fröd  verkert, 
so  ich  sein  Hechtes  brechen 
160  von  Wasser  flut  nit  mag  gesehen, 
und  wie  in  der  planet  irt 
(manig  stund  davon  mir  wirtt), 
deß  ich  dir  nit  gesagen  mag; 
ich  sag  dirß  nicht  biß  an  den  tag, 
165  das  pringt  mic^  in  plaidikait. 
dar  nmb  ich  mich  nit  von  im 

schaid, 

ich  sech  in  oder  sech  in  nit. 
mein  hertz  haut  sich  zu  im  ge- 

richt, 

ich  acht  keinß  anderß  sternß  louff. 
170  du  wüffes  mir  ffir  bösen  kouif 
das  ich  sölichen  wechssel  dett. 
pfndich  diner  bösen  rä.tt’, 
sprach  sie  zd  mir  laideclich, 

4ch  waiß  wol  das  du  ratz  an 

mich. 

175  der  ist  mir  von  Gott  geben; 
ich  muß  nach  sinem  louff  leben, 
und  wer  mich  zA  paulen  hab 
[40»]  und  verporgen  argen  dag, 
der  wär  deß  lustes  von  malio, 

180  der  wir  dann  mit  sampt  frow 
so  er  sicJit  sein  vollen  schein.’ 
ich  sprach:  'frow,  nun  fart  hin. 
on  spott,  da  gett  ainer  her; 
lügt  eben,  ist  er  der?’ 

185  die  Trüw  sprach:  ‘lieber  gesell 

min, 


du  magst  wol  ainfültig  sein: 
soltz  du  in  vor  mir  senhen 
und  in  sölicher  manig  spechen, 
das  muß  von  gluk  sein. 

190  sich,  ain  Stern  der  ist  mein 
der  dort  in  der  hoch  stet 
wysß  das  er  vil  tugend  haut, 
wenn  ich  in  in  miner  pfleg  hon, 
und  wer  mir  ist  underton, 

195  frow,  ritter  oder  knecht, 
ieglichen  nach  sinem  recht 
macht  er  stoltz,  frow  und  gemaid 
an  laster  mit  under schaid; 
zu  allen  gütten  dingen 
200  muß  im  dester  baß  gelingen, 
wird,  tugend  und  er 
schickt  er  an  wider  ker 
[4i'']dem  der  gnaud  zu  mir  haut 
wann  er  ist  da,  er  sitzt  mit 

stAtt’ 

205  ich  sprach:  ‘liebe  frow  mein, 
wa  von  haut  er  klain  schin 
und  da  py  so  grossen  gewalt, 
alß  ir  mir  vor  habt  gezalt?’ 
‘mein  stem  ist  groß  und  schint 

dein  ’, 

210  sprach  die  minneclich,  die  rain, 
‘ich  will  in  dir  zü  kennen  geben 
hie  nach  der  weit  leben, 
man  kent  sin  edelkait  dar  by 
und  was  tagend  an  im  sy, 

215  alß  ain  mensch  das  sin  müt 
edel  und  synn  hertz  behüt 


159.  sein  mein. 

163.  kan  vor  mag  gestr. 

165.  mir. 

166.  nit  fehlt. 

170.  l.  w&rfes  R. 

174.  an  fehlt. 

177  f.  unklar,  l.  pnolen  ? 

178.  l.  nnverporgen  ?  H.  l.  mangen 
dag? 


179.  l.  vor  mal  ro?  *der  die  Lust  vorher 
nicht  kannte’  R. 

180.  l.  Wirt.  l.  mit  mir. 

181.  sicht  fehlt. 

189.  sein  vor  sein  gestr. 

193.  l.  Wen  ich  in  m.  p.  h.  ? 

196.  Jeglichem. 

202.  Schickt  R.,  Sicht  g. 

212.  nach  aus  nacht. 


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138 


13.  Der  Stern  der  Treue. 


vor  waudel  und  vor  schänden 
und  ist  an  minnen  panden 
verschlossen  mit  der  stätikait; 

220  deß  er  groß  tugent  tret, 

die  der  man  nit  mag  gesehen, 
der  klain  schein  tüt  mir  verjehen: 
so  ain  mensch  ye  höher  sy 
an  adel,  dem  wondt  gnaud  by 
225  über  wen  er  haut  gewalt, 
das  sy  sin  tngend  manigfalt. 
das  vind  ich  an  dem  mein, 
die  sich  durch  mich  pin, 
die  sind  demütig, 

(41  »l  gedultig  und  gütig, 

231  über  sehen  tünd  sie  vil 
mir,  wie  ich  es  haben  wil. 
sye  schickt  im  senden  laid, 
das  waiß  ich  wol  für  ain  warhait 
235  und  ist  mir  ouch  kuntlich, 
wann  ich  es  offt  und  dick  sicli. 
sie  müssend  schäm  und  forcht  han 
und  sich  ouch  genügen  Ion, 
wie  klain  ich  in  fröden  schizh 
240  ob  es  wür  ain  ougen  plick 

von  lieb,  der  durch  mich  geschieh; 
ain  umbfang  den  niemant  sAch, 
von  dem  liebsten  dos  er  haut, 
und  das  geschach  nach  minem 

raut, 

245  sol  im  volkomen  fröd  bringen, 
ich  herlonb  im  ouch  gedingen, 
wann  deß  sol  er  ouch  ymmer 

leben, 

und  sol  ain  tröstlich  fröd  geben. 

217.  Von  gestr. 

218.  minen. 

237.  forcht  am  Hände  für  gestricJtenes 
schäm  im  Text. 

239.  in  in.  sieh. 

243.  den. 

244.  sinS  vor  minS  gestr. 

245.  So. 


es  sol  im  ouch  beholfen  sein, 

2.M)  das  zaigt  mir  der  dar  schein, 
wa  sich  so  houche  wirde  naigt 
und  sy  mir  miniclich  erzaigt’ 
ich  sprach:  Mas  ist  billich, 
zarte  Trüw  tugentlich, 

14.2'-]  das  du  dem  beholfen  bist 
256  der  dir  dient  sunder  frist 
wer  dir  ist  also  underton, 
den  soltu  durch  yemant  Ion 
oder  man  würd  dir  gehaß.’ 

260  Sie  sprach:  ^gesell,  waistu  das, 
was  mainst  das  sinwel  ist  ain 

Stern?’  — 

‘ich  nain,  frow,  ich  west  es 

gern.’ 

‘was  sinwel  ist,  das  ist  weghaff*, 
sprach  sy,  ‘und  glich  der  Minne 

krafft 

265  und  irem  orden,  den  sie  da  haut, 
wyß,  sie  ist  geswinder  ritt 
und  weglich  aller  creatnr. 
sie  ist  hilfOich  mit  ir  stür. 
ir  ver  sch  macht  doch  nit, 

270  alß  sie  dir  noch  wol  vergicht 


ainem  zü  lieb,  ainem  zü  laid 
tüt  sy  sich  umb  hie  und  da; 
sie  möcht  e  zitten  werden  graw. 

2«^  sie  wandelt  umb  in  den  landen, 
hett  man  sie  nit  in  panden, 
ir  geschech  vil  torhait, 
die  ich  gern  von  ir  seid. 
wArich  Trüw  und  StAtte  nit, 

246.  im  ouch]  mir  6ch. 

249.  l.  Ich,  toegeti  v.  255  ? 

262.  sy]  l.  sichF 

258.  l.  nyemant 

265.  iren  öden. 

278.  l.  scheid  f  oder  ich  nit  gern  ? 

279.  n^. 


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13.  Der  Stern  der  Treue. 


139 


280  sie  wer  ettwa  on  gericht. 

wir  müssend  ir  mit  synne  pflegen 
etican  in  allen  wegen, 
wa  sie  by  gälten  lütten  ist, 
da  sy  wir  by  ir  zü  aller  frist 
285  und  nemen  Vorcht  da  zü, 
das  sye  dester  rechter  tü, 

Scham,  Zucht  und  Er. 
wa  sie  volgt  unser  1er, 
da  gett  sie  allweg  vor 
290  und  schlüst  uff  minfl  hertzen  tor 
und  gaut  gewalticlich  dar  ein 
und  würd  die  gantz  fröd  sein, 
wann  sie  lebt  nach  unserm  synn. 
so  haist  sie  wol  die  werd  Mynn, 
295  die  aller  würd  krön  trett, 
al£  ich  dich  wol  beschaid. 
wir  süben  sünd  dar  zü  gericht: 
wa  man  rechter  liebe  pfligt, 
das  tritt  sie  bald  mit  ir  straul. 

SOO  wan  das  hertz  enpfacht  das  maul, 
so  bin  ich  by  den  ei’sten  da. 
da  rüfft  Stütikait  nach  plaw, 
die  stricht  dar  an  die  recht  lasur. 


305  so  kumpt  Maß  mit  ir  kr&ft, 
Fürcht,  die  werd,  die  unbeha/l, 
dar  zü  Schaz/«  und  ouch  die  Zucht 
[43  »•]  louffend  gar  mit  stUler  flucht. 

die  kennent  gälte  krütter  wol, 

310  da  mit  man  es  verpinden  sol. 
sie  pringent  war  sicherhait; 
ain  klaines  krütel  haist  ain  aid, 
das  ist  nnverprochen  gät 

280.  wenn. 

282.  Etman  nit. 

290.  l  ainfl  9 

300.  Was. 

306.  kab. 

306.  Tnbebagt. 

307.  schow. 

322.  Bchaidem. 

328.  wider. 


das  gelipt  stral  nit  schaden  tut; 
315  es  mäß  ouch  gewachssen  sein 
linder  meins  sternß  schin. 
hochen  mät,  vergiß  mein  nit 
pringent  sy  zä  der  geschieht, 
wegwart  die  ist  gät  dar  zu, 

320  ich  main  das  sie  ycht  wirser  tüw. 


die  doch  wol  dem  schaideu  zympt. 
valsch  wachsset  gern  da  under, 
das  hab  nit  für  ain  wunder. 

325  belib  ye  dar  under  ain  klaiu  torn, 
alle  arbait  ist  verlorn. 
ich  sag  dirß  on  spotten, 
zagel  hail  ist  verholten 
von  unser  aller  krön. 

330  die  krütter  niemant  die  Trüw, 

Er,  Zucht  und  Scham 
und  dar  zü  unser  aller  nam 
legend  zä  dem  hertzen 
durch  manigvaltigen  smertzen 
335  der  dar  inn  verborgen  lit. 

[43«']  wir  müssend  ouch  zä  rechter  zitt 
sein  mit  unser  hilff  da. 
die  rind  müß  ouch  wesen  graw 
durch  höchmütig  gedencken; 

340  es  sol  ouch  nit  enwencken, 
wir  niemans  mer  dann  drifach, 
das  kain  zwifel  da  durch  schlach, 
so  wir  es  verpinden, 
genädiglich  verwinden 
345  alß  mit  unser  hand  taut 

und  ouch  mit  der  herrin  raut, 
die  uns  lerend  das  recht  pond. 

825.  sye. 

828.  l.  Zagehait?  R.  Oder  steckt  in  Zagel 
bail  ein  Krättiemame? 

329/1  entstellter  Reim  oder  Lücke  if 

338.  rind]  l  bind? 

341.  niemas. 

344.  Vwnnden. 

346.  her’en. 


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140 


13.  Der  Stern  der  Treue. 


die  verstrickt  es  mit  der  hand 
und  veraint  lieb  und  mynn 
350  dar  nach  unser  aller  synn, 
das  sie  baide  müssen  leben 
wie  wir  in  raut  und  stur  geben, 
und  mit  ain  ander  liden, 
all  untrüw  vermiden. 

355  sie  müssend  waidelich  sin 
und  mit  frölichem  schein 
all  zitt  sich  erzaigen 
ze  laid  dem  bösen  vaigen, 
die  durch  nid  in  seind  gehaß. 

360  so  wellend  wir  ouch  von  in  das 
das  sie  sich  schön  ziechen, 

[44 ']  all  von  on  tilgend  fliehend, 
all  trackhait  müssend  Ion 
und  ouch  Got  vor  ougen  hon, 

365  wann  er  in  gefügt,  wann  er  wil, 
fröd,  er,  glückes  vil 
hie  nach  der  weit  leben; 
er  mag  in  die  ewig  fröd  geben, 
nach  mines  stern  wegung 
370  so  sol  yetwederß  zung 
dem  andern  das  pest  jehen 
und  in  sinem  hertzen  spehen 
das  kain  gedencken  dar  in  sy 
da  arger  list  won  by, 

375  und  wie  ains  behütt 

deß  andern  würd  und  gut, 
des  sol  das  hertz  in  zittern 

schweben. 

die  wegung  kan  mein  stem 

geben.’ 

Ich  sprach :  ‘werlich,  es  gefeit 

mir  wol 

380  das  Mynn  iren  orden  halten  sol 
nach  so  hocher  tugend  raut.’ 


377.  Das. 

384.  l.  nngev&r? 

385.  l.  geticht.^  S. 

388.  sein  mein  vor  fein  gestr. 


sie  sprach:  ‘sichest  nit  wie  man 

sie  haut? 

wa  die  mynn  an  unß  wür, 
man  briefft  ir  fürsicht  in  gevar, 
3H5  als  ich  dirß  e  gelicht  hon, 
zu  andern  stem  die  da  ston. 
ich  mein  nicht  den  mein, 
den  dam  und  den  fein, 
das  hon  ich  dir  ouch  wolgeseit, 

390  die  wegung  hetten  underschaid.’ 
ich  sprach:  ‘zarte,  liebe  frow, 
dritt  da  her  und  schow 
wa  dein  stern  klain  rest  haut’ 
sie  sprach:  ‘das  ist  frü  und  spant 
395  de«  louff  ist  all  zitt  so  schnell, 
es  sy  trieb  oder  hei; 
so  ist  es  sein  natürlich  sytt. 
da  ist  es  mir  gezaichet  mit: 
wa  zwayer  hertzen  lieb  wür 
400  und  die  würn  nngefär 

verschlossen  mit  der  mynn  pand 


und  ouch  nach  der  tugend  raut, 
die  lieb  durch  minne  gepunten 

haut 

405  die  ich  dir  vor  genand  hon. 
also  soltu  mich  verston: 
das  hertz  ist  minem  stem  glich, 
das  rüwet  ymmer  ewenglich 
und  müß  alzitt  laidnng  hon 
410  mit  sinem  liebsten  snnder  Ion, 
es  sy  mit  lieb  oder  mit  laid, 
das  ich  mich  nit  von  im  schaid, 
oder  lecht  durch  gedingen, 
wann  im  sol  gelingen, 

415  und  vil  licht  durch  schow. 
es  sy  man  oder  frow. 


394.  Ich. 

895.  Dem  L  ich. 

404.  mine. 

408.  Das  =  Das  es. 


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13.  Der  StO'n  der  Trette. 


141 


deß  m&ssend  sie  mir  rechen, 
wann  ich  hon  gesprochen: 

“wa  ains  gern  by  dem  andern  wer, 
420  das  pringt  dem  hertzen  grosse 

sw&r, 

und  es  dannocht  mäß  myden.” 
wyß,  das  ist  ain  laiten 
und  gar  yor  allen  dingen 
mag  es  yil  unm&t  pringen. 

425  es  knmpt  von  dem  frechen  dar, 
die  tänt  aller  ding  war 
und  kert  es  uff  das  pest 
deß  aines  ich  mich  tröst, 
man  ist  im  doch  niernt  hold. 

430  naintz  anderß  ich  im  wünschen 

wolt.’ 

ich  sprach:  ‘frow,  das  war, 
ich  acht  sie  nit  umb  ain  har.’ 
sprach  aber  die  Trüw  zfi  mir: 

*es  ist  doch  mineß  hertzen  gir 
435  und  mein  gedencken  by  den 

zwain 

die  mit  mir  sind  über  ain. 
die  sind  all  zitt  berait 
durch  mynn  und  durch  stütikait 
zewurcken  alle  gütthait. 

440  wie  man  uns  verspottet  haut, 
das  dunckt  sie  gar  unverdrossen- 

lieh. 

sie  «int  ouch  dick  mütes  rieh, 

[450]  sie  habend  fryd  on  zall 
inder  weit  über  all. 

445  mit  mangerlay  won 
sint  sie  by  liechter  sun 
deß  louffes  all  zitt  berait. 


417.  l.  jehen  ? 

418.  l.  gesehen  ? 

422.  ain  an.  l.  liden. 

442.  Tint. 

443.  l.  fr&d  H. 

446.  sie  ftihU. 

448.  im. 


alß  mein  stem  von  in  seit, 
und  habend  ouch  klain  rast. 

450  ich  weit  nit  das  es  kain  vaiger 

weist 

was  aubentür  in  witter  vert, 
undrast  und  leyden  ist  beschert.’ 

Ich  sprach:  ‘Trüw,  sag  mir, 
wenn  ich  der  fraug  nit  enbir: 

455  was  maint  die  mainung  die  du 

trest 

und  dich  so  süberliche  klaist?’ 
sye  sprach  zft  mir:  ‘ich  waiß  sin 

nit. 

ich  gen  also  von  gesicht.’ 
ich  sprach:  ‘Trüw,  nun  vergich, 
460  wann  ich  lützel  frowen  sich 
güt  mainung  tragen, 
sie  kund  ouch  wol  sagen 
was  sie  maind  da  mit. 
das  ist  nun  der  weit  syt, 

465  du  solt  dich  sein  nit  schümen.’ 
sie  sprach:  ‘nach  minem  namen 
hon  ich  mich  begeben 
in  ein  witwan  leben 
[46*-]  mit  der  Demütikait, 

470  zü  liden  lieb  und  laid. 
wie  frölich  ich  ymmer  pin, 
dennoc/t  sol  hertz,  müt  und  sin 
gedulticlich  hon  vergüt 
was  Stüt  und  Er  an  mir  tüt. 

475  ich  müß  mit  senen  ringen, 
swigen  ungezwungen 
mit  fr6d  manig  sfunt. 
das  tün  ich  mit  dem  rock  kund 
und  ouch  mit  der  färb  sein. 


452.  Vnd  rast y =Untröstü.;  od«r{. Unrast.^ 
456.  JK.  empfiehlt  swerliche. 

458.  l.  von  geschiht  *von  ungefähr’. 

472.  Dennhot. 

474.  er  er. 

477.  sampt 

478.  mich  mit. 


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142 


/.V.  Ihr  Sitni  der  Treue. 


480  . 

du  haust  das  wol  von  mir  gehört, 
ich  hon  dich  da  mit  nit  bed6rt, 
durch  wen  der  stem  mein  wirt 
und  mein  lieplich  gird, 

485  die  ich  hon  verporgenlich, 

gen  dem  mein  minn  staut  tuget- 

lich. 

der  mich  halt  on  all  mail, 
dem  füg  ich  aller  frSd  ain  tail 
und  mag  in  aller  tilget  sat 

490  . 

mit  mir  das  mein  herz  erfrdt. 
da  von  ich  hon  min  claid  bestr^wt 
umb  und  umb  und  über  all 
mit  den  stern  ain  zall. 

495  die  scharppffen  eck  die  daran 

stand, 

die  zaichent  nteinß  stemß  schin; 
das  ich  durch  schonhait  erdaucht 
und  das  mein  mainung  werd  ver- 

praucht 

[46«-]  mit  den  ecken  werden. 

500  wa  ich  bin  uff  der  erden, 
so  sol  ich  halten  stütikait 

4 

das  ain  ecA;  die  mamung  treyt. 
das  zweXt'.  gerechtikait  gen  lieb, 
und  das  ich  ouch  nit  ze  dieb 
505  dar  an  mit  listen  worden  sy. 
das  drit  ist  myr  bezaichet  by 
nit  wann  ain  rechte  Interkait, 
das  hertz  und  wort  glich  seit 
und  stee  all  zitt  anain. 

482.  nit  fehlt. 

483.  der  aus  den. 

486.  minn  fehlt. 

487.  on  all  on  m. 

488.  frfid  fehlt. 

491.  erfart. 

494.  dem.  ain  =  &ne. 

496.  keinß. 

497.  l.  hon  erdaocht.^ 

502.  ecken  manig. 


510  das  vierd  eck  ich  dar  zu  main: 
durch  ain  vestmütikait 
ich  hon  der  vaigen  widerseit., 
das  mir  gedingen  macht 
und  wider  stee  arger  sach. 

515  das  funfft  eck  ist  die  er 
das  ich  will  nach  der  1er 
ymmer  stütt  leben, 
sie  mag  mir  fröd  geben, 
das  secht  eck  bedarf!  ich  wol, 

.520  syd  ich  den  stern  tragen  sol 
allen  minen  gesellen  vor, 
die  gond  uff  mines  louffes  spor. 
das  die  orter  sind  so  scharppff, 
[4~«-]dütent  da  das  ich  wol  bedarff 
525  das  ich  mich  der  falschen  wer 
und  mich  mit  sölicher  tnget  ner 
dar  durch  ich  die  mainung  trag, 
und  mich  der  büsen  dück  ensag 
umb  Ire  grosse  misse  taut’ 

530  sie  sprach;  ‘gesell,  es  ist  spaut. 
du  haust  wol  vemomen 
war  umb  ich  pin  her ‘körnen, 
und  gehört  nach  miner  sag 
war  umb  ich  die  stem  trag. 

535  das  ist  dir  worden  kunüich.’ 

‘zarte  Trüw  tugent  rieh’, 
sprach  ich,  ‘hon  es  wol  veraomea 
ich  bin  nie  da  hin  körnen 
da  kain  edel  frow 
540  in  so  reicher  schow 
ire  grosser  tuget  ^aut 
und  sunderlich  in  sölicher  spant 

503.  zweit]  ein. 

509.  anedn  R.,  allain  g. 

510.  ich  dich. 

612.  l.  den  ?  vgl.  v.  358. 

513.  l.  mach. 

528.  dicken  sag  =  tttcke  entsage. 

539.  Da  in. 

541.  tant;  davor  raut  gestr. 

542.  sind'lich  sondlich. 


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13.  Der  Stern  der  Treue. 


143 


ich  bin  by  uch  gestanden  hie, 
und  habt  mir  gesagt  wie 
545  ir  halst  oder  wer  ir  seit 
und  was  tagend  an  üch  lit, 
was  maniger  hande  sin. 
deß  von  ew  ich  gewtst  pin 
das  mir  vor  was  unknnd.’ 

[47*]  sü  sprach  z&  mir  der  selben  stund: 
551  ^es  ist  gern  geschenhen. 
gesell,  wiltu  spehen, 
es  ist  sicherlichen  spaut, 
ich  muß  von  dir  ylen  draut. 

555  ich  besorg  des  yezwerg 
ob  es  verschlüß  den  berg, 
das  zam  der  Mynn  schui  nicht, 
die  mein  wem  unbericht, 
die  mir  von  ir  enpfolhen  sind; 

560  es  sind  ettwa  clainüw  kind. 
wer  sie  uß  der  hut  laut, 
ain  kind  bald  vergessen  haut, 
das  macht  du  selber  wol  verston.’ 
ich  sprach:  ‘weit  ir  gon, 

565  so  gond,  das  üch  Glot  behüt 
all  zitt  vor  ungemütt! 
ich  will  guaud  von  iu  hön: 
wa  ir  secht  mich  ainig  ston, 
das  ir  mir  prediget  zehand 


570  und  mich  da  her  wider  mand.* 
sie  sprach:  ‘des  biß  von  mir  ge- 

wert. 

du  haust  ain  klain  ding  begert. 
Glot  geb  dir  gfit  nacht, 
ich  wil  gen,  du  enmacht 
[4Ä'']  nit  lenger  by  mir  sein.’ 

576  ich  sprach:  ‘gnaud,  liebe  frow 

min!’ 

Sie  kert  sich  umb  und  gieng 

von  mir. 

ich  stond  ain  wil  und  sach  nach 

biß  das  mir  die  nacht  das  benam, 
580  das  sie  mir  uß  den  ougen  kam. 
das  braucht  mir  gar  sweren  müt. 
so  gedaucht  ich  dann:  ‘es  ist 

lecht  gfit, 

sye  mficht  sich  versampt  hon. 
so  will  ich  ouch  von  hynnen  gon, 
585  es  ist  ouch  schier  uff  dritthalb 

nacht, 

das  hon  ich  wol  in  miner  acht’ 
und  hfib  mich  uff  die  strauß  mein, 
ich  gedaucht:  ‘es  mfiß  also  sein, 
es  ist  ee  geschehen. 

590  was  wyltu  dar  zfi  jenhen?’ 

AMEN. 


14. 

Frau  Minne  weiß  Rat. 

[48”]  Ich  tfi  durch  früden  verjehen  zfi  sfichen  lust  und  aubentewr. 

hie  do  kam  gelück  zfi  stftr 

wie  ich  an  ainem  morgen  gie  5  und  weist  mich  in  ain  tieffes  tal, 

546.  Wie  ir.  557.  «chuld. 

547.  Das  vom.  handel  sein.  559.  ir  H.,  fehlt  g. 

548.  ew  ich  B.,  ewig  g.  gewest.  667.  ir. 

555.  bezwerg.  569.  ir  ir  mir  pred  {toi). 

556.  es  es.  578.  Sü  sprach  got. 

Zu  14. 

4.  l.  kam  mir  g. 


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144 


]f.  Frau  Minnr  weiß  Fat. 


dar  durch  ain  michel  wasserval 
uß  ainem  bürg  er  springen  tett. 
ich  hüb  mich  an  der  selben  stell 
und  gieng  dem  wasser  nach  zü  tal 

10  und  schont  sicher  über  all 
an  bürgen  und  an  lütten, 
neben  an  ainer  sitten 
tett  ain  prunn  erspringen. 
so  lustlich  da  besingen 

15  hört  ich  golander  nnd  nachtigal, 
hoch  in  die  lüfft  und  ab  zü  tal 
tett  sich  der  lerch  schwingen, 
so  maisterlich  erclingen 
hört  ich  usß  maniges  fogel  kel. 

20  so  manig  plümel  liecht  nnd  hei 
vil  woneclich  erlüchten  tett. 
ich  yand  an  der  selben  stell 
deß  mayen  zellt  gantz  nff  ge¬ 
schlagen. 

von  lust,  fröd,  won  wAr  vil  zü 

sagen, 

25  die  ich  sach  in  des  mayen  rieh; 

[49  '•]  doch  was  die  fröd  niemd  gelich 
der  fröd,  haist  lieb  nnd  mynn, 
alß  ich  mich  onch  wol  versynn, 
nach  dem  als  es  offt  ist  ge¬ 
schehen. 

30  Also  tett  ich  umb  sehen 
an  kern  und  an  lütten, 
neben  an  ainer  seytten 
ersach  ich  ain  vest,  on  maussen 

hoch. 

hertz,  müt  und  danck  mich  dar 

zü  zoch, 

35  das  ich  herfür  die  mür 
wer  uff  der  vesten  wAr. 


8.  l.  mich  uff,  tote  v.  50. 
13.  pnug. 

15.  ich  fehlt. 

21.  moneclich. 

27.  Die. 

37.  ich  fehlt. 


da  mit  tett  ich  mir  rant 
das  ich  mich  sunder  traut 
hüb  der  vest  zü  nahen. 

40  mit  ylen  und  mit  jagen 
kam  ich  an  das  erst  tor. 
da  sach  ich  sicher  vor 
ain  paumgarten  gar  zärtlich, 
dar  umb  ain  hag  von  dom  rieh 
45  was  gewachssen  nnd  zogen 
und  hett  sich  zü  der  erden  ge- 

bogen 

von  der  rosen  überlast 
die  gaben  liechten,  willen  glast, 
das  mir  mein  hertz  erfröwen  tett. 
[49»]  ich  hüb  mich  uff  an  der  selben 

stell 

51  zü  des  garten  clusen. 
an  sorgen  und  an  grusen 
nam  io^  der  vest  an  allen  enden 

war 

und  ouch  des  garten  gantz  nnd 

gar. 

55  und  als  ichs  alß  samd  durch 

schowet, 

da  kam  ain  mynneclich  frow, 
in  rott  enzünt  nach  mynne  recht 
ich  gedaucht  wie  ich  mein 

antwürt  schlecht 
gen  ir  wolt  tün,  ob  sie  mich 

fraugt 

60  Mit  dem  die  minneclich  magt 
frag^  mich  der  mAr 
was  mein  gefert  da  wAr. 
ich  sprach:  ‘ir  mynnecUche  jung- 

frow, 

ich  ge  durch  lieplich  schow. 


41.  an  aus  das. 

53.  ist 

57.  nach  aus  durch. 

62.  da  zü  süchD  w&r. 

63.  nynecliche. 


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14.  Frau  Minne  weiß  Bat 


145 


65  zft  sfichen  frod  und  aubentür. 
nun  hoff  ich,  ir  seyt  mir  zu  stewr 
körnen  in  des  mayen  zier.’ 
die  frow  sprach:  ‘gesell,  ich  main, 

dir 

wone  by  vil  kluger  synn.’ 

70  ich  sprach:  ‘syd  irs  nit  frow 

Mynn?’  — 

‘ja,  gesell,  das  betütt  ich  mit  der 

färb  rot. 

ich  mach  ouch  mengem  hertz  nott 
und  kan  es  wider  zü  fröd  pringen 
allen  den  die  zä  der  mynn  lieb 

han  gedingen.’  — 
75  ‘so  wol  mich  hüt  und  ymmer 

ward, 

das  mir  die  lieplich  fart 
an  disem  tag  ye  ward  beschert! 
mein  hertz  sich  erst  der  fröden 

nert, 

frow  Mynn,  das  ich  uch  funden 

hab, 

80  wann  ir  doch  sind  meinß  hertzen 

lab. 

von  wem  oder  welichen  Sachen 
sich  s61ich  hertikait  tilt  machen 
das  ainem  man  sein  hertz  vor 

lieb  erklieb 

durch  ain  werdes  wibes  lieb 
85  und  der  frowen  hertz  sol  gantz 

beliben, 

das  wunder  will  mir  mein  synn 

vertriben.’ 

Frow  Mynn  antwürt  mir  wider 
und  sprach:  ‘gesell,  sitz  nider 
zfi  mir  in  das  gi’fine  graß. 


90  ich  will  dir  sagen  alles  das 
das  da  ist  uff  der  mynne  louff. 
manger  vint  ain  schlechten  kouff, 
etlicher  wirt  hart  troffen, 
mänger  wond  er  het  ser  geloffen, 
95  so  ylt  er  fer  hinden  nach.’ 

mit  züchten  ich  hin  wider  sprach: 
‘frow  Mynn,  ir  hab  laider  war. 
es  ist  noch  nit  ain  jar 
[50»]  das  ich  ouch  mer  erfam  hab 
100  das  ainer  ist  uff,  der  ander  ab. 
frow  M3Tm,  beschaid  mich  noch 

deß 

durch  wen  oder  wie  es 
ymmer  müg  geschehen  oder  sein 
das  hertz  nit  über  ain 
105  sind  paidu  der  frowe  und  des 

man.’  — 

‘gesell,  als  ich  dir  sagen  kan, 
ainem  gestetten  truwen  man 
sein  hertz  nit  gantz  beliben  kan, 
es  pricht  und  klüpt  sich  inder 

prust. 

HO  das  geschieht  von  lieb  über  Inst 
und  von  grosser  überflüssikait 
der  lieb  die  er  zfi  ainer  frowen 

treit ; 

und  ist  ir  lieb  dann  nicht  als 

gantz  gen  im 

oder  das  der  frowen  sein  lieb 

nicht  zim, 

115  so  kan  ir  hertz  nit  prechen. 
doch  tfi  ich  wider  sprechen 
das  nit  unmüglich  wür: 
wa  ain  stütiger  bfiler  wür 
und  der  gesessen  wär  der  waid 


74.  bab. 

80.  lad  vor  lab  gestr. 

101.  ainß  vor  defl  gestr. 

102.  l.  wen  {Instrum.)? 

104.  l.  die  bertz. 

Doutflch«  Teilte  dee  Mittelelterf.  XXIV. 


107.  l.  Stetten  getrnwen  ? 

HO.  waO. 

112.  er  fehlt. 

118/".  l.  bälAr  gesessen  w.  d.  \s.?  B. 

10 


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146 


14.  Frau  Minne  weiß  Rat 


120  und  der  es  trib  on  anderschaid, 
alß  ain  stritiger  jAger  tut, 
so  gloub  ich  das  kainer  frowen 

müt, 

ir  hertz  noch  sin  so  hert  müge 

sin, 

sy  precht  ainer  in  der  mynne  pin, 
125  lieb  mynn  die  tet  ir  hertz  zd- 

prechen. 

wann  vor  war,  gesell,  was  weit 

aine  rechen 

an  yedem,  er  wir  ritter  oder 

knecht, 

deß  trnw  gen  ir  stend  schlecht 
und  des  hertz  durch  lieb  gen  ir 

zäprochen  wAr 
130  und  ir  durch  hertzen  lieb  on  gefär 
enpfilch  sein  hertz,  lib  und  leben 
und  sich  allain  tett  ergeben 
in  ir  gnaud  nach  irem  pott? 
gesell,  das  wAr  wider  Gott; 

135  wann  allu  trüw  mäß  vergolten 

werden 

dort,  hie  und  uff  der  erden, 
die  ain  yeders  dem  andern  tüt’  — 
^Beschaid  mich,  werde  Mynn 

gÄt, 

ir  sind  mir  doch  zfi  seiden  körnen, 
140  als  ich  dann  hab  an  uch  vemomen 
ewern  synn  ain  güten  tail; 
und  ob  ainer  wär  in  fröden  gail 
durch  ain  mynneclichs  wib 
und  begert  an  iren  werden  lib 
145  lieb  trüw  mit  gantzer  stAttikait 
und  wolt  ir  gern  sin  berait, 

123.  sie. 

126.  Wjm  war  vö. 

128.  ir  fehlt 
132.  nit  tett 
136.  l.  und  hie  uS. 

139.  sid  vor  sind  gestr. 

141.  an. 

142.  ainer]  wir. 


nnd  die  im  sein  hertz  het  zü- 

prochea, 

[5/  »1  alß  ich  vor  hon  gesprochen, 
ob  sie  sich  des  wider  tett 
150  und  ließ  ainem  frü  nnd  spaut 
red,  mü  und  arbait  Verliesen 
nnd  weit  sein  ye  nicht  kiesen, 
kain  trüw  noch  lieb  verjehen, 
als  das  offt  tüt  geschehen: 

155  wie  sol  sich  ainer  dar  in  halten 
dem  sein  hertz  tüt  spalten 
gen  ainem  mynneclichen  wib 
nnd  ir  hertz  gantz  belib, 
und  an  ir  kain  trüw  ervinden 

kan?’ 

160  sie  sprach:  ‘du  bist  ain  g^ütter 

man, 

gesell,  verstest  es  aber  nit 
nun  hab  ich  gantze  zü  versieht 
du  verstaust  es  sirier  wol. 
ain  yeder  die  sach  triben  sol, 

165  wann  kaine  als  bald  gern  ver¬ 
jehen  tüt 

ob  halt  ir  lieplich  müt 

und  ir  hertz  zü  ainem  ist  genaigt 

doch  in  dem  sich  ain  yedrn  er- 

zaigt, 

wer  des  erkennen  kan, 

170  dem  aine  liebs  gan, 

das  es  ist  zü  versten  wol.’ 

[52r]  Ich  sprach:  ‘dar  umb  ich  nun 

ymmer  dienen  sol, 
frow  Mynn,  mit  lib  und  mit  güt 
ob  ainer  hertz,  lieb  und  müt 
175  ainer  frowen  nndertenig  macht 

145.  gantzer  am  Rande  für  gestr.  aller 
im  Text. 

149.  sich]  l.  icht  (mt(  negat.  Sinn)  ? 

150.  leS. 

156.  sein  fehlt. 

163.  sider  H.,  selber  g. 

165.  kainer. 


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14.  Frau  Minne  weiß  Bat. 


147 


und  sie  sein  als  pald  nit  acht, 
wie  sol  ich  verston  das 
ob  sie  dennocht  fürbaß 
ir  trüw  weit  zu  im  kem? 

180  zart  Mynn,  das  tut  mich  lern.’  — 
‘so  hör,  gesell,  und  folg  mir: 
wa  hin  din  hertz  hab  lieplich  gir, 
da  pit  nit  lang  und  heb  an 
und  sprich:  “was  ich  ye  fröd  ge- 

wan, 

185  das  ist  durch  dich,  mein  höchster 

hört  ”, 

und  erzel  ir  gentzlich  dinu  wort 
und  red  mit  ir  von  der  lieb  wegen 
und  sprich:  “solt  ich  zü  dienst 

leben 

dir,  mein  trost,  das  mein  gir  ” 

190  gelonb,  so  vinst  an  ir  schier 
das  sie  sich  ouch  erzaigt 
und  ettwas  gen  dir  naigt, 
ob  ir  der  will  güt  ist. 
wann  es  sic^  kain  lengerü  frist 
195  in  zwain  hertzen  verbergen  kan, 
wa  ainß  dem  andern  guttes  gan, 
[•^5  *]  es  vint  sich  mit  lieplichen  Worten, 
mit  gesicht  an  mengen  orten, 
liep  plick  die  ains  dem  andern  tut. 
200  also  kumpt  ye  g&t  uß  göt. 
noch  ains  merck  vor  in  allen: 
wenn  ains  dem  andern  tfit  ge¬ 
fallen 

und  ains  das  ander  erplickt, 
vor  fröd  in  lieb  sein  hertz  er¬ 
schrickt 

205  und  erzint  sin  anplick  für  rott. 
das  macht  als  der  mynne  not 


178.  den  hot  gestr.  vor  dSnocht. 
184.  188.  sprach. 

189.  das  =  dast. 

191.  sich  sie. 

193.  der  güt  will  gut. 

194.  sy. 


und  die  lieb  die  ains  dem  andern 

gan. 

vor  lieb  ains  nicht  wol  reden  kan, 
bis  es  wider  gefaucht  mfit. 

210  da  von,  gesell  güt: 

habst  yendert  zü  kainer  frowen 
trost  oder  getrüwen, 
der  du  din  lib  gern  tailst  mit, 
so  merck  disen  sytt 
215  und  sag  ir  din  willen  gantz. 
habs  füg,  so  bit  sie  umb  ain 

krantz 

und  sprich  du  wöllest  zü  fröd  en 

tragen. 

tüt  sie  dir  sein  nit  versagen, 
so  ist  es  aber  der  lieb  ain  zaichen. 

220  . 

dein  arme  mit  ainem  lieplichen 

umb  fang, 

[5.^'‘1  und  ettwas  mit  getrang 

tü  sie  lieplich  an  dich  drucken 
und  frnntlich  zü  dir  smucken. 

225  ob  sie  des  dir  in  züchten  gan, 
so  soltu  kainen  zwifel  hon, 
sie  gitt  dir  der  lieb  widergelt, 
ist  aber  das  es  tr  nit  gefeit, 
dinü  wort  und  din  weyß, 

230  so  leg  uff  sie  nit  din  fliß 

und  versüch  anderßwa  diner  frö- 

den  waid. 

doch  laus  dir  dar  umb  sein  nit 

laid 

ob  sie  es  am  eraten  nit  nyem  ver¬ 
güt. 

es  ist  kain  frow  so  hoch  gemüt 
235  noch  so  arme  noch  so  rieh, 


202  ff.  vgl.  1 1839  ff. 

206.  rot  vor  not  geetr. 

213.  mit  tailst. 

217.  fr6d  en  tragen  H.,  frftdfi  tagn  g. 
228.  dir.  fe  vor  gefeit  geetr. 

10* 


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148 


14.  Frau  Minne  weiß  Rat. 


noch  so  edln  noch  so  gelichu, 
sye  müß  durch  aller  frowen  schäm 
und  durch  werder  frowen  nam, 
durch  Zucht  sich  in  halten, 

240  wie  wol  ir  hertz  tut  spalten 
inlieb  gen  dir  als  sich  das  din.’ 

Ich  sprach:  ‘ir  werde  Mynne 

rain, 

ir  sagt  mir  recht,  deß  verstee  ich 

wol. 

mein  hertz  i«  ymmer  folgen  sol. 

245  es  w&r  ouch  schier  schad  und  nit 

güt 

das  die  frowen  hoch  gemüt 
alß  pald  yeden  solten  gewern, 

[53  "l  sie  tette  dann  vor  lern 
wie  yeder  gesytt  wer, 

250  und  erfür  alle  mär. 
welche  dann  erfam  tett 
das  ainer  sin  trüw  und  stett 
recht  hielt,  als  pillich  wär, 
die  solt  ouch  nit  lange  mär 
255  dar  uff  machen,  uff  mein  aid, 
wann  offt  geschücht  groß  hertz 

laid 

von  langem  verziehen  und  harren, 
und  werdend  uff  paiden  sytten  zu 

narren. 

so  wirtt  ouch  offt  versampt  ein 

tag 

260  der  nymmer  herwider  komen  mag. 
da  von,  es  sy  man  oder  frowen, 
die  lieb  garten  tund  pawen, 
die  niemans  spil  wann  es  gefeit; 
wann  wenn  sich  ye  ainß  zä  dem 

andern  zeit, 

265  so  ist  owch  dein  werck  gar  güt’ 

239.  dar  nach  Dorch  geetr.  l.  sich  enthalten  f 
242.  sprich. 

244.  ir. 

247.  reden. 

261.  fro  vor  man  geetr. 


Die  werde  Mynne  hoch  gemüt 
sprach:  ‘gesell,  du  haust  war. 
nun  hon  ich  dir  gantz  und  gar 
der  mynn  und  lieb  louff  erzeilt 
270  haust  du  dir  ouch  yendert  erw^elt 
kainü  die  dir  müt  macht  geben 
und  durch  die  gern  wölst  leben 
[54»-]  in  fröd  und  hohem  müt, 

das  sag  mir,  tmtt  gesell  güt, 

275  dar  inn  will  ich  din  helferin  sein.’ 
ich  sprach:  ‘ir  werde  Mynn  rain, 
syd  ich  als  ver  zü  red  bin  komen 
und  an  üch  hon  vernomen 
wend  ir  mir  dann  behollfen  sein, 
280  so  will  ich  üch  by  dem  aid  mein 
allen  mein  gehaim  verjehen. 
so  wist,  mir  tund  geschehen 
so  we  von  ainer  frowen  güt, 
der  mein  hertz,  synn  und  müt 
285  alß  gern  wär  willig  und  underton, 
und  alles  des  mein  hertz  ye  be- 

so  gedaucht  ich  allweg  der  frowen 

dar  inn. 

so  haut  min  hertz  lieb  mynn 
gen  ir  stett  verschlossen. 

290  mich  hett  ouch  nit  verdrossen 
sie  ain  gantz  jar  zü  sehen  an. 
doch  waiß  ich  nit  ob  sie  mir  es 

ouch  gan 

als  vil  güttes  alß  ir  mein  hertz. 
dar  umb  hon  ich  inwendig  smertz. 
295  doch  will  ich  üch,  frow,  sagen 

gar: 

es  ist  mer  dann  ain  jar 

das  sye  mir  deß  ersten  gefallen 

tett, 

263.  niemans  =  nemen  daz. 

265.  noch. 

279.  l.  Ir  wend? 

288.  So  K,  Sie  g.  jnn  vor  mynn  geetr. 
291.  hfin. 


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14.  Frau  Minne  weiß  Bat. 


149 


und  sind  nun  von  der  selben  stett 
fs^^jgewan  mein  hertz  wenig  rü  und 

rast, 

300  von  grosser  lieb  überlast 

ist  mein  hertz  in  fr6den  streben 

gen  ir.’ 

frow  Mynn  sprach:  ^sag,  lieber 

gesell,  mir: 

hastu  irs  nie  zä  wissen  tän, 
da  mit  sie  an  dir  müg  vei'ston 
305  das  sie  dinB  hertzen  wol  gewaltig 

w&r?’  — 

‘frow  Mynn,  ich  will  üch  alle  m&r 
sagen,  wie  mir  ist  geschehen: 
das  ich  sy  pey  erst  det  sehen 
und  sie  ain  wenig  erkennen  tett, 
310  da  kund  mein  hertz  an  kainer 

stett 

weder  safft  noch  rüwe  gehaben, 
und  möcht  ir  sein  biß  her  nit  ge- 

sagen 

und  hieß  manckfalt  gern  geton.’ 
frow  Mynn  sprach:  ‘ouch,  du  ge- 

melich  man, 

315  biß  also  in  frowden  erstickt 

und  in  der  liebe  mynne  erschrickt, 
dorst  ^r  nit  dein  notdurfft  sagen? 
geloub,  du  wärst  dar  umb  un¬ 
geschlagen.’ 

ich  sprach:  ‘frow,  ich  bin  mir 

selb  darumb  gran 

320  und  will  uch  sagen  wie  es  kam, 
dar  umb  ichs  als  lang  gelaussen 

hün. 

ich  was  ains  tails  gen  ir  im  won 


wie  sie  ön  kainen  pfilen  wär, 

[55»-]  und  rett  doch  mit  ir  mengu  mär. 
825  in  schumpffen  und  in  lachen 

rett  ich  mi^  «r  uß  mengen  Sachen, 
von  lieb  und  der  weite  mynn. 
ains  tags  sprach  ich:  “frow,  ich 

pin 

wie  ir  on  kainen  pälen  sind.” 

330  sye  sprach:  “nam,  uff  mein  aidl” 
ich  sprach:  “frow,  deß  geloub  ich 

hart.” 

sie  rett  mit  manchem  wortt 
dar  wider  wie  sie  unschuldig  wär, 
frow  Mynn,  und  durch  söliche  mär 
335  hon  ich  ir  meinß  willen  nit  dürren 

sagen 

noch  mein  not  nit  dürren  clagen 
das  ich  sie  hett  vor  etwan  lieb, 
und  habs  verholen  alß  ain  diepp 
allain  in  minem  hertzen  tragen. 

840  und  noch  mer  tü  ich  uch  sagen 
das  mir  ir  lieplich  plick  und 

rotter  mund 

vil  redentz  wär  zü  aller  stund 
vor  grosser  begir  die  ich  zü  ir 

hab, 

das  mir  doch  all  mein  tag 
345  von  kainer  mer  ist  beschehen, 
und  hab  mengu  stoltzu  frow  ge¬ 
sehen, 

der  mein  hertz  ouch  lieb  trüge, 
es  wär  zü  sagen  ungefüge 
[55 «’]  wie  gar  mein  hertz  in  vorcht  her¬ 
schrickt 

350  wenn  ich  ir  lieplich  aneplick 


302.  mir  fe?Ut. 

328.  ich  fehlt. 

308.  l.  Da?  y. 

330.  nU. 

311.  l.  sanfft  R. 

335.  irs. 

313.  l.  tuet  es. 

342.  wir  =  ‘verwehre’. 

317.  Dort  mir. 

346.  hab  fehlt. 

320.  ich.  es  aus  ich. 

347.  Die. 

326.  mit  ir]  mir. 

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150 


14.  Frau  Minne  weiß  BaL 


vor  mir  in  fröden  sehen  td. 
da  von,  frow  Mynn,  rant,  helfend 

dar  zft 

wie  ich  t&  in  miner  nott.’ 
frow  Mynn  sprach:  ‘yo  durch  Gott, 
355  ich  müß  dein  selber  lachen, 

weder  tüst  schlauffen  oder  wachen, 
gesell,  fach  mannes  mät! 
sid  dir  die  rain  und  die  gdt 
tüt  gefallen  vor  allen  frowen,  • 

360  so  hab  gedingen  und  trüwen 

sie  nym  dich  ouch  z&  ainem  die- 

ner  uff. 

wöltest  dn  aber  wanckeln  kouff 
mit  der  rainen  triben, 
so  lanß  nur  beliben. 

365  wilt  aber  gen  ir  sein  from,  trü 

und  stett, 

so  will  ich  dir  hilff  und  rautt 
gen  ir  tün  und  sy  machen 
mit  minneclichen  Sachen 
das  sy  dir  ouch  sol  lieft  ver- 

jehen.’  — 

370  *frow  Mynn,  möcht  das  geschehen 
das  sie  mich  ließ  iren  diener  sein, 
so  het  z&  pfand  die  trüwe  mein 
[56*-]  das  ich  mich  gantz  wolt  ergeben, 
lib,  hertz,  mund  and  leben, 

375  dar  zu  synn  und  mdt’ 

sye  sprach:  ‘swig,  gesell  güt, 
ich  will  es  machen  gen  ir  schlecht, 
als  dann  ist  der  lieb  recht, 
und  ir  dein  lieb  machen  kund, 

380  das  dir  von  irem  rotten  mund 
diner  trüw  sol  gelont  werden, 
das  kainem  uff  diser  erden 
sftlicher  Ion  wurd  geben.’  — 


‘o  frow  Mynn,  so  wolt  ich  gern 

leben ! 

385  so  hilff  und  raut  in  kurter  stund 
das  mir  von  irem  rotten  mund 
werd  verjehen  lieb  und  trüw, 
und  das  wir  baide  on  affterrüw 
in  lieb  und  stett  beliben.’  — 

390  'gesell,  ich  will  zä  triben 
so  ich  aller  best  kan, 
dar  an  soltu  kain  zwifel  hon. 
doch  far  schön  und  nym  dir  sytt, 
man  mag  es  alß  ergachen  nit, 

395  man  kanß  ainß  straichs  nit  ab- 

howen. 

doch  hab  dingen  und  trüwen, 
es  sol  kurtzlich  werden  gftt. 

[56*1  da  von,  gesell  houch  gemfit, 
gib  mir  urlob,  zitt  ist  hie.’ 

400  Fröd  groß  mein  hertz  durch  g^e 
alles  umb  das 

das  mir  frow  Mynn  so  willig  was, 
und  urlonbt  mich  da  von  der 

gfitte, 

der  stolten,  wol  gemötte, 

405  und  sprach:  'frow,  beschaid  mich 
wa  hin  oder  an  welhes  end  ich 
s&ll  zü  üch  körnen  wider.’ 
sie  sprach:  'gdt  gesell  bider, 
in  mein  haß  zü  Hoffen  hail. 

410  da  mit  far  hin,  biß  frölich,  gail 
und  merck  recht  was  ich  dir  sag: 
kam  von  hüt  über  acht  tag!’ 
ich  sprach:  'frow  Mynn,  ich  kum 

gern. 

durch  lieb  t&t  mich  noch  ains  ge- 

wern 

415  und  nrlaubt  mich  mit  üwer  hand. 


353.  t&  fehlU 

354.  yo  B.,  ye  g. 
369.  lieb'. 


372.  bet  z&  =>  bet  sie  zd. 
383.  Ion  kaim. 

385.  kaine  vor  kort’  geetr. 


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14.  jBVau  Minne  toeiß  Bat. 


151 


mein  hertz  ye  trüw  gen  üch  er- 

mant.’ 

ir  hand  ich  in  mein  hand  enpfieng. 
durch  lieb  und  trüw  ich  nit  en- 

liesfi, 

ich  nmbfieng  iren  lib  minneclich. 
420  die  rain  tet  mir  euch  deß  gelich, 
und  schieden  uns  in  Gottes  namen. 
Do  die  acht  tag  wider  kamen, 
[57*-]  do  ylt  ich  hin  gen  Hofen  hail 
und  was  da  hoAes  mütes  gail. 

425  da  sücht  ich  aber  die  gütten, 
die  stoltzen,  wol  gemüten, 
und  als  ich  lang  da  süchen  tett, 
da  kam  mir  an  der  selben  stett 
ain  jungfrow  minneclich 
430  und  sprach:  ‘gesell  mßttes  rieh, 
was  süchst  alhie  in  disem  garten?’ 
ich  sprach:  ‘ich  tu  warten 
ainer  frowen,  die  haut  mich  be- 

schaiden.’ 

sie  sprach:  ‘jamer  und  liden, 

435  gesell,  ich  dag  dir  mein  hertz 

swer 

und  die  jämerlichen  mär 
die  sich  knrtzlich  haben  ergangen, 
es  haut  der  tod  mit  siner  zangen 
die  frowen  baid  hin  genomen 
440  dar  umb  du  her  bist  körnen, 
und  habend  mich  dir  haissen 

sagen 

das  du  zfl  kainen  tagen 
ir  zä  fröd  mer  mügst  geniessen. 
sie  ließ  sich  ouch  nit  yerdriessen, 
445  durch  ires  sterben  nott 
sie  mir  trüwlich  gepott 
dir  die  laidigu  mär  zu  sagen.’  — 


424.  hohes  jR.,  habest  g. 

4S8.  zQDgen. 

439.  baid]  l.  bald  (H.),  und  haat  m  v.  441. 


[57«'] ‘o  jungfrow,  erst  müß  ich  ver¬ 
zagen, 

wann  all  mein  trost  der  ist  da 

hin. 

450  ach  Got,  das  ich  nit  pin 
selber  dott  für  die  rainen! 
ach  Gott,  was  wylt  du  mainen 
•mit  mir  eilenden  man?’ 
die  jungfrow  sprach:  ‘wol  uff,  dar 

von, 

455  meinß  beliben  ist  nymmer  hie.’ 
mit  dem  die  jungfrow  gie 
von  mir  mit  wainen  und  clagen. 
das  ich  da  nit  dett  verzagen, 
für  war  da  was  genad  by. 

'  460  ‘o  meinß  hertzen  aumey 

sol  ich  dann  nymmer  mer  ge¬ 
niessen  ! 

zart  jung^ow,  laut  üch  nit  ver- 

driessen, 

zü  urloub  biettend  ir  mir  üwer 

hand, 

wann  mich  vil  trüw  gen  üch 

mant.’ 

465  ir  hond  ich  in  mein  hand  enpfie, 
jamer  und  laid  mein  hertz  durch 

gie 

alles  umb  das 

das  die  rain  gestorben  was. 
sie  schied  von  mir  in  betrüptem 

müt 

470  so  bin  ich  der  die  frowen  gut 
will  clagen  biß  an  mein  endes  zil. 
gen  Got  ich  ir  ouch  nit  vergessen 

wil, 

[5S'-]als  wenig  als  uff  erdrich. 
ach  ewiger  Got  von  himelrich. 


454.  sprach  fMt.  der  vor  dar  gestr. 
461.  l.  dein?  B. 

465.  ich  fehlt. 


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152 


li.  Frau  Minru  weiß  Bat. 


475  das  du  maniges  Unmensch  laust 

leben, 

das  niemand  kain  trost  tüt  geben, 
und  töttest  söliche  raine  wib! 


das  laid  ich  in  mein  hertz  schrib 
und  will  das  clagen  alle  tag! 

480  die  red  haist  schwig  and  niemant 

sag. 


15. 

Der  mynne  gericht. 


Do  der  summer  was  da  hin 
und  do  der  winter  nngewin 
wolt  pringen  den  klain  vögelin, 
das  sie  in  irß  hertzen  schrin 
5  musten  Verliesen  ire  gesang 
dnrch  deß  argen  winters  zwang, 
nnd  der  ryff  kalt  und  pitter 
und  deß  herbst  nngewitter 
ui!  sie  fiel,  das  sie  sich  schmfigen 
10  (wie  houch  die  lerchen  vor  Augen, 
ab  mfisten  sie  sicA  setzen), 
ains  morgentz  rait  ich  hetzen 
mit  winden  nnd  mit  vogelhnnden 
ffir  ain  loch,  da  ich  het  fanden 
15  zfi  hetzen  vil,  das  gedaucht  ich. 
holtz  halb  hfib  ich  mich, 
ob  es  mir  lieff  an  die  hand. 
der  hund  ainer  ain  hasen  vand; 
do  ich  in  ward  ansichtig, 

20  ze  hand  zuckt  ich  den  strick 
I6i'-]und  hetzt  an  in,  ob  ich  in  vieng. 
der  has  doch  den  hunden  engieng 
und  lief!  in  vor  biß  an  das  holtz. 

Do  sach  ich  ain  frowen  stoltz 
25  gegen  mir  gien  uff  ainem  Steg. 


Zu 

2.  des. 

11.  sitz. 

15.  das  das. 

24.  Doch. 


ich  sprach  zu  mir  selber:  ^nnn 

schwig, 

stand  von  dem  pferd  zü  der  erdew  ! 
möcht  dir  ain  grüsen  von  ir  wer¬ 
den, 

so  w&r  wol  beschehen  dir.’ 

30  die  selb  frow  engegnet  mir 

und  grfist  mich,  do  das  beschach, 
ich  danckt  ir  nnd  sprach: 

'gnäd,  frow  schön  und  rain, 
wie  sind  ir  also  ain 
35  körnen  her?  deß  nympt  mich 

wunder.’ 

sie  sprach:  4ch  hett  mir  baß  be- 

sunder 

zfi  lieb  erkoren  ainen  man; 
der  haut  so  übel  an  mir  geton 
das  man  in  solt  schelten. 

40  er  laut  mich  deß  engelten 
das  ich  gar  stett  an  im  was. 
nun  gevelt  im  ain  andre  baß, 

[61  *]  die  selben  haut  er  in  dem  müt. 
das  er  das  ungerecht  gen  mir  tut, 
45  das  will  ich  frow  Mynn  clagen. 
werlich,  die  kan  nit  vertragen 


25.  gieng. 

27.  andern. 

36.  mich.  baß  eu  streichen? 
44.  l.  unrecht  ?  vgl.  v.  47. 


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15.  Der  Minne  Gericht. 


153 


das  man  unrecht  tüt  an  mir, 

das  soltn  geloben  mir.* 

ich  sprach:  ‘frow,  laut  mich  mit 

üch, 

50  ich  gib  uch  deß  mein  trüw 
das  ich  üch  ymmer  dienen  will, 
ich  hon  ir  ouch  zeclagen  vil 
alß  von  ainem  rainen  wib, 
das  ich  von  der  belib 

55  so  gar  on  hilf!  und  ön  trost. 
möcht  ich  von  der  werden  erlöst, 
das  ich  so  gar  hertz,  mut  und 

synn 

an  sie  nit  leg  on  allen  gewin!* 
sie  sprach:  ‘ich  für  dich  mit  mir 

dar. 

60  da  würstn  ouch  wol  gewar 
wes  da  die  Jlfynn  kan  walten.* 

Sie  fiert  mich  anbent  halben 
durch  ain  holtz  uff  ain  haid. 
da  sach  ich  in  kuniglichem  claid 

65  die  Mynn  da  zü  rechten 

mit  vil  ritter,  frowen  und  knech¬ 
ten. 

die  warn  all  geladen  dar 
und  namen  da  deß  rechten  war. 
funff  frowen  sprachen  do  das 

recht, 

70  die  ir  frow  Mynn  hett  erkort, 
die  da  richterin  was. 
frow  Er,  frow  Trüw  waren  das, 
frow  Stett,  frow  Seid,  das  waren 

vier; 

die  fnnfft  nem  ich  uch  schier: 


47.  2.  an  ir? 

49.  mich  fehlt. 

53.  von  feMt.  , 

67.  siy  vor  synn  gestrichen. 
61.  nynn. 

64.  knnigliche. 

69.  l.  das  wort  xoegen  v.  97  ? 
74.  ic  vor  nem  gestr. 


75  das  was  frow  Lieb,  die  mengem 

man 

lib  und  güt  gewund  an. 

Durch  das  gedreng  ich  da 

prach, 

ich  gieng  für  und  sprach: 

‘edln  knnigin  Fennß, 

80  ich  bin  körnen  alsns 

das  ir  mir  richtet  hie  durch  Gott, 
wann  tüt  durch  üwer  gebott 
was  nnvemumpffticlichen  lept, 
und  mir  ain  fürsprechen  gebt, 

85  der  mir  min  wort  hie  sprechen 

wöll.* 

sie  sprach:  ‘lieber  gesell, 
nym  selber  wer  dich  dunck  gut, 
des  gan  dir  wol  mein  müt.’ 
frow  Sellden  ich  da  mit  urtail  ge- 

wan, 

90  die  nam  ich  und  fürt  sie  hin  dan 
[6»’]  und  klagt  ir  mein  kommer, 

das  von  ainer  frowen  ich  tummer 

hett  erlitten  groß  arbait, 

das  sie  die  von  minen  wegen 

klaid. 

95  die  für  hin  gar  züchteclich 

und  sprach:  ‘frow,  vernympt  mich! 
ich  sol  dem  das  wort  hie  sprechen, 
so  weger  ob  ich  im  dett  prechen. 
geschach  an  züg  oder  dingen 
100  oder  an  tagen  das  im  müg 

pringen 

schaden,  ob  ich  es  nit  recht  han¬ 
delt. 


75.  was  fehlt,  mynn ;  vgl.  v.  200. 

77  ff.  Es  ist  auffällig,  daß  die  Klage  der 
Frau  überhaupt  nicht  mehr  erwähnt  wird. 

82.  Wafi  mSn  tut. 

83.  lie  vor  lept  gestr. 

95.  hin  für. 

99.  On. 


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154 


15.  Der  Minne  Gericht 


ob  ich  im  sam,  das  er  mich  wän¬ 
de! 

hie  mit  ainer  ander  ger, 
der  selben  urtail  begert  er. 

105  doch  tilt  er  es  nit  gern, 
er  wolt  er  m6cht  sin  enpem. 
frow  Mynn,  sprech  zu  sinem  lieb 

dar, 

ob  sie  es  noch  gentzlichen  und 

gar 

wölt  laussen  an  ir  zu, 

110  so  geb  er  ouch  ettwan  dar  zu 
das  wirß  mit  der  lieben  machte 

siecht ; 

das  w&r  besser  dann  das  recht.’ 
frow  Mynn  sprach;  ‘ich  tünß  gar 

gern, 

weit  sy  der  bet  mich  nun  gewem.’ 
115  was  sie  die  lieben  da  gepatt, 

[63'-]  da  kunt  sie  an  ir  «indert  statt 
vinden  das  es  möcht  gesin. 
do  sprach  also  der  fürsprech 

mein: 

‘der  hie  des  rechten  gert, 

120  er  mag  es  sein  von  mir  gewert; 
wann  der  lit  von  mir  smertzen, 
der  haut  sie  in  dem  hertzen 
und  haut  sie  ouch  in  dem  synn 
und  ist  deß  nie  von  ir  ynn 
125  worden  ob  er  ir  gevall 
etwas  für  ander  man  all. 
und  er  ir  nit  gevelt, 
frow  Mynn,  ob  ir  es  weit 
und  ob  es  das  recht  geben  mag, 
130  man  geb  im  hie  ain  andern  tag, 
die  wil  er  erfam  sol 
ob  es  stee  übel  oder  woll. 


111.  lieben  H.,  mynn  g. 

116.  ir  nindeit  R.,  mir  mindert  g. 
120.  Mag  er. 

120/'.  mir]  l.  ir? 

126.  an  vor  all  gesir. 


dar  nach  geschech  was  recht  sy. 
der  urtail  will  ich  geston  py.’ 

135  Frow  M3mn  fraug^  dar  nmb  zü 

band 

frow  Eren  was  der  wer  bekant. 
frow  Er  sprach:  ‘im  ist  nit  also, 
man  sol  tragen  gemfit  houch 
von  frowen  on  ainen  klainen  Ion. 
140  sicherlich  das  stant  schön. 

[6'3*]wer  des  selben  nit  will  pflegen, 
des  sol  man  sich  verwegen.’ 

Frow  Mynn  fraugt  da  zü  hand 
frow  Truw  was  ir  wür  bekant 
145  frow  Trüw  da  zü  hand  sprach: 

‘es  ist  pillich,  wer  nngemach 
litt  von  des  andern  schuld, 
das  er  ettwas  hin  wider  dnlt 
das  ainem  sein  pin  widerlegt 

werd,’ 

150  der  selben  urtail  ich  da  begert 
Frow  Mynn  fr&ugt  dar  nach  zü 

hand 

frow  Stett  was  der  wer  bekant 
frow  Stett  sprach  mit  wortt: 

‘wa  ein  frow  ain  man  aUfart 
155  steteclich  in  irm  dienst  sich 
und  er  zü  allen  zitten  spricht 
sie  sy  in  sinem  hertzen  die  best, 
und  onch  sin  hertz  ist  gen  ir  vest 
und  ouch  mit  gantzen  trüwen 

stütt: 

160  ob  die  ain  gnand  gen  im  tätt, 
das  geschach  on  allen  haß. 
er  clagt  von  aller  erst  das; 
da  er  sie  erst  an  sach, 
das  im  da  sein  hertz  prach 
165  und  für  dar  ein  mit  gewalt 

136.  woL 

139.  on  fehlt. 

146.  g  TDgemach. 

151.  sprach. 

161.  Vnd  dz. 


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15.  Der  Minne  Gericht. 


155 


[64  r]  and  haut  sich  dar  ein  enthalt 
on  recht  biß  an  die  stnnd. 
er  clagt  das  ir  rotter  mund 
in  frävelich  haut  verprant, 

170  das  sie  mit  selbs  ir  hand 
der  myn  für  leit  an  in  tongen, 
deß  sie  nit  wol  mag  gelügnen. 
sie  hab  des  nit  gerächt 
und  hab  in  haim  gesächt 
175  vil  manig  nacht  und  tag, 
so  er  in  sinem  pett  lag. 
und  so  alld  weit  sol  haben  frid, 
so  acht  sie  deß  alles  nit, 
sie  enpüt  im  den  unlust 
180  unverdient  und  umb  sunst, 

haim  süchen,  rohen  und  prennen. 
frow  Mynn,  das  sond  ir  erkennen 
und  sond  in  deß  von  ir  machen 

fry. 

fraugt  was  dar  umb  recht  sy 
185  das  er  an  sie  haut  geleit 
gantze  lieb  und  stätikait 
mit  gantzen  trüwen  offt  und  dick, 
und  sie  mit  ainem  ongen  plick 
in  getröst  haut  noch  nie. 

190  der  selben  schuld  ger  er  gerichts 

hie.’ 

[64'»]  Frow  Mynn  fraugt  dar  nach  zu 

hand 

frow  Seiden  was  der  wär  bekant 
frow  Süld  die  ertailt  also: 

‘es  macht  ain  frow  ain  man  wol 

frow 


195  offt  mit  ainem  ougenplick  dar. 
das  chnnd  ir  niemand  gar 
verkeren,  wann  es  wär  billich.’ 
der  selben  urtail  begert  ich. 

Nun  stund  alles  mein  hail 
200  an  frowen  Lib  urtail. 
die  bedaucht  deß  doch  sich 
und  sprach  also  gar  züchteclich 
hie  mit  gütten  Sitten: 

‘wir  süllend  disen  pytten 
205  das  er  von  dem  rechten  laß 
und  sich  der  dag  mauß. 
man  soll  uff  gnaud  diene»  frowen, 
villicht  so  Wirt  man  hilff 

schowen.’ 

Dar  nach  in  kurtzen  tagen 
210  (was  sol  ich  üch  mer  da  von 

sagen  ?) 

sie  benampten  mir  ain  tag, 
uff  den  solt  ich  meinß  Ions  betrag 
lugen  von  der  zartten. 

[65  »-lie  doch  ich  fürcht  ich  müß 

warten 

215  der  frist  noch  ain  wil. 

ich  sprach  zä  mir  selb:  ‘nun  yl 
und  rieht  dich  hin  uff  die  fart.’ 
urlob  mir  da  gegeben  ward, 
und  ließ  die  andern  all  clagen. 

220  aber  man  sol  der  lieben  von  mir 

sagen: 

rieht  sie  sich  nit  myt  mir  vor 

dem  tag, 

das  ich  es  fürbaß  clagen  mag! 


170.  l.  selbs  mit  ir  h.  oder  mit  ir  selbs  h.  196.  dar  vor  gar  gestr. 

171.  leit  an  in  JR.,  haut  gewesS  an  ir  g.  207.  dienen  H.,  den  g. 

tougen  H.,  trage  g.  212.  Ions  aus  long. 


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Anhang. 

Sesarfen. 

A. 

Aus  dem  cod.  tyal,  germ,  358, 

6,  BI.  Der  Liebesbrief,  llätzlerin  IJ,10,  S.  145 — 147. 

•  •  _ 

Uberschriß  Dis  ist  gozoldis  sproch.  V.  1 — gedntckt  bei  Geuther  a.a.  O.  S.  O-'tf.; 
AbtveicJiung :  39.  myne. 

57.  mir  an  den.  58.  Oet.  60.  Hulff  ibt  daz  ich  gelege.  61.  Noch  eim. 
63.  Daz  ez  vch.  64.  dann  feJdt.  65.  snnst  fehlt.  66.  in]  an.  67.  Vert  er  mir  reht 
mitten.  68.  Alz  der.  69.  er  dar  smyden.  70.  geliden.  mer  fehlt.  71.  Me  so  gr. 
72.  fr.  vine.  74.  enweiz.  75.  ye  gar.  76.  sagen  dirz.  77.  ritt*.  79.  Nye  .  .  so 
süßer.  80.  Ach  waz  tän  ich  armez.  81  f.  umgeslellt.  81.  Wil  ich  mich  aber  selber. 
82.  Daz  ich  an  in  ged.  83.  Ach  mich  ach  mich  tU.  84.  Jeezünt  heiz  vnd  allcza.  85.  So 
w.  m.  dafi  an  der  st.  87.  vnd  ab'  r.  88.  ich  bin  t.  90.  Tmt  geselle  wilt.  91.  vil]  so. 
92.  zartt]  süße.  93.  Den  fehlt.  94.  Wil  got  95.  wil  dirz  zwar  d.  96.  frawe  ir. 
97.  Wanne  ez.  98.  Alle  my  selde  an  der.  99  f.  umgestellt.  100.  mag  dirs  nit  entw. 
101.  dir  ye  kein  g.  102.  bet.  103.  So  fehlt  •,  disen.  104 — 106  feJden.  107.  So  schrip 
alsns  ließ  vnd  lieff.  108  fehlt.  109.  Lieff  vnd  lieff  lieff  an.  110.  fraw  fehlt.  111.  diz 
mit  min'  hant  g.  112.  ir  noch  by.  113.  sprechent  me  so.  114.  ist  wise  wo  ist  w. 
115.  sind]  ist.  116.  Ach  got  ez  ist  so  1.  so  1.  117/'.  umgestellt.  117.  Ez  ist  so  1.  in  sach. 

118.  Wie  k.  s.  daz  w.  uollen  s.  120.  Sprechent  me  od'  mir  wirt.  121.  schaffen  mynS  h'ren 
etwaz.  122.  Ey]  nü.  123.  alza  wol.  125.  sie  begonde  ak.  126.  ich  ir.  127.  Varwe 
lit.  128.  schön]  süße.  129.  ledoch  . .  der  stünde.  130.  Ein  dünes  flemelin  tö.  131.  waz 
yon  d'  h.  die  er  trug.  132.  da  nit.  133.  minE  vinger.  135.  Der  sie  von  minne  konde. 
137.  Liez  daz  briefflin.  138.  Daz. 

7,  Bl.  85'’.  Treue  Minne  macht  froh.  Hätzlerin  II,  45,  S.  206 — 210. 

Überschrift  Dis  ist  d'  sproch  da  die  frawe  dem  frumen  Ritter  also  wol 
getrnwet.  1.  einem  male.  3.  richte.  4.  enhatte.  5.  Ez  hatte.  8.  kalter.  9.  Der 
für  mich  denen.  10.  Der  brünne  der  w.  w.  11.  Von  dem  brünnS  kam.  12.  Oar  lühtig. 
14.  sin  der  wart  mir  w.  15.  gedahte.  16.  Sie  saz  yff.  lach.  17.  vnd  auch.  18.  Sie 
saz  in  den  besehenden.  19.  sie  wült  y.  20.  Vnd  fehlt.  21.  Wunne  f.  ymm*  tr.  22.  alz 
ich  bin.  24.  west  ich  von  were.  25.  Diz  sorgenlose  frolich.  26.  Ich  besach.  28.  saß 
vnd  fehlt.  31.  Waz  dütet  von.  33.  Mir  selber,  andern]  allen.  36.  der  fehU.  37.  allez 
leit  da.  38.  Si  sprach  g.  h.  40.  müz  dirz  wol  alleine  s.  43.  Ich  müst  mich  frende 


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Anhang.  Lesarten. 


157 


nottant.  44.  üt  vff  getränt.  45.  zu  Vb&zet.  46.  b.  ist  nit  mit  1.  berüzt.  47.  ist  dnrcb 
lubtig*  f.  48.  mich]  mir.  49.  Wol  mich  d.  50.  daz  bat.  51.  b.  zun  freuden  sieb 
v'stricket.  52.  Zu  dir  v'rigelt  vnd  v'ricket.  53.  Hot  sieb  myn  frolieb  frower  m.  54.  fraw] 
wie  na.  55.  Waz  ist  eweb  1.  f.  rein.  56.  Ir  siezet  doeb  bie  almüt’  ein.  57.  Wez  mögt 
ir  eueb  gefrawen  nu.  58.  Sagt  an  vif  eur  frewelieb.  59.  Wo  von  ir  nu  f.  tribet.  60.  der 
nä  übet.  61.  der  beldet  in  m&te.  62.  War  vmb  wer  ieb  nit  freudSrieb.  64.  Dar  zn. 
65.  Ist  sin  reiner  innger.  66.  Daz  der  liep  bat  mieb  snodez.  68.  Dar  vmb  bin  billieb  f. 
69.  Vnd  frewe  mieb.  72.  Vnd  an  mich  nit  gesinnet.  73.  myn  ere  swaebet.  74.  dar  vmb 
laebet.  75.  Daz  sal  dieb.  76.  gestemS.  77.  Liebte  betr.  78.  enwifient  nit  wie  di  man  nü  t. 
80.  der  fehlt.  81.  meinet  dez  nit  vmb.  84.  wort  wem.  85.  er  fr.  bat  zu.  86.  G.  naeb 
mys;  danach  noch  10  Verse:  leb  sprach  kent  ir  rebt  di  man  Ir  kert  euch  wenig  an  ir  san 
W^anne  mans  in  vz  butet  wol  Die  wile  sint  sie  freuden  vol  Eiz  si  kument  anderswar  Si  tunt 
rebt  alz  der  adlar  Si  griffen  ie  daz  nebste  an  Si  sprach  min  frunt  d'  libe  man  Der  betrüge 
mich  n&de  Gegen  vntat  ist  er  bl6de.  87.  er  myne.  88.  Minnet  er  d.  91.  Han  ich 
vzerwelt.  92.  Dar  zu  er  auch  hat  dicke  g.  93.  Mir  ich  si  sin  irdisch.  94.  hab.  95.  In 
so  er.  96.  Dez  ist  er  min  s.  97.  ich  dez.  98.  Ercleren  h.  taugen.  99.  S.  frü  vnd. 
100.  f.  alz  ir  noch.  102.  s.  du  wilt  mir  1.  103.  ist  auch  me  v'sucht.  104.  So  wer  mir 

zu  male  v’fiucht.  105.  Ob  ich.  106.  s.  diz  sint;  danach  noch  10  Verse:  Ich  gesach  nie  wip 
so  veste  me  Het  ir  in  zu  rechter  ee  Ir  gelaubtet  im  ze  sere  genüg  Si  sprach  wo  man  myn  ie 
gewüg  Er  gedaht  min  da  zn  gfite  Vnd  hat  in  sinem  mute  Mich  gehabt  manig  iar  Tut  er 
iht  ritt'schefte  zwar  Daz  geschiht  in  minem  namen  Ich  sprach  diz  han  ich  minS  gamen. 
107.  ir  im.  108.  Mit  Worten  manger  frawg.  109.  Wan  er.  110.  Er  m.  auch  dicke  1. 
111.  So  er  eweb.  112.  liebe  fr.  heya  fMt.  114.  Die  w.  s.  dicke  spaltig.  115.  Die  vor 
ewch  gancz.  116.  sp.  zu  mir  ir  p.  117.  mit  mynem.  118.  Ir  habt.  119.  Daz  ir  mich 

bringt.  120.  Mich  dünkt  ir  sit  ein.  I2l.  wüllet.  122.  Ich  en  gebe  nit  vff  ew*.  124.  Da¬ 
nach:  Wie  en  ist  euch  nit  zu  san  Ich  het  bekeret  sit  zehen  man.  125.  Ach  fehlt.  126.  Si 
8.  ia.  127.  ritterschafft.  128.  Er  tut  aller  t  129.  mit  r.  130.  wol]  zu  male.  131.  a. 
güte  wip.  132.  Er  het  sie  liep  sdz.  133.  Die  also.  134.  Wern  alz  ir  eweb  düncket  T  m. 
135.  kurczen  w.  136.  mir  gar.  139.  den  fehlt.  140.  Mit  r.  t.  einen;  danach:  Han  ich 
in  my  h'cze  gemacht  Mit  steten  grüntfesten  steinS  gelacht.  141.  Han  ich.  142.  kein 
vberbein.  144.  Zalt  m.  m.  wol  die  t.  145.  mich  durch  in  erw.  146.  keinen  noch  disen 
noch  den.  147.  dünk  so  w. ;  danach:  Ich  weiz  er  äugte  auch  trüwe  mir  GetÜrst  er  nach 
sinez  h'czen  gir.  149.  ich  durch  den.  150.  Der  trüwe  vnd  ritt'schafft  kan  1.  151.  voller 

hant  in  sinem  s.  152.  Vnd  d.  153.  daz  ist  n.  w.  155.  In]  minS  frünt.  156.  die] 
den.  158.  Wie  wolt  irs  werdB  ioch  g.  159.  Ob  er  liep  het.  160.  es]  er.  161.  Vnd 
rit  in  manig  v're  lant.  162.  Da  wirt  im.  163.  auch  feldt.  165.  Ir  werdet  im  la  in 
sinem.  166.  Dar  vmb  ich  im  nit  dester  vind’;  danach:  Sprach  si  er  let  di  hüste  ye  mich  Sin 
daz  weiz  ich  sicherlich.  167.  Daz  er.  169.  Vzzer.  171.  ich  in.  172.  Lobet.  173.  in 
hoben  f.  leben.  174.  Daz  er  sns  k.  m.  g.  175.  andern]  allen.  177.  Min  grundlose  iamers 
clage.  178.  muz  leben.  179.  frewden  alz  ich  wüde.  180.  ein  h.  ein  j.  181.  taten 
oder  ein.  182.  im  noch  doch  h.  gesin.  183.  wol  d.  floriret.  184.  Ich  sprach  ich. 
185.  gelenffte.  186.  Wer  ez  nit  schand  w.  g.  ich  reuffte.  187.  Mich  mit  ewch  v.  disen. 
188.  Sit  ich.  nit  kan.  189.  Noch  vmb  kein  ding  b.  192.  enbiten  kein  f.  193.  Si 
würde  wider  s.  194.  nS  mit.  195.  mynnet.  196.  sie  nü  brinnent.  197.  Si  prenten 
dafi  vil  h.  198.  Gar  licht  würde  in  di  m.  199.  Die  sie  von.  200.  Gar  s.  sie  nü  r. 
201.  si  nit  vindent  s.  202.  Manig  gut  man.  203.  Wie  die  gew.  204.  stellen]  sten. 
205.  mut]  wan.  206.  s.  daz  si  getan.  207.  wenen]  wißen.  208.  Von  erste  min  freude 
w.  ny.  209.  gen]  zu.  211.  Im]  mir.  212.  Ich  doch  alle  myn  tage  g.  213.  nye 
get&t  V.  214.  Ich  weiz  wol  w.  i.  v.  s.  215.  Daz  er  daz  d.  m.  n.  216.  h.  vol  tmwen. 
217.  wencken.  218.  gezwifeln.  219.  Ich  e.  auch  noch  en  s.  220.  Ob  ich  vnd*  aller  d*  w. 


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158 


Anhang.  Lesarten, 


die.  221.  Hette  ich  k.  nyniRt.  222.  0.  a.  s.  ich  aach.  224.  Wie  ich  im  nit  enbin  g. 
225.  An  tngends  a.  e.  a.  w.  226.  Aach  alle  my  heg.  227  f.  umgestellt.  227.  knaben]  ritter. 
229/1  umgesteUt.  229.  Ich  wil  mut  h'cze  sinne  sp.  230.  Vnd  lan  alle  lewte  v.  231.  Ym 
eine  daz  ir  n.  232.  Me  d.  der  d'  mich.  233.  vberfludig.  so  fehlt.  234.  Frölich  vnd  madig. 
235.  so]  wan.  2-16.  Si  sprach  za  mir  dir  tort  der;  danach:  War  basta  sinne  vnd  mut  getan 
Daz  dir  so  effecbt  ist  din  wan.  237.  wenest.  239.  Sicher  dez  v'gan.  243.  die  sin  korcz 
gemät.  244.  Sie  ruckent  g^  hin.  246.  Stete  ich  n.  w.  g.  247.  So  vil  an.  248.  Alz 
ich  hie  an  ewch  schauwen.  249.  Dar  vmb  ir.  250.  Daz  ir  ewer  sinne  vnd  ew*  mänsL 
251.  M.  stete  sns.  ritt'  went.  252.  er  gelent.  254.  Dez  wirt.  rach.  255.  Billich 
von  disem.  256.  58.  Daz  er.  259.  Verre  me  d.  i.  b.  260.  Vnd  d.  er  g.;  danach:  Lebt 
in  hohem  mute  Vnd  daz  er  alz  ein  Wünschelrute.  261.  Reinlich.  262.  Vnd  d.  266.  So 
wil  ich  sprechen  sam  mir  got.  267.  Daz  er  an  ewch  billich  s.  268.  alle  l&te.  269.  allain] 
eine.  270.  Daz  er.  271.  eUch  fehlt.  272.  Vnd  daz  er  a.  273.  Daz  tat  er  b.  sit  ir 
ym  getruwet.  274.  Vnd  daz  in  sin  lieb  nit  rawet.  275.  Daz  ist  w.  recht  vff  mynS. 
276.  E.  sal  auch  n.  werden.  277.  Daz  ir  ym  s.  s.  278.  ir  stete  an.  280.  n.  me.  281.  m. 
doch  spreche.  282.  Daz  sin  h'cze  ist  tr.  vfi  st  285.  Da  ein  1.  dem  and'n  g.  286.  w*  vff 
geschaäbet.  287.  Vnd  daz  man  allez.  288.  v'h&rt  hie.  289.  Ich  wil  ez  k&nden  war  ich 
kämen.  290.  Wird  mir  myn  zwifel  auch  benämS.  291.  Dez  w.  ich  g.  292.  Ich  varn  w. 
293.  Mit  zwifel  in  den  s.  294.  e.  wart  mjnen.  295.  So  en  wart  m.  n.  keins.  296.  pfi 
daz  V.  8.  Danach:  Man  sal  den  frnnden  getmwen  Vnd  nit  vff  die  vinde  bawen.  297.  Frawe 
ir  sprechet  298.  W.  alle  iar  t.  e.  sot.  299.  auch]  doch.  300.  in  einer  z.  303.  dem. 
304.  sp.  gotsein  wie.  305.  Ich  pruffte.  man  mich.  306.  Min  frnnfte  vnd  ich  wir  s.  vereint 
807.  Sprich  ich  io  er  w.  also.  308.  Sprich  ich  neyn  so  ist  er.  309.  Min.  sin.  310.  Er 
8.  iedoch.  311.  Dez  v'heng  ich  ym  ye  me.  312.  f.  ich  kär  e.  313.  F.  m.  f.  verre. 
314.  Lebte  noch  gewerre.  315/*.  fehlen,  317.  Er  kund  ewch  nit  Vm.  818.  Seht  do  b. 
8.  1.  319.  min  1.  f.  320.  han  d.  stete  1.  v'k&nt.  323.  Vnd  gelanbe  anch.  324.  ain]  zu. 

827.  Oelanb.  getruwet  ez.  328.  F.  ir  habt  geraten.  329.  Ein  ding  d.  i.  envolgen.  330.  Ir 
habt  s.  ane  zal.  331.  Daz  hon  ich  wol  von  e.  v.  332.  Waz  ich  m.  r.  hon  e.  bek.  335.  dise 
8.  von.  336.  Sin  h.  337.  Die  müüet  ir  ye  a.  von  mir.  338.  gang]  nä.  339.  künde 
ez  ioch  w.  euch.  340.  Aida  ich  mich,  rüst  841.  Vnd  reit  da  h.  342.  Wer  ez  wil 
her  so  bin  ichs  wer.  344.  Danach  noch  4  Verse:  Ich  wil  ir  volgen  ob  ich  kan  Vnd  wil  auch 
werden  ein  stet  man  Wann  man  vil  gut  fründe  Vlüset  So  man  ander  lieb  erküset.  345.  Dez 

r.  ich  guten.  347.  Alle  v.  849.  in  lonet  der  erbeit  850.  ewch  allen.  352.  Ir  sollet 
alle  vnstete  lan.  853 — 356  felUen;  dafür:  So  ist  man  ewch  wid'  stete  Diz  eint  myne  rete 

Ach  wie  gern  mag  der  leben  Der  allen  zwifel  hat  begeben. 

13,  Bl.  140*.  Der  schwere  Traum.  Hätzlerin  II,  4,  S.  125 — 127. 

Überschrift  Diz  ist  der  sprach  von  dem  Traume.  1.  kurczen  ziten  es  so. 
2.  sorge,  benam.  4.  hett  gemach  vnd  b.  5.  Vnd  fehlt.  ■  6.  noch  nye.  11.  Von 
strengen  sorgen.  12.  Ez  waz  so  vinster  daz  ich  nit  13.  Ich  enwest  auch  nit.  14.  doch 
bering.  17  f.  umgesteUt.  18.  Daz  brShte.  20.  Ein  kr5me  gezogen  vmbehin.  21.  Waz  v. 
22.  die  fehlt.  23.  gemacbet.  24.  hendlin.  25.  Hatte  genalden  an.  26.  der  w.  ir  lise. 
30.  ich  erbermeclich.  32.  slaffe.  35.  lieben.  40.  by  die  i.  rein.  41.  ach]  ey.  47.  v. 
ich  sie.  49.  vff  also.  50.  Jemerlichen  w.  52.  Die  j.  ring  sie  bar.  54.  bibten  alle  ir. 
55.  Daz  daz.  56.  Die  j.  sagte.  57.  m.  vil  liebez.  59.  got  vnd  s.  61.  f.  h.  sich  do. 
62.  mänt  der.  65.  h.  magt  vnd  trat  g.  67.  Iczänt  werden  ene.  68.  H*regot  gesene. 
72.  bin  and's  wachend.  75.  Daz  ist.  n.  nu.  76.  ie  han.  78.  ichs  ebQ  dir.  82.  vnd  dick 
fehlt.  84.  Ach  s.  85.  mere]  meyen.  86.  fr.  an.  88.  Iar]  gar.  89.  mät  fehlt 
90.  Dargen]  Gar  din.  92.  steit  94.  Die  quelent  95.  enmag  dez.  96.  liber.  102.  lieb] 


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Atifumg.  Lesarten. 


159 


myne.  105.  sweiz.  109.  ander]  wiplich.  110.  mir  den  lip.  111.  Die  e.  112.  ich 
myne  sie.  118.  so  swindes  1.  119.  daz  leit  die.  120.  ist  mynne  lebfi  ein  swind'.  121.  da 

gar  fehlt.  122.  hilff  fehlt.  126.  Habent  newr  hohen.  127.  luge.  128.  Das]  Wann, 
finge.  129.  englaübt  ich  n.  132.  £z  bot  mich  bed.  133.  nun]  ym.  134.  seid]  mit 
übe.  136.  Er]  Vnd.  137.  OSte  vnd  wo  er  m.  138.  Wo  mir  zu  sinne  ged.  139.  was] 
ist.  141.  mich  mit  worte  abe.  143.  er  danne.  145.  an  got.  146.  liebes.  151.  ein 
vngetriwer  1.  152.  süllen.  154.  v'derbet.  155.  alle  my  tage.  157.  auch  von. 


B. 

AttH  dem  cod.  pal.  germ.  376. 

1,  Bl.  1  Hadamars  von  Laher  ‘Jagd  \  *) 

1 1.  Betlich.  2  s.  nit  zu  gaben.  4.  nu  fehlt.  6.  ein  fehlt.  s.  §]  es. 

4  1.  Sich  m.  ding  t.  4.  yart]  wort  iht]  nit.  7.  zn  früwe  nit  5 1.  jglichs  glich  sin 
glichen.  2.  In  hertzen  wol.  s.  mnst  d.  w.  riehen.  4.  glich  wol  sym.  6.  kund  an  s. 
7.  niht]  wol.  6  6.  mich  jagen  frolichS  fraw.  s.  darnach  mir  dick.  7.  Ist  syt  z.  75.  oder 
snst  in  säte.  e.  ich  da  icht.  i.  trtete]  date.  82.  Das  wesen  stet.  5.  dich]  hab.  halte] 
haid.  9  3.  Die  mag.  e.  in  stette.  10  2.  ynd  dar  zn.  4.  Sie.  7.  in  dem  mre. 
11 1.  myne  w.  s.  In  m.  4.  alfi  beste  ich.  12  fMt.  13 1.  gar  fehlt.  2.  den 
gelncken.  14 1.  anfahen.  2.  wolt  sie  han.  4.  jehs.  5.  ab  lassen.  e.  lieb  m.  j.  sider. 
7.  wol  kane.  153.  er.  5.  sie  bald  hin.  wol  fehlt.  e.  hetz&]  vnd  hertze.  7.  habe] 
halt.  16 1.  hinfnr.  4.  ylicher.  5.  ichs  dir  an  von  allen  rechten.  e.  Nun  s.  7.  Lost 
den  j.  knechten.  17  3.  zn  dem.  4.  so  solt.  18  3.  diesem.  4.  yberlistigem.  5.  gen 
jm.  19 1.  gedacht.  2.  nn]  halt  4.  es  yns  beiden  ymer.  5.  Wan]  dan.  20  7.  und] 
Ich.  21 2.  Hin  hin.  s.  Dnrch  sUsses  anenahen.  4.  noch  mocht.  5.  sprach  nttn  h. 
6.  yberscblichen.  22 1.  vffprahen.  2.  Vff  kam  er  gen.  5.  also.  e.  Wie  i.  s.  ln.  7.  lie 
fehlt.  235.  vnd  auch  gar.  e.  daz  fMt.  24  s.  vnd  auch.  5.  fmcht  7.  kein  wild. 
25  G.  Etlich.  26  4.  die]  sin.  5.  danne  fehU.  e.  wol.  27  5.  von]  vnd.  28  2.  dar  fehlt. 
29  2.  der]  siner.  4.  syne.  7.  dan  auch  niemät.  307.  Die  suchen  hie  besorg  ich  din  d. 
31 4.  sind  gar  d.  5.  jnn  so  latt.  7.  das  dir  die  w.  darvber.  32 1.  Din.  e.  Da  vindstu. 
334.  MyO  ist  dir  myneclichen.  5.  erlaiden.  e.  habe  w.  7.  ajmes.  34i.  lohem.  s.  dir 
dar.  35  3.  ist  nhn.  4.  wund.  36  2.  Zwar  allen.  3.  Die.  hoher.  37  6.  ynerschrockenlich 
sichtig.  384.  in]  zn.  7.  Das  kan  der  mUt  vff  rechte  tatt  erhitzen.  393.  dinen.  5.  an 
sich  will.  40  4.  Von.  41 4.  nit  heng.  5.  nnschemlich]  frilich.  43  5.  sin  wilde. 
6.  Wer  es  alles  will  vfirichten.  7.  kan  mit  fugen  n.  445.  wilpan  icht  besser.  7.  sicher 
fehlt.  45  2.  icht  vnder.  5.  vngeuere.  46 1.  Varliches.  4.  Vil  m.  es  bring.  5.  vnd 
ein.  7.  gnot]  den.  47  4.  das  mich  nit  sin  stab.  5.  mden  1.  fry.  48 1.  Der.  4.  ez] 
er.  7.  br.  schaden  k.  g.  494.  dir  mng  schaden  b.  504.  fit  hin]  hinfnr.  5.  zeharren. 
6.  und  fehlt.  518.  mit  recht.  4.  ere.  7.  Recht.  vnd  gegen  w.  523.  m.  wa  der  t. 
6.  erwend.  7.  an  geruttes  wildes  h.  532.  Zwar  gar.  4.  edel  fehlt.  7.  Vil  g. 
542.  gar  vmb  ein.  4.  Hie  myn.  5.  schied  ich  mich  mit  556.  se  hin.  662.  auch  alda. 
5.  vnd  swartz.  7.  vnd  veld.  573.  und  fMt.  584.  geschätzte.  594.  sie  recht  er- 
Bchawet.  5.  also.  60  4.  ich]  es.  ermaQte.  e.  nu]  will.  7.  wil  fehlt.  61 5.  Den 
angen  das  s.  0.  daz  und  allz  fehlen.  62 1.  anlange.  s.  verdachte.  3.  Im  was.  4.  mich 
verworren.  5.  dett  recht  als  es.  7.  dich]  din.  63  s.  onch  dö]  ye  doch.  e.  H.  tett  den 

*)  Die  Abweichungen  des  cod.  pcd.  germ.  376  in  beeug  auf  die  Strophenfolge  hat 
Stejskal  in  seiner  Ausgabe  vollständig  verzeichnet.  Ich  kann  mich  deshalb  darauf  beschränken, 
die  sprachlichen  Abweichungen  von  Stejskals  Text  anzuführen. 


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160 


Anhang.  Le$atien. 


g.  niendert.  7.  Vnd  auch  darzn  ander.  644.  von  gantzer.  7.  Das  er.  65  o.  myii 
hertz  mich.  66  4.  ich  do  s.  &.  get  hie  heran.  67  &.  waltet  7.  Den  hünel  vnd  das  e. 
vff.  68  1.  von  disem.  2.  jene  vart.  3.  aller]  arger.  4.  et  fehlt,  daran  vnd.  6.  by 
verte  schlichen.  61*2.  dem]  jenem.  70  3.  nun  vor.  4.  gerechtenclich  volenden.  5.  wille. 
(>.  vor.  713.  Der  waren  m.  künden.  72  e.  lieber  hatt.  7.  wan  und  so  gar  fehlen. 
734.  her]  hie.  6.  sicher  fehlt.  e.  An  mfft  ich  vast  die  k.  7.  Das  sie  da  ganmten  war. 
74  4.  teil]  gm6.  75  4.  Myn  sorg.  nUn  hab.  5.  nicht  m.  sy  nOn  der.  763.  hat  mit. 

4.  ich]  Vnd.  7.  hinder  nach]  hin  gesell.  77  2.  Do  g.  4.  zertrande.  6.  gar]  ot. 
7.  vnnser  f.  vff  erd  die  hoste.  782.  Wer  sach  ye.  6.  vor.  e.  Nach  hie  her  gut  g. 
7.  Trit  792.  ist  zwar.  5.  sin  niln.  7.  nieman  fehlt.  80  3.  des  nit.  4.  Hieher  das. 

81 1.  verfangen.  5.  nün  hat.  e.  immer]  wider.  7.  nn]  hin.  824.  Vnd  ob.  5.  Hinbin 
gesell  lieber  zu.  7.  sich  fehlt.  83  1.  Da  es  gieng  her  g.  6.  soll  vinden  mich  da  by. 
7.  nymer.  84  3.  mit]  vor.  e.  Da  bat  es  a  7.  kan]  mag.  85  4.  ach  alles.  7.  her  fehlt. 
86  4.  hoch  mit  p.  e.  Noch  hieher.  7.  tut  nit  als  ein  b.  den  fehlt.  87 1.  beidemal  schatten. 
883.  Den.  den.  4.  glich  ein  eugel  oder  snst  aim  b.  7.  vil]  ist.  896.  sich  wendet. 
7.  langest.  903.  mit  senden.  5.  gewetten.  914.  auch  als.  6.  kan  erleiden.  7.  Mir 
die.  mich  jr.  92  2.  sträng.  3.  geb&re.  e.  mir.  7.  mit  jm.  93 1.  Sin  fuß. 

2.  gerech.  3.  mir  fehlt.  4.  von  mir  ymer.  a  kretzent  valsches  schalckes.  94  2.  Geschech 
mir  das  heil  g.  4.  Vnschedlich  jm  so  das  ich  d.  954.  im]  ir.  6.  erkennst.  7.  Es  hat 
von  g.  96  4.  straffen.  s.  Darnach  gesell  willeclichen  henge.  e.  Ist  der  pusch  g.  vnd 
kein  1.  verkoret.  7.  schanze  fehlt.  97  s.  yemand.  7.  mit  eynS  gedanck  nit  dencke. 
98 1.  Eer  zu  mir  her  geselle.  2.  kera  her.  s.  Noch  hie  her  war  es  wolle.  4.  Von  der.  ye  so. 
996.  vor  girlicher.  7.  alles  lob  vberobte.  100 1.  hub  sich  vff  von.  2.  frSuden]  gemden. 

4.  hymelriches.  7.  st.  als  ich  wer  in.  101  2.  all  myn.  6.  der  fehlt.  7.  widerlauffe. 
102  5.  onch  fehlt.  e.  Beiiben.  7.  süssen.  103 1.  ein  wil.  4.  fr.  oder  ieh  m.  ymer. 

6.  Nun  hört  ich  das  tr.  7.  alle  beide.  1046.  der  sich.  7.  von  fehlt  1054.  ich  es. 
beschawen.  7.  ich  da  1yd  von  jm  senden  s.  1065.  Wan  es.  ve'rigelt.  7.  es  was  ver¬ 
siegelt.  107 1.  raff.  2.  den  getmwen.  3.  He'tzihSt.  &.  ir  nach  halte  eingefügt. 

7.  durch]  alle.  108  3.  nu  fehlt  6.  das  ist  als.  1092.  Wol  ach  ab  y.  w.  6.  ich  eucJi. 
110  2.  auch  nach.  s.  so  fehlt  6.  Sie  tuwe  d.  da  von  w.  111 1.  H  fehlt  4.  got  von 
himelrich  heraber.  6.  dies  gar  w.  7.  selbig  herre.  112  s.  dö  horte]  gehört.  4.  lute  hell. 

wones.  6.  besonder  aus  sonder.  7.  Hin  j.  wol.  113  3.  der  wille.  4.  Herab.  als] 
recht.  6.  Min  will,  snel]  suO.  6.  H6r.  1142.  näm  es.  6.  ein  fehlt  1153.  erklieben. 
6.  Nach  im  jagt  one  wencken.  117 1.  dö]  die.  3.  Dort.  4.  all  der.  118  s.  gedacht. 

5.  jm  ein  teil  halt  für.  7.  so  kan  er  alle.  119  3.  Ich  hielt  an  einem.  4.  dneht  mich, 
gesehen.  7.  jn  mit  j.  das.  120  4.  ö]  gar.  7.  nit  gar  als  du  w.  e.  121 2.  anschawen. 

4.  ward  also.  7.  ward  der  vil.  1226.  Wan  es  noch  alles.  6.  und  fehlt  7.  sin  dienst. 
123  2.  gesencket  3.  ichs.  5.  rattes.  124 1.  vff  myn.  4.  Das  ich  nün  wol  empfinde  gar 
mit  hanffe.  6.  Ich  sprach  sol.  7.  ancb  an.  1252.  Vnd  g.  6.  Wo.  1263.  Seinen. 
4.  den  fehlt  6.  mit]  by.  127  1.  die]  myn.  s.  Die  f.  4.  vervahen]  erjagen.  128  5.  doch  n. 
1293.  Sprach  ich.  6.  vnd  darczu.  1304.  Gedacht  ich  wiltu.  7.  Ser  ich  e.  vor. 

131  3.  manig.  6.  des]  Du.  132  3.  mir  fehlt  4.  wolffhunen.  133  3.  vnd  auch  zevelde. ' 

6.  sy  Ott  von.  7.  din  Dan  g.  wan  es.  136 1.  stercket  vnd  krencket  2.  leben.  4.  in 
vnmüt  wol.  137  6.  bist  auch  er.  138  2.  erquicket.  s.  kein.  so.  4.  schicket.  7.  ir] 
der.  1394.  pachet.  5.  Syd  vnmut  m.  an  sie  nit  enfindet  140  s.  ist  fehlt.  5.  so  fehlt 

7.  aber  fehlt  141 2.  Vnd  auch  m.  4.  das  zu.  rechte  wage.  7.  Vnd  ob  es  jm  den. 

142  s.  zu  hanfi.  1436.  durch  1.  vnd  nit  d'reh  1.  6.  hertze  snehen.  144 1.  künden. 

3.  von]  an.  4.  mynen  synnen.  &.  daz  fehlt  7.  noch  fehlt.  1454.  er  fehlt.  6.  allez] 
ja.  7.  daz]  die.  1462.  dö]  das.  7.  Wer  aber  wer  m.  virill.  1473.  weste.  c.  niemant 
das  bedencken.  7.  gütlich.  148 1.  armes.  3.  All  zwingelich.  s.  safft  149  &.  silier. 


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Anhang.  Lesarten. 


161 


e.  mir  fMt.  7.  mynen  synnen.  15t  4.  dar  za  mit  tr.  152  3.  Das  doch  mir  n.  4.  ez] 
sye.  1532.  wsd  die  weit.  3.  springen  t.  1.  4.  hnb  ich.  5.  vaste]  alle.  1544.  Das 

das  an  mir  kan  w.  155  s.  inden  wirden.  5.  davon  wenden.  7.  wil]  mUß.  156 1.  In. 
8.  Wirt  es  jm  nit  ze.  4.  genome.  7.  stet  ja.  157 1.  knnd  sich  nUn.  s.  jndien  wider- 
gengen.  s.  so  solt  er  bald  erschlichten.  4.  sich  nlin  1.  mU6  vil.  6.  ez]  Das.  1584.  dick 
wollent.  7.  gar  dick  betorett.  159 1.  pilder.  3.  sich  die  in  myn.  160  6.  ich]  Vnd. 
161 1.  gar]  vil.  7.  schantz.  162 1.  Ach  vnd  owe.  2.  so]  Vil.  4.  jm  Ittgett.  6.  em. 
7.  doch  by  genen  golde.  163 1.  gemote]  rüdisch.  2.  dnrch  done  1.  4.  hntt  sich  woll  er 

sich  nit  verk.  5.  wollet.  e.  Ein  h.  wol  g.  7.  gehayms  w.  164 1.  spitzig  m.  3.  Die 
harrent.  4.  lanffent  als  ob  es.  5.  sicht  sie  by  h.  s.  e.  e.  sd]  wan.  7.  nnd  hin]  vnde. 
1652.  and  fehlt.  s.  Also.  166  4.  snellen  j.  n.  e.  so]  wan.  167  2.  vffhalten.  e.  daz] 

jm.  7.  ob  ich  ir.  168  4.  ie  gSn]  gegen.  6.  da  fehlt.  169 1.  Sol  hoffen  vnnd.  e.  jaget 
den  nachlanff.  7.  hoher  wird  hinab.  170  7.  wort  gerechtenclich.  1714.  mangs.  7.  myn 
fnr  eygen  gar  gewaltig;  darunter  steht  ganz  Mein  von  neuer  Hand:  desnnt  6  strophse. 
1784.  entlanffen.  6.  7.  yendert  frenden.  1794.  dem  seil.  0.  ich  zn  fnfie  mit  jm. 
180  6.  noch]  doch.  7.  Dem.  181 2.  Den  vant.  3.  ze  iagen.  5.  gedacht.  7.  hie  fanden. 
182 1.  sprach.  a.  indert]  für  sich.  4.  Das  k.  al  der]  aller.  e.  wild  bett  für.  7.  Doch. 

recht  als.  183  e.  es.  e.  vngefngett.  7.  bl]  in.  184 1.  Doch.  4.  es  icht.  7.  Sin 
wer.  1856.  ie]  nOn.  7.  Vzagten.  186  3.  bewache.  4.  d!n]  dye.  7.  an  jn  vnd. 
188 1.  neme.  6.  zerbrechen.  e.  der  lyse.  7.  kelblin.  189  s.  künd  3.  ez]  ichs.  4.  ie 
m6r  vint  fehlt.  6.  es  ist.  1904.  wser]  stnnd.  e.  Ich  hoff  das  es  noch  1.  7.  mich  fehlt. 

191 2.  Weistn.  4.  hin]  hie.  6.  ir.  e.  jnn  so  m.  192  a.  da  die  hertz  k.  4.  vnd  och  h. 

6.  Wen.  1933.  gar]  Mit  1942.  ziehen.  &.  sol..  195 1.  Die.  4.  sich  ir.  s.  gen 
jr  haymen.  196  3.  Dock  kan.  4.  fremde.  &.  vil  dick  erobert  197  2.  mocht  sin  g. 

4.  fromde.  6.  Din.  7.  v.  das  ist  sicher  ane  langen.  1984.  der  gr.  e.  der  w.  7.  straff. 
1996.  wol  fehlt.  7.  Sie.  2004.  nyemSt.  7.  fr!  fehlt.  2014.  leider]  leidliche.  6.  mir 
fehlt.  7.  mir  lieber.  2028.  onch  fehlt.  3.  Ich  s.  es  s.  4.  ich  es.  6.  wan  fehlt. 

7.  ab  fehlt.  203 1.  vmbragen.  s.  sach  do  fnr  sie.  6.  stätem  j.  e.  hnnde.  204  4.  memorial. 
205  4.  ich  bin.  7.  ja  an  ir.  beger  nUr  g.  206  7.  bringen  nymer.  207 1.  wol  mit  4.  es 
aber.  6.  nü]  mit  7.  7nd  der  g.  dar  fehlt.  2088.  ez]  das.  4.  benngen.  e.  ersterben. 
7.  zerbrechen.  2094.  mocht  sich  zn.  6.  soltn.  2102.  Dem.  an  dem.  4.  vff  wald. 

5.  glanb.  7.  nnz]  Biß.  211 1.  §t  al]  mir  als.  3.  ndch]  zn.  4.  han  gebandelt.  e.  h. 
yn  ye  znf.  212  8.  dnrch  Eren.  213 1.  sich]  han.  3.  Yntrew  mit  v.  214  6.  wen  sie. 
e.  vaste]  Intt.  215 1.  geselle.  2.  vil  anhencken.  4.  Ich  kain  dan  nicht  by  eren  b. 
7.  wyder.  2166.  zn  vil.  2176.  sagen.  2184.  tobt  vnd  w.  6.  wan  man  die  g.  hat  n. 
7.  sechzig.  2194.  senden  fehlt.  220 1.  stetes.  2.  Sonder  an  alles  w.  6.  nn]  ir. 
221 1.  Du.  4.  weite  dan  wider  von  jm  g.  6.  sin  tmw  e.  das  ich  hoffen.  7.  her  fehlt,  vns 
lanffen.  2228.  dich  will  bewisen.  4.  so  bin  ich  w.  2233.  will.  7.  Dan.  2246.  wie 
sy  dir.  7.  allez]  recht  2252.  Senffzend.  6.  wol]  vil.  7.  vor  jr  e.  j.  ach  h.  2264.  groß 
inhertz  g.  227 1.  Wan.  6.  trenckt  sich.  228  2.  vereynen.  4.  Qemiscbet  ist.  7.  lobe] 
nam.  229  7.  solicber  nott  231 8.  ymer  mit  h.  232  4.  rühes]  kranckes.  e.  Verwesen- 
liebes.  7.  wünsch  hie  Do  von  wer  dort  ze.  2333.  mir.  7.  on  lieb  Der  kan  nit  gntes  V. 
234  8.  fnr  sich  g.  6.  die  mUst.  7.  0  we  nein.  ichs.  235 1.  dich  fehlt.  2.  Dich  ndr  e. 

6.  daz  fehlt.  allzit  w.  6.  so  s.  7.  vßbmchige.  2368.  erwendet.  4.  noch  hie, 
238  3.  Erkennen  ob  es  dochte.  4.  Vnd  wer  1.  on  h.  7.  der.  239 1.  verwerren.  3.  vam- 
fischen.  240  3.  gar]  als.  4.  oder  f.  7.  den  r.  lanff.  241 3.  die  s.  6.  har  myn  e  wol. 
6.  Hastn  an  frenden  dan  g.  7.  Das  selb  an  d.  s.  dan  str.  2428.  es  ist.  6.  ist  ieglicher. 
2434.  das  es.  6.  Das  auch  die.  7.  mit  nnwen  f.  2443.  vil  manig  h.  g.  4.  sint  fehlt. 

veret  7.  das  sy.  blanck  die  k.  2464.  vnd  da  n.  6.  vor.  7.  bla  mengen  mißent 
eren.  247  6.  auch  er  jr.  7.  vor.  248  7.  Nttn  trett  der  heisset  wol  vff  erd  e.  249  6.  die 

Deutsobe  Text«  de«  MitteUltori<.  XXIV.  11 


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UNIVERSITY  OF  CALIFORNIA 


162 


Anhang.  Lesarten. 


g.  vor  g.  7.  nit.  2504.  wer  in  g.  6.  v.  h.  7.  wol  g.  252  2.  Die  cl.  ist.  s.  wie 
ist  dem  in  dem.  6.  tU]  den.  7.  alt  alda.  2532.  b.  die  grossen.  3.  da]  das.  4.  nit 
her  lUngen  inden  schossen.  s.  gntt  vnd  ere  die  s.  2553.  verte]  weite.  4.  s.  vnd  libes. 
256 1.  erkante.  2576.  ich  hie  vnd  dort  bin.  7.  mir  ye  das  r.  2583.  sendiu]  solich. 

6.  keine]  Intzel.  7.  hasse  zn  mir  w.  t.  2592.  hie  fehtt.  6.  du  mir  es  zu  gat  w.  7.  noch 
fehtt.  261 4.  mit  mir  will.  262  3.  Ich  w.  so  n.  6.  nün  wie.  263 1.  fi]  vor.  4.  sin] 
mut.  7.  nd  fehlt.  2643.  ich  echt  nUr  das  ein.  4.  Das.  6.  sin]  sich.  7.  wolt] 
tett.  265  4.  ymerwerende  frend.  6.  h.  schrachen.  e.  ich  an  triegen.  7.  vnzerbrochen. 
266  2.  leidet]  säßet.  e.  mwen.  7.  Das  hringett.  267  3.  es  aber.  7.  müg  wol  b. 
2684.  dieser  weit  nit.  e.  7.  Der  durch  vnns  hat  vergossen  sin  blutt  vnnd  vns  gereynet  mit 
dem  taUff.  2696.  end  am  a.  2703.  nie  s^r]  noch  nye.  6.  myn  wort  machent  dich  in 
dyne  synen.  7.  mide]  lid.  271  7.  ein  tranck.  272  2.  an]  da.  3.  emüwen.  4.  mag. 
273 1.  jach.  4.  In  wart.  7.  für  alles.  274  2.  &ber]  hocken.  3.  mit  fehlt.  4.  ymer. 

7.  noch]  doch.  275  i.  nün.  6.  gan  dir  g.  e.  doch  durch.  7.  vnd  truw.  278  4.  aller 
der  m.  als  ers.  7.  far  furbas.  279  2.  Ja  dem.  &.  1&]  heb.  e.  Das  hast  auch  ye  g. 
7.  werde  sieche.  280  4.  si]  ser.  281 1.  vol  eren.  3.  Lebt  ietzund  eyner  yemant.  e.  man 
trürig  wesen.  7.  frolich  sin.  2827.  man  nit  darff  d.  f.  helfen  d.  283?.  doch  ye. 
2843.  Vor  d.  mocht  znbrechen.  4.  Ja  m.  der  vil  r.  7.  ich  dir  s.  2856.  dich]  ich. 
6.  willenclichs  v.  7.  w.  noch  mit  d.  2864.  sö]  wen.  vo’.  6.  Es  gett  anch  so.  7.  vart 
noch  yendert  mocht.  287  4.  sacb  fehlt.  was  ser  vbersetzet  e.  gesprechen.  288  2.  in] 
ich.  6.  vil]  will.  emäwen.  s.  mag  zu  jungst  h.  7.  by  im  r.  289 1.  wol  mocht. 

6.  wil]  müg.  7.  sd]  Der.  290  6.  stetenclich.  e.  sich]  jn.  7.  wolte.  291 6.  sich. 

7.  grob,  kinde  da  von  g.  292  3.  din  altes.  4.  Du  jagst.  6.  din.  e.  So  rürt  mich  das 
du.  7.  indrat  und  fehlt.  293  4.  nü  fehlt.  e.  £  felUt.  294 1.  doch]  auch.  3.  werc] 
weg.  4.  ez  fehlt.  6.  Er  sändet.  7.  vil]  In  m.  2952.  Hecht  als  dir  m.  6.  so  her 
also.  es  och.  7.  Die  m.  wirt  mangem  zu  vnmyne.  296  e.  Es.  297  &.  guten  trUwen 
mast.  6.  min]  ein.  2984.  Vereinet  haben.  7.  fragen.  2993.  ve're.  6.  Das  hat. 
7.  g£n  ir]  an  sie.  3002.  sich  fehlt.  6.  mächt  es  sich  fügen.  7.  1&  dich]  solt  mich. 
3014.  truwe.  6.  gedenck.  3022.  Ir  v.  körnen.  4.  ist  von  jr  gen.  7.  allein  zu  wider- 
wegen.  303  4.  warlichen.  304 1.  Jerre.  4.  Noch  nie.  6.  wer  oder  wer.  305  4.  sö 
fehlt.  er  es  hatt  erobert  e.  7.  ich  noch  leider  nye.  3062.  mangen.  3.  An  sjmem 
tencken  b.  4.  jm  lam  Dem.  e.  den]  das.  7.  Der  w.  307  6.  das  ders.  7.  ein  groß 
gehr.  3084.  by  f.  6.  eine]  on  helffe.  3094.  alle  fehlt.  310 1.  Ey  ratt  an  war. 
311 2.  dem]  gern.  6.  da  fehlt.  312 1.  Ez]  Nu.  313  s.  echt  wol.  314  4.  gedacht 
7.  jn  synem.  315 1.  einem]  disem.  e.  Den  doch  darvmb  sin.  316  4.  von  jn  ymer. 

6.  mit  fehlt.  irn  hals.  317  3.  gedacht  7.  Die  jm.  3186.  sö]  wen.  wite  verr. 
3197.  Noch  m.  zn.  320  s.  öt]  hin.  7.  daz  manz]  der  jms.  3213.  ez]  ichs.  e.  Das  n. 

7.  möcht.  322*3.  gedacht  6.  hinfür  das  es.  7.  hin  an.  3233.  sin.  3244.  itdn 
abgewonnen.  325 1.  Ey.  4.  alze]  alle.  6.  niende't  rürte.  326  2.  ob]  von.  4.  mir 
fehlt.  smützenliches.  327 1.  verpürge.  4.  ie]  er.  6.  barm  v.  r.  dort  her  g.  e.  m.  in 
der  verr.  3283.  den]  der.  4.  vnd  prust  7.  hie]  nün.  3296.  enpresten.  330  s.  habt 
nch.  4.  blüt  wechst  uß  m.  e.  darnach  begynnet  stellen.  3326.  jagten]  lachen.  7.  ich 
des  8.  g.  e.  3334.  an]  ein.  e.  liden]  trüren.  7.  Die  hertzen.  an  höhem  m.  3346.  ich 
noch  g.  7.  es  das  m.  335  4.  so  gar  g.  6.  vnd  secb.  336  7.  langem  widerlanffe. 
337 1.  konden.  4.  gar  by  sonderm  g.  7.  n&ch]  ob.  338 1.  sprechende.  e.  der  was. 
7.  mit  jn.  339  6.  jm  mit  f.  es  sich  do  w.  7.  jm  das  j.  ich  bekante.  340  6.  ich  by  tusenden. 

6.  Der  tregt  den  wünsch  des  eren.  7.  Des  vberwunsch  mit  w.  n.  mag  g.  341  s.  Dem  bin 

weis  gott  1.  7.  höre  herr  höre.  3424.  sorg  zespenen.  6.  ob]  ach.  die  leben. 

3432.  was  aber  ich  im.  4.  Da  w.  es  hatten.  6.  al  die]  alle.  3446.  all  der]  aller. 

7.  Dan.  345 1.  sich  zu.  6.  stroppen.  7.  solte  E  uwer  korper.  346  4.  mich.  6.  vor. 


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UNIVER5ITY'  Uh  LALIhUKNIA 


Allhang.  Lraarten. 


163 


347 1.  s.  and  feMt.  s.  all  der.  7.  Dan  das.  348  5.  so]  also.  349  6.  sicher.  7.  Der 
jm  anmutet.  850  s.  zerwecken.  4.  des  f.  enblecket  von  den.  351 3.  vnd  ervinden.  4.  vil 
vnd  wejdeliche  Sachen.  s.  ie]  niin.  352  3.  in]  üch.  4.  doch  was.  353 1.  nach  jm. 
2.  im]  Als.  354 1.  ir]  ich.  5.  es  den  byl  von  not  muß.  7.  niun]  nymer.  355 1.  ez 
fehlt.  3.  vnsem.  356  5.  eynem.  also]  recht  als.  357  3.  den  armen.  7.  zesamen  nit 
ensprechen.  358 1.  Schrecken.  s.  zam.  6.  das  freiid  last  wün  vnd.  e.  gedencken. 
359  3.  sprach.  4.  er  ymer  den  tag  g.  s.  3603.  sag.  5.  begriffen.  e.  die  sind  gesweiget. 
361  7.  von  mir  konde.  362  7.  eynen.  ge  werte.  363  3.  mÄr]  nye.  4.  frischer  nüwen. 

6.  jm  sy.  3645.  Wille]  wird.  3653.  sol.  5.  mit]  an.  7.  gegmndet  sicherlich  nün 
ayne.  366  2.  4.  dan.  5.  vff  gelUckes.  367  4.  aller]  all  der.  6.  furhas.  7.  hatt  kein 
p.  nye  w.  368  4.  ye  in.  7.  lange.  369  5.  daz  fehlt.  370  2.  dir  noch.  3.  zn  dem 
lieben  h.  &.  vnd  senen.  371 4.  Vnd  anch.  374  7.  leider]  woL  enpfinde.  375  6.  An  s. 

7.  Das  kan  mir  mit.  376  5.  möhte]  solte.  7.  da  solt  senen  h.  377  2.  msere]  nare.  7.  recht 

knnt.  378  s.  mnot]  sich.  4.  Ober  b.  sich  mit  g.  n.  5.  sind  v.  mir  g.  geffder.  s.  sö] 
wen.  379  5.  Vnheil  das.  7.  ye  sich.  880 1.  sin.  e.  allen.  381 1.  Den.  4.  selben 
solt  ir  des  in  lan  e.  8823.  dick  ze  snre.  5.  w£]  wer.  s.  sö]  Nün.  7.  Ye  eins. 
383  5.  gröblich.  e.  sol  es  das  ve'antwortten.  3842.  ja  nein.  5.  Vnd  ist  ja.  e.  solt« 
385  5.  noch  Inst.  386  1.  and]  von.  7.  one  s.  m.  1.  3876.  Ja'  s.  zu.  eyne.  7.  wer  der 

trawen  gerechtikeit  wol  e.  888 1.  sich  latt  also.  7.  scheiden  sie.  389  4.  dicke  jagen. 

5.  Weichwild.  7.  jungst  jr  frende  töret.  3902.  mUß  mit  leide  dicke.  3.  mit  Leid]  die 
vart.  4.  er  fehlt.  5.  leid  han  jch  gar  s.  391 1.  groblut.  3.  ob]  das.  5.  die  fehlt. 

einer]  ein  senffte.  3925.  yedem  b.  3936.  vnd  das  sich.  8944.  Ich  trarig  sy. 

5.  ichs  jm.  6.  mag.  895  7.  öt  fehlt,  daz]  der.  396 1.  &n]  ein.  s.  martrer.  5.  leben. 

397  2.  allen  schantzen.  398  4.  Oh  dem  anch  abgieng  an.  6.  Eynem  r.  guten  gesellen.  7.  soll. 
3994.  wil  t.  han  vo.  4007.  Da  litt  gesellig  geselle  t.  4023.  bl]  mit.  5.  wO  niemSt. 

6.  valscben]  klaffer.  4034.  beschirmen  vor  gifftiger.  6.  daz]  Ee.  an  truwen.  4043.  be- 
dencken.  4.  k.  hab  ye.  5.  gehelffen.  7.  zun'snchS.  405 1.  berren  herre.  4.  mögen 
mir.  emüwen.  5.  mir]  uch.  keyner  verte.  4065.  ist]  wer.  4076.  wol  fehlt. 
408  2.  vnd  daby  sind  g.  6.  dem]  es.  409  4.  ir  lutzel.  6.  ir  nün  gnndt  ze  m.  7.  war- 
lichen.  410?.  valscben]  bösen.  4115.  vach  an.  4124.  balde  mochten.  5.  jm  geschehe 
nicht.  6.  es  dan.  7.  soltest  es  gelassen  han.  413 1.  ouch]  wol.  4.  f.  hie  ve’schaffen. 
414  2.  vnd  vnbezwungen.  6.  des  verjech.  7.  ir  schäm,  künde]  begunde.  416 1.  vil  erl. 
2.  Der  echt  jn  frölich  h.  5.  sin  ein  narr.  7.  aller  k.  4174.  ez]  das.  4184.  la  die 
dynen  k.  5.  nün  din.  7.  sin  fehlt.  4195.  ja  gen.  6.  mit]  in.  7.  dln]  dir.  4203.  Din. 

ve'machet.  421 1.  siner.  2.  dir]  im.  4.  dem  selben  a.  5.  Du  machest  a.  f.  freud. 

7.  dynem.  sUne.  4225.  geheime]  keynes  wildes.  7.  si  fehlt.  423  3.  daz  fehlt.  5.  neren. 
424 1.  üf]  an.  3.  hört  vil  b.  h.  4.  Da  1.  auch  das.  5.  Etlicher  jagt.  6.  Doch  wünschet 
ich  s.  4254.  Iftt  fehlt.  6.  furwar.  4262.  verpirset  vil  ze.  3.  Das  m.  wol  er.  4.  da 
vff.  6.  wenet.  gön  im]  vff  jn.  7.  rehte  fehlt.  427  2.  spürt.  428  4.  öt]  nit  balde. 

6.  es  von  dan  will.  7.  auch  zwar.  430  6.  Die  loyk.  mit  loyke.  431 5.  eya^  fuchs. 
432 1.  Die  t.  3.  gar]  so.  7.  lat  die  winde  den  bald  erw.  433  4.  der  des  palges  wol 
kan.  5.  So  denck  ich  mir.  7.  Den  dynen.  434  3.  Dem.  7.  erfinde.  4354.  jn  der. 
436 1.  senben.  3.  spehen.  7.  will  vnd  zitt.  437  4.  die  äugen.  440  s.  ouch]  Hin. 
4.  wonent  stete,  e.  falschen  j.  hunden.  4412.  guoter]  reyner.  4.  aller,  gern  der.  5.  d&] 
wol.  6.  den.  442  3.  er]  es.  443  7.  ist]  wer.  444  6.  dan  fehlt.  445  2.  werfen. 

7.  vnd  auch  an  hohem  müte  gar  verderben.  446  7.  an]  zu.  447  3.  d&]  So.  4.  vnd  valsche. 
449  7.  hatt  vor  verloren.  4503.  ob  fehlt.  4512.  ich  jm.  s.  menschlichen.  6.  Die  wer. 
7.  ez]  der.  452 1.  mit  falscher.  3.  d&ht]  sprach.  453 1.  Gerecht  zu  dem  gerechten. 
2.  V.  gelassen.  6.  daz]  dach.  4554.  den]  der.  4564.  vor]  von.  s.  arbeit  nie.  7.  Der. 

mir  vil.  457  2.  danne]  hin.  4.  jm  wer.  wol  da  von  m.  Z.  7.  riß  mag  vers. 

11* 


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164 


Anhang.  Lesarten. 


458 1.  Der  tantenberge.  4.  wart.  7.  L.  vnd  ach  w.  459  s.  d&  feJUt.  e.  da  will. 
460  8.  tmck.  4.  461 1.  Baden.  462 1.  wlp]  mjnne.  4.  gar  an.  o.  an  mich 

allein.  7.  dir]  jm.  ist]  wer.  463 1.  hin]  gar.  4.  Minne]  an  mir.  nyemS.  465  s.  mir 
für  ein  ein  1.  4.  mir  felät.  din]  das.  e.  hat  myn  we  ntln  wesen.  7.  gar  wol.  466  6.  der 

armen.  7.  mir  dise.  yendert  nüwe.  4698.  wol  mag.  4708.  s!]  hah.  e.  mätes  vnd 
vnm&tes.  7.  t.  oder  lache.  471 1.  dOwen.  4.  so  r.  7.  nün  bittend.  472 1.  ist]  ich. 
4.  gesucht.  6.  na  fehlt.  4734.  erdencke.  s.  g£n]  fttr.  7.  e.  sicher  des.  4742.  gar 
sttre.  7.  rechte  güte.  476  6.  za  1.  ye  leid.  e.  man]  ich.  4776.  trAg.  7.  Daran  waD. 

gar  ze.  478  6.  spür,  alda  ich  w.  479 1.  sUeze]  frowe.  s.  wie  kund  ir  mich  so  eyne. 
4806.  sam]  als.  7.  her  seht]  an  zware.  4816.  gutt  hah  ich  g.  7.  ein  teil  da  von. 
482  s.  er  wer  bafi.  4.  €]  je.  7.  b.  wol  t.  483  4.  wen  aach.  zwinget.  6.  in]  mit 
e.  ich  1.  vnd  1.  7.  wegen.  mir  krancken.  4846.  ein]  jm.  e.  dan  kan.  7.  den  fehlt 

485 1.  wol  fehlt.  4.  will  ers  stritz  erlagen  one  enge.  6.  versamen.  s.  onch  fehlt.  7.  jag. 
486  7.  hengt  vnd  lasset.  487  s.  dich]  gantz.  6.  sint]  ist.  vnd  aach.  e.  Das  myn  will 
ich.  7.  min  jagen  fehlt.  mir  laoffen  hie.  489  s.  der]  des.  6.  bi]  vff.  7.  ab  fehlt 
490  3.  von  so  bleib.  6.  emerte]  dicke  nerte.  491  s.  by  eyne  schrohen  h.  3.  riten]  fliehen. 
6.  anch  wol  kond.  7.  So  er  hin.  492  s.  ichs.  493 1.  vil  fehlt.  s.  ersächen.  6.  mich 
vor  erbsurmet.  4948.  aach  das.  6.  min]  vnd.  sich  n.  vachet.  e.  wan]  wie.  7.  ach  jn 
mynS  h.  496  6.  sö  daz]  wen.  das  recht.  497  6.  darr  s.  mit  biynner  v.  s.  pliczt.  7.  Der 
s.  mir.  498  s.  laaffen  ach  gott  wie  dicke.  4.  hnglich  j.  mit  v.  s.  4998.  Uz  dem]  DaroB. 

6.  kandem.  e.  der]  das  die.  7.  wol  h.  500  3.  dem]  jm.  4.  wirt  vnstete  nyme'. 

5016.  verhalt  den  1.  5027.  hin  fehlt  den]  dem.  503 1.  mir]  mit.  s.  vnd  der.  e.  ich 

den  g.  7.  strnte]  lieb.  5044.  hin  fehlt  6.  nit  mocht.  505 1.  sich  fehlt.  8.  Sich  s. 

7.  etwan  aach.  506 1.  noch  gewynnet.  8.  sich  nach  j.  s.  besynnet.  6.  ze  fehlt. 

507  4.  den]  der.  508  s.  üf]  jn.  6.  niht]  gesell.  509  s.  g.  des.  6.  verbraten.  510  6.  ritten. 
511 7.  leid  her  also.  512 1.  w.  nach  tratt.  s.  doch]  da.  4.  vnd  sich  m.  v.  v'wirret. 
513  8.  mir]  ir.  3.  das  da.  6.  ist  geleynet.  e.  das  s.  kemyn.  7.  noch]  woL  514 1.  Qrnozen] 
Trost  den.  3.  stUend]  für.  4.  sygen.  6.  niht  fehlt  e.  swiget.  5156.  mir]  nUn. 
6.  1.  g.  m.  516  3.  ninr]  echt.  517  8.  bringent.  6.  datt  erwachen.  518  7.  wol  fehlt. 
5194.  senecklicher.  6-7.  Mich  hat  die  myU  enzinnt  mit  beissem  fttre  Vnd  tutt  mich  darnach 

senen  Das  ich  fUrcht  mir  sy  leyder  tUre.  5293.  Darch  das  er  wolte  h.  4.  Den  sinen  g. 

6.  gra  g.  g.  mach  ich  m.  stetem  1.  6.  £y  k.  7.  s.  v.  5628.  synem.  3.  er  fehlt. 

4.  Gedenck  ich.  g  4.  mir]  mich.  7.  mit]  nit  h  &.  w&]  Ja  ja.  1  6.  ir  fehlt. 

c. 

Aus  dem  cod,  pal.  gernn.  393, 

1,  Bl.  Peter  Suchenwirts  Bede  vom  jüngsten  Gericht.  Bei  Primisser  fehlen 

folgende  Lesarten: 

2.  Der  darch  w.  4.  Der  r.  5.  im  h.  8.  Her  bifl.  9.  clare.  12.  Vnd  das 
miner  1er  geniefl.  15.  0  m.  das  ist  din  aigner.  16.  Her  got.  18.  will  wnnt  19.  wir 
tun  Abel  vnd.  23.  da  doch.  24.  erd.  26.  din  sAnd.  30.  Ouch  ged.  33.  vnd  satz. 
34.  vnd  schätz.  35.  vnd  gew.  36.  gut  gest.  37.  din  land  lAt  vnd  gAt.  41.  all  feMt. 
43.  vnd  sp.  45.  der  es  w.  46.  als  ain.  49.  Die  st.  50.  Die  s.  51.  0  m.  dz  da  hie  1. 
53.  Wann  da.  56.  kansta  wol  beneysen.  59.  So  n.  da  dinU  nebU.  60.  Dem  g.  L  vnd 
onch  die.  61.  Das  lanst  62.  vnd  din.  63.  dz  vnse'  her  ihs.  67.  dich  dann  din  gAt 
vest  70.  bald  so  w.  sie.  71.  fr.  zwär.  72.  Alfl  offt  geschieht  fAr  war.  78.  Das 
ain  gr.  76.  an  der  w.  78.  Vnd  f.  g.  frA.  80.  Der  da  n.  t  82.  in  ab.  84.  So  w. 


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Anhang.  Lesarten. 


165 


ich  r.  *ä  diser.  86.  Das  ir  f.  87.  Waß  sich  v'birgft  n.  yd  siner.  91.  ist  b.  94.  m.  all 
an  diser  v.  96.  Die  engel  die.  97.  die  totten  es.  98.  So  s.  m.  din.  99.  So  m.  d. 
daä  nit.  101.  alfi  woL  103.  Fraislichen.  108.  0  her.  ain  tag.  113.  alfi  wol  kund. 
119.  Weder  b.  noch  1.  120.  ouch  nit.  121.  da  fehlt.  124.  Er  z.  d.  sin  hailigS  f.  128.  swir 

oder  L  130.  sind  dir  nH  all  zejamer  g.  131.  ir  nit.  132.  sye  an.  134.  gediehen. 

137.  sichst  zä  der  r.  s.  138.  W.  z&  h.  141.  Da  hilff.  142.  NO  gen.  h.  o.  gen  h. 

143.  Der  w.  sind.  145.  den  fMt.  146.  0  m.  147.  din  gäte  t.  149.  so  wol.  150.  an 
die.  151.  aber  gehapt.  153.  Des  m.  din.  155.  schauffe  vnd  die.  156.  Er  s.  157.  her 
ir.  159,  Da  iwer.  160.  den  verfluchten.  162.  ir  verdampten  in  dz  ewig  f.  163.  mit 
g.  b.  165.  0  we  ain  sendeclich  s.  da  besch.  166.  gehelfen  {statt  in  167)  nicht.  167.  defi 
weib.  168.  kint  der  nitten  kan.  170.  da  ist  nQ  d.  b.  tod.  174.  h.  weder  r.  vnd  k. 
176.  Vnd  haust  verzert  179.  rechte  r^.  180.  neben  c.  bis  getnfr.  181.  Dem  a. 

184.  Das  lert  d.  g.  dem  h.  185.  0  mensch  h.  186.  Das  folgt  dir  nach  bifi  in.  189.  Wan 
sölich  g.  tut  n.  190.  an  das.  192.  halt  gottes  bot.  194.  Das  raut 

2,  Bl.  5*’.  Lob  der  Frauen.  Uätzlerin  II,  1,  S.  113 — 115. 

2.  haut  es  alles  w.  3.  An  wnnnen  werden  w.  4.  es  wol  nit  ersehn  5.  wird 
baut.  6.  Die  w.  vnd.  7.  Das  got  besch.  8.  Y.  glich  nach  siner;  danach;  Nach  siner 
fursichtigen  taut  Alfl  sie  dann  got  beschaffen  haut  11.  sinem  zärtlichem.  14.  das  m. 
16.  Kein  c.  w.  n.  18.  Da  adam  die  g.  19.  Noch  im.  20.  Der  werde  c.  21.  es]  das. 
23.  gund]  so  wolt.  27.  des]  sin.  28.  so  macht.  31.  ir  figur.  32.  sein  zarte  n. 
40.  sol]  mag.  42.  Die  mag  in.  f.  p.  43.  vnd  ouch  siu  manlich.  44.  So  hon  ouch 
gesenhen  ich.  45.  a.  nie  v.  f.  47.  werdn  solt  zu  trut.  Die  folgenden  41  Verse  gedruckt 
bei  öeuther  a.  a.  O.  S.  53  f.  mit  folgenden  Abweichungen :  7.  dich.  12.  im.  16.  in  syn6  synn. 
36.  wire.  37.  rain.  49 — 58  stehen  hinter  88.  50.  vmb  trägen.  51.  von]  den.  55.  Do 

g.  e.  ir  b.  sjtten.  57.  vnd  murdery.  58.  Ain  yeglich  man  der  brieff  dar  by.  59—62  fehlen. 
63.  Vmb  das  sie  hett  pflegs  der  v.  67.  der  frowe.  68.  dem]  sine  hailige.  72.  selber 
vor  im.  76.  all]  gar.  77.  Wan  sie  ir.  78.  got]  ihesn.  82.  sind  ntl  hin  k.  83.  die  s. 
86.  got  ir  missetant  h.  g.  87.  Die  frow  wz.  89  f.  fehlen.  91  f.  umgesteüt.  91.  redt] 
seit  92.  Das  got  die  1.  94.  V.  altar  vnd  a.  95.  Scham.  96.  enberS.  99.  Bifl 

das  er.  101.  So]  Vnd.  102.  Vnd  das  die.  106.  pitter]  sebarpffe.  109.  im  nQ.  111.  Sin 
falsch  klaff  vnd  falsche  w.  112.  Das  der  den  sälden  riehen  h.  113.  allen  zitten.  119.  Dar 
120.  das  aller  erst.  122.  das  er.  123.  Z.  a.  m.  g.  126.  Vnd  das  ir.  128.  er 
von  ir.  131.  njmer.  133.  die  bibel.  134.  Ain  d.  136.  von]  ab  dem.  137.  So  b. 

138.  verheilt.  140.  Der  f.  ye.  141 — 148  fehlen.  149.  Was  er  g.  in.  151.  Vnd]  Das  er. 

153.  nß  w.  w.  158.  Wafi  wer.  161.  grän.  162.  Man  sol  kain  f.  schon.  163.  mit 
der.  164.  wa  ain  zarte.  165.  Ainen  man  als  man  die.  170.  ain  frow  tngetklichfi  zu 
im  8.  174.  Liebs  g.  min  liebster.  177.  erwaiebfi.  179.  es  wol.  180.  man  sicher  f. 

182.  solt.  183.  frowS  bild  g.  184.  Es  w.  k.  vnm&t.  185.  zerstört  d.  frowe.  187.  Den. 
188.  Vnd  in  1.  189.  Es  m&fl  sin  1.  v.  191.  Bifl  das.  s&lig.  192.  ain  rainfl  wib. 

193.  dafi  in  sines.  195.  Vnd  ir  enbieten  alle  z.  198.  sy  fehlt.  199.  Er  sol  s.  riemens. 
202.  Vnd  wer  das  tät  dem  wärd  beschert.  203.  Vil  trosts  des  er  nie.  204.  lieb]  fröd. 
205.  f.  I.]  wiplich  trost.  207.  tngent  ist  so  manig^alt.  208.  Vnd  er.  209.  mit  hohem  p. 
210.  Vnd  das  er  in  k.  falsche  w.  211.  nymer.  213.  verdruckt  214.  den]  alls  rainß. 

4,  Bl.  14^.  Von  rechtem  Minneleben.  Uätzlerin  II,  6,  S.  131 — 134. 

2.  vand  ich.  3.  4  fehlen.  5.  Den.  6.  veld  zu  holtz  vnd  ouch  zä  waid.  7.  es 
der  may  zä.  8.  sinem  fruchtpem.  10.  Dar  an  was  im.  12.  vnd  fehlt.  13.  Graw  s. 
14.  Winter  gryfl.  15.  het  gar.  20.  sinen.  21.  herfürj  fär.  22.  het  sich.  25.  Wie 


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1R6 


Anhang  Lesarten. 


cs.  gemickt.  28.  godaiicht  wie.  29.  frncht.  32.  solt  eS  dem  prunnen  gon.  34.  ich] 
ouch.  35.  Ir  susse  k.  erkl.  37.  Her  fehlt.  vnd  dnrch  die.  39.  der  wasser  w’allen. 
40.  Da  hett  ich.  41.  mich  verlangen  1.  42.  Das  ich  m.  43.  halt  sich.  44.  mat] 

wort.  45.  So  zö  hand  ich  b.  46.  Vmb  lugen  vnd  s.  zu  st.  47.  frowen.  48.  Sie  grust 
mich  ich  naigt  ir.  49.  Zdchteclich  als  mir.  51.  her]  er.  52.  mit  siner  r.  1er.  54.  spch 
trut  gesell  n.  55.  der  may.  56.  jngfrow.  ist.  58.  Ich  weist  üch  dann  m.  59.  Wafi 
WZ.  60.  Die  tut.  61.  Vor  überigem  verl.  62.  frod  die  gert  der  Stangen.  63.  Das 
hant  m.  t.  64.  Syd  dz  min  bertz  kainer  frowde  pfligt.  66.  So  m.  ichs.  68.  Vnd  ouch 
sich  das  nach  gnäd  v.  69.  ich  fehlt.  70.  nli  weiß.  73.  ver  vnd  ich  es.  75.  So  tail 
ich  dirß  tr^lich.  76.  jngfrow.  77.  noch  der  kaine  nicht.  78.  sy  by  laude  od'  nit. 
79.  ich  vnrXf  n.  vnd  t.  80.  ainer  frowe.  82.  Vnd  sie  h.  mein  hertz.  84  fehlt.  85.  überigem 
versenen.  86.  ich  waiß  nit  recht.  90.  .sorg]  furcht.  91.  an  felät.  92.  ob]  vo’.  93.  da 
fehlt.  94  feMt.  97.  Belangen.  99.  für  gen  ir  t.  100.  Nit  halb  mag  ich  es.  102.  aber 
fehlt.  104.  In  ainem  tag.  105.  Ich  g.  107.  mich]  ich  die.  108.  Dar  vmb  ir  allain. 
111.  W&rlich  h.  uff  m.  113.  Deß  er.  114.  mich  dann  gott  b.  115.  on  sorgen  fehlt. 
116.  On  sorg  driniUtig.  117.  Mir  von  ir  r.  118.  ich  das.  119.  es]  des.  120.  Das  w. 
122.  so  lang.  124.  ob]  vor.  126.  Es]  So.  127.  Erlescht.  128.  nQ  t&.  138.  sagst. 

134.  liden  klagst.  136.  Sie  s.  nO.  137.  sicht  mein  grossen.  139  so]  als.  141.  Schämig  v. 
142.  Vnd  mag  vor.  143.  recht  wandelich  bärd  gehon.  144.  Vntz  das  ich  a.  145.  Vntz. 
147.  iren  w.  a.  150.  spch  trut  g.  raut  mir  wid‘.  152.  Od*.  153.  Vnd  du.  154.  Ich 
als  m.  156.  E  das  ich  hon  zu  w.  pr.  157.  bin]  sy.  158.  Das  sin.  159.  Er  s.  jOgfrow  w. 
160.  Mich  dunckt.  162.  g.  verlangen  hab  ich  v'ton.  163.  Die  wil  mein  zitt  d.  j.  s. 
164.  Das  dich  niemant  west  noch  sach.  165.  Vnd  das  du  einig  pist  by  mir.  166  fehlt; 
dapLtr  165.  167.  Er  s.  jQgfrow.  168.  sprach.  der]  wol.  170.  biß  in.  172.  das] 

spricht  ouch.  174.  Vü  s.  zu  mir  law  dir  nit  sein  1.  176.  Oder  wer  die  m.  Worten.  178.  so 

wol  v.  ge  da  von.  179.  WaB  du.  180.  Ir.  ir.  181.  erfinden.  182.  müssend  sw. 
183.  Vnd  dorren.  184.  Die  f.  nit  h.  186.  Da  lüg  dz  du  weder.  187  fehlt.  188.  Wan 
mit  frümkait  macht  du  dich  nern.  189.  Recht  wol  als  vor  tnset.  190.  Law.  192  fehlt. 
193.  Wa.  195.  Vnd  hür  zelob  deß  ersten.  196.  Dem  höchsten  vnd  dem  h.  197.  1.  vnd  s. 
200.  Den.  201.  Deß  soltu  mich  geweren.  202.  Vnd  h.  204.  Vnd  z.  dich  selb  süberlich. 
205.  vnd  mit.  206.  würstu  bekant.  207.  Den  fromen  vnd  den.  208.  s.  n.  an  m.  209.  den] 
einen,  fräuelich.  210.  so  biß.  211.  Wa  du.  212.  So  w.  213.  Zä  wer  alß  ain  held. 
214  fehit;  dafür  213.  215.  Dar  vüi  das.  216.  main.  spil  vnd  kriegen.  217.  selten. 

winhuß.  218.  by  zitt  dar  nß.  219.  E  das.  220.  niemand,  danach:  Deß  soltu  mich 
vertuen  Noch  mer  wil  ich  dir  sagen.  222.  Wa  ich  die  an.  223.  mir  sicher  z.  224.  noch] 
vn.  225.  Sie  k.  sch.  nit.  226.  den.  227.  fr.  reden  wüllest.  228.  Lüg  das  du  dich 
gesellest.  229.  Allzitt  zu.  231.  Des.  hab  v.  232.  So  tü  alß  ain  bider  m.  233.  da¬ 
nach:  Ob  ich  mich  etwa  hin  ker.  234.  Sam  ob.  235.  Du  solt  dich  v.  da  by.  236.  Als. 

die.  237.  Ainem  a.  238.  Ye  grösser  sol  der  b.  s.  239.  Geloub  mir  mit.  240.  mir 
mein.  242.  Do  wir.  243  fehlt.  244.  Mit  gesundem  lebB.  245.  dich  gehebB.  246.  E 
das  d.  d.  V.  247.  wä]  das.  248/".  umgestellt.  248.  ich  .hon.  249.  Du  wirst  dar  vmb. 
250.  da'zü  min.  251.  Er  s.  frow  du  h.  kein  s.  252.  Ob  ich  nit  tv4  das  wol  s.  253.  über 
gieng.  255.  gesegü  d.  f.  schaffs  wol.  256.  die  folgenden  47  Verse  gedruckt  bei  Geuther 
a.  a.  0.  S.  82  f.,  mit  folgenden  Abweichungen:  262.  den.  263.  Vmügen.  264.  tilget. 
267.  frowe.  273.  swur]  sin.  274.  Aigenlich  in  mine.  295.  prieff.  303.  Zetrost. 

5,  Bl.  20*.  Der  Minne  Gericht. 

In  den  Anmerkungen  eu  diesem  Gedicht  (oben  S.  120  ff.)  sind  folgende  Korrekturen 
des  Schreibers  noch  nicht  erwähnt: 


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Anhang.  Lesarten. 


167 


10.  gel  vor  gel  gestrichen.  58.  tal  vor  mal  gestr.  69.  gerauten  vor  worden  gestr. 
112.  all  vor  allzitt  gestr.  213.  rechen  aus  rechte.  216.  ich  vor  mich  gestr.  224.  W  gestr. 
267.  mit  vor  nit  gestr.  290.  Da  gestr.  305.  Gigt  gestr.  333.  1  nach  stit  gestr. 
357.  sprach  am  Versende  nachgetragen.  401.  der  vor  müter  gestr.  440.  Der  aus  Den. 
459.  man  am  Versende  nachgetragen.  498.  her  vor  wer  gestr.  553.  sie  vor  sie  gestr. 
560.  gaben  zwischen  ver  und  jähen  gestr.  573.  ylt  vor  ylt  gestr.  609.  ebig  vor  dag  gestr. 
611.  vn  vor  on  gestr.  614.  briß  vor  fliß  gestr.  640.  d  hört.  694.  v  engeltfl.  711.  tail 
vor  taild  gestr.  789.  ny  vor  nyme*  gestr.  844.  s  vor  Ion  gestr. 

8,  Bl.  58'.  Wer  kann  allen  recht  tun?  Ahtceichunyen  von  Mones  Ähdruck. 

5.  aller  wandel.  8.  wir.  10.  Der  in.  18.  der.  23.  Manglichn.  24.  Man. 
25.  in  die.  50.  gar  fehlt.  60.  her  zogü.  61.  ain  r.  62.  zogen.  68.  nas]  groß. 
104.  im]  nü. 

10,  Bl.  65'.  Von  den  sieben  Farben,  llätslerin  11,21,  S.168 — 170. 

•  • 

Überschrift  Von  den  suben  färben.  1.  gar  waidelicb.  2.  Sie  s.  gesell  bewyß. 
3.  dings  fehlt.  4.  on  allen  s.  5.  fraw]  ja.  6.  Ja  s.  die  frow  wol  geton.  7.  gelaub] 
wen  wol.  8.  Sprich.  9.  nun  fehlt.  13.  Gen  irem  heb.  14.  es  h.  oder  ist  es.  15.  ich 
nit  kan.  16.  fragen]  pitten.  17.  Der  rechten  w.  18.  mein  frow  dch  wol.  19.  alle]  die. 
20.  mir  ainer  dem  wont  ich  py.  21—24  fehlen.  25.  Kunst  vnd  kluge  maisterschafft. 
27.  28  fehlen.  29.  Er]  Vnd.  30.  ob  es  üch.  31.  Das  sag  ich  nch..  32.  deß  w.  ich 
danckü  dir.  33.  Vnd  y.  t.  hohen.  34.  trautt]  lieber.  35.  m.  g.  f.  36.  Dar  nach  die  and'n 
graw.  37.  Ich  sprach  g.  38.  Die.  noch  nie.  40.  Der  sol  sich  in  g.  laussen  s. 
41  f.  fehlen.  44.  ouch  die.  45.  Kü  s.  mir  dar  nach.  47.  In]  ain.  48.  M.  d.  f.  t.  e.  k. 
49.  gar]  so.  50.  er  fehlt.  51.  ain]  die.  52.  Ich  s.  die  vil  g.  54.  Dem  lieb  noch  laid 
noch  k.  55.  Von  frowen  ist.  57.  Dar  vmb  das.  58.  In  mynn  nain  er  ist  frow.  59.  er 
ir  1.  60.  Vnd  doch  in  ainem  r.  rock.  61.  62  umgesieüt;  Vnd  heidemal;  er  fehlt  beidemal. 

63.  von  m.  pand.  64.  Vnd  haut  ir  n.  65.  sey]  geh.  66.  Das  hon  ich  gar  tU  e. 
67.  der]  das.  69.  ist]  maint.  70.  Wer  1.  nach  h.  1.  t  72.  Dem  sytt  w.  i.  f.  73.  Es] 
Dem.  74.  Wen  1.  in  b.  75.  Aber  man  s.  m.  p.  t.  77.  seit  villicht.  78.  Wer  s.  im. 
79.  Der  sy  st&tt  durch  stUtikait.  80.  Villicbt  der  rock  anderß  seit.  81.  wie  aber  d.  m.  sy. 
83.  seiner]  der.  84.  dir  die  warbait  s.  85.  So  m.  er.  86.  Den  man  sicht  fälschlich  tgen; 
danach  noch  2  Verse:  Da  mit  der  red  sy  geswigen  Vnd  lauß  wir  es  also  lygen.  87.  Vnd. 

lieber.  88.  Wer  w.  antreit  wie  ist  der  gemät.  89.  s.  das  macht  ain  lieb'  m.  90.  Der 
ain  lieb.  91.  Das  macht  w.  92.  sprach  ja  1.  93.  wisse  claid'  t.  94.  hertzelaid. 

95.  frowS.  97.  die.  98.  b.  trfigner.  99.  sich  m.  r.  oder  mit  farbS.  100.  in  von  frowQ 
ist  g.  g.  101 — 118  fehlen.  119.  Wann  ain  f.  ain.  120.  So  seit  er  da  tnsent  maul. 

121.  sie  im  v'haissen.  123.  ainem  dann  ain.  124.  So  mut  er  sy  zä  hand  an.  125.  sie 
sull  in  g.  126.  Der  selb  f.  ver  von  dem  mer.  127 — 134  fehlen;  dafür:  Geschieht  sein 

villicbt  nit  Die  man  sicht  verbü  deß  trust  nit  dich.  135.  Dar  nach  die  zart  frow  mifieclich. 
136.  Fraugt  vmb  s.  vnd  graw  färb  mich.  137.  Ich  sprach  das  macht  laid  vnd.  138.  Dann 
a.  ain  1.  h.  139.  Haut  vnd  d.  der.  140.  Also,  vnd  gut  vnd.  141.  mit  st&tten  diensten. 
142.  Schafft  ir  v.  143.  sie  ir  z&  lieb  ain.  144.  doch  ir  st&tt  nit  z.  145/*.  umgestellt. 
145.  Vil  vil  er  ir  g.  146.  Vnd  sie  ainem.  147.  so  fehlt.  149.  lieb  ist  im  zä.  150.  s. 
vnd  grauen.  151.  Ymmer  t.  mit  jamers  r.  152.  Sie  s.  welch  frow  ist  so  nntn4.  153.  Das 

die  ainem  man  t.  154.  ir]  der.  157.  Für  war  ich  weit  sie  njm'.  158  fehlt.  159.  Das 

man  da  by  erkant.  160.  Ir  laster  vnd  ir  schand.  161.  m.  frow.  162.  nymer.  165.  Ver¬ 
künden  vnd  bet^iten.  166.  Die  selbfi  vngeschlachten.  167.  Die  von  den  fromS.  168.  den  a. 
zä.  170.  Das  macht  ir  vnst&tt*.  171.  D.  der  sy  gemüt.  172.  Kn  sag  mir  lieber  gesell  c. 


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168 


Anhang.  Lesarten. 


173.  Was  maint  der.  174.  ze]  gar.  175.  NQ  sicht  man  sie  gar  s.  t.  176.  Von  der  färb 
soitu  mir.  177.  Ich  spch  das  maint  der.  178.  rieh  myneclich  g.  181  f.  fehlen.  184.  Es 
solt  aiuer  wol.  185.  Vnd  ain  hiipsch  waidelich  w.  186.  Iren  clugen  zarten.  187.  ze]  für. 
189.  Das  es  uß  sines.  190.  Nymer  kainem  menschn  w'den.  191 — 194  fehlen;  dafür:  Aber 

man  vint  nQ  mengen  man  Das  liebes  lieb  nit  allain  wolt  hon  Das  er  es  west  allain  es  mäst 
Für  die  gantzen  gemain  Des  wel  der  myner  habQ  rain  Es  solt  aber  kaine  nit  tSn.  195.  Es 
solt  gar  die  mynn  h.  197.  Vnd  was  e  der  mynn  r.  199 — 202  fehlen.  203.  Ich  sprach  f. 

204.  Das  noch  die  frow.  206.  frow  lond.  207.  Vnd  gend  mir  f.  208.  got  der  m. 
209.  Gott  danckt  dir  das  dn  mir  haust  g.  210.  alle]  die.  211.  Vrlob  nam  ich  da  zestnnd. 
212.  Vnd  schied  mich  von  irem  rotts  mund.  Amen. 

11,  Bl.  68".  Von  (Ion  Krautgarfen.  Hützlcrin  11,59,  S.243 — 248. 

1.  An  ainem  tag.  4.  D.  muß  ich  r.  g.  5.  ich  frischnur.  6.  niemant  nach. 
9.  Nach  den.  10.  verhert.  11.  nach  d.  m.  gir.  12.  da  feJüL  13.  war  all  dar. 
15.  Als  es  y.  den.  16.  Sein  1.  d.  17.  gelickt  nach  frftden  1.  19  f.  umgestellt.  19.  was 

mir  egegnet  dar  jn.  21.  p.  ich  pand.  22.  Von.  s.  zehand.  23.  g.  hin  dan  durch  s. 
24.  Hin  durch  mochtich  nit.  25.  Ich  hin  fürbaß  s.  mir.  28.  mir  fehlt.  29.  sach]  yand. 
30.  Von  8.  34.  ir  da]  yon  ir.  36.  Ir  fr6d  was  ir  engangen.  37.  Sie  wz  yffl  gebB  mit. 

39.  Sie  g.  m.  42.  will  ich  äch  sein  z&  d.  43.  ir  laid  jemand  kund  Aber  f.  45.  gAter] 
sAlig.  46.  mein  dag  die.  47.  Das  k.  jemand.  48.  Doch  so  will  ich  sagen.  49.  Vmb. 
50.  der  w.  52.  ynd]  frow  s&ld.  53.  Die  w.  all  in  f.  54.  noch  nie.  57.  Das  g.  dar  jnn 
in.  58.  all  da.  59.  dar  z3  h&n.  61.  Pas  z.  wol  fehlt.  63.  bj  siner  tnfr.  64.  das  es 
mich  nit  rk.  65.  Von  siner  pfleg  an  rnrt.  66.  In  das  g.  ich  in  f.  67.  Vnd  a.  im  das  im. 

68.  der  ziert  es.  70.  hett  sein  nit  anderß.  72.  so  w.  edle  r.  75.  Die  f.  76.  sein 
nswendig.  78.  nit  ynd  p.  yin.  79.  Der  f.  erschain.  80.  V.  so  must.  81.  plUen] 
pl&mlim.  84.  gar  s.  85.  Es  was  der  maistal  y.  86.  D.  so  s.  m.  y.  88.  Was  allzitt 
das  1.  90.  Was.  91.  nie  so.  94.  m.  lieber  g.  gut.  98.  Mir  wer  besser  ich  wer. 

99.  ich  ans.  100.  Das  es  ist  y.  worden  y.  101.  Da  w.  g.  in  frAdu.  102.  ynmAt.  danach: 

Verwachssen  ynd  yerdeckt  gar  NAr  niem  ouch  pitter  wurtz  war.  103.  Wa  ich.  e  yand. 
105.  m.  ouch  a.  mit.  106.  mich  da'ymb  mit  f.  107.  All  f.  fliehend.  108.  Ich  hon.  109  fehlt. 
110.  nßwendig.  112.  m.  yo  hertz  laid.  113.  wesen.  114.  Dar  ymb  fliß  ich  mich. 
117.  Wer  es  uß  wendig.  118.  Der  went  er.  119.  ist]  was.  120.  Das  dem  fromB  ain  f. 
gieng.  121.  mir  fromB.  122.  trautt  fehlt.  123.  ybraucht.  124.  üwer  f.  ist  yerdorbB. 
125.  gart  nit  m.  126.  nit  gar  on.  127.  lieh]  mit  hAt.  128.  wer  nie  s.  s.  g.  130.  Es 
ist  gar.  131.  Vngifftiger  s.  132.  yon  natur.  134.  sie  den  y.  zA  all'.  135.  erst  ist 
es  in  w.  136.  ouch  alzitt  das  m.  138.  icht]  nit.  140.  irer  bfiser  falscher  z.  141.  Dar 
an  bescbuld  ich  in  a.  142.  Noch.  143.  Haut  vB  miner  s.  144.  WaB  sich  n.  145.  groß] 
so  yil.  146.  dag]  halt.  148.  w.  in  das.  149.  a.  erdrich  jendert  gar.  153.  D.  zA  k. 
gAtten  s.  154.  Nur]  Mir.  danach:  Ob  sie  das  selb  prechen  en wicht  Das  sol  niemand  klagen 
nicht.  155.  Man  solt  b.  156.  Aber  das  sol.  157.  got  ynd  die  w.  159.  Vnd  mAß 
jmmer  ynd  eweclich.  160.  haut  nie.  161.  die  die  weit  missigt.  162.  doch  deß.  164.  Das 
mir  das  n.  165.  fräden  fehlt.  166.  t.  frow  stAt  frow  m.  167.  dar  uff.  168.  kan  n.  1. 
169.  ir  fehlt  171.  Von  irem  f.  172.  Noch  wellend  sie  sein.  173.  swach.  174.  Noch 
fliehend  sie.  175.  im.  176.  künden  niebtz  mer  g.  177.  Vnd  a.  178.  gesprochfi. 
179.  gar  an  mir.  180.  tet  sie  das.  184.  Ir  b.  Ach  s.  e.  185/1  umgestelU.  185.  So 
mag  es  doch  nit  anderß.  186.  tAt  mir.  187.  Ir  sond  so  gr&slich  nit  y'zagen.  188.  Vnd 
üwer  gemAt  so  ser  Belagen.  189.  ist  an  dem  jar  noch.  191.  yor  yngebi^en  b.  192.  B. 
tAnd  daD  der  sein  yorpfleger  wz.  193.  Vnd  d.  s.  sein  mit.  194.  yngerechtzs.  199.  Oder 
. .  yor.  200.  das  lasß  ab.  201.  so  gar  y'dorben.  202.  ou  alle  f.  yerdorben.  203.  Das 


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Anhang.  Lesarten. 


169 


kain  moister  lept.  204.  mir  fehlt.  207.  ich  mich  wol  v.  208.  dar  zu  kain  g.  209.  Vnd 
geben  mir  hett.  210  fehlt.  211.  Ich  hett.  212  fehlt.  213.  gar  die]  gentzlich. 
214.  minem  v.  ich.  215.  Yil  miner  schuld  das  m&8  ich.  217  fehlt.  219.  Das  ich  zä 
kain  fr5den  bin.  220.  Mir  t&t  onch  billich  v.  221.  abgesprochen.  223.  Es  was  n.  mit 
mir.  227.  hohem.  228.  Der  offt  a.  andern  t.  229.  gart  was  in.  230.  gedenckt  sy. 
231.  Das.  233.  Vnd  mich  gar.  234.  Das  mir.  235.  Indes  man.  237.  auch]  doch. 
238.  8.  m5cht  allen  frowen.  240.  Vnd  onch  yS  dem  n.  mir.  245.  nit]  kain.  247.  gedenckt. 
248.  8.  g.  liebe  frow.  249.  Ain  y.  253  — 256  feMen.  257.  Aber  w.  frow  t  s.  258.  Das 
kan  doch  nit  1.  wem.  259.  wachst  in  irem.  261.  Sie  will.  265.  sy]  irß.  266.  Wellch 
frow  tribat.  267.  Aber  w.  268.  frow  er  rat.  269  —  272  fehlen.  273.  Ob  die  ir  f. 
wer  w.  275  feJüt.  276.  dar  an.  277.  Wider  zft  fr.  frucbt  w.  geselt.  278.  gartner  fMt. 
279.  t&t  doch  nach  dem.  280.  sein  von  erst  n\('pfleger.  .  281.  gezwigt.  282.  er  mit  listen 

logt.  283.  r.  den  da  haust  m.  g.  284.  weil  fehlt.  leben.  285.  sein  noch  niemalz. 
287.  er  fehlt.  288.  ist  nH  w.  zft.  289.  alles]  offt  290.  gar  p.  291  f.  umgesteüt. 
293.  die]  sftlich.  294.  Da  yon  uch  yeman  pringen.  295.  Doch  f.  e.  alle  f.  gftt.  296.  Vnd. 

m&t.  297.  Ein  tail  so  yon  yngebern.  298.  sind.  299.  so  ain.  300.  uch  gar  yb. 
301.  den  fehlt.  302.  Villicht.  303.  Das  ir  y.  ouch.  306.  das  ist  n.  w.  307.  so]  wa. 
308.  kan  onch  nichtzt  baß.  309.  Da  yon  ich  ainig  m.  g.  310.  so  will  durch.  311.  Mich 
sftUcher  c.  m.  312.  yer  ynd  ich  es.  314.  m.  ains  dingen.  315.  ich  das  n.  316.  nit  mer. 
317.  es  in  der  weit  also.  318.  n.  nicbtz  so.  319.  miiß  doch.  320.  ich  harr  hie. 
321.  yil]  lecbt  322.  nit  mer  wesen.  324-  sind  hie  k.  die.  329.  swftr]  laid.  330.  minec- 
lich.  331.  Dar  ymb.  332.  der  geh  dch  sin  segen.  333.  Vnd  das  ir.  334.  s.  zft  mir  g. 
335.  mftt]  ger.  336.  nur  noch  vü  g.  337  f.  fehlen.  341.  Also  yast  das  ich  s.  342.  Was 
sich  n.  343.  in  offt  das  w.  344.  plack.  345.  Das  man  offt  ein  pecken  die  langen.  346.  an 
ainer.  347.  Die  br.  ynd  Augen  ab  in  n.  348.  tftt]  sfilt  ir.  349.  sehen]  leben.  350.  tut 
mir.  351.  F.  ynd  yngemftt  mir.  352.  ymmer  gelingen.  353.  du  bin  kerst.  356.  Nn  w. 
von  mir  d.  y.  357.  der  frowS  hie  uff.  358.  Das  sie  an  dem  erfrftt.  359.  Die  ir  ie  fugten. 

12,  Bl.  76'.  Die  Liebesprobe.  Keller,  Erz.  aus  altd.  Hss.  S.  150 — 160. 

1509.  baut  gep4ren  ain.  4.  Vnd  da  der  sin  nit  ist.  s.  Aber  man  gar  1.  ir.  e.  nach 
rechtem.  7.  Wann  yed'man  stockt  paum.  s.  das  arge  1.  9.  Es  geschach  in  ainer  zitt. 

10.  Von  ainer  klflgen.  11.  Die  gern  by  gfttten  Iftffen.  is.  Die  weis  so  y^  in  s.  15.  w.  nach 
allem  w.  17.  Vnd  fehlt.  is.  sich  manig  man  an  ir.  19.  Aber  da  w.  0.  y.  20.  wond  im 
w&r  gerecht.  si.  sie  in  falscher  tr^  y's.  22.  Ouch  kamß  zft  kainem.  23.  bracht  sy]  pftrd 
sein.  94.  Gar  wol  gestalt  in  recht'  won.  151 1.  Sie  sprach  ich  haiß  also  yersun.  9  —  6 
fehlen.  0  — 15.  Ains  waiß  ich  das  wftrstu  myden  Vmb  dein  schftn  würstu  lyden  Wann  ich  hon 
es  yersftcht  Wer  dann  zft  ainem  pftlen  rftcht  Der  yerhaist  dir  mer  dann  yil  Die  jung  sjßch  wa& 
du  es  bahn  wilt  Gar  trüglich  in  der  still  Püt  im  wort  nach  dinem  will  Wist  er  dir  die  on 
wid'sterbü  So  weit  dafi  fmntlich  mit  im  lebB.  i$f.  fehlen.  is.  Ja  s.  das  ist]  aller.  19.  ich 

ymer  tftn  in  mines  pftlen  m.  20.  h.  yor  f.  an  dem  dantz.  91.  sie  so]  es  yil.  99  getrappt  ' 

93.  yr]  an  sie.  24.  Er]  Vnd.  yast  an  1.  25.  on  zigen.  96.  yerhaiß]  gewer.  27.  Syd  ir 

zft  pftlschafft  habt  z.  28.  tft  im  want  engel  land.  29.  Da.  1522.  mich  gedenck  in  der. 

4.  Ouch  ich  dch  sagen  wel  ab.  6.  Also  g.  sy  mir  ain  Vmütz  tag.  6.  s.  ich  ymb  nicht  me 
frang.  7.  schied  yb  mir.  s.  Dar  nach  kam.  10.  wie  fehlt,  in  gantz.  13.  gen  yr]  gar. 

13.  yerhftrt  mich.  14.  wider  (ich.  is.  Gar  fmntlich  on.  le.  ach]  ouch.  is.  yerhftr. 

19.  zft  ir  j.  90.  pfilin.  21.  im  h.  92.  23  fehlen.  25.  mich  yersticklich  habt  im  s. 

97.  Also  mit.  98.  ain  gngling  erp.  99.  By  andern  f.  an  der  s.  so.  Er  n.  ir  t.  153 1.  tftt 
die.  9.  g.  im  wftrd  sy  im  erkant  s.  ich  m.  w.  zft  ir  sant  s.  danck  fftr.  e.  pesten] 
lestten.  7.  Das  er]  Vnd.  9.  din.  10.  Syd  uns  dt^  got  hett  g.  11.  So  soltu.  12.  Laos 


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170 


Anhang.  Lesarten. 


ni.  nach  dinen  huldti.  13.  dir.  14.  dinen.  15.  was]  wie.  is.  dich.  20.  wind.  21.  deS 
an  dir.  23.  g.  lieb  vnd  s.  24.  gen  ir.  25.  muss  fehlt.  26.  v'hieß  ir  alß  die  vord'n  z. 
27.  Sie  b.  zfl  ir  nierae  g.  2.«.  Sie  sagt  im  das  er.  29.  Sie  sfch  ich  hon  ir  dry  geschickt. 
30.  J.  mein  zü  p.  gert.  31.  Law  s.  154  1.  frow.  2.  ffim  vö  bynuS  die  frow  nit  lie. 
3 — 6  fehlen.  7/'.  umgestellt.  7.  Sie  sagt  ir  das  sie  wol  het  VnomS.  s.  Fragt  waO  sie 
soltii  k.  0.  Immer  jarß  f.  küpt  der.  10.  Horst  wie  die  f.  1.  p.  11.  leid  ir  mine.  13.  Leg 
dich  nid'  vnd  mach  dich.  13.  Ich  hon  mich  wol  veraiut.  14.  dich  mit  t.  maint.  15.  zü 

disem.  le.  Wie  sein  hertz  hett.  17.  Vnd  wie  er  üch  w.  is.  Nach  der  schuld  niem  in  uS. 

19.  erst]  ist.  20.  mir  grosse.  21.  anthan]  an.  22.  Die  r.  sie  f.  began.  23 — 26.  Wa  ist 

die  jügfrow  ir  sond  mirß  zaigii  Sie  speh  mein  fröd  will  sich  naigen.  37.  Sie  s.  fehlt.  es.  Er 
tat  sam  er  wer  ergangen.  155 1.  Er  s.  fehlt.  t.  noch  fehlt.  3.  Vnd  ir  gar  swarlich. 

4.  halt  fehlt.  6.  und]  frow.  6.  sein  fehlt.  7.  Der  ritt'  bald  vö  dannen  g.  s.  lag. 
10.  gar  fehlt,  mit  yemantz  gericht.  danach:  Wie  haut  sich  sin  hertz  verhielt  Geschieht  ain 
strnchS  dz  aiiie  mit  im  feit.  11.  So  pricht  all  sein  tnV  e.  12.  stet  ist  vest  recht.  is.  zeit 
ein]  wil  der.  14.  bald  das  die  frow  v.  15.  Ir  mümeu.  an  des.  le.  vmbhang  vmb  sie. 
17.  om.  IS.  gar  fehlt.  lengt.  19.  r.  mfittes  ger.  danaclt:  Sie  enpfieng  in  er  gieng  her. 

20.  danach:  Sie  sprach  mein  hertzeliche  swür.  21.  Die  haut  laider  niend'.  22.  erkent. 

23.  Avol]  honch.  24.  sprach  sie  ist.  25.  dort]  der.  26.  V.  j.  g.  27.  bälschafft  myden  ir 
dz.  1561.  grossu  frechto.  2.  Er  g.  im  das  get  an.  3.  dann]  doch.  6.  Doch,  laid  v.  s. 

7.  zart  h.  vnd  mutes  fry.  s.  1.  n.  ich  was  ir.  10.  venster  var.  11.  heerj  dar.  12.  Vnd 

hüb  sich,  smackii.  13.  Sein  lieb  was  im  entwachschen.  14.  Es  gen^  in  er  bald  w.  15.  Er 
gedaucht  für  warß  ward  ich.  la.  vd  iren  wegn  in  schaden.  17.  üch  ich  will  gen  im  uß 
pade.  18.  Der  ritter  gancht  bald  vS.  19.  fraw  fehlt.  20.  Es.  püßlich  fehlt.  si.  wie  es 
dem.  22.  In  kurtzer  zitt  kam  d.  lest.  23.  ritt'lich  engest.  24.  Vnd  gieng  in  d.  h.  durch 
sch.  25.  Vnd  sücht  gnad  zü  der.  26.  Weß  sie  mit  im  het  erd.  27.  Er  hett  ir  güte  clain 
hat  p.  2S.  Her  dratt  die  f.  listig  vnd  wiß.  29.  den  jungen  r.  mit  iliß.  157  1.  nider. 

2.  züchticlich  wider.  3.  Die.  4.  So.  5.  sie  fehlt.  6.  ir]  mir.  7.  niemlt  west  mein. 

8.  Er  f.  ob.  9.  es.  11.  V.  m.  s.  hnndfi.  13.  rittern]  jungen.  i4  fehlt.  15.  Sie  s.  h.  1. 

f.  m.  16.  mich  das  ich.  is.  secht  ir  sie  dort  ligen.  19.  durch  fehlt.  20.  Sie  h.  so  vast 
vfüvangeu.  21.  ich  mich  zü  ir  det  n.  22.  Ir  w.  ain  smack  v0  ir  enpfahen.  23.  ir  es  hart. 

24.  speh  so  wer  ich  nyme*  g.  25.  müß.  26.  In  wetwang  mandalich  sein.  28.  Sie  w.  in. 

29.  Do  und  doch  fehlen.  158 1.  Do]  Das.  a.  sprach  mir.  3.  sehn  alß  ich  üch  vo'  s. 

4.  weit  ich  der  wort  1.  6.  Ich  Vmag  mich  wie.  6.  Sprach  die  jligfrow  nß  s.  7.  Tret  hin 

für  uch  es  wirt  güt.  sf.  fehlen.  vof.  umgestellt.  11.  Das  s.  niemSt  gluckt  12.  trüpt 
13.  Hin  zü  g.  er  kläglich.  u.  Her  got  wie  h.  mein.  15.  doch]  gen  ir.  le.  Ich  g.  ir  oS  v. 
17.  wil  ich  fürbaß  k.  f.  p.  is.  Die  wil  ich  leb  biß  an.  19.  ich  sie  fundn  hon  in  sülicher. 
20.  Die  s.  vnd  h.  die  c.  v.  esf.  umgestellt.  es-  Nü  dar  weit  ir  sehen  an.  24.  Die.  minder. 

25.  mag  .  .  machen]  macht.  26.  venster  cleyn]  fensterlin.  28.  was  fehlt.  gestript. 
159 1.  Er  west  vor  f.  wie  seid  erfarn.  2.  Er  begund  zü.  3.  Gar  weglich  er  sie  zü  im  fieng. 
4.  Vnd  er  1.  sy.  druckt.  5.  mich  wart  mein  hüchst.  6.  Biß.  liebst.  8.  Ir  gesundhait 
mir  V.  früd.  10.  Die  alt  s.  zü  der  j.  gar  ebü.  11.  liepster.  12.  lernt.  13.  Im  ist  zetrüwen 

g.  dingen.  14.  G.  lauß  vnß  b.  wol  gelingen.  Amen.  Der  Schluß  fehlt. 

13,  Bl.  82''.  Der  Minne  Gericht.  Hätzlerin  11,55,  S.  226 — 230. 

V.  1 — 24  gedruckt  bei  Geuther  a.  a.  0.  S.  145  f. 

26.  ich  nit.  27.  w.  hend  ich  mich.  28.  ward]  dett.  29.  gar  fehlt.  30.  die] 
frow.  31.  Die  h.  da  ain  gr.  32.  mengerlay.  35.  weit  kürtzwilen  ain  micheltail. 
36.  Gar  kurtzlich  beschach  mir  das  bail.  37.  Das  ich  hört  ain.  39.  Hett]  Trüg.  40.  was 
mag  das.  41.  ward  vast  hin  g.  42.  Mir  begund  d.  b.  nahen.  46.  sprach  nit  gesell. 


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Anhang.  Lesarten. 


171 


47.  Hie  in.  50.  an]  zfi.  51.  Alß  bald  ich.  ersach.  52.  Das  m.  h.  nit  enbrach.  53.  Vor 
frod  da  was  gelucke.  55.  will  xich  tftn  kain.  57.  vnd  nott.  58.  tü  lieber  war  ich. 
59.  also]  dise  nott.  GO.  bösen.  61.  Der  z.  vnd  zerstört.  62.  K.  d.  bronien.  63.  aller 
mein  lib  ist  alsam.  64.  senken  Ion  vor  schäm.  65.  Sünder  ioch.  66.  So.  68.  sicher. 
69.  Ich  must  sin.  70.  Wann  die  recht.  71.  Erwarb  mir  disen  r.  72.  icht]  nit.  74.  mir 
t&dig  so.  75.  Ich  muß  sin  wider  bloß  alß  e.  76.  V^nd  nackend  gon.  77.  Wart]  Sich. 
78.  will  dich  tnt'lich  b.  79.  laid  sy  mein  groß.  81  /*.  umgestellt.  82.  ir.  83.  Dise  g.  a. 
84.  mir  laid.  87.  nit  frow  m.  1.  90.  hon  ich  dise.  94.  als  ob  ich  hasß.  95.  im  trug. 

98.  wolt.  nie.  99.  knnt]  möcht  ye.  100  fehlt.  101.  es  im  möcht  werden  s.  102.  ernstlich. 
107.  verseit.  112.  mir  was  er  zft  nacht  gedacht.  113.  Doch.  114.  wilt  du  nit.  115.  es 
vatter  vnd  brfider.  117.  an  mir.  118.  vand  ich  so  vil  n.  119.  mit  dein  man.  121.  im 
ain  recht  ließ.  123.  er  rechts  begert.  124.  pald]  schier.  125.  Welt  erß  b.  r.  Ion  b. 
126.  Es  wir  v.  m.  o.  vor  w.  127.  verwag.  129.  der  edlen  m.  130.  Vnser  yetwederß 
samt  sich.  131.  Vnd]  Wir.  132.  Vor  dem.  137.  fr.  die  dar  zft  geordnet  sind.  IdQf.  um- 
gestellt.  140.  Die  m.  ir  wol  erk.  143.  a.  haist  tnV.  144.  a.  zft  allen  zitten  d.  r.  146.  P. 
vnd  graw  sind  all  ir  witt.  151.  Dich  v.  lecht  miner  1.  153.  ye  da  von.  154.  ston. 

157.  Wie  das  er.  158.  glich  mit  ir.  159.  so  g.  160.  zwar  nie.  161.  vieng  g.  zorueclich. 
162.  Sie  speh.  163.  Das  ich.  164.  Hecht,  es.  166.  Sii  sprach.  im  fehlt.  168.  das 
er.  169.  ainem.  170.  sond  mercken.  171.  geding.  172.  genutzen.  173.  S.  all 
gesprich  als  dick.  174.  das  er  deß  werd.  175.  sprich,  der  gftt  m.  176.  gert.  178.  hert 
vnd  so.  179.  im]  mir.  181.  zft  im  sprich.  183.  Vnd  f.  184.  Wan.  ist  gewesen. 
185.  Vnd.  hant  v.  187.  Das  sie  in  nie  wolt  fmntlich  griessen.  188.  Man  sol  sie  schwarlich 
dar  vm  bussen.  189.  Wann.  sie  nie  unzittlich.  193.  Vnd  nam  mich  baimlich  an  ir. 
195.  Hie  staut.  196.  Diser.  200.  trieber.  201.  irem  h.  zft  irem.  202  fehlt.  203.  Da 
m.  der]  ir.  206.  Wie  waistu  so  eben  m.  mftt.  207  f.  umgestellt.  207.  mein]  die. 

208.  danach  noch  2  Verse:  Stftt  sprach  hie  staut  mein  gespil  Diser  sag  sü  nit  Iftgnen  wil. 

209.  Vnd  antwnrt  hie  vor  gercht.  210.  sie  aber  aller.  211.  sie  lutzel  dar  vmb  v. 
216.  yemand  wider  k.  217.  Spricht  die  alt  f.  218.  wir  welliß.  219.  zwischen  in  ain. 
221.  Ich  hon  es  langest  zft  dem  rechten.  222.  w.  ye  besenhen.  224.  In  iungen  tagen  wil 
sie  in  machS.  225  — 230  felden;  dafür:  Die  kunigin  lieb  so  fraug  ich  dich  Die  rechte  warhait 
beschaid  mich.  231.  s.  frow  das  begint  m.  VtragS.  232.  vor]  deß  ersten.  233.  ye  h. 
234.  ich  mich  verston.  235.  zftspröchs  nit  benuge.  236.  ich  nit  hilff.  239.  siben. 
242.  w.  ryfier.  243.  sie  nit  komS  sye  sol  sie  m.  244.  Neslen  broma  d.  245.  Dise  u.  siben. 
246.  ich  yetz  zwar.  250.  so]  da.  251.  Das  su  v.  h.  252.  reden.  253.  Sie  bedarf!  1. 
kein.  254.  wärlich]  sicher.  256.  Die.  ich  sprich  ouch  also.  260.  fraw  fehlt.  261.  Disu. 

främd]  selten.  263.  ir  fehlt.  264.  dem]  im.  265.  hin  vnd  g.  266.  Sie  sach  ir  nit 
sie  mppfft  sy.  267  f.  umgestellt.  268.  Sie  s.  270.  Mag  d.  g.  knab  dar.  271.  Vnd  fehlt. 
272.  ye]  allzitt.  273.  W.  er  ir  hett.  274.  das  er  gen  ir  hab  g.  275.  Kain  vntnfr  by. 
276.  ye]  hie.  278.  sich  allzitt.  280.  deß  dick.  281.  vor]  da.  283.  Kent  er  mer  für 
oder  me  hie  by.  284.  Da  g.  ouch  vmb  das  r.  286.  disen  knaben.  288.  Er  s.  nain. 

gewem.  danach:  Vnd  hftb  uff  zft  der  selbü  frist  W&rlich  on  argen  list.  289.  huß. 
293.  ist]  haut.  297.  Stund  in  den  wald.  298.  Sie  k.  noch.  299.  Sie.  301.  Mines  hertzen 
weiß  hon  ich  genossen.  302.  Sie  sjßch  g.  dich  hant  billig  v’drossen.  303.  uffgehabü  zft  1. 
304.  Mich  dunckt  an  dir  dich.  305.  mirs]  mich.  306.  Lang  tftding  kan  niemant  kurtz 
sagen.  307.  da  fehlt.  308.  ward.  309.  da  ftMt.  311.  mir]  im.  312.  Sie  sjßch.  g.  deß 
ich  dich  bit  dz  t  313.  Sag  a.  rainen  w.  314.  es  fehU.  315.  Diß  liden  vnd  sin  nit. 
316.  Vnd  sich  ouch  nit  vermessin.  317.  Sie  hätte.  318.  in  mir  wär  vil  wesf  der  tod; 
darunter  ausgehr  atzt:  Brich  hertz  ich  brich  nit. 


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Nmnenverzeichnis. 


Absolon  3828. 

Achilles  3  843. 

Adam  1  895.  2  438.  3  323. 

Amor  10  233. 3i6. 333. 453. 737. 772. 

784.  848.  883. 

Aristotiles  3837. 

Artus  10  384.  sss.  1035. 1092. 

Beheim  639s. 

Biegen  6412.487. 
♦Bryttnnejßer  stm.  10 1035. 
Brdssen  (Land)  3253. 

Cnnrat  v.  Landescrone  6413. 

523. 

Cunrat  t.  Lfissenich  6  4ie.  so?. 
622. 

Cnnrat  ▼.  Winsperg  6  398. 434. 

David  3  323. 

Dietsch  6421. 

Eberhart  v.Stronburg  6409. 475. 
Engellant  10  378. 

Eschelbach  10  526. 

Falscheneck  12451. 

Flandern  12 104. 

Fleckenstein  6  400. 433. 
Florischantz  10385. 

Franfisos  stm.  IO480. 

Gardievjas  10 1172. 

Gerhart  v.  Biegen  6412.487. 
Gerhart  t.  Schafsperg  6420. 
537.  543. 


Gerhart  t.  Wacheim  6  414; 

Wachenheim  6482/'. 
Gantheim  6407. 

Hector  3345. 

Heinrich  y.  Fleckenstein  6  401. 
433. 

Hoffenhail  14409. 423. 

[  Hohenloch  6429.471. 


Yenover  10 1110. 

Jesse  8450. 

J&rg,  Sant  12795. 

[Johann]  y.  Beheim  6393. 
Johann  y.  Sponheim  6  394.  459. 

Key  10  207;  Kay  10 1095. 
Kyburg  lOiiso. 

Lack,  franw  vom  L.  IO1106. 
Landescrone  6  418.  sss. 
Lanselott  10 1109. 

Läcze  y.  Hohenloch  6  429  f. 

471. 

Lässenich  6  4ie ;  Lüsnich  6  so?. 
Otte  y.  Dietsch  6421.495. 

Paris  3345. 

Partzeyal  lOiioe. 

Piramns  3  349. 

Rewental  12975. 
romsch  a^.  10  729. 


Ryn  6388. 

Rüssen  (Land)  3  254. 

Solomon  3s3i. 

Samson  Ssss. 

Satomnß  13  iss. 

Schafsperg  6420.537.543. 
Schonottolander  10 1112. 1132. 
Schotte  stcm.  Schotte  6493. 
Schotten  (Land)  10  878. 
Sponheim  6  394. 459. 

Stronbnrg  6409. 

Sygnn  10  1113.  lies.  1174. 

Symon  y.  Güntheim  6  407. 475. 

Tristan  3343,  Tristrant  632, 
Tristant  675. 

Troillns  3  343. 

Trhwenstain  12537. 

Venns  5  84. 122.  iss.  i8s.  10  122. 

189.  327.  603.  543.  330.  390.  877 ; 

als  Stern  IO718;  Fenns  1282. 

812.  390.  378.  409.  435.  744.  748. 
792.  893.  989.  1098.  1104.  1193; 

Fennß  15  79. 

Virgilins  3339. 

Wacheim  6414;  Wachenheim 

6483. 

Wangkelstein  12449. 
yrelsch  (m^*.  1048a 
Wylhelm,  Sant  (v.  Orange) 
10 1121. 

.Winsperg  6398.434. 

Wolffram  y.  Eschelbach  10  534  f. 

Zipperlant  6497. 


Ysot  6  33. 75. 
Yspanien  3254. 


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Wortverzeichnis,  0 


abbet  gtm.  28«. 

*&beDthalben  adv.  15  C2. 
abewesen  stn.  {Nachtr.  S.  11) 
10983. 

ab^t  stn.  (m  ?)  2  iis. 
absolTieren  swv.  (Nachtr.  S.  12) 

2340- 

adfi  10  382. 
adelar  siom.  1 75. 

«adyocat  m.  2  346. 
affe  swm.  Affe  10  343;  Tor 
1  1786. 

after  praep.  8 10s. 
afterriawe  stf.  12  98. 804. 840. 
abtend  Zahlwort  1  iiea.  iseo. 
altgesprochen  pari.  a^j.  (Nach¬ 
träge  8.  19):  ein  a.  wort 

274. 

ambt  stn.  Amt  1  1046.  10  477. 

101t;  Messe  10487. 
ametiste  swm.  Isos. 
amle  swf.  IO1187,  aumey 
14460. 

amis  stm.  7346. 
anune  swf.  872. 
anehanc  stm.  11  ei. 

&nen  swv.  refl.  11 94. 

ange  adv.i  a.  tnon  mit  dat. 

8  94.  141. 

*angebnrt  stf  Abstammung 
10728. 

angel  subst.:  der  minnen  a. 
10  696. 


angeuomen  pari.  adj.  ange¬ 
maßt  1  1181. 

anger  stm.:  mtner  vrenden  a. 
8  82. 

ansihtec  adj.:  a.  werden  mit 
acc.  15 19. 

antwirt  stn.  (f  F)  Antwort  3  298. 
4i&o;  Verteidigung  1  sie.  343. 
1017;  antwürte  8272.  1468. 
antwirten  swv.  1 149.  ie90.  4 102. 
arcw&n  stm.  1 1418  u.  ö.  3  ao4. 
219.  4  79. 188.  136;  arger  w. 
böser  Sinn  12897. 
annan  stm.  2368. 
arzente  stf.  10  944. 

«atichstein  stm.:  der  €ren  a. 

6466. 

Ayentiiir(e)  stf. :  personif.  yrou 
Ä.  Abenteuerlust  1  419.  760 
«.  ö.  10  61.  93  u.  ö. 

b&bst  stm.  2  86. 609. 
bader  stm.  10  686. 
balsamyaz  stn.  846. 
bar  adj- :  schänden  b.  7  96 ; 
yrenden  b.  8678;  wandeis 
b.  13 10. 
bterde  stf  136. 
bedagen  stw.  (Nachtr.  8.  47) 
11  237. 

bedenken  sw. :  sich  b.  mit  gen. 

(acc.?)  4  807. 
bedranc  stm.  10  399. 


begesten  swv.  8462. 
begim  suw.:  part.  begirt  mit 
Begier  erfüllt  5362. 
behaben  swv.  588. 
beheften  swv.:  part.  bebaft 

6466. 

beholfen  part.  adj.  (Nachtr. 

8.  52)  13  865.  14  279. 
behtteten  suw.  verhüten  8480. 
behttllen  swv.  812. 
beiten  swv.  2  78.  5  i6S.  6 16. 
bekleiben  swv. :  mit  £ren  leime 

b.  6426. 

bekliben  stv.  5369.  6302. 
bekomen  stv.  mit  gen.  d.  suche 
2  169. 

bekom  swv.  mit  gen.  8332. 
beiden  swv.  66I8. 
beligen  stv.  liegen  bleiben  5 111. 
belbnen  swv.  mit  gen.  der 
Sache  IO1168. 
belzwerc  stn.  7879. 
benamen  swv.  15  8ii. 
bengel  stm. :  eines  marschalkes 
b.  10669. 

benoeten  swv.  10  9i. 

*berihtec  adj.:  besihtec  und 
b.  10  870. 

berle  stf.  1 777. 890. 
bem  swv. :  fliegen  wirt  gebert 
5  834 ;  *sich  in  j&mer  b.  5 100. 
besachen  swv.  1  767. 890.  2  439 ; 
mit  daz-iSats  3i90. 


*)  Mit  *  beseichnete  Wörter  fehlen  bei  Lexer.  Ein  (vron)  vor  den  Personifikationen 
bedeutet,  daß  diese  bald  mit,  bald  ohne  vorgesetstes  vron  Vorkommen.  Nachtr.  =  Lexers  Nachträge. 


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174 


Wortveneich  nis. 


besarken  swv.  10 1177. 
beschalken  swv.  10  i24h. 
Bescheidenheit  stf.x  personif. 

modestia  8 179. 470. 470. 
beschnocben  swv.  Ozsi. 
besez  stn.  (m  F)  10  436 ;  des 
meien  b.  I2&10. 
besingen  ßr  singen  14 14. 
beslahen  stv.  2&i7. 
besprsejen  swv. :  praet.  bespräte 
824. 

besteten  swv.  in  eine  Stelle 
einsetzen  2so7. 

betagen  stov.:  her  b.  hierher 
ßhren  10  328;  11 237  ist  wohl 
bedagen  ru  lesen. 
betibten  siw.  1 740.  1 

betonben  swv.  6 132.  i 

betriegen  stv. :  triuwe  b.  (?) 

11  258. 

bev&hen  stv.  3461. 
bevesten  swv.  bestätigen  2339. 
beviln  stcv.  unpers.  mit  gen. 
d.  Sache  5324. 

bewseren  swv.  beweisen:  part.  \ 
bewseret  7  466. 
bewsernOsse  stf.  7466. 
bewegen  stv.:  sich  trbrens  b. 

920. 

bezthen  stv.  959. 

♦biec  stm.  (:  kriec)  =  bäc 
Zank  7  448. 

biegen  stv.  *absolut  s=  sich 

b.  6  584. 

bilde  *8tf.  =  bildnnge?  547. 
bischof  stm.  286.509. 
bisem  stm.  10 1254. 
biten  stv.  3  379.  4 170.  14  iss. 
bitten  stv.  *mit  doppeltem  acc. 

■  1  1600.  1723.  2  572.  4  8. 
blwesen  stn.  1  1657.  10  970. 
blfisen  stv.:  bf  b.  anfangen 
zu  blasen  10  571. 
blävnoz  stm.  1 74. 
blecken  swv.:  b.  sehen  1 124. 
blöz  adj. :  vreuden  b.  8  87.  Os; 

Wandels  b.  958. 
bonmgarte  swm.  1443. 
bracke  swm.  10 1170. 1172. 
braht  stm. :  mit  zornes  b.  7 136. 


breche  svm.  Gebrechen  12  506. 
brechen  stv.  mit  an  1  io67.  4  9. 
brehen  stn.  12  73.  13  159. 
brengen  an.  v.  bringen  7  i9. 
bmnne  sum. :  gen.  sg.  st.  12  4 ; 

der  minne  b.  lOioso. 
brünstiich  (bmnschlich)  adj.: 

b.  als  ein  ztinder  1221. 
bäezen  swv.:  b.  nnd  wandeln 
1  372 ;  den  strit  b.  3  446 ; 
den  schfich  b.  9  78. 
buoz  stm.:  mir  wirt  b.  mit 
gen.  5  92. 370.  9  44.  i76. 
busftne  swf.:  gen.  plur.  bo- 
snmen  5  us. 
bUtel  stm.  2  344. 

C-  siehe  k*. 

danc  stm.:  &ne  minen  (sinen) 
d.  93.  7  436. 

dtamant  (demant)  stm.  1 8i9. 
dieben  stcv.:  ’^abe  d.  stehlen 
1  1400. 

Diemüetecheit  stf.  personif. 

13  469. 

I 

Diemnot  stf.  personif.  8  4.s2. 
dieplicbe  adv.  IO7S6. 
dingen  swv.  mit  dat.  1 316. 

12  529. 601 ;  einen  an  d.  12  524. 
diune  adv.  6  45.  7  63. 143. 
dtnsen  stv.  7413. 
discantieren  swv.  1  &i. 
di.spataz  f.  10  991. 
diuhen  (danhen)  stn.  vom 
Fließen  der  Waldbäche  {?) 

1  84. 

dinte  stf.:  ze  d.  745. 
doln  swv.  9  98. 

don  stf.:  in  der  d.  halten 
bildlich  6 169. 
donerblic  stm.  882. 
donerstr&Ie  stf.  6 153. 
drien  swv.  1082?;  sich  d.  1 1137. 
drithalp  adj. :  bf  d.  naht  13  5S5. 
drbch  stm.  7  382. 

"■durcherlbcht  part.  adj.  10  403. 
dnrchflörieren  strt'.  13 106. 
dürfen  an.  v.  mit  gen.:  be~ 
dürfen  1 173.  8668.  11  236. 


A  stf.  Bibel  10835. 

Edele  stf.:  personif.  vron  E. 
2  422.  427.  480 ;  Statt  dssscn 
Adel  2  137.  656. 
ebenlich  adj.  6 129. 

♦egesvar  adj.  7  e. 
eht  acht  8123. 
eib!  interj.  9  50  63. 115. 
eiden  swv.  889. 
einhalp  adv.  5  150. 
eintrehtec  ajj.  10654. 
elas!  interj.  10 1171. 

’^empfeten  ßtr  impfeten  sirr. 

6  366. 

engelschlich  adj.:  daz  e.  her 
1  1749. 

engenzen  swv.  11  so. 
engesten  swv.:  sich  e.  gegen 
einem  12  78. 
enphengen  strr.  8444. 
enphloehen  swv.:  daz  ist  minen 
sinnen  enphloht  das  liegt 
mir  fern  10 1216. 
enthalten  stv.  warten  7  is. 
entreden  stcv.  7 176. 215.  8  676. 
entrihten  swv.  3417.  4  91. 
entsn deren  swv.:  sich  schänden 
e.  8527. 

cntwem  swv. :  der  sielden  ent¬ 
wert  599. 
enzücken  stcv.  68. 
erarnen  swv.  7 106.  10  ii67. 
erheizen  swv.  6  36. 
erbeigen  stv.:  einem  erbolgen 
sin  6 140. 

erbillen  stcv.  7476. 
erbriezen  stv.  8  so. 

Ere  swf.:  personif.  (vron)  E. 
1  314.  855  U.  Ö.  2  138.  260.  287. 
12  430.  13  287.  331.  474.  15  72. 
136.  137. 

^‘ergetzesal  (?)  Ergötzung  7  349 
Anm. 

erheben  stv.  refl.:  part.  er¬ 
haben  (:  draben)  6  373. 
erkecken  swv.  inirans. 

( :  stecken )  10  87i ;  daz 

herze  erkeckt  (:  streckt) 
10  952;  vielleicht  auch  für 
13 160  anzusetzen. 


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Wortverzeichni ». 


175 


erklaffen  awv. :  sich  e.  (Nachtr.  | 
S.  157)  7  70. 

erklseren  strr.:  in  erklsertem 
schin  10871. 
erklieben  stv.  1483. 
erkoberen  swv.  109i2. 
erkorn  stov.  15  70. 
erlaben  stov.  587. 
ennelin  stn.  257;  arnienlin 
12  666. 

ernsten  stn.  10 1268. 
erschricken  swv.  11 140. 
jrst:  aller  €.  1  1452.  Ilse; 
von  a.  £.  15  les ;  ’^b!  L 12  487. 

14  soe ;  des  Ersten  9  i87  u.  ö. 
♦erswem  stv.  schwören  12  817. 
ervöllen  swv.  mit  gen.  8ii. 
erwahsen  stv.  bildlich  10299. 
erwinden  stv.  10 1309. 
erzeigen  swv.  refl.  sich  etwas 
merken  lassen  14  les.  i9i. 
esse  stf.'.  der  £ren  e.  8449. 

f-  siehe  T-. 

galander  m.  14 16. 
garwe  adv.  766. 
gate  swm.'.  aller  tilgende  g. 

8406. 

ge-  fMt  im  pari.  perf. :  bräht 
1  181.  601  14.  ö.,  fanden  1699. 
1206.  9 163. 14  79,  geben  2  491, 
klaget  2382,  komen  12  465. 

14  139.  277,  machet  12  639, 
^tragen  14839,  troffen  6i63. 
1493,  zogen  1446,  ^zwangen 
1 1267 ;  vgl.  auch  1 698.  964. 1601. 
gebletze  stn.  7  369. 

♦gebrite  coU.  eu  bret  Bretter¬ 
gerüst?  10636. 

^gebrilmme  stn.  8282. 
gebär  stm.  2i06. 
gedanc  stm. :  plur.  gedenke  97. 
gedeckede  stn.  {Nachtr.  S.  178) 

1  669. 

*gedenk-an-mich  Blume  12 10. 
*gedenkic  adj.  eingedenk  9 11. 
gedlheu  stv.x  pari,  gedigen 
mit  in  6290;  mit  ze  6242. 
gedinge  stn.  Versprechen  2  642 ; 


swm.  Hoffnung  11 30,  mit  g. 
25;  13  129.  613  und  14  74 
kann  auch  das  folg,  ge¬ 
meint  sein. 

gedingen  stn.  12 122. 416. 467. 
Gednlt  stf.  personif.  8  483. 
gegCn  {?)  stv.  8  242. 
gehaben  swv.:  sich  wol  (baz) 
g.  8  166.  212. 

geheim  stf.  1 1649  u.  ö.  4  34 ; 

*m.  14281;  in  g,  lii89.  lOsso. 
geheize  stn.  Versprechen  1 555. 
gehelfe  svm.  8598. 
geherze  adj.  beherzt  lOsoo. 
geboehen  swv.  5361. 
gehOme  stn.  Geweih  lOsoo. 
geilen  swv.  refl.  1 698.  10  786. 
Geistlichkeit  stf.:  personif. 
vron  G.  2  484.  56i ;  dafür 
Geistlich  L6re  2666. 
^gelsezic  adj.:  ritters  art  g. 
10  1138. 

geleben  swv.  erleben  2  689. 8  iss ; 

der  vreise  g.  Überleben  8  iso. 
gelfen  stv.  1 34. 
gelihen  stv.  I&43. 
gelimpf  stm.  gutes  Benehmen 
10 1143 ;  mit  g.  1 240 ;  Becht 
2  187. 

gelimpfen  stn. :  ez  h&t  gnot  g. 

es  schickt  sich  1399. 
gelUckhaft  adj.  {Nachtr.  S.  189) 
8393. 

gelttckrat  stn.  IO1082. 
gelUppe  stn. :  leides  g.  8 112. 
gelnste  swm.  4  loe. 
gemselde  stn.  10  26. 87. 
gemelich  adj.  14314. 
genseme  a^f.  2  m. 
genge  ac^j.:  g.  was  ir  Worte 
phlnoc  6  292. 

'*'geracb  subst.  61^;  s.dieAnm. 
germte  stn. :  g.  tnon  7  60 ;  äne 
g.  ohne  Ausrüstung  7  186. 
gerabte :  ez  g.  es  geschah  7  76 ; 

ez  ist  gerachet  7  260 ;  praes.  ? 
Gerehtikeit  stf. :  personif. 

(vroa)  G.  2  1S8.  326.  8  149.  396- 
gereit  adj.  mit  dat.  8260. 
geschaffen  stv.  3  324. 


gescheiden  stv. :  gescheidet 
mich  der  vr&ge  1 163. 
geselleschaft  stf.  6  96.  isi  u.  ö. 

7  69 ;  =  geselle  10  359. 
gesigen  swv.:  an  einem  g.  Ssis; 

einem  an  g.  263.  11  122. 
*gesnetze  (gesneptze)  stn.  7  3co ; 
vgl.  JJl1''b.  IV  1,  2,  3950 
unter  geschnatzig. 
gestemphen  swv.  6365. 
gesten  siov.:  sich  rreuden  g. 
9  220. 

gester  adv.  8116. 
gestiielde  (gestalt)  stn.  10&36. 
gestUppe  stn.  8111. 
geswester  f:  selp  zehende  g. 

8  115. 

geswinden  stv.  unpers.  mit  dat. 
5  108.  162.  8  18. 

getriegen  stv.  {Nachtr.  S.  204) 

444. 

getorren  an.  v.  3  173.  7 148. 

8  272  u.  ö. 

getwanc  stn.  5  los. 
^geungebildet  part.  adj.  9  163. 
gevähen  stv.:  maot  g.  14209. 
gevserde  stfn.:  mit  gerserden 
444;  &ne  g.  136. 
gevsere  stfn.:  in  g.  13384;  mit 

g.  8  640. 

gevazzen  swv. :  üz  g.  6  190. 
geyreischen  stv.  6  236. 
gevromen  swv.  mit  dat.  Ics?. 
gevramen  siov.  mit  dat.  und 
acc.  93. 

geyttereu  swv. :  ez  hin  g.  bild¬ 
lich  8610. 

gewsere  adj.:  edel  and  g. 6209. 
gewarn  swv.  mit  gen.  7  439. 
geweinen  swv.  1 184. 
gewelde  stn.  10  64. 69. 
gewilde  stn.  1  39.  91 ;  dafür 
wilt  sin.  366. 

♦gewinne  swm.  7418. 
gewinnec  adj.  gewinnsüchtig 
8270. 

gewinnen  stv. :  sw.  prät.  ♦ge- 
wnnde  1576. 

gewischen  swv.:  hin  g.  ent¬ 
wischen  7  396. 


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UNIVERSITY  OF  CALIFORNIA 


176 


Woriver zeichnt s. 


*geze]trimen  etm.  Zeltspruch 

1899. 

gezrmge  strt.  10640. 
gimme  stf.  10  443. 
ginnen  stv.i  sw.  praet.  ich 
gnnde  1294. 

ginden  swv.  2  93.  4  48.  7 166 ; 

genden  (:  vreuden)  8 143. 
glever  stm.  (gleffer  :  cleffer) 
7  358. 

gl6rieren  stov.  10640. 
goltvar  adj.  8197. 
gonch  stm.  6530.  7  431. 
gonkelsere  8(m.  2407. 
gr&l  stm.  1  738.  790. 
gnenen  swv.  bildlich  8495. 
grinliche  adv.  2  s.  897. 
groezen  swv.  10  411. 
grüsamlich  a^.  10 1095. 

Qttete  stf.:  personif.  vron  G. 
(G5t)  1  397.  764  u.  ö.;  stcf. 
1  911. 

gUeten  swv.  8479. 
gnott&t  stf.  13499. 

babe  stf.  Hafen  7  28. 
habich  stm.  1 75. 
hagel  stm.:  ir  sit  der  manne 
hal  (:  zal)  7  178. 
hagen  swv.  1633. 
halt  adv.  11 174. 
halten  stv. :  refi.  mit  gen.  fest- 
halten  an  etwas  10996;  inne 
b.  tntr.  sich  halten  10 1983. 
bantwerc  stn.  7  982. 299. 
«hamaachzelle  f.  10688. 
base  stm.  15 18. 99. 
beiden  stm.  6497. 
beidenlant  stn.  8266. 
heil  alle!  interj.  610. 
hellen  stv.:  b.  in  zustimmen 
10 1296;  geliche  h.  6 sei. 
heller  stm.  lOio&o. 
binde  swf.  1 77. 
hin  stm.  1  77. 
binre  adv.  548.  1062. 
hof  stm.  Tumierhof  8  959. 
hofieren  swv.  2  494 ;  bnolen 
und  h.  2636;  dienen  nnd  h. 
mit  dat.  2  m. 


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hoehen  strv.  refL  5342. 
holzhalp  adv.  15 16. 
honecseim  stm.  8  76;  der 
tngende  h.  6408;  *n.  10879. 
borden  siov.:  stsete  (acc.)  h. 
8423. 

hoeren  swv.  abs.  horchen  1  los; 
mit  gen.  7 104 ;  auf  hören 
2480;  h.  zno  gehören  8905. 
hovegesinde  stn.  1 410. 10363. 368. 
hoven  swv.  13  71. 
hovewise  stf.  10 1. 
hUgen  swv.  mit  zno  8994. 
holden  stw. :  der  sorgen  brach 
ich  holde  ich  huldige  dem 
Gebrechen  der  Sorge  8 100. 

le  —  ieje  —  desto  2683.  Sxaff. 
u.  ö. 

iht  stn.  5936.  6 162.  1084i; 
ichts  10964;  it  4i4i;  adv. 
acc.  etwa  1667.  10 1149;  für 
nibt  im  daz  -  Satz  1 332. 1812. 
8219.433.  13820. 
inneclichen  adv.  1 665  u.  ö. 
irdisch  a^f.:  daz  i.  paradis 
1  662. 

iole  swf.  101246. 

Jämer  stn.  5 101. 
j&merqo&l  *sim.  2  601 ;  rgl. 
qo&l. 

jar&!  (yeia  iera)  tnfety.  610. 
j&r  stn.:  ze  j&re  3&oi. 
jehen  stv.  häufig]  mit  dat 
und  daz -5ats  =  nachsagen 
8  383. 

joch  conj.  und  auch  926; 

swie  j.  wenn  auch  9 133. 
jode  stm.:  der  joden  sooch 
12760  Anm.]  der  j.  spii 
Wucher  2477. 
joriste  stm.  2346. 

kalben  swv.  närrisch  sein? 
2  379. 

calcedönios  tn.  1 827. 
kallen  stn.  1 468.  4 116. 
kamertür  stf.  {Nachtr.  S.  26.')) 
10 199a 


*kantor  stm.  IO481. 
karcheit  stf.  1 1109  u.  ö. 
kardinfil  stm.  2  86.609. 
karfonkelstein  stm.  10  339. 
kestigen  stov.  7  897. 
kibelen  stov.  8210. 
kiel  stm.  567. 

kiesen  stv.  wahmehmen  9  57; 

erwählen  14i69. 
kindespil  stn.  7246. 
kirchof  stm.  6 147. 
klaffen  stov.  verraten  1 1129 
t4.  ö.,  stn.  8369.  433.  5si4; 
sprechen  6  117.  7  iss  u.  ö. 
klaffer  stm.  1 1321  u.  ö.  8  246 ; 
cleffer  7  367. 

klam  stm.:  der  sorgen  k.  8  71. 
klobe  stm.  6160;  der  minne 
k.  6474. 

kifise  swf.:  in  angest  klfisen 

8  176. 

kocke  stm.  7  34. 
kogel  swf.  7  69. 

*complexion  f.  IO716. 
conyent  (covent)  stm.  8s60. 
kör  stm.  7  293 ;  der  engel  k. 
101282. 

kösen  stov.:  kibelen  ond  k. 
8210. 

köt  stn.  2  60. 
cröatfire  stf.  876.  13987. 
"■kresmer  (krefiner)  stm.:  eines 
k.8  stap  11278.  Vgl.  chris- 
mer  Bischof  Schweiz.  Idiot. 
3,  856. 

krte  stm.  6494. 
kristal  stm.  1  893. 
kristenlsuit  stn.  8963. 
kriotel  stn.  18si9. 

*kroch  stm. :  einen  k.  gön  8  242. 
kramp  a^f.  Gegens.  zu  sieht 

8644. 

kttbel  stm.  10628. 
komp&nte  stf.  10  883. 
konft  stf.  6481. 

Konst  stf.  personif.  2  666. 
künstle  adj.  2336. 
konterfeit  stn.:  äne  k.  8336. 
kttrsen  stf.  geringschätzig  be¬ 
urteilt  5  944.  269. 


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-  UNIVERSITY  OF  CALIFORNIA 


Wort  Verzeichnis. 


177 


knizwilen  (kartzwill)  adv.  | 
dai.  13  ISO-  > 

kässln  stn.  7  se.  ! 

I 

*lacli  adj.  6 141;  s.  die  Anm. 
lache  stf.  Tss. 

lachellche  (l^chenlich)  adv. 

6  146. 

Ifige  stf.'.  der  minne  1.  Gssi. 
l&r  stf.  =  l£re:  der  vrenden 
1.  Gdiebter  6  i&e. 
läsdre  stf.  ISsos. 
laz  aÖQ.'.  comp.  "'lezzerO  beaeer) 
6sse. 

läsen  stv. :  sich  1.  üf  stcA  ver¬ 
lassen  auf  8  217 ;  ein  kint  1. 
hinterlassen  8  206. 
legten  swv.'.  swsere  arbeit  hin 
1.  mit  dat.  Kummer  ver-  | 

treiben  8546.  ; 

! 

leichen  swv.  betrügen  10 1242.  | 

12  783;  starkes  pari,  ge¬ 
leichen  12788. 
leidecliche  adv.  13 173. 
^leidesmort  stmn.  843. 
leidic  adj.  böse  2264;  betrüb¬ 
lich  14447. 

leidunge  stf:  1.  h&n  134oe. 
leitvertrip  stmn.  6434. 
lenden  stev. :  1.  in  10 1004 ;  zuo 
1.  1044. 

lerche  *stf.  14 17. 
lären  swv.  lernen  8472. 
letzen  suw.  mit  an  12  704; 
mit  mit  12373. 

Liebe  stf.  und  svof:  personif. 
(vron)  L.  1  298.  esi.  337  i4.  ö. 

2  6.  7  14.  Ö.  11  179.  185.  297. 

12  429.489.733.  15  75.200. 
lihen  stv.  Ämter  verleihen  2507. 
lilje  sw.  {nom.  plur.  lilien  : 

vertilgen)  8464. 
linde  adj-  1  isss. 

lite  SWf.  1657.  14 11.  31. 
litter  littera  8398. 
loterholz  stn.  12805. 
lonfen  stv. :  pari,  geloffen 
(:  getroffen)  14  94. 

Inoder  stn.  1 674.  9 185. 199. 197. 
Inogen  swv.  13 184 ;  mit  ftf  3  273. 

U9ai>cbe  Texte  cloi«  MittelnUerfl. 


Ittemen  (lömen)  siov.  6 168. 
Ihre  f.  Nachwein  8248. 

Ifistem  swv.  mit  n&ch  6116. 
7  81. 

lüterkeit  stf.  13  507. 

machen  swv.  *absolut  =  eich 
machen  entstehen  3462;  rieh, 
arm  machen  ==  werden 

3468.  469. 

Manheit  stf:  personif.  (vron) 
H.  8  259.  278  tt.  ö. 
markls  stm.  10 1121. 
marschalc  stm.  10  559. 
martel  stf. :  an  m.  geben  7  428- 
marterer  stm.  1  212. 
massenie  stf.  6423.  10  498. 
m&ze  stf:  in  der  m.  5 111; 
personif.  (vron)  M.  8 156. 
158  U.Ö.  12431.496.791.  13305. 
m&zen  swv.:  sich  der  klage 
m.  enthedten  15  206. 
m6  adv.:  nnd  des  m.  u.  s.  w. 
10  1200. 

meie  sum.:  gen.  *st.  meies 
12610,  sonst  sw. 
meil  stn.  &ne  al  m.  13487. 
mein  adj.:  meiner  eit  8s88. 
meine  stf:  in  solcher  m.  stän 
7  228. 

melde  stf.  6297. 
melm  stm.  10  750. 
menen  siov.  6293. 
mensch  stn.  13215. 
merker  stm.  1 1506.  4  sio. 

Milte  swf  personif.  8511. 
Miltekeit  stf.  personif.  8198.490. 
Minne  stf.  rmd  swf:  personif. 
(vron)  M.  2 154.  5i.  8240u.ö. 
10  46  U.  Ö.  11  217  u.  ö.  12  131 
U.  Ö.  13  74  14.  Ö.  14  70  u.  ö. 
15  45 14.  ö.;  vron  die  M.  10986. 
minner  stm.  1 1216. 1439. 
minner  comp.  adv.  1  80.  1433. 

4219. 

minnem  swv.:  sinh  m.  1 1237. 

1241. 

minst  sup.:  znom  minstenliosi. 
«missehrfich  stm.  10  804.  lois. 
^mitehandel  strn.  1 1548. 

XXIV. 


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'  mittel  stn.:  äne  m.  IO729. 
mitten  adv.:  ie  m.  9  7. 
morgenstem  stm.  I789.  6273. 
moerinne  stf.  3s83. 
mort  stn.  11 152. 333;  m.  7 195. 
mortlich  adj.:  daz  m.  zil  der 
Tod  10  726. 

miien  swv.  6  232 ;  mttewen  8  4is. 
müge  stf. :  n&ch  dlner  m.  8  501. 
inngent  stf:  n&ch  (dlner)  m. 

8  330.  580. 

murmeln  swv.  7  78. 

mfisic  stf.  10  479;  müsica  l63. 

242. 

n&cbbdrinne  stf.  (Nachlr. 

S.  326)  1  764.  2  263. 
n&cbgebdr  stm.  8604. 
n&he  adv.  beinahe  5 196. 
u&hent  adv.:  nahe  1 131.  768. 

1  3  82 ;  beinahe  1 119  u.  ö.  2211. 

;  280.  11  128. 

'  nabtegal  f.  14 15. 

!  namelicbe  adv.  12  728. 

narre  swm.:  der  narren  phat 
treten  2s64;  der  n.  znnft 
10  806. 

natüre  swf.  6220.  7i73.  84oe.46i. 
Nit  *f  personif  8  eoo.  6I6. 
nieman:  erstarrter  gen.  nie- 
mans  als  dat.  1 1172. 
nieten  swv.:  sich  leides  n.9268; 

sich  arbeit  n.  10  202. 
nlgen  stv.  mit  dat.  8266. 

I  niht  stn.:  ’^naintz  12378. 1343o; 
^nitz  11  288;  zuo  niede 
(:  schiede)  werden  8  487. 
nochdan  adv.  7 154. 
norme  sif.  65. 

not  stf:  ez  tnot  n.  mit  gen. 

2312.  3435. 

ncete  adv.  ungern  7  S66. 
nntznnge  stf  10 1032. 

ober  subst.  adj.  Vorgesetzter 
106.. 

*offenbserigen  swv.  7  369. 

Orden  stm.:  1)  Regel:  der 
lieben  0.  1 1559;  der  minne 
0. 1 1042  tt.  ö.;  2)  Stand:  der 

12 


Original  from 

UNIVERSITY  OF  CALIFORNIA 


178 


Wortverzeichnis. 


lieben  o.  Sssö;  der  minne 
0.  5 1. 6  812 ;  mUnches  o.  7 144 ; 
ritten  0.  8424. 10ioe9. 1279?; 
der  riuwer  o.  87$;  3)  Reihen¬ 
folge  1  846. 

org^uiste  sum.  10488. 

Orient  stm. :  von  d.  1  799. 
örlei  stn.  1 1249. 
ort  stn.  Ecke  13  683 ;  des  Schil¬ 
des  0.  oberer  Rand  10 197. 
öngen  siov.  7  256.  8  96 ;  sich  ö. 

8627. 

ouwe  (owe,  öwe)  swf.  1  wsi.  8H2. 

2  262.  8  210  U.  Ö. 

palas  stn.  8  363. 
paradis  stn.  1  662. 

Parlament  stn.  8369. 
parte:  mit  parten  wider  par- 
ten  10  600. 

partiec  adj.  parteiisch  10 1010. 
passion&l  stn.  10  isoi. 
pavelän  stn.:  palun  627,  pa- 
flyon  IO262;  panlen  13i77(.?). 
Phenninc  stm.  personif.  26. 
8  u.  ö. 

phi !  interj.  6  87 ;  phldich !  1 1796. 
13  172. 

phife  swf.  5 142. 

phiegen  stv.:  mit  gen.  oft; 

part.  gepflegen  9243.  11 277. 
phliht  stf.:  p.  haben  mit 
11  198. 

phlihten  swv.  6374. 
phrttende  stf.  7  293. 
phnlwe  swm.  6  69.  7  66. 
pilgertn  stm.  7  296. 
pinigen  stov.  7  401. 
pl&ndte  siom.  13 16I. 
plate  swf.  zum  Schutz  der 
Brust  8429;  Tonsur  2639. 
7  896. 

plippen-plap  6124. 
pödte  Stern.  101212. 
prdsent  stf.  10  901. 
präsentieren  swv.  10647. 
privileie  (brieffeleye)  stn.  IO199. 
*'procnrator  stm.  2346. 
prorinci&l  m.  286. 
püke  (backe)  swf.  5 142. 


pftren  swv.  8449.  | 

purpnr  stm.  1 778. 

qn&l  *stm.  1 1199. 

rabe  swm.  als  Sinnbild  des 
unedlen,  prahlerischen  Min- 
ners  (Gegens.  valke)  5  290i«.ö. 
rachen  swv.  =  recken :  r.  gegen 
eilen  nach  7  448. 
r&m  stm.  Schmutz  büdl.  1 1679. 
ram  stmf.:  pl.  rseme  Bereich 
8433. 

raspen  sxov.  823. 

r&t  stm.:  ez  wirt  r.  mit  gen. 

1  96.  9  246.  12  60. 
redelds  adg.  1  140. 496. 
reden  stev. :  einem  r.  jemandes 
Klage  Vorbringen  12630. 
regieren  swv.  235.  I 

regiment  n.  (Nachtr.  S.  346) 

10  1002. 

reht  stn.:  daz  r.  besitzen  Ge¬ 
richt  halten  12  486 ;  d.  r. 
nemen  828;  einem  r.  gan 
{widerfahren)  läzen  457.  678; 
in  (daz)  r.  st&n  468.  662 ;  zuo 
r.  sprechen  732.  778,  geben 
790;  einen  zno  r.  bringen 

I  416.  468. 

:  rehte  swn. :  Gericht  2  337. 
12577;  in  daz  rehten  {zum 
Urteil)  körnen  12  706;  yon 
dem  r.  läzen  die  Klage  zu¬ 
rückziehen  15  206;  des  r.  vr&- 
gen  12  686  u.  ö. ;  zno  dem 
r.  1  336.  881. 

rehttac  stm. :  einen  r.  be¬ 
scheiden  12440. 
reigel  stm.  1 667.  5  321  u.  ö. 
rein  stm.  7  66. 
reizen  swv.  1 6*0.  10 1127. 
ric  stm. :  des  vezzels  r.  10 1228. 
richeliche  adv.  11 7t. 
richsenen  swv.  13 128. 
riffi&n  stm.  IO1186. 
rihtnnge  stf.  Versöhnung  4 180. 
rilich  adj.  5 141. 

*rimen  m.  für  rim  1  894  u.  ö. 
rinclichen  adv.  1 1637. 


I  ringe  adj.:  r.  machen  1  1469; 
adv.  r.  wegen  1 910.  11 121. 
12  188. 

ringem  swv.  1 1786. 
ritterkleit  stn.  8427. 
rinten  svsv.:  allen  bresten  r. 

8460. 

rinwer  stm.:  der  r.  orden  8  7»; 

in  r.  w&t  2485. 
rost  stm.  1  1860. 
rotte  swf.  5 146. 
mbtn  stm.  11 214,  robin  I799. 
10  443. 

mofen  strv.  1 99.  2 192. 
moft  stm. :  ez  was  in  der 
werlte  r.  es  toar  allgemein 
bekannt  7  286. 

mowe  (rdge)  stf.  10  23  u.  ö. 

I  Sache  stf. :  &ne  s.  ohne  Grund 
1  1381.  1638. 

Sachen  swv.  338. 
sacrament  stn.  26i8. 619. 
sacromentliche  adv.  10836. 
sage  stf.  1  890.  663.  2  860  U.  ci. 
10  490  u.  ö. ;  bis  auf  8  2u 
stets  als  sag. 

Sselde  stf.:  personif.  yron  S. 

10  741 ;  StO.  15  89.  192. 
sam  adv.:  sammir  Qot  86O1; 

8.  Qotes  minne  6453. 
samit  stm.  I778.  7  41.  10  537. 
13  18. 

Saphir  stm.  1 804. 
schabab  sur  Abweisung  des 
Liebhabers  12 186 ;  als  Name 
1  30. 

schalten  st«.:  s.  und  wenden 
trans.  2  806;  yon  hinnen  s. 
tntrans.  IO12S4. 

Scham  f.:  personif.  (yron)  S. 
I406U.  d.  8 178. 463.  12  431  «.Ö. 
13  887  14.  Ö. 

schanz  stf. :  yon  rehter  s.  7 161. 
schar  stf.  Ehigelssehar  966. 
Scharlach  stn.  10  433.  1326. 
schelmic  a^.:  ein  schelmigez 
rint  5300. 

schemelich  a^.  1 1886. 
schemeliche  adv.  1 1441. 


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UNIVERSITY  OF  CALIFORNIA 


W Ortverzeichnis. 


179 


schepher  stm.  2619-  IOkxm. 
schicken  swv.  bewirken  Sm 
u.  ö.;  sich  9.  sich  ereignen 
5  51 ;  B.  8.  Kuo  sich  auf- 
machen  zu  10  435. 
schiffeiin  stn.  5  iso. 
schimphen  suw.  1340;  stn.  10 
1268;  schompfen  stn.  14325. 
schip  stm.:  hoher  sselden  s. 
10  1130. 

8chlren(.^  suw.  10  548. 
scholdem  stn.  2i30. 
schoene  stf.  11 20$. 
schöz  stmn.  Teü  der  Rüstung 

8429. 

schrate  stcm.  12s3i. 

Schranne  (schrftnd)  stf.  1  sss. 
schianz  stm.  7  204. 
schdbe  *8tf.  10  440. 
schnole  stf. :  der  minne  s.  I1777. 

13  75. 557 ;  vronwen  s.  7  S35. 
schnolsac  stm. :  in  schaolsackes 
(Knaben?)  kleit  10 1107. 
sedelhaft  adj.  7 143. 
seitenspil  stn.  5 145. 
senfte  (ssfft)  stf.  Idsii. 
s^re  stf.  2879.  7i9o. 
sider  adv.  10  nie.  14  les. 
eigen  swv.:  ^einem  an  s.  1 1174. 
eigen  stv. :  ze  der  erden  s.  8 19. 
sinne  sum.  1 1001. 
sinwel  adj.  13  sei.  863. 
sippeteil  stn.  8251. 
site  stm.:  s.  nemen  mit  refl. 
dat.  sich  mäßigen  14s87;  ent- 
steUte  Imperative  12258.559. 
sin&e  sum.  9861. 

8l&  stf.  6886. 
slihte  stf.  büdUth  8044. 
«smseheln  stn.,  intens,  zu 
smsehen  2406. 
smarac  stm.  1816. 
smitzen  suw.  lOsio. 
smflcken  suw.:  sich  s.  79a;  s. 
nider  s.  7  406. 

*zneitsen  suw.:  abe  s.  für 
abe  sneiten  10 18. 
snelle  stf.  6451. 
soeben  stör.:  ez  socht  (sücht) 
mich  986. 


'  sol  swf.  (sal :  al)  7  406. 

Bolt  stm.:  der  lieben  s.  liies; 

der  minne  s.  6255. 
sonm  stm.:  der  leste  s.  568. 
spam  suw.:  einem  den  bandel 
(Verhandlung)  s.  1  370. 
spatzieren  swv.  1085.  123. 
sperren  suw.  (part.  gespirt): 

die  w&rheit  s.  11 275. 
sperwer  stm.  1 75.  6 18. 294. 
spitel  stm.  IO814. 
sprechen  stv.:  sie  sprach  an 
fing  an  zu  spr.  6  8t5 ;  sch&ch 
s.  976. 

Sprichwort  stn.  8475. 
spriezen  stv.  vom  Laub  645; 
bildl.  89. 

sprinc  stm.  Sprung  1 73. 
sprinzen  swv.:  sich  s.  10637. 
stade  sum.  7 13.  ss. 
stabel  stm.  5 102.  IO810;  s. 

trennen  turniereti  lOeii. 
st&n  stv. :  an  st&n  l&zen  *auf- 
schieben  1 1074. 

stat  stf:  8.  yinden  an  einem 
bei  jemandem  etw.  erreichen 
15 116  f.\  an  8.  sogleich  1 454. 
Stsete  stf. :  personif.  (vron)  S. 

lS93U.  Ö.  8 160.  418.  11164.268. 
12  333  U.  Ö.  13  879.  474.  15  73 
U.  Ö. ;  swf.  1  905. 

Stsetikeit  stf. :  personif.  (yron) 
S.  11  162.  860.  13  802. 

^stillen  adv.  (:  willen  dat.) 
7  874. 

streben  suw.:  part.  strebende 
widerwiUig  7  434. 
streichen  suw.:  part.  ge- 
streicbet  nnd  gestrichen 
7  805. 

strltec  adj.:  ein  str.  jeger 
1  623.  14  121. 

stroewln  adj. :  ein  s.  strd  5  870. 
strüch  stm.:  s.  nemen  lOsoe. 
stUcke  stn.:  gnldin  s.  Oold- 
stoff  10  459. 
stddach  stn.  640. 
stunde  stf. :  an  der  s.  6 18.  7  76 ; 
ze  8.  5888;  TÜnf  stnnt  817; 
ninn  stnnt  12638. 


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süberllcbe  adv.  13466. 
subtil  adj-  10307. 

Snnne  f:  personif.  vrou  S. 
11  78. 

stlreu  stn.  8337. 
swanc  stm.  Schicksalsschlag 
9 124;  Schwank  10 1068.1218. 
swatzlinte  pl.  10  277. 
sweigen  suw.  mit  acc.  7  170. 
swerzen  swv.:  sich  s.  bildl. 
521. 

ewigen  stv.:  mit  gen.  der  ge- 
SChiht  B.  1  576.  2  885. 

tabemakel  stm.  10  337. 
tagalt  stf.  11  239. 
tambftre  swf.  5 143. 
tavelmnder  stm.  10 1067. 1105. 
^teingen  ?  subst.  v.  2  406. 
tenör  stm.  1 64. 
terre  stf:  tf  aller  kristen  t. 
10  811. 

terze  stom.  eine  Art  Falke  1 74. 
tittel  stm.  Titel  10  730;  syno¬ 
nym  mit  rim  (gereimte  Auf¬ 
schrift)  1942.953. 

tjost  (jnst)  stf.  10 189. 
tjostieren  (jnstiem)  stn.  10  639. 
tocke  *stf.  (:  rock)  Mütze  10  475. 
tocke  swf.  Puppe  9 101. 
top&sins  m.  l8ii. 
törhaft  adj.  12 174. 
tongen  adv.  8 154  u.  ö. 
tr&cheit  stf.  18363. 
tragen  stv.:  ein  erbe  t.  8208; 

einem  varwe  t.  1 342. 
traz  stm.  Feindseligkeit  2488; 

tmz  and  t.  brächen  10  530. 
trazlich  adj.  10  72. 
tretzen  stn.  2458. 

*tribeln  swv.,  intens,  zu  tiiben : 

die  minne  t.  6109. 
triben  stv.  trans. :  £re  1 973 ; 
hoffart  2454.637;  der  man- 
heit  Bchiben  8  287 ;  der  liebe 
spil  I1177;  rede  10 1214;  die 
wäpen  8515;  den  websel  un¬ 
treu  sein  li786.  12699;  wol- 
nnst  2  549  u.  ö. ;  zno  tr.  Zu¬ 
reden  14390. 

12* 


Original  from 

UNIVERSITY  OF  CALIFORNIA 


180 


Wortverzeichnis. 


Trinwe  stf.:  personif.  (vron) 
T.  1 S9I  U.  Ö.  8  164.  438.  11 151. 
879.  12  429  U.  Ö.  13  66  U.  Ö. 
15  72  U.  Ö. ;  8wf.  1  917. 
trÖBt  stm.  die  Geliebte  1  692. 
tröstlös  adj.  1  226. 
tmmpter  stm.  10  670.602. 
Tugent  stf.:  personif.  vrou 

T.  12  498.  766. 

tfiOD  an.  V.  mit  acc.  u.  infin. 
lassen  8238. 

tftren  stov.:  mich  türet  8362; 

&ne  türen  10  bis. 
tUrhtteter  stm.  lOaos. 
tttrmela  swv.  7  77. 
tnmei  stm.:  einen  t.  nemen 
festsetzen  12667. 
tUmen  strr.  7  sss. 
tnmier  stm.  8252.  10  240. 
tnmieren  svov.  2464.686.  8294 

U. Ö.  10  177.  612. 

tnrren  an.'v.  399.  14  sn  u.  ö. 
tUrteltöbe  swf.  9216. 
tftSCb  stm.  1  1678. 

tAsentvaltic  adj.  lOsii. 

ttbeltmterin  stf.  I417. 
überbrabt  stm.  7  es. 
ttbergesten  stn.  übermäßig 
feiern  IO1048. 
ttbergttften  stn.  lOsis. 
überheben  stv.  mit  acc.  u.  gen. 
•  d.  s.  verschonen  mit  2 10; 

sich  ü.  sich  überheben  2 14. 
ttberic  adj.  übermäßig  1 1539; 
eines  dinges  ü.  (überhoben) 
sin  11876. 

ttberlesten  stov.  lOiose. 
überinst  stm.  14 110. 
übememen  stn.  übermütig 
werden  282. 

überram  stv.  übertreten  1 18I6. 
1818. 

üfsaz  stm.  2 127. 897. 406. 
^nmbesweimen  swv.  10  407. 
nnd  relativisch  3u8’,  temporal 
=  als  12 18. 
ünde  f.  7  e.  9. 

nnderbint  stn.:  &ne  n.  unver¬ 
züglich  8  106. 


nnderrihtunge  stf.  1 746. 
nndervarn  stv.  verhindemlln. 
nnderwlsnnge  stf.  (Nachtr. 

S.  3S4)  1  1693. 

nnendelich  adj.  untüchtig  7  S06. 
"'nnentladen  part.  adj.  5 109; 
s.  die  Anm. 

Unöre  stf.:  personif.  I933. 
nnören  swv.  1 926. 1147. 
angelimpf  stm.  7  363. 
nngemnot  part.  adj.  =  un- 
gemüedet  unermüdlich  1 1&09. 
ungerochen  part.  adj.  1  392. 
ungescbaffen  part.  adj^  un- 
gestalt  2 104. 
nngetrinwe  stf.  I377. 
nngevelle  stn.  1  292. 
nnknnst  stf.  944. 
nnlop  stn.  10  loee.  1070. 
Unmensch  stn.  14476. 
nnminne  stf.  10 1242. 1245. 
unmnoz  stf.  5  364. 
nnsselic  adj.  mit  ze  1 232. 
unsin  stm.  1 1443. 
unsinnec  adj-  8269. 

Unsinnen  strr.  9 175. 

Unstffite  stf.  personif.  11 166. 
untroesten  swv.:  *8ich  u.  ver¬ 
zweifeln  866. 

unverdrozzenlich  adj‘  13441. 
^unTemumfticliche  adv.  1583. 
nnverschamet  part.  adj.  ohne 
Scheu  (rein  lobend)  10  478. 
nnversunnen  pari,  adj-  be¬ 
wußtlos  5  109. 
unTTuht  stf  bildlich  9  14. 
urkunden  swv.  10676. 
urlouben  swv.  verabschieden 
14409;  sich  n.  14403. 
urteil  stn. :  u.  machen  1 437. 
üzleiten  swv.  IO1108. 

*Tächgam  stn.  f'anggam  li902. 
Talke  swm.  1 74  u.  ö.  8  293.  9  82 
14.0.  10  1147.  1247;  als  Sinn¬ 
bild  des  edlen,  verschwie¬ 
genen  Minners  (Gegens.  rabe) 
5  290  u.  ö. 

valsch  stm.  1 333.  2 174.  13  323. 
fantasie  f.  IO17. 76i. 


'  Tar  stf:  sunder  t.  6201. 

T&ren  swv.  mit  gen.  6159. 
v«ric  adj.:  *daz  t.  der  Arg¬ 
wohn,  das  Lauem  (?)  3222. 
Tarn  stv.:  *an  einem  t.  han¬ 
deln  1  369. 

Tart  stf:  alle  t.  immer  15  lu. 
Tederspil  stn.  9  84  u.  ö. 

Teigen  swv.  intrans.  7  266. 

Telt  stn. ;  ze  Telde  Ligen  5 148. 

11 71 ;  sich  ze  t.  slahen  1063. 
Terbem  stv.  unterlassen  5  sss. 
7  290.  9 164 ;  mit  acc.  d.  p. 
verschonen  9881. 

Terbeten  swv.:  almuosen  t. 

2646. 

Terbiten  stv.  verweilen  10937. 
*Terbleffen  swv.  (:  efFen)  6233. 
Terboten  swv.  vorladen  8367. 
Terdäht  part.  adj.  in  Gedanken 
i  7  443. 

!  Terdenken  an.  v.  mit  acc. 

I 

Schlechtes  von  jem.  denken 

12  893. 

Tergaffen  stov.;  Tergafft  stdn 

369. 

Tergeben  stv.  mit  dat.  ver¬ 
giften  8220. 

Tergebene  adv.  zufällig  12  5. 
Tergezzen  stv.:  des  was  mir 

T.  667. 

Tergiz>mtn>niht  Blume  129. 

13  817. 

Tergunnen  an.  v.  mit  dal.  und 
gen.  7862. 

Terhüfen  strv.:  den  conTent 

T.  8  360. 

Terkiuten  vgl.  Terqueden. 
Terl&zen  stv.:  sich  wol  Ter- 
lözen  (:  genözen)  7  479. 
Terlengen  stn.  10  86. 

♦Terlocke  stv.  em  Schiff  7  33 ; 

vgl.  Zs.  47  202  iii. 

Termfisen  stw.:  *8ich  t.  mit 
Schande  bedecketi  10  572. 
Termiden  stv.  fern  sein,  f. 
bleiben  1 916. 

Termügen  an.  v.:  sich  wol  t. 
8229. 

«■Temibeln  stw.  6 101. 


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Wortverzeichnis. 


181 


rernäuftic  (yernfifftig)  adj. 
2  336. 

yerqneden  stv.  1  iioe.  um  Anm. 
yerqneln  sto.  6 13. 
yeiT^ren  stcv.  verlieren  1  iisi ; 
Tuid  wen  dan  sich  verrSrt 
{»ich  endet)  der  Schilde  be- 
diatojige  ‘hnrtir!’,  d.  h. 
wenn  edle  Schilde  mit  dieser 
Bedeutung  vergeben  sind 
10238/1 

yerschemen  swv.  trans.  in 
Schande  bringen  2618- 
yerschrhten  stv.  10748. 
yersinnen  stv.:  sich  y.  wieder 
zum  Bewußtsein  kommen  825. 
yerslahen  stn.  betrügen  2  407. 
yertragen  stv.  mit  dat.  jem. 
verschonen  6291;  y.  stn  mit 
gen.  befreit  sein  von  8291. 
yeitrtteben  swv.  13  isi. 
yertttemen  stör.  6131. 
yertomben  stör.  5220. 
yeryesten  stör.:  part.  yervast 
10  20. 633. 

verwegen  stv.:  sich  y.  mit 
gen.  d.  pers.  15 143 ;  mit  gen. 
d.  8.  sich  entschließen  zu 
9  217 ,  verzichten  auf  12 190. 
verwesen  s(r.:  ein  ambt  v. 
10 1011. 

verwirken  an.  v.  mit  an  1 387. 
verzihen  stv.  mit  dat.  verzeihen 
4 173 ,  versagen  1 1371 ;  ab- 
schlagen  1 1739;  mit  tlf  ver- 
zichten  auf  7  898. 
*yestnifletekeit  stf.  ISsii. 
videl  swf.  5  i4fi. 
finen  stör.  10  sie.  427. 
viol  (feiel)  stm.  11  es. 
visaml  stf.  10  721. 
yinrrot  a4j-  14206. 
yI6  stf.:  in  rehter  v.  bitten 

6642. 

vltzen  str.:  schöne  gevlizzen 
geschmückt  1 126. 
flörieren  stör.:  part.  geflöriert 
1  68.  328. 

*flüwel?  subst.  ein  kostbarer 
Stoff  629. 


vogelhnnt  stm.  15 13. 
volgen  sior.  mit  gen.  d.  s. 

1  1726 ;  *daz  nrteil  was  ge- 
VOlget  1  461. 

VOlleist  stf.  6  136.  8  663.  671. 

Vorht  stf.  personif.  13  285.30c.  1 
formieren  stör.:  part.  gefor- 
miert  1 125.  6  73. 
fortöne  stf.  10 1114. 
yrat  a<^‘.  I119. 
vrech  ac{j.  1 298.  13  425. 
vreischen  an.  r.  8363.  10298. 
vreise  stf.  8  iss. 
yrtbart  (fribet)  stm.  12  799. 
yrinntbsere  ac{j.  467  Anm. 
VTöndentac  stm.  843. 
^’vröndentröst  stm.  86. 

Vrttmkeit  stf. :  personif.  (yrou) 

V.  2  137.  386  t«.  ö. 
fnllemnnt  stmn.  848. 

vnnc  stm.:  der  ören  v.  en- 
phengen  8444. 
vnnt  stm.  8344.  10 1240. 

Vürbaz:  persont/’.  vronV.l966. 
vürleger  stm.  Anwodt  12697. 
yUmemen  stn.  Vermessenheit 

2  98.  3  150. 
fUro  a<tr.  4 143. 

wrnge  adj.:  comp,  wseger  Is??. 
walken  str.  inlrans.  für  wal- 
gen  1  666. 

wan  ac^j.:  der  sinne  w.  612. 
wandeln  stör,  büßen  1 372. 412. 
wanden  =  wenden  stör.  tntr. : 

W.  öf  8  264.  284. 

w&pen  stn.  Ritterstand  8331. 

356;  s.  a.  trlben. 
war  stf.:  w.  tnon  mit  gen. 
13426. 

warf  stn. :  in  manheit  w.  8  667. 
W&rheit  stf.  personif.  8 164. 428. 
wazzerval  stm.  146. 
wec  stm.:  von  wegen,  v. — w. 
mit  gen.  12  609.  14 187 ;  von 
—  wön  (:  verstön)  7  iss ;  von 
mlnen  w.  I995.  1594;  ^von 
wec  abseits  3  43 ;  alwec  adv. 
3206.  13289.  14287;  al Wegen 
1 1682 ;  in  allen  wegen  13  sss. 


wegehaft  adj.  beweglich,  hilf' 
reich  13263;  dafür  wegelich 
a^.  13267. 

wegewarte  f.  Pflanze  13  319. 
wegnnge  stf.  13  S69  u.  ö. 
weidelich  adj.  13  365. 
weinen  sior.  beweinen  1  498. 
weise  stom.  8i36.  994.  10 1191. 
welgen  str.:  her  and  dar  w. 
bildl.  7  449. 

wenden  stör,  anruhren  1  im. 
wert  stm.  Insel  7  es  u.ö. 
wö  stn.  838. 

widergelt  stn.  Erwiderung  der 
Liebe  I526.  4i&e.  8290.  14227. 
widerliebe  stf.  10  ii46.  ii69. 
Widerrede  stf.:  klage  and  w. 
12  683.  706. 

widerstrit  stm. :  &ne  w.  3  is. 
widertnon  an.  r.  wieder  gut 
machen  14 149. 
widerral  stm.  3  463. 
widervart  stf.  9270;  die  w. 
jagen  8645. 

Widerwort  stn.:  rede  und  w. 
12  711. 

^winkelreise  stf.  10 1192. 
wint  stm.  Windhund  15 13. 
wirs  adv.  8  65.  11 92;  wirser 
adj.  526.  8248;  a^tr.  1332o; 
sup.  adv.  am  wUrsten  12 107. 
Wisheit  stf.:  personif.  (vrou) 
W.  2  138.  366.  665. 
witwe  swf.  1 1207.  10 1191.  13468. 
wizzen  an.  r.  oft ;  3.  sg.  praes. 
weist  1  709  U.  Ö.  2  678.  12  267. 
13449;  daz  wizze  Got  3i6i; 
G.  w.  4 113. 
wizzenlicb  ac^j.  8236. 
'"wolbescheidenheit  stf.  9  226. 
wolgemnot  stm.  Pflanze  128. 
wolgetän  part.  adj.  2  366. 
wolkenbmst  8267. 

WOlnUSt  stf.  2649. 

WOlt&t  stf.  101127. 
wort  stn.:  einem  sin  w.  spre¬ 
chen  sstns  Klage  Vorbringen 
12  606. 613.  15  85. 97 ;  ihn  ver¬ 
teidigen  12  684. 691 ;  ze  w.  b&n 
zur  Ausrede  nehmen  1341. 


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182 


Wortverzeichnis. 


zabelcn  stn.  10i2?ä. 

♦zagelheil  subst.  Pflatize  ? 

13  328;  8.  die  Anm. 

*zame  stf.  Gegens.  zu  wilde  9260. 
zelten  swv.  7  4i4.  9  84. 

Zepter  stmn.  8  i2i. 
zertreten  swv.  7 199. 

•  4 

ziehen  stv.:  hin  z.  das  Uber- 
geicicht  erlangen  2  sss.  38o; 
daz  lop  hin  z.  2  lei. 


zihen  stv.  beschuldigen  4  79 ; 
mit  doppeltem  acc.  Sau. 

'  Zirkel  stm.  10  u. 

zit  stf.:  bi  den  ztten  damals 
Oeo;  £  ziten  vor  der  Zeit 
13274. 

zitieren  strr.  2s39. 
zol  stm.:  der  minne  z.  zollen 
10  1284  f. 

Zorne  adv.:  z.  tnon  mit  dat. 


1 218 ;  ez  ist  mir  z.  es  tut 
mir  leid  9  i94.  i7i. 

Zuht  stf:  personif.  (vron)  Z. 
1  403  U.  Ö.  12  430  tt.  Ö.  13  287 
14.  Ö. 

zweien  swo.  entscheiden  Ii7i6; 
refl.  waz  sich  zweiet  daz 
drlet  sich  gern  1  iis7. 


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BericTUigv/ngen, 

S.  13  Vers  710  lies  ich  statt  ish. 

„17  „  895  „  Adams  statt  adams. 

„  17  „  905  setze  statt  des  Semikolons  einen  Doppelpunkt. 

„17  „  907  setze  das  Häkchen  vor  v.  906. 

„33  „  1795  lies  pfidich  statt  Pfidich. 

„  96  „  26  streiche  das  Komma  hinter  gebejm. 

„  115  Anm.  zu  v.  81  ergänze:  clarS  aus  clarSs. 


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Druck  von  Ehrhardt  Karras,  Halle  a.  S. 


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Deutsche  Texte  des  Mittelalters.  XXIV 


Tafel  I 


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Heidelberg  Cod.  Palat.  gerni.  344  Bl.  1 

llung,  I^uSW.  I  _  Lichtdiuck  von 


ÄHtf  W  filiBOtV  Bcilin  \V. 

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Deutsche  Texte  des  Mittelalters.  XXI\^. 


t 


Heidelberg  Cod.  Palat.  germ.  376  Bl.  88'^. 

Weidiiiannschc  Buclihati'llnng,  Berlin  SW. 


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Tafel  II. 


45* OcAVtU^ainZ,  /tMi^ 

Iyst4>4ji^i4r  A^üf  ‘'fffAftffti 

ftnc 

‘VAa^'Sa-  /V«fl%»«sa| 

S^V^fpSu,^»^ 

‘'iP»S  ^ikt^ fvAiCZt^n 

H>  6<ui«^  .CM^  ßc»^ 

ypf*Q 'WA^  ti^  nitat>Yti 
"^‘1^  Aä<^rrtfic#j 

te<*M  tvi^  >t>  il«^*»»8li:^/ 

rfu,P^*^  'ViJtticClny» 

^  f^sySc«  iMic^ 


Heidelberg  Cod  Palat.  germ.  358  Bl.  1 1S'', 


Lichtdruck  von  Albert  Frisch,  Berlin  W. 


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Deutsche  Texte  des  Mittelalters.  XXIV. 


Tafel  111. 


I 


Heidelberg  Cod.  Palat.  germ.  393  Bl.  32^ 

Weidraannscbe  Buchhandtani;,  Berlin  SW.  Lichtdruck  von  Albert  Frisch.  Berlin  W. 


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1 


Verlag  der  Weidmannsclien  Buchhandlung  in  Berlin  SW.  68. 


Deutsche  Texte  des  Mittelalters 

beraimlien  m  der  Eiiiüiilicti  Freessisclieg  Mademle  der  Visseesclialtea. 

I.  Band:  Friedrich  von  Schwaben.  Aus  der  Stuttgarter  Handschrift  herausgegeben  von  Ma^ 

Hermann  Jellinek.  Mit  einer  Tafel  in  Lichtdruck,  gr.  Lex.  8.  (Xlfli  u.  127  S.)  1904 

Geh.  4.40  M  ' 

II.  Band:  Rudoifs  von  Ems  Willehalm  von  Orlens.  Herausg.  von  Victor  Junk.  Mit  3  Tafeln 

in  Lichtdruck,  gr.  Lex.  8.  (XLUl  u.  277  S.)  1905 . Geh.  10  M.  ' 

III.  Band:  Johanns  von  WQrzburg  Wilhelm  von  Österreich.  Herausg.  von  Ernst  Regel.  Mi: 

2  Tafeln  in  Lichtdruck,  gr.  Lex.  8.  (XXII  u.  334  S.)  1906 . Geh.  10  M 

IV.  Band:  Die  Lehrgedichte  der  Melker  Handschrift.  Hcrausgegeben  von  Albert  Leitzmann 

Mit  einer  Tafel  in  Lichtdruck,  gr.  Lex.  8.  (XIV  u.  55  S.)  1904 . Geh.  2.40  M 

V.  Band:  Volks«  und  Gesellschaftslieder  des  15.  und  16.  Jahrhunderts.  1.  Die  Lieder  der  Heidel¬ 

berger  Handschrift  Pal.  343,  herausgegeben  von  Arthur  Kopp.  Mit  einer  Tafel  in  Licht¬ 
druck.  gr.  Lex.  8.  (XVIII  u.  254  S.f  1905 . Geh.  7.60  M. 

VI.  Band:  Elsbeth  Stagei,  Das  Leben  der  Schwestern  zu  Töß.  Herausgegeben  von  Ferdinand 

Vetter.  Mit  2  Tafeln  in  Lichtdruck,  gr.  Lex.  8.  (XXVI  u.  132  S.)  1906.  .  .  Geh.  5  M 

VII.  Band:  Die  Werke  Heinrichs  von  Neustadt.  Herausgegeben  von  Samuel  Singer.  Mit3Tafel.T  1 

in  Lichtdruck,  gr.  Lex.  8.  (XIII  u.  534  S.)  1906 . Geh.  15  M  | 

VIII.  Band:  Heinrich  von  Hesler,  Apokalypse.  Aus  der  Danziger  Handschrift  herausgegeben  von 

Karl  Helm.  Mit  2  Tafeln  in  Lichtdruck,  gr.  Lex.  8.  (XX  u.  414  S.  1907.  .  Geh.  12  .M. 

IX.  Band:  Tilos  von  Kulm  Gedicht  von  siben  Ingesigeln.  Aus  der  Königsberger  Handschrift  herau<- 

gegeben  von  Karl  Kochendörffer.  Mit  einer  Tafel  in  Lichtdruclc.  gr.  Lex.  8.  (XII  n. 
110  S.)  1907 . Geh.  3.60  M. 

X.  Band:  Der  sog.  St.  Georgener  Prediger.  Aus  der  Freiburger  und  der  Karlsruher  Handschrift 

heraiisgegeben  von  Karl  Rieder.  Mit  2  Tafeln  in  Lichtdruck,  gr.  Lex.  8.  (XXIV  u. 
383  S.)  1908 . Geh.  15  M. 

XI.  Band:  Die  Predigten  Taulers.  Aus  der  Engelberger  und  der  Freiburger  Handschrift  sowie 

aus  Schmidts  Abschriften  der  ehemaligen  Straßburger  Handschriften  herausgegeben  vor. 
Ferdinand  Vetter,  gr.  Lex.  8.  (XVI  u.  518  S.)  1910 . Geh.  18  M 

XII.  Band :  Die  Meisterlieder  des  Hans  Foiz.  Aus  der  Münchener  Originalhandschrift  und  anderen 

.  Quellen  herausgegeben  von  August  L.  Mayer.  Mit  2  Tafeln  in  Lichtdruck,  gr.  Lex.  8.  | 
(XXII  u.  438  S.)  1908 . Geh.  16.60  M  ' 

XIII.  Band:  Der  große  Alexander.  Aus  der  Wernigeroder  Handschrift  herausgegeben  von  Gustav 

Guth.  Mit  2  Tafeln  in  Lichtdruck,  gr.  Lex.  8.  (XIII  u.  102  S.)  1908.  .  .  .  Geh.  4  M. 

XIV.  Band:  Die  sog.  Wolfenbüttler  Priamelhandschrift.  Hcrausgegeben  von  Karl  Euling.  Mit  einer 

Tafel  in  Lichtdrück,  gr.  Lex.  8.  (XVIII  u.  243  S.)  1908. . Geh.  9  .'1. 

XV.  Band:  Die  Lilie,  eine  mittelfränkischc  Dichtung  in  Reimprosa,  und  andere  geistliche  Gedichte. 

aus  der  Wiesbadener  Handschrift  herausgegeben  von  Paul  Wüst.  Mt  einer  Tafel  in 
Lichtdruck,  gr.  Lex.  8.  (XXX  u.  90  S.)  1^9 . Geh.  4.60  M. 

XVI.  Band:  Die  heilige  Regel  für  ein  vollkommenes  Leben,  eine  Cisterzienserarbeit  des  XIII.  Jahr¬ 

hunderts,  aus  der  Handschrift  Additional  9048  des  British  Museum  herausgegeben  von  Robert 
Priebsch.  Mit  einer  Tafel  in  Lichtdruck,  gr.  Lex.  8.  (XXII  u.  104  S.)  1909.  Geh.  5  .M. 

XVII.  Band:  Die  Heidelberger  Handschrift  cod.  Pal.  germ.  341.  Herausgegeben  von  Gustav  Rosen¬ 

hagen.  Mit  zwei  Tafeln  in  Lichtdruck,  gr.  Lex.  8,  (XLl  u.  251  S.)  1909.  Geh.  10.60  M. 

XVIII.  Band:  Gundackers  von  Judenburg  Christi  Hort.  Aus  der  Wiener  Handschrift  herausgegeben  von 

J.  Jakschc.  Mit  einer  Tafel  in  Lichtdruck,  gr.  Lex.  8.  (XVIII  u.  92  S.)  1910.  Geh.  4  M. 

XIX.  Band:  Die  poetische  Bearbeitung  des  Buches  Daniel.  Aus  der  Stuttgarter  Handschrift  heraus- 

gegeben  von  Arthur  Hübner.  (XXII  u.  162  S.)  1911 . Geh.  6.60  iM. 

XX.  Band:  Rudolfs  von  Ems  Weltchronik.  Aus  der  Wernigeröder  Handschrift  herausgegeben  von 

Gustav  Ehrismann.  (Im  Druck.) 

XXL  Band:  Die  mitteldeutsche  poetische  Paraphrase  des  Buches  Hiob.  Aus  der  Handschrift  des 

Königl.  Staatsarchivs  zu  Königsberg  herausgegeben  von  T.  E.  Karsten.  Mit  zwei  Tafeln 
in  Lichtdruck.  gr.;Lex.  8.  (XLVu.279S.)  1910 . Geh.  11.60  M 

XXII.  Band:  Das  Väterbuch.  Aus  der  Leipziger  Handschrift  mit  Ergänzungen  aus  der  Hildesheimer 

und  Straßburger  Handschrift  herausgegeben  von  Karl  Reissenberger.  (Im  Druck.) 

XXIII.  Band:  Konrads  von  Megenberg  Deutsche  Sphaera.  Aus  der  Münchener  Handschrift  heraus¬ 
gegeben  von  Otto  Matthae i.  Mit  15  Textabbildungen  und  2  Tafeln  in  Lichtdruck, 
gr.  Lex.  8.  (XIV  u.  63  S.)  1912 . Geh.  3.60  M, 

XXIV. Band:  Mittelhochdeutsche  Minnereden.  Die  Heidelberger  Handschriften  344,  358,  376  und  39-3 

Herausg.  v.  Kurt  Matthaei.  Mit  3  Tafeln  In  Lichtdruck,  gr.  Lex.  8.  (XVI  u.  182  S.)  1913. 


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